HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 204 / 2005 vom 23.10.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autor:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

DAS FOLGENDE INTERVIEW

(hfs) führte Hermann Schulze, DL1EEC, diese Woche am 20. Oktober mit Johannes Heep, DJ5DM, Vorsitzender des DARC-Ortsverbands Willich (R17).

DL1EEC

Johannes, was bewegt Dich und Deinen Vorstand im Ortsverband, gegen den eigenen Verein – speziell gegen dessen Satzung – gerichtlich vorzugehen?

DJ5DM

Unsere Aktivitäten richten sich nicht gegen den DARC an sich. Unsere Mitglieder aus dem Ortsverband R17 sind zum Teil schon 50 Jahre dabei und fühlen sich auch wohl. Alle unsere Überlegungen drehen sich um die Satzung des Vereins – und wenden sich damit auch gegen die Führungsriege.

DL1EEC

Johannes, warum gegen die Führung des DARC?

DJ5DM

Der Verein hat keine Antworten auf die Fragen der Zukunft. Das macht sich fest an etwa 13.000 Austritten in den letzten Jahren. In der Folge haben sich die Einnahmen des Vereins um etwa zwei Millionen Euro verringert. Schauen wir zum Beispiel auf die Sache Häfner: Kopflosigkeit überall und 700.000 Euro zusätzliche Kosten.

Im Bereich der Steuern bahnt sich weiteres Ungemach an. Wegen der unendlichen Weisheit unserer Führungsriege sind wir gerade dabei, unsere Gemeinnützigkeit zu verlieren. Der Verein legt dem Finanzamt Kassel seit Jahren falsche Zahlen vor. Die vorhandenen Gelder der Ortsverbände sind dort nicht in der Steuererklärung vermerkt. Wenn dem tatsächlich so ist, wäre in der Folge automatisch die Gemeinnützigkeit dahin. Besonders konzeptlos wirkt die Vereinsführung in der Amateurrats-Info 2005/03. Dort sind auf Seite 8 Überlegungen im Gange, sich die Gelder der Ortsverbände unter den Nagel zu reißen.

DL1EEC

Johannes, hat denn das einzelne Mitglied Deines Ortsverbands keine Möglichkeit, Einfluss auf die Entscheidungen der Vereinsführung zu nehmen?

DJ5DM

Nein, Hermann, es gibt derzeit keinen Einfluss auf die Vereinsführung und somit auch keinen Einfluss auf die Missstände.

DL1EEC

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, geht es Dir nicht um den Vereinsservice, sondern um den Einfluss der Mitglieder auf die grundsätzlichen Entscheidungen Deiner Vereinsführung. Ist denn laut Satzung dem einzelnen Mitglied in der Mitgliederversammlung – will heißen Amateurrat – ein Einfluss nicht möglich? Was willst Du in diesem Zusammenhang konkret erreichen?

DJ5DM

Nein, das einfache Mitglied kann im Amateurrat nicht einmal mittelbar Einfluss ausüben, aber ich will das für alle DARC-Mitglieder erreichen. Heute haben wir zwei unabhängige und vom Mitglied völlig entkoppelte Ebenen von freien und weisungsungebundenen Amtsträgern – die OVVs und die DVs. Das soll sich ändern: Jedes Mitglied soll die Delegierten der Mitgliederversammlung wählen – und natürlich die Kandidaten auch vorschlagen dürfen! Die Bestimmung, dass der Amateurrat die Mitgliederversammlung darstellt, soll dazu vom Gericht für nichtig erklärt werden.

DL1EEC

Johannes, wie beurteilst Du die Zukunft des Amateurfunkdienstes in Deutschland ohne den Hintergrund eines Vereinswesens, vielleicht lediglich auf der Basis des Amateurfunkgesetzes, seiner Rechtsverordnung und des vielbeschworenen Ham Spirits?

DJ5DM

Ich komme aus dem traditionellen Lager. Ich habe aber gelernt, dass man aus der Vergangenheit das Gute mitnehmen muss und für die Zukunft sich Veränderungen nicht verschließen darf.

Johannes, vielen Dank für dieses Interview.

Mehr Informationen – u.a. Original-Schriftsätze und Kontaktmöglichkeiten – finden Sie auf der Website von Johannes unter

www.dj5dm.amyju.com/


EIN ESSAY

(hfs) zur Zukunft des Amateurfunkdienstes oder – hat er sie überhaupt? Projiziert man die Entwicklung der vernetzten Kommunikationsgesellschaft zwanzig Jahre in die Zukunft, dann stehen die Signale klar auf Nowire statt auf die derzeit noch boomende drahtgebundene Technik.

WLAN und WiFi sind nur ein kleiner Anfang. Sie werden den Frequenzhunger auslösen, der erst beim "Essen" kommt. Dieses Szenario bezieht sich derzeit auf die lokalen kleinen Netzwerke, die als Beigabe der Grundausrüstung für einen Breitbandanschluss dienen werden. Das bedeutet, dass die letzte Meile – will heißen die letzten Meter in der eigenen Wohnung – heute schon nicht mehr drahtgebunden, sondern drahtlos vom Anwender gebrückt wird.

Wenn zwischen Laptops, Netzwerkrechnern und Servern keine Kabel mehr die Daten transportieren, sondern Nowire-Verbindungen zum Standard mutieren, dann wird der Amateurfunkdienst nicht nur bei 2,4 und 5,6 GHz unter die Räder kommen, sondern auch auf allen anderen Frequenzen, die sich für den Kurzstreckenfunk ihrer Bandbreite wegen eignen. Langfristig werden wir auf unseren 2-Meter- und 70-Zentimeterfrequenzen hocken bleiben, wenn überhaupt.

Ein anderer Aspekt ist die Projektion von DVB-T. Hier speist ein zwar noch kleiner "Mainstream" die Empfänger in Computern in Form von PCI-Karten oder USB-Sticks, die nichts mehr mit einer analogen Übertragungstechnik zu tun haben. Dieser Mainstream überträgt derzeit Ton, Text und Bild. Dass es keine reinen Audioprogramme gibt, liegt eher an den Rundfunkanstalten als an der Funktionalität von DVB-T.

Folgt man jetzt nur noch ein Stück des Weges den Visionären, dann bastelt die Industrie an einem gigantisch breiten digitalen Mainstream, der alle Kommunikationsformen enthält und dessen Möglichkeiten lediglich durch die Fähigkeiten der Ein- und Ausgabegeräte beschränkt sein wird.

Das bei Perry Rhodan vorausgesagte Intercom nähme dann realistische Gestalt an und wäre tatsächlich der intergalaktische Kommunikationsstandard. Lächeln Sie nur, denn die weltumspannende Vernetzung der Funkamateure auf Kurzwelle mittels Winlink haben Sie 1985 auch nicht erwartet. Dennoch haben ein paar Funkamateure um DJ8CY es damals bereits praktiziert – mit einer Amtor-Mailbox – und wie wurden sie seinerzeit belächelt ... Heute ist Winlink mit Pactor-Level-III kommerzieller und behördlicher Standard, Stichwort "Kielradio" und seine Kurzwellen-Internetanbindung für Schiffe: eine Technologie, die letztlich allein dem Amateurfunk entstammt.

Nur – was bedeutet das für den Amateurfunkdienst? Die Ressourcen für analoge Frequenzen werden dahin schmelzen wie Butter in der Sonne und die Behörde wird mit den Funkamateuren so umgehen, wie man eben den Aschenbecher morgens leert. Es wird möglicherweise lediglich die Kurzwelle übrig bleiben und vielleicht gelingt es uns Funkamateuren, dort einen Mainstream aufzubauen, in dem wir alle dann Platz haben werden. Aber – so wie es heute ist, wird’s nie mehr wieder sein.

Eines habe ich schließlich noch vergessen: Der Amateurfunkdienst verliert mit einem Mainstream auch seine Jungfräulichkeit: Er wird digital!

Hermann, DL1EEC


IN EIGENER SACHE

(hfs) HamRadio 2day wird heute am Vormittag nur von Wassenberg aus gesendet, weil DL1EEC erst abends wieder aus Paris zurück ist. Sie hören HamRadio 2day aus Wermelskirchen ersatzweise am Sonntagabend auf den folgenden Frequenzen und zu den folgenden Uhrzeiten in Ortszeit:

19:30 – 145,600 MHz
19:45 – 145,725 MHz
20:00 – 145,675 MHz
20:15 – 439,325 MHz
20:30 – 438,775 MHz
20:45 – 145,450 MHz
21:00 – 145,700 MHz


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) Die einzigen Gipfelgespräche, die wirklich einen Sinn haben, sind die der Alpinisten ...

Quelle: Luis Trenker


Vy 73,
Hermann, DL1EEC