HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 209 / 2005 vom 27.11.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

FUNK WIRD FUNKAMATEUR

(hfs) Wie Sie dem Editorial der Zeitschrift "Funkamateur" Ausgabe 12/2005 entnehmen können, versucht deren Verleger namens "Box 73 Amateurfunkservice GmbH" die Abonnenten der "funk" im "Funkamateur" auf 16 Seiten zu integrieren. Marketingziel muss wohl sein, die Abonnenten der "funk" an den "Funkamateur" zu binden und somit die Auflage um mindestens 10.000 Exemplare zu steigern. Der "Funkamateur" käme dann auf eine verkaufte Gesamtauflage von 35.500 Heften – und damit in Schlagweite zur CQ DL, die laut Impressum eine Druckauflage von 47.000 zeigt, was aber nicht als verkaufte Gesamtauflage anzusehen ist. Diese liegt um mindestens 5.000 Exemplare niedriger.

Die Grauzone der Doppel-Abonnements ist dabei allerdings für die Marketingstrategen der "Box 73 Amateurfunkservice GmbH" zahlenmäßig derzeit nicht greifbar. Es scheint eine erhebliche Zahl von Personen zu geben, die sowohl den "Funkamateur" als auch die "funk" abonniert haben und die jetzt das "funk"-Abo stornieren werden. Sauer aufstoßen könnte auch die Tatsache, dass die "funk" ihre Abonnenten für 2006 bereits im Vorfeld "abkassierte", obwohl die Verantwortlichen vom geplanten Verkauf ihres Produktes zu dem Zeitpunkt bereits gewusst haben müssen.

Bezieher der "funk" können nach der jetzigen Sach- und Rechtslage ihr Abo wegen Wegfall des Geschäftsvorganges kündigen und die Restsumme sich auszahlen lassen.


WIEDER SCHLECHTE KARTEN FÜR BUNDESNETZAGENTUR

(rps) Erneut wird zum Sturm gegen die Frequenznutzungsbeiträge geblasen – mit guten Erfolgsaussichten: Am letzten Montag, den 21. November, fand vor der 11. Kammer des Verwaltungsgerichts Köln eine mündliche Verhandlung mit mehr als 30 Klägern gegen die Bundesnetzagentur statt. HamRadio 2day war für Sie vor Ort. Rundfunkanstalten, Flugfunker, CB-Funker, Funkamateure und Industriefirmen wie Daimler-Benz Aerospace und Digitalradio Südwest zweifelten die Rechtmäßigkeit der ergangenen TKG-Beitragsbescheide für die Jahre 1998 bis 2002 an.

Die Bescheide für die Jahre 1998 und 1999 hielt das Gericht bereits von vorne herein für rechtswidrig, weil aus den beigezogenen Akten der Netzagentur und des Wirtschaftsministeriums hervor ging, dass die Behörde hier nicht etwa die tatsächlich angefallenen Aufwendungen in Rechnung stellte, sondern die im Vergleich zu den Schätzungen der Vorjahre festgestellten enormen Abweichungen von bis zu 900 Prozent nach oben und nach unten einfach "glättete", um offenbar nicht in erhebliche Begründungsnot zu kommen. Dies entspräche nicht dem Gesetzesauftrag – und damit seien die Forderungen nichtig. Die anwesenden Vertreter der Bundesnetzagentur vom Rechtsreferat in Mainz wollten sich dazu erst gar nicht äußern. Sie nahmen die strittigen Bescheide insbesondere auch nicht zurück – entgegen der Empfehlung des Gerichts. Es wird also ein Urteil geben – zu Lasten der Netzagentur und damit zu Lasten der Steuerzahler.

Zu den TKG-Beitragsbescheiden für die Jahre 2000 bis 2002 äußerte sich das Verwaltungsgericht folgendermaßen: Aus den von der Netzagentur alleinig übergebenen mehr als 700 Seiten umfassenden Detail-Belegen zur Kostenrechnung ist das Gericht nicht schlau geworden. Sie seien nicht nachvollziehbar und nicht transparent. Das Gericht könne nicht erkennen, wie sich die Beiträge zusammensetzen. Was bei der Straßenreinigung möglich sei, müsse doch auch im Funkwesen machbar sein.

Daraufhin wurde der Behörde bereits im Sommer dieses Jahres vier Monate Zeit gegeben, weitere Informationen im Sinne der Position des Gerichts nachzuschieben. Dem wurde allerdings einfach nicht entsprochen. Der Vorsitzende der 11. Kammer führte kritisch aus, dass das Gericht ein solches prozessuales Verhalten von einer Bundesbehörde nicht gewohnt sei. Er äußerte sein komplettes Unverständnis für die Untätigkeit der Bundesnetzagentur und die absolute Passivität des übergeordneten Bundesministeriums für Wirtschaft, das nun endlich auf den Plan treten müsse. Ein Nachschieben von Information sei zwar auch in der nächsten Instanz noch möglich, ginge aber eindeutig finanziell zu Lasten der Kläger, denn schließlich seien vier Monate lang genug gewesen, um dies schon in der ersten Instanz zu leisten.

Das Gericht fasste am Ende den Beschluss, der Bundesnetzagentur Zeit bis zum 12. Dezember 2005 um 12:00 Uhr Mittags zu geben, das Zustandekommen der Frequenznutzungsbeiträge nachvollziehbar und transparent zu erläutern. Dabei könne eine Stellungnahme der Netzagentur alleine nicht ausreichen; das Gericht verlangte zusätzlich innerhalb dieser Frist von nur drei Wochen eine entsprechende Erläuterung des Ministeriums, das die Beitragsverordnung ja schließlich erlassen habe. Eine Fristverlängerung schloss die 11. Kammer von vorne herein jetzt schon aus. Am 16. Dezember um 09:00 Uhr ist dann die Urteilsverkündung. Wir bleiben dran.

P.S.: Am 3. März 2006 steht in Köln eine weitere bestimmt nicht minder interessante mündliche Verhandlung an: Thema sind die ebenfalls beklagten EMV-Beiträge.


LESERBRIEFE

(red) Nils Schiffhauer schreibt uns am 24. November:

"Mit dem 30.11. geht DK8OK QRT. Ich habe meine Amateurfunkgenehmigung mit Wirkung von diesem Datum an zurückgegeben und werde mich nur noch im beruflichen Rahmen zum Thema 'Amateurfunk' äußern.

Die Gründe dafür sind einfach: Seit ich 1968 als SWL startete, interessierte mich vor allem die Länderjagd, die ich dann als Funkamateur über das gesetzte Ziel 'Honor Roll' hinaus fortsetzte. Dieses Ziel ist erreicht. Mit über 200 Ländern, die ich mit 10 W EIRP erreichte, habe ich gezeigt, dass auch mit geringen Sendeleistungen gutes DX möglich ist. Mehr war nicht beabsichtigt.

Ich werde mich mit meinem kleinen Antennenpark – unter anderem einer Fullsize-Loop für 40 m, umschaltbar zwischen vertikaler und horizontaler Polarisation – jetzt wieder dem SWLing zuwenden und verstärkt die neuen DSP-Möglichkeiten (SDR-14) nutzen, um ein wenig mehr über die Kurzwellenausbreitung zu erfahren.

In den vergangenen Jahren habe ich sehr viele nette Funkamateure kennen gelernt; das gemeinsame Hobby stand gar am Beginn mancher Freundschaft. Und es hat mir Spaß gemacht, auch gegen erhebliche Widerstände aus dem eigenen Lager, den Amateurfunk und sein Ansehen in der Öffentlichkeit voranzutreiben. Beispielsweise, indem ich 26 Jahre lang in der Fachzeitschrift 'funk' (aber nicht nur dort) Beiträge veröffentlichte. Nun fehlen mir Zeit wie Lust, weiterhin im Sinne einer Zukunftsfähigkeit des Amateurfunks gegen diese Widerstände vorzugehen. Mit einiger Wehmut beobachte ich von nunmehr an das, was angesichts der handelnden Charaktere trefflich mit 'Verrottung von innen' beschrieben wurde.

Durch teilnehmende Beobachtung an manchem Geplänkel habe ich – ganz ohne Intention – zudem ein wenig darüber erfahren, wie manche Elemente alltäglichen Faschismus strukturell funktioniert haben mögen. Beispielsweise im Versuch, das Ansehen eines Funkamateurs seiner womöglich leicht voreilenden Ansicht wegen zu vernichten und ihn als Menschen auszugrenzen.

Weiterhin bleibt der Amateurfunk Objekt meiner professionellen Neugierde, über den ich mit einiger Empathie berichten werde. Ich wünsche mir, dass ein Amateurfunk der Zukunft mit einfachen Voraussetzungen die Teilnahme an einem spannenden und kommunikativen Hobby bietet, das zugleich weites Experimentierfeld für technisch-wissenschaftliches Tun auf jeder Ebene ist. Dieses war und ist meine Perspektive auf den Amateurfunk, dem ich in Zukunft viel Glück und Erfolg wünsche!

73 de Nils, DK8OK"

Soweit der Leserbrief von Nils Schiffhauer.

Georg Hübner, DO5DGH, schreibt uns:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

zu Ihrem Leitartikel vom 20.11.2005 'Wer Freiheit aufgibt ...' möchte ich Sie beglückwünschen. Dem gibt es nicht mehr viel anzumerken, außer dass Sie mit Ihrem Leitartikel den schon so oft zitierten 'Nagel auf den Kopf' getroffen haben.

73 DO5DGH, Georg Hübner"


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) … die öffentliche Meinung, auf welche die Zeitungen sich berufen, ist die Meinung derer, die sie aus den Zeitungen beziehen.

Quelle: Helmut Arntzen


Vy 73,
Hermann, DL1EEC