HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 215 / 2006 vom 22.01.2006

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LEITARTIKEL: FUNKAMATEUR'S DUMMYLOAD

(hfs) ist wohl biologischer Natur. Im außerdeutschen Sprachraum findet man die Vokabel "Funk" – englisch exakt übersetzt mit "spark" – erst gar nicht. Dort spricht man eher von einer Aussendung wie im Französischen oder von Kommunikation im Gebrauch des Wortes "Radio".

Frappierend gestaltet sich – schaut man fundamentalistischen Funkamateuren in Deutschland aufs Maul – als erste Priorität im Amateurfunkdienst die Technik. Alle Absichtserklärungen – auch die des IARU-Vertreters – zielen auf die rein technischen Tätigkeiten, wobei die Kommunikation dabei die Rolle des Kamels spielt, auf dem die paar technisch versierten Funkamateure durch den Äther reiten.

Deutlich wird diese Denkstruktur namens "Funk" beim Auftritt verschiedener YL-Runden, des DIG-Rundspruchs am Donnerstag Abend und anlässlich der Conteste schlechthin. Ebenso erkennt nur eine Minderheit deutscher Funkamateure Morsetelegrafie als eine Sprache; für die große Masse ist CW eher eine Ansammlung von Vokativen, die einer Völker verbindenden Kommunikation ebenso wenig gerecht wird wie das 599-Geschrei der Contester.

Überdeutlich trat die Kommunikationsbremse vergangene Woche auf die Bühne, als es um den geplanten Zugang der Klasse E zur Kurzwelle ging. Stehenden Fußes tritt die Hardlinervertretung auf den Plan und wirft einer fortschrittlich denkenden Behörde Knüppel zwischen die Beine. Denn auf 80 Meter kann man mit 10 Watt EIRP zwischen den Power-Krokodilen nur untergehen und 10 Meter ist noch für einige Zeit zu. Mehr will man nicht gönnen: Das ist ein bewusstes Abwürgen der neuen CEPT-fähigen Klasse E, noch bevor sie rechtlich etabliert ist. Das Motto dazu ist so alt wie deutsche Funkamateure:

WER KEIN CW KANN, SOLL KEINE REICHWEITE ERZIELEN KÖNNEN!

Das alles ist nicht neu, das kennen wir schon von der alten C-Lizenz aus den 70er Jahren. Geht es deutschen Amateurfunkfunktionären dabei wirklich um die Kommunikation? Für die Mehrheit wird es wohl zutreffen; für die laute Minderheit der selbst ernannten Platinistas aber nicht. Die benutzen ihre Gesprächspartner höchstens als Dummyload, um ihre Reichweite mit 599 btu auszutesten. Da schreckt sogar Platinista DL0HAM vor den Contestpunkten von DK0AGZ nicht zurück, um hinterher zu behaupten, die AGZ sei gar nicht aktiv.

Wie gesagt: Funkamateur´s Dummyload.

Hermann, DL1EEC


NEUES EMV-GESETZ GEPLANT

(rps) Ende 2004 haben der Europäische Rat und das Europäische Parlament auf Vorschlag der Kommission eine neue Direktive zur elektromagnetischen Verträglichkeit von Betriebsmitteln erlassen. Sie trägt die Bezeichnung 2004/108/EG. Das heute in Deutschland geltende EMV-Gesetz aus dem Jahr 1998 muss durch die neuen Regelungen am 20. Juli 2007 abgelöst werden. Neu ist, dass Brüssel bereits vorweg in der Präambel als Leitlinie die Forderung an die Mitgliedsstaaten stellt, Funkdienstnetze einschließlich Rundfunk- und Amateurfunkdienst gegen Störungen durch andere Betriebsmittel zu schützen – ein Erfolg für die Funkamateure.

Das zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat zu diesem Zweck diese Woche den ersten Entwurf eines neuen EMV-Gesetzes zur Stellungnahme im Internet veröffentlicht. Am 21. Februar gibt es zum Thema eine öffentliche Anhörung in Bonn, allerdings mit einem persönlichen Anmeldeerfordernis.

Funkgeräte, die von Funkamateuren im Sinne des Amateurfunkgesetzes genutzt werden und die nicht im Handel erhältlich sind, bleiben weiterhin von der Anwendung des Gesetzes ausgenommen. Gleiches gilt für Bausätze und für handelsübliche Geräte, die von Funkamateuren für ihre Zwecke umgebaut werden. Endgültig gestorben ist spätestens jetzt die "gute alte" begriffliche Trennung zwischen einer Störung und einer störenden Beeinflussung. Unter dem Ausdruck "unerwünschtes Signal" versteht der Gesetzesentwurf ausdrücklich auch die Nutzaussendung einer Funkanlage.

Der EMV-Beitrag soll auch weiterhin von allen Senderbetreibern jährlich erhoben werden, um die Kosten der Bundesnetzagentur zu decken, die ihr bei der Aufklärung und Beseitigung von elektromagnetischen Unverträglichkeiten entstehen. Die AGZ weist hier noch einmal auf ihren Rechtsstandpunkt hin, dass diese Aufgaben der Netzagentur für Funkamateure in Amateurfunkgesetz- und Verordnung festgeschrieben sind, allerdings ohne hierfür einen Jahresbeitrag zu verlangen – Stichwort "eigenständige Störfallregelung". Da die entsprechenden Absätze im EMVG folglich verdrängt werden, können im Amateurfunkdienst auch keine EMV-Gebühren erhoben werden. Das Verwaltungsgericht Köln entscheidet dazu voraussichtlich im März.

Das ausführliche Statement der AGZ e.V. zum neuen Entwurf eines Gesetzes zur elektromagnetischen Verträglichkeit von Betriebsmitteln können Sie Mitte Februar lesen. Der uns vorliegende Entwurf enthält nämlich schon auf den ersten Blick einige Mängel und Versäumnisse.


AMATEURFUNKGESETZ SOLL IN EU-TKG AUFGEHEN

(hfs) In einem Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Bundesnetzagentur – der Name ist der Redaktion bekannt – ergab sich eine Zukunftsaussicht auf die gesetzliche Regelung des Amateurfunkdienstes nach 2010. Die Mitarbeiterin kündigte an, dass die Funkamateure in Deutschland damit rechnen müssen, in einem europäischen Telekommunikationsgesetz untergebracht zu werden. Wir halten Sie informiert!


LESERBRIEF

(red) Zur Frage "kann ich meine bereits abgegebene Selbsterklärung modifizieren?" schrieb uns ein Mitarbeiter der Netzagentur – der Name ist der Redaktion bekannt – das folgende:

"Nein! Funkamateure sollten in jedem Fall eine komplett neue Selbsterklärung abgeben, wenn sie ihre Antennenanlage umgebaut haben oder ein neues Band hinzunehmen, das sie bislang weder gemeldet noch benutzt haben. Das bedeutet für die Funkamateure, die das 50-MHz-Band erstmalig nutzen und noch nicht angezeigt haben, dass sie die gesamte Selbsterklärung nochmals in Gänze abgeben müssen. Dasselbe gilt auch für alte DO-Lizenzen, die in den E-Status erhoben werden. Auch die sollten bei Nutzung der Kurzwelle sich den Auflagen der BEMFV unterwerfen."

Soweit der Leserbrief. Leserbriefe stellen allerdings nicht die Meinung der Redaktion dar. So ist die BEMFV zum Beispiel für Klasse E auch auf Kurzwelle nicht anzuwenden, sollte es bei 10 Watt EIRP bleiben. Im übrigen sind alte DO-Lizenzen bereits lange in den E-Status erhoben. Die Empfehlung des Autors basiert auf folgender Textpassage in der BEMFV:

"Der Betreiber einer ortsfesten Amateurfunkanlage, die den Anforderungen des Paragraf 8 Absätze 2 oder 3 unterliegt, hat eine erneute Anzeige nach Paragraf 9 vorzunehmen, wenn die Funkanlage technische Parameter aufweist, so dass die Voraussetzungen, unter denen die Anzeige vorgenommen wurde, nicht mehr gegeben sind."

Somit müssen Sie – auch bei zusätzlichen 50 MHz – nur dann erneut anzeigen, wenn sich der über alles zu betrachtende standortbezogene Sicherheitsabstand erhöht hat, und das ist bei 25 Watt ERP selten der Fall. Denken Sie daran, dass die Bundesnetzagentur in der BEMFV das Recht zugestanden bekommen hat, Ihre Amateurfunkstelle auch ohne konkreten Anlass im Rahmen einer Stichprobe zu überprüfen.


50 MHZ: MEHR ALS 3000 ANTRÄGE

(hfs) trudelten bis Freitag 14 Uhr bei der Bundesnetzagentur in Mülheim ein – mit steigender Tendenz. Diese Zahl zeigt eindeutig, wie attraktiv neue Bänder für Funkamateure sind. Mit Fug und Recht dürfen wir behaupten, dass ohne die Arbeit der AGZ wir heute nicht an diesem Punkt wären. Welcome on the Magic Band – Sie haben für Ihren Antrag noch bis zum 31. Januar Zeit.


DIE AGZ HÄLT IHRE JAHRESMITGLIEDERVERSAMMLUNG

(red) 2006 am 25. März um 17:30 Uhr ab. Versammlungsort ist wie im Vorjahr das Rainbow-Hotel in 63150 Heusenstamm, Seligendstädter Grund 15. Auf der Tagesordnung stehen neben Regularien eine grundlegende Änderung der Satzung mit dem Ziel einer Mitgliedersteigerung und diesmal auch Wahlen zum Vorstand.


AGZ SENDET UNTER EA8/DL0AGZ

(hfs) vom 25. Januar bis zum 11. Februar täglich zwischen 19:00 und 20:00 auf den Frequenzen 14.340, 21.340 und 28.340 kHz. In Pactor ist EA8/DL0AGZ rund um die Uhr auf 14.074 kHz Mark ansprechbar.

EA8/DL0AGZ sendet HamRadio 2day am 29. Januar und am 5. Februar um 11:00 auf 14.340 kHz, um 11:15 auf 21.340 kHz und um 11:30 auf 28.340 kHz. Die Zeiten sind jeweils in UTC. Hörberichte schicken Sie bitte per E-Mail an dl0agz@aol.com; natürlich erwarten wir dort auch wie gewohnt Ihre Leserbriefe.

 

Vy 73,
Hermann, DL1EEC