HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 211 / 2005 vom 11.12.2005

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LEITARTIKEL: NEUES VON DEN HERZSCHRITTMACHER-GRENZWERTEN

(rps) Seit August 2002 ist die BEMFV nun in Kraft – diejenige Rechtsverordnung, die auch im Amateurfunkdienst Maximalfeldstärken zum Schutz der menschlichen Gesundheit vorschreibt. Problematisch einengend für uns Funkamateure sind hier die so genannten Herzschrittmacher-Grenzwerte, die für Frequenzen zwischen 18 und 146 MHz und die Sendearten SSB und Morsetelegrafie restriktiver sind als die im allgemeinen Konsens akzeptierten ICNIRP-Grenzwerte der Wärmeabsorption. Im Mittelpunkt der Kritik stand bisher das von der Deutschen Kommission Elektrotechnik (DKE) im VDE als nationales Normungsgremium verfolgte Konzept eines "Worst Case auf allen Ebenen".

Damit soll nun Schluss sein. Inzwischen wurde nämlich eine Überarbeitung der Norm DIN VDE 0848 Teil 3-1 durchgeführt. Einsprüche – unter anderem der AGZ e.V. – gegen den der BEMFV zugrunde liegenden Normentwurf aus dem Jahr 2001 führten nun zum ersten Mal zur Unterscheidung zwischen Herzschrittmachern unterschiedlicher Störfestigkeit: Ein wichtiges Ziel konnte damit für den Amateurfunk erreicht werden.

Folgende Systematik wurde geschaffen: Kategorie 0 wird "angemessen störfest" genannt. Träger dieser Geräte können sich ohne wenn und aber überall dort sicher aufhalten, wo sich jedermann auch aufhalten kann. Für Kategorie 1 namens "eingeschränkt störfest" gilt im Wesentlichen das Gleiche, jedenfalls für Amateurfunkfrequenzen und -modulationsarten. Der maximale Effektivwert der elektrischen Feldstärke für SSB-Amateurfunkaussendungen liegt bei den kritischen Frequenzen 28 und 144 MHz hier bei immerhin 54 V/m, was ganz erheblich mehr ist als der thermische Grenzwert von 28 V/m. Nur so kann wirkliche Sicherheit geschaffen werden.

Der Rest der Geräte fällt in Kategorie 2, die "störempfindlich" heißt. Für Träger dieser Exemplare kann laut DKE Sicherheit nicht alleine auf der Basis pauschaler Maßnahmen gewährleistet werden. Statt dessen sind einzelpersonenbezogene Betrachtungen – am besten im Zusammenwirken mit dem betreuenden Arzt – notwendig, die jedoch nicht Gegenstand der Norm seien. Demnach kann man diesen Personenkreis keinesfalls durch staatlich verordnete Grenzwerte schützen, die immer pauschalen und allgemein gültigen Charakter haben. Eine Zuordnung der existierenden Herzschrittmachertypen zu den drei Kategorien wird zur Zeit im Rahmen einer durch zuständige staatliche Stellen in Auftrag gegebenen Untersuchung ermittelt.

Warum wird diese für uns günstige Überarbeitung nicht veröffentlicht? Die Antwort ist verblüffend: Inzwischen wurde als Ergebnis einer irisch-deutschen Initiative auf demselben Gebiet eine europäische Normungsaktivität eingeleitet. Es muss nun seitens DKE abgewartet werden, welche Ergebnisse dieses übergeordnete Verfahren erbringen wird – so sind die Vorschriften. Allenfalls wird es einen so genannten "informativen DIN-Fachbericht" geben.

Die BEMFV beruht also auf Erkenntnissen, die fachlich mittlerweile nachweislich überholt und in Teilen schlicht falsch und überzogen sind. Und Deutschlands Funkamateure müssen trotzdem darunter leiden – vor allem wegen der bekannten Schwerfälligkeit der europäischen Normungsgremien. Das Verlangen, Herzschrittmachergrenzwerte einzuhalten, geschieht wider besseres Fachwissen, dass diese staatlich verordneten Werte unterdessen in der Mottenkiste verschwunden sind. Das Bundesministerium für Wirtschaft ist aufgerufen, die Grenzwerte zum "Schutz von Trägern aktiver Körperhilfen" umgehend und ersatzlos aus der BEMFV zu entfernen – einen Prozess würden sie bereits heute wohl nicht mehr überleben.

Ralph, DC5JQ


ENDZEIT FÜR PACKET-MAILBOXEN UND NEWSGROUPS ?

(rps) Ein bemerkenswertes Urteil mit enormer Sprengkraft auch für den Amateurfunk fällte diese Woche das Landgericht Hamburg unter dem Aktenzeichen 324 O 721/05. Demnach haftet der Betreiber eines Forums, Chatrooms oder Newsgroupservers bereits für die bloße Verbreitung von Rechte verletzenden Inhalten, ohne hiervon inhaltliche Kenntnis erlangt haben zu müssen. Die Folgen sind weit reichend – und nicht auszumalen.

Was war geschehen? Im Online-Forum des Heise-Verlags rief ein Teilnehmer dazu auf, den Server eines Unternehmens durch massenhaften Download in die Knie zu zwingen. Das Unternehmen verlangte daraufhin nicht nur die Löschung dieses Beitrags, sondern auch eine Erklärung von Heise als Forenbetreiber, in Zukunft sicher zu stellen, dass dies sich nicht wiederholt. Heise weigerte sich, die Unterlassungserklärung abzugeben, löschte nur das Vorhandene – und es kam zum Prozess, in dem der Forenbetreiber nun unterlag.

Die Landgerichtskammer erklärte, so wie der Verlag das Forum bisher betreibe, fordere er Rechtsverletzungen sogar potenziell heraus. Es sei nicht hinnehmbar, dass die in ihren Rechten Verletzten Heise Online hinterherrennen müssen. Und exakt genauso werden die Packet-Radio-Mailboxen, die Newsgroupserver und die so genannten Blogs betrieben: Jeder kann völlig anonym auf einer bereit gestellten Bühne ungeprüft Beliebiges an Rechtsverletzungen ablassen, und der Geschädigte muss anschließend Sysops, Betreibern und Gerichten hinterherrennen. Fast scheint es, als hätten die Hamburger Richter de.comm.funk.vereine und db0sif.darc.de gelesen.

Den Einwand des Verlags, dass eine automatische Filterung erwiesenermaßen nicht funktioniere und eine manuelle Prüfung jedes Beitrags angesichts von über 200.000 Postings pro Monat schlicht nicht zu leisten sei, ließ die Kammer nicht gelten. "Wir werden Foren schließen müssen, wenn einzelne Teilnehmer über die Stränge zu schlagen drohen, und können wohl zu brisanten Themen generell keine Diskussionsplattform mehr anbieten", sagte Heise-Chefredakteur Christian Persson. Richtig so, es kann und darf keinen rechtsfreien Raum geben – weder im Internet, noch im Amateurfunk. Offenbar erweist sich unsere Gesellschaft insgesamt als unwürdig, mit den ihr gewährten enormen Freiheiten moderner Kommunikationstechnik umgehen zu dürfen – und zwar mittlerweile in derart krasser Art und Weise, dass Gerichte immer öfter und immer restriktiver eingreifen müssen.

Sollte das Urteil Rechtskraft erlangen, ist künftig jeder Betreiber einer Amateurfunk-Packet-Radio-Mailbox ein so genannter Mitstörer, der bereits im Vorfeld und ohne Kenntnis der Inhalte sicher stellen muss, dass keine Rechte Dritter verletzt werden. Die AGZ wird das Urteil sehr sorgfältig analysieren und die notwendigen Schlüsse daraus ziehen – auch hinsichtlich der Betreiber von FM-Relaisfunkstellen, die nun eventuell für die darüber verbreiteten Inhalte im voraus geradestehen müssen.

Quelle: Heise Online


LERN MAL WIEDER CW

(red) Sigurd, LB3KB, schrieb ein Freeware-Programm, das es Interessierten leicht macht, einerseits CW zu lernen und andererseits die eigenen bereits vorhandenen Fähigkeiten zu verbessern. Das Programm können Sie unter justlearnmorsecode.com ansehen und herunterladen.

Quelle: RSGB


MAST IST NICHT ANTENNE

(hfs) Den Publikationen "Frankenrundspruch", "FM – das Funkmagazin" und "Frankenpost" war diese Tage zu entnehmen, dass die Baugenehmigung für einen Mast noch lange nicht die Errichtung einer Antennenanlage auf demselbigen einschließt. Zitat aus einer diesbezüglichen Gerichtsverhandlung:

"Wir verhandeln hier lediglich über den Mast. Sollten Sie nachträglich eine Antenne draufbauen, dann benötigen Sie natürlich erneut eine Baugenehmigung."

Auch wenn hier alle Amtsschimmel wiehern, müssen wir aus solchen Vorgängen lernen und bei den Baugenehmigungen die Endnutzung mit beantragen. Sonst steht da zwar ein Mast, aber man bekommt keine Antenne drauf. Die Gefahr, den Mast so nicht genehmigt zu bekommen, ist dann natürlich auch gegeben. Freies Experimentieren mit Antennen lässt das deutsche Baurecht offenbar nicht zu.


STUDIE – DIE 384STE

(red) Nach Einschätzung von "inside-handy" ist eine aktuelle niederländische Studie vermutlich die 384. zum Thema "Handies und Gesundheit". Da immer wieder Zweifel aufkommen, ob Handies nicht doch eine Gesundheitsgefährdung darstellen, könnte man das wohl nicht oft genug in die Öffentlichkeit tragen.

Auch laut der aktuellen niederländischen Studie gibt es erneut keinen Beleg dafür, dass Funkwellen bei Einhaltung der ICNIRP-Grenzwerte eine Auswirkung auf die Gesundheit der Menschen haben. Die niederländische Gesundheitsbehörde, die diese Studie durchgeführt hatte, teilte jedoch mit, es sei dennoch noch mehr Forschung notwendig.

Quelle: www.inside-handy.de


ZUM GUTEN SCHLUSS

(red) Bescheidenheit ist die schlimmste Form der Eitelkeit.

Quelle: Charles de Foucauld


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Hermann, DL1EEC