HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 213 / 2006 vom 08.01.2006

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

Die Redaktion von HamRadio 2day wünscht allen Hörern und Lesern ein gutes und erfolgreiches neues Jahr!


ZUM JAHRESAUFTAKT GLEICH EIN KNÜLLER:

NEUE AFUV BRINGT VORZEITIGE 7-MHZ-ERWEITERUNG
UND KLASSE E AUF DIE KURZWELLE

(rps) In einem Schreiben an die AGZ e.V. kündigt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie diese Woche an, die Amateurfunkverordnung erneut novellieren zu wollen, und zwar kurzfristig. Der Grund seien notwendige Frequenzregulierungsanpassungen und neue internationale Empfehlungen. So soll der Frequenzbereich 7100 bis 7200 kHz dem Amateurfunk zugewiesen werden und die Prüfungsinhalte der Zeugnisklasse E sollen den neuen CEPT-Empfehlungen zur harmonisierten Novice Licence angepasst werden. Das Ministerium kündigt in diesem Zusammenhang ausdrücklich eine beschränkte Kurzwellennutzung für die Klasse E an! Damit werden zwei wichtige Forderungen der AGZ e.V. für die deutschen Funkamateure erfüllt.

Weiter wird angestrebt, die Nutzungsbestimmungen bei 50 MHz und bei 1260 bis 1263 MHz in einem für uns positiven Sinne neu zu gestalten. Ein konkreter Zeitpunkt kann momentan noch nicht genannt werden, da andere Ressorts in der Bundesregierung zu beteiligen sind. Der Entwurf der geplanten Änderungsverordnung wird der AGZ e.V. und der breiten Öffentlichkeit rechtzeitig zur Stellungnahme zur Verfügung gestellt. Wir halten Sie auf dem Laufenden.


NETZAGENTUR BIETET WEITERE 50-MHZ-LIZENZEN AN

(red) Hieß es im März 2004 noch, die Bundeswehr stimme einer Ausweitung der Anzahl der 50-MHz-Sonderzuteilungen nicht zu, so hat sich das Blatt nun gewendet. Am 21. Dezember veröffentlichte die Bundesnetzagentur die Amtsblattmitteilung Nr. 311/2005. Demnach hat es eine erneute Abstimmung mit dem Primärnutzer gegeben – mit dem Ergebnis, dass nun auf Antrag die Anzahl der Sondergenehmigungen erhöht werden kann.

Sonderzuteilungen sind wieder ausschließlich für Inhaber der Klasse A möglich, und zwar nur in Verbindung mit dem personengebundenen Rufzeichen oder einem Clubstationsrufzeichen. Ausbildungsrufzeichen dürfen weiterhin nicht auf 6-Meter. Die 3000 bisher zugeteilten Genehmigungen behalten ihre Gültigkeit. Anträge können nur im Zeitraum vom 11. bis zum 31. Januar gestellt werden bei der

Bundesnetzagentur
Außenstelle Mülheim
Aktienstraße 1 - 7
45473 Mülheim

Es ist ein spezielles Antragsformular zu benutzen, das Sie auf den Websites der Netzagentur und der AGZ finden.

Die spannende Frage ist nun, wie viele zusätzliche Sonderzuteilungen die Bundesnetzagentur denn vornehmen will. Im Amtsblatttext findet man nämlich diesmal keine konkrete Anzahl. Laut dessen Anlage 1 bestimmen sich die Nutzung des Frequenzbereichs und die Anzahl der Sonderzuteilungen nach der laufenden Nummer 13 und deren zusätzlicher Nutzungsbestimmung 5 der Anlage 1 zur Amateurfunkverordnung (AFuV). Und jetzt wird es richtig spannend: Beide Verweisstellen enthalten ebenfalls keine Anzahl. Daraus kann man nur den einzigen Schluss ziehen: Es gibt keine Maximalzahl; jedem Antrag ist stattzugeben.
 
Die Nutzungsbedingungen bleiben im übrigen – leider – dieselben: 50,08 bis 51 MHz, 25 Watt ERP, horizontale Polarisation und eine Beschränkung auf die Sendearten A1A und J3E und auf ortsfeste Standorte. Experimente mit hoch effizienten digitalen Verfahren wie Pactor, Olivia und PSK31 bleiben damit alleine am Standort Deutschland verboten – trotz der im internationalen Maßstab sehr geringen Strahlungsleistung. Auch die Schutzzonen um die drei noch aktiven Kanal-2-Fernsehgrundnetzsender bleiben bestehen. Die Bundesnetzagentur bittet schließlich noch darum, bestehende und nicht aktiv genutzte Sondergenehmigungen bis zum 31. Januar zurück zu geben.

Nach fast 16 Jahren Experimentierzeit und einer zweimaligen häppchenweisen Erhöhung der Genehmigungsanzahl sollte eigentlich lange feststehen, ob der Amateurfunkdienst als Ganzes uneingeschränkt auf 50 MHz zugelassen werden kann. Die anstehende AFuV-Novellierung ist dazu die Gelegenheit!


ZEUGNISKLASSE E WURDE EUROPÄISCH HARMONISIERT

(rps) Kurz vor Weihnachten hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie Klasse E aufgewertet. Der Vereinigung der europäischen Regulierungsbehörden (CEPT) wurde mitgeteilt, dass diese nationale Zeugnisklasse ab sofort der neu geschaffenen "CEPT Novice Amateur Radio Licence" gemäß der ECC-Empfehlung 05(06) entspricht. Dies geschah offenbar unbeschadet der Tatsache, dass die Prüfung für die deutsche Einsteigerklasse heute formal noch nicht vollständig den Vorgaben des ERC-Reports 32 entspricht, der bekanntlich grundlegende Kenntnisse auch in kurzwellenbezogenen Themen verlangt.

Diese Entscheidung bedeutet für Funkamateure anderer Staaten, dass sie in Deutschland ab sofort ihr Heimatrufzeichen mit voran gestelltem DO/ benutzen dürfen, sofern ihr Land die zugrunde liegende ECC-Empfehlung ebenfalls in Kraft gesetzt hat. Es gelten dieselben Regeln und Frequenzen wie für unsere nationalen Klasse-E-Inhaber.

Für deutsche Klasse-E-Funkamateure bedeutet es, dass sie ab sofort in denjenigen Staaten, in denen die Novice-Empfehlung gilt, ohne Gastlizenz Amateurfunkbetrieb machen dürfen, und zwar unter den jeweiligen nationalen Bedingungen und Vorschriften. Und die sind in Europa so unterschiedlich, wie man es sich nur vorstellen kann: vom Verbot des Selbstbaus z.B. in Österreich, wo nur industriell gefertigte Geräte allein auf 430 MHz zugelassen sind, bis hin zu Dänemark mit dem gesamten Spektrum des Amateurfunkdienstes einschließlich Kurzwelle und 70 MHz und uneingeschränktem Selbstbaurecht – und von 100 Watt out in Österreich und Dänemark bis hin zu 10 Watt EIRP in Deutschland.

Die folgenden Länder wenden bisher die Empfehlung zur Einsteigerlizenz an:

Dänemark, nationale Klasse B, Präfix OZ/
Rumänien, nationale Klasse III, Präfix YO/
Schweiz, nationale Klasse 3, Präfix HB3/
Deutschland, nationale Klasse E, Präfix DO/

Voraussetzung für die Teilnahme eines deutschen Funkamateurs am Amateurfunkdienst in Ländern, die die ECC-Empfehlung (05)06 anwenden, ist laut Netzagentur der Besitz einer Zulassungsurkunde, welche dieser Empfehlung entspricht. Funkamateuren, die im Besitz einer bisherigen Urkunde der Klasse E oder 3 sind, kann auf Antrag unter Einsendung ihres alten Dokuments bei der für sie zuständigen Außenstelle der Bundesnetzagentur eine neue, der ECC-Empfehlung entsprechende Zulassungsurkunde ausgestellt werden. Die Neuausstellung erfolgt zur Zeit gebührenfrei.

Neue Prüfungsbescheinigungen bzw. Amateurfunkzeugnisse der Klasse E werden wie bisher weiterhin nur als nationales Amateurfunkzeugnis ohne Hinweis auf den ERC-Report 32 ausgestellt. Dessen Inhabern kann jedoch auf Antrag zusätzlich eine harmonisierte Prüfungsbescheinigung ausgestellt werden, die allerdings gebührenpflichtig ist. Sie kostet zur Zeit 55 Euro extra. Sie kann die Erteilung einer entsprechenden Novice-Individualgenehmigung bei einem festen Wohnsitz im Ausland vereinfachen. Uns stellt sich allerdings die Frage, warum man die Prüfungsbescheinigung nicht gleich harmonisiert ausstellt – reine Abzocke?

Näheres beinhaltet die Verfügung Nr. 93/2005 der Bundesnetzagentur, die Sie unter anderem im Web der AGZ finden.


GERICHT HEBT TKG-BEITRAGSBESCHEIDE AUF

(rps) Wir berichteten bereits am 27. November: Kräftige Richterschelte bezog die Bundesnetzagentur vor dem Verwaltungsgericht Köln wegen der Frequenznutzungsbeiträge nach dem Telekommunikationsgesetz. Am 16. Dezember war die Urteilsverkündung. Die Beitragsbescheide für die Jahre 1998 und 1999 hob das Gericht wegen Rechtswidrigkeit gänzlich auf. Die gesamten Kosten der etwa 30 Verfahren hat die Bundesnetzagentur zu tragen. Für die Jahre 2000 bis 2002 wurde das Verfahren vertagt, weil Netzagentur und BMWi unterdessen wohl Unterlagen nachgereicht haben, die geprüft werden müssen.

Der Grund für die Aufhebung: Das TKG verankert für die Festsetzung der Höhe der Beiträge ein klares Kostendeckungsprinzip. Aus dem vorgelegten Verwaltungsvorgang zum Erlass der damaligen Beitragsverordnung ergab sich jedoch, dass für die Jahre 1998 und 1999 lediglich die Schätzwerte aus den Jahren 1996 und 1997 fortgeführt wurden. Diese Vorgehensweise war unzulässig, weil der damaligen Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post eine Kosten- und Leistungsrechnung als genaue Kalkulationsgrundlage nachweislich zur Verfügung stand und da dem Verordnungsgeber bewusst war, dass die eigentlich zu erhebenden Kosten erheblich von den geschätzten Kosten abwichen.

Das Urteil ist noch nicht bestandskräftig. Wird es das, ist einiges an Information nachzuschieben. Immerhin wurden damals im Amateurfunk 18 Deutsche Mark pro Jahr und seinerzeit noch pro zugeteiltem Rufzeichen verlangt.


ZUM GUTEN SCHLUSS

(red) Nachdem festgestellt wurde, dass ein DARC-Ortsverband gegen den DARC e.V. nicht klagen kann, klagt jetzt der OVV des Ortsverbands Willich (R17) als einzelnes Mitglied und Privatperson gegen den DARC. Der Streit um mehr Mitsprache geht unterdessen munter mit neuen Argumenten weiter: Mehr dazu auf DJ5DM´s Homepage

www.dj5dm.amyju.com


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