HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 205 / 2005 vom 30.10.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

"FUNK" SUCHT NEUEN VERLEGER

(hfs) HamRadio-2day-Redakteur Hermann Schulze sprach diese Woche am 26. Oktober mit Ulrich Plöger, einem der Herausgeber der Fachzeitschrift "funk" beim vth-Verlag in Baden-Baden. Die interessante Nachricht dieses Gesprächs: Wegen des zu verzeichnenden Marktrückgangs im Amateurfunkumfeld will der Verlag sich mittelfristig vom Produkt "funk" trennen. Laut Plöger laufen bereits Verkaufsverhandlungen.


NETZAGENTUR LEGT NACH

(rps) Die Bundesnetzagentur präzisiert die Modalitäten der Erteilung von Clubstationsrufzeichen mit einstelligem und mit vier- bis siebenstelligem Suffix. In Mitteilung 259/2005 ihres aktuellen Amtsblatts Nr. 20 stellt die Behörde noch einmal wiederholend klar, dass Rufzeichen mit vier- bis siebenstelligem Suffix auf maximal ein Jahr und solche mit einstelligem Suffix auf höchstens fünf Jahre befristet werden.

Neu soll sein, dass Anträge auf Zuteilung frühestens drei Monate und spätestens einen Monat vor Beginn des gewünschten Zuteilungszeitraums gestellt werden dürfen. Während die Einmonatsfrist jederzeit mit Gründen des Verwaltungsablaufs gerechtfertigt werden kann, dürfte die Dreimonatsfrist einer rechtlichen Prüfung allerdings nicht standhalten. Sie stellt in Sicht der AGZ eine unzulässige Beschneidung des Antragsrechts aus Amateurfunkgesetz und -verordnung dar, die beide hier keine Fristen kennen. Bekanntlich ist ein Amtsblatt nicht bindend für den Bürger, wenn es Rechte einschränkt. Betrachten wir das Ganze also besser nur als unverbindlichen Wunsch der Mitarbeiter der Netzagentur.

Schließlich stellt die Netzagentur noch klar, dass Anträge auf eine "Vorreservierung" eines Rufzeichens nicht zulässig sind und dem entsprechend abgewiesen werden und dass die Gebühr für die Rufzeichenzuteilung auf den ersten Tag der Gültigkeitsdauer bezogen wird. Wir erinnern uns: Diese Gebühren werden am 1. Januar der Jahre 2006 und 2008 spürbar angehoben.


CEPT EMPFIEHLT 40-METER-ERWEITERUNG

(rps) In der druckfrischen ECC-Empfehlung (05)05 legt die Vereinigung der europäischen Telekommunikationsverwaltungen ihren Mitgliedsstaaten nahe, ab sofort den Frequenzbereich 7100 bis 7200 kHz für den Amateurfunkdienst frei zu geben. Die Nutzung soll Sekundärstatus haben und die Senderausgangsleistung soll 24 dBW – das sind 251 Watt – nicht überschreiten.

Auf eine schnelle Erweiterung dürfen wir indes in Deutschland nicht hoffen. Grundlage aller Frequenzen auch im Amateurfunk ist die so genannte Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung. Amateurfunkgesetz und Verordnung alleine können keine Frequenzzuweisungen vornehmen.

Zwar ist das erweiterte 40-Meterband im Ministerium bereits im hausinternen Referentenentwurf eines neuen Frequenzbereichszuweisungsplans enthalten; bis der allerdings in Kraft treten kann, dürfte es Sommer nächsten Jahres werden. Der Grund liegt wieder einmal in den im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehr schwerfälligen und unflexiblen rechtlichen Rahmenbedingungen und den dort vorgeschriebenen Abstimmungsverfahren – unter anderem mit dem Bundesrat. Dieses Mal kommt zusätzlich noch die Bildung einer neuen Bundesregierung mit der Restrukturierung vieler Ministerien hinzu, die ebenfalls gefragt werden müssen. Haben wir also Geduld – leider.


FLÜGELKAMPF

(hfs) In HamRadio 2day Ausgabe 203 berichteten wir auf der Basis eines Newsletters von Rhein-Kreis-Regio-Net vom 9. Oktober, dass die Bundesnetzagentur im CB-Funk plane, mittels Internet vernetzte Fonieausgaben auf dessen Packet-Radio-Datenkanäle zu "verbannen". Autor war Michael mit der Bezeichnung DPB214@DBX214.

Die Redaktion von HamRadio 2day bekam in Folge Kommentare von Jürgen Walter, DFD88, und Michael Vogl, DB1MV, mit der Bitte um Richtigstellung, dass der CB-Funk von der Netzagentur überreguliert werde. Nichts anderes hatten wir aber in HamRadio 2day Nr. 203 eindeutig dargelegt.

Im Amateurfunkdienst kenne ich solche Verhaltensstrukturen genau anders herum. Da wollen die Lobbyisten des RTA oft restriktivere Regulierungen als die Behörde sie vorschlägt. Aus den Kommentaren von Michael Vogl und Jürgen Walter kann ich bei bestem Willen nur herauslesen, dass es auch in den Lobbyvertretungen des CB-Funks sowohl heftige Flügelkämpfe als auch "nichtöffentliche" Verhandlungsergebnisse gibt.


DAS FOLGENDE INTERVIEW

(hfs) führte Hermann Schulze, DL1EEC, am 20. Oktober mit Johannes Heep, DJ5DM, Vorsitzender des DARC-Ortsverbands Willich (R17).

DL1EEC

Johannes, was bewegt Dich und Deinen Vorstand im Ortsverband, gegen den eigenen Verein – speziell gegen dessen Satzung – gerichtlich vorzugehen?

DJ5DM

Unsere Aktivitäten richten sich nicht gegen den DARC an sich. Unsere Mitglieder aus dem Ortsverband R17 sind zum Teil schon 50 Jahre dabei und fühlen sich auch wohl. Alle unsere Überlegungen drehen sich um die Satzung des Vereins – und wenden sich damit auch gegen die Führungsriege.

DL1EEC

Johannes, warum gegen die Führung des DARC?

DJ5DM

Der Verein hat keine Antworten auf die Fragen der Zukunft. Das macht sich fest an etwa 13.000 Austritten in den letzten Jahren. In der Folge haben sich die Einnahmen des Vereins um etwa zwei Millionen Euro verringert. Schauen wir zum Beispiel auf die Sache Häfner: Kopflosigkeit überall und 700.000 Euro zusätzliche Kosten.

Im Bereich der Steuern bahnt sich weiteres Ungemach an. Wegen der unendlichen Weisheit unserer Führungsriege sind wir gerade dabei, unsere Gemeinnützigkeit zu verlieren. Der Verein legt dem Finanzamt Kassel seit Jahren falsche Zahlen vor. Die vorhandenen Gelder der Ortsverbände sind dort nicht in der Steuererklärung vermerkt. Wenn dem tatsächlich so ist, wäre in der Folge automatisch die Gemeinnützigkeit dahin. Besonders konzeptlos wirkt die Vereinsführung in der Amateurrats-Info 2005/03. Dort sind auf Seite 8 Überlegungen im Gange, sich die Gelder der Ortsverbände unter den Nagel zu reißen.

DL1EEC

Johannes, hat denn das einzelne Mitglied Deines Ortsverbands keine Möglichkeit, Einfluss auf die Entscheidungen der Vereinsführung zu nehmen?

DJ5DM

Nein, Hermann, es gibt derzeit keinen Einfluss auf die Vereinsführung und somit auch keinen Einfluss auf die Missstände.

DL1EEC

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, geht es Dir nicht um den Vereinsservice, sondern um den Einfluss der Mitglieder auf die grundsätzlichen Entscheidungen Deiner Vereinsführung. Ist denn laut Satzung dem einzelnen Mitglied in der Mitgliederversammlung – will heißen Amateurrat – ein Einfluss nicht möglich? Was willst Du in diesem Zusammenhang konkret erreichen?

DJ5DM

Nein, das einfache Mitglied kann im Amateurrat nicht einmal mittelbar Einfluss ausüben, aber ich will das für alle DARC-Mitglieder erreichen. Heute haben wir zwei unabhängige und vom Mitglied völlig entkoppelte Ebenen von freien und weisungsungebundenen Amtsträgern – die OVVs und die DVs. Das soll sich ändern: Jedes Mitglied soll die Delegierten der Mitgliederversammlung wählen – und natürlich die Kandidaten auch vorschlagen dürfen! Die Bestimmung, dass der Amateurrat die Mitgliederversammlung darstellt, soll dazu vom Gericht für nichtig erklärt werden.

DL1EEC

Johannes, wie beurteilst Du die Zukunft des Amateurfunkdienstes in Deutschland ohne den Hintergrund eines Vereinswesens, vielleicht lediglich auf der Basis des Amateurfunkgesetzes, seiner Rechtsverordnung und des vielbeschworenen Ham Spirits?

DJ5DM

Ich komme aus dem traditionellen Lager. Ich habe aber gelernt, dass man aus der Vergangenheit das Gute mitnehmen muss und für die Zukunft sich Veränderungen nicht verschließen darf.

Johannes, vielen Dank für dieses Interview.

Mehr Informationen – u.a. Original-Schriftsätze und Kontaktmöglichkeiten – finden Sie auf der Website von Johannes unter

www.dj5dm.amyju.com/


Vy 73,
Hermann, DL1EEC