HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 218 / 2006 vom 12.02.2006

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

EINVERSTANDEN

(rps) mit dem Entwurf eines neuen Frequenzbereichszuweisungsplans ist die AGZ e.V. In einem kurzen Statement gegenüber dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bedanken wir uns insbesondere für die schnelle Erweiterung des 40-Meterbandes. Andere für den Amateurfunk vermeintlich negative Aspekte sind entweder bei genauem Hinsehen keine, oder sie wurden bereits mehrfach durch Stellungnahmen der AGZ angegriffen – so zum Beispiel die Nutzungsbestimmung 30, die unakzeptabel hohe Grenzwerte für leitergebundene Informationssysteme vorgibt. Hier sind die Argumente seit langem ausgetauscht und es bleibt jetzt nur noch der Rechtsweg – mit höchst ungewissem Ausgang für den Amateurfunk. Erste Urteile im Raum Mannheim zum Thema PLC lassen jedenfalls nichts Gutes erahnen.

Ein weiteres Beispiel: Die Bundesregierung ist natürlich frei, sich dafür zu entscheiden, nicht nur kleine Frequenzbereiche, sondern in begründeten Ausnahmefällen auch das gesamte Spektrum ISM-, häuslichen oder ähnlichen Anwendungen zuzuweisen. Nationale Rechtsgrundlage ist das Telekommunikationsgesetz – und einer internationalen bedarf es nicht, da die Interessen des Auslands gar nicht berührt sind: Die VO-Funk bindet nur Staaten untereinander, nicht aber den deutschen Staat gegenüber jedem einzelnen Bürger.

Diese Entscheidung ist – im Gegenteil – sogar zu begrüßen, da sie Wissenschaft und Forschung und damit dem Standort Deutschland nutzt: Beliebige Frequenzen dürfen laut der geplanten neuen Nutzungsbestimmung 5 des Frequenzbereichszuweisungsplans nämlich nur dann von Anlagen genutzt werden, wenn die für diese Nutzung erforderlichen Frequenzen aufgrund des gewünschten physikalischen Effektes vorgegeben und nicht frei wählbar sind.

Nur ein Beispiel sind Kernfusionsreaktoren, deren Hochfrequenzheizung exakt die Rotations- oder Larmorfrequenz der im Magnetfeld zu verschmelzenden Ionen treffen muss, um resonant Energie auf diese Teilchen übertragen zu können. Hier besteht aufgrund des gewählten magnetischen Einschlussprinzips, der Reaktorparameter und der Masse der atomaren Teilchen nicht die geringste Wahlfreiheit – in Jülich zum Beispiel wird mit vier Millionen Watt Senderoutput bei 29 MHz geheizt, und beim im Bau befindlichen internationalen Fusionsexperiment ITER in Cadarache bei Marseille in Südfrankreich werden es 20 Millionen Watt Output bei 50 MHz sein. Vielleicht gibt's ja QSL-Karten – und ein "Heard all Tokamaks"-Diplom.


KOMMENTAR: WAS TREIBT DEN DARC

(hfs) in eine neue Verlosung des Sechsmeterbandes in Deutschland? Bemerkenswert ist, dass die Funktionäre dieses Vereins – z.B. auch der DIG-Manager DJ8OT – schon lange vor dem 10. Dezember 2005 davon wussten und damit kokettierten, dass die Bundesnetzagentur vor hatte, ein neues limitiertes Kontingent aufzulegen. Die Fragen

  • warum hat der DARC nicht schon Anfang Dezember letzten Jahres für 50 MHz getrommelt? und

  • warum wurde die AGZ e.V. seitens des BNetzA-Mitarbeiters Rainer Wilhelm erst Ende Dezember informiert, und dies lediglich inoffiziell?

sind einfach zu beantworten: Man wollte keinen "Run" auf 50 MHz. Und BNetzA-Mann Wilhelm wusste ganz genau, dass das Informationssystem der AGZ wesentlich effektiver ist, als das des DARC. Denn je mehr Sechsmeteranträge bei der Netzagentur eingegangen wären, umso schwerer wäre das Losverfahren geworden: Das jetzige Ergebnis "eins zu drei" spricht Bände.

Ich kann Ihnen als Funkamateur wirklich nur empfehlen, bereits jetzt gegen das Losverfahren einzusprechen, d.h. im Falle der Nichtzuteilung einer Sondergenehmigung innerhalb Monatsfrist den Widerspruch und später notfalls auch die Verwaltungsklage anzustrengen. Bedenken Sie dabei, dass die Ihnen staatlicherseits zur Verfügung gestellten Informationen und Rechtsnormen bis zum 31. Januar 2006 weder einen Hinweis auf die Existenz einer maximalen Zuteilungsanzahl, noch gar auf deren Höhe enthalten haben.

Für mich ist es unverständlich, wie nachlässig DARC-Mitglieder im Besonderen und Funkamateure im Allgemeinen vom DARC respektive RTA vertreten werden. Bei der nun kursierenden Zahl 1500 könnte man argwöhnen, dass spätestens jetzt jeder OVV seine Sechsmeterlizenz endlich bekommen soll – und sonst keiner.

Hermann, EA8/DL1EEC

Anmerkung der Redaktion: Immerhin hat der RTA nun kurzfristig die Kurve gekriegt und verlangt – wie die AGZ – von der Netzagentur die Zuteilung an alle Antragsteller.


DIE FOLGENDE STELLUNGNAHME

(red) erreichte uns vom Vorsitzenden des Ortsverbands Leverkusen (G11) im DARC e.V. Die Redaktion von HamRadio 2day hatte auch die andere Seite des Konflikts um ihre Sicht der Dinge gebeten.

"Hallo liebe Funkfreunde,

ich hätte nicht gedacht, dass ich als neuer OVV des Ortsverbandes G11 so schnell eine öffentliche Stellungnahme abgeben müsste. Doch gewisse Umstände veranlassen mich dazu, die Position des Ortsverbandes G11 einmal deutlich zu formulieren.

Die Meldung der AGZ e.V. vom 29.01.2006 mit der Überschrift 'Fatale Mitgliederwerbung' ist in der Form, wie es inhaltlich dargestellt wurde, nicht korrekt. Zur Jahreshauptversammlung wurden wie üblich alle Mitglieder des OV G11 eingeladen. Frank, DD6FB, wurde bereits in einem Funkgespräch vor der Jahreshauptversammlung am Nachmittag davon in Kenntnis gesetzt, dass diese Versammlung eine geschlossene Veranstaltung ist und nur für Mitglieder zugänglich ist. Diese Information habe ich ihm persönlich über Funk mitgeteilt, als ich im Gespräch hörte, dass er an der Jahreshauptversammlung teilnehmen möchte.

Ich habe ihn ferner darüber informiert, dass er damit zu rechnen habe, bis nach der Jahreshauptversammlung draußen warten zu müssen. Wie ich dann am selbigen Abend erfuhr, hat der noch amtierende OVV, DF4EK, die Besucher davon in Kenntnis gesetzt, die Räumlichkeiten zu verlassen. DF4EK hat also völlig korrekt im Sinne der Satzung des DARC gehandelt. Frank, DD6FB, und Bastian, DO2KAW (offensichtlich ein falsches Call, da mir mitgeteilt wurde, dass ihm dieses nicht von der BNetzA zugeteilt ist), haben aber die Gelegenheit genutzt, einen Gastmitgliedsantrag beim G11 abzugeben, der mir selbstverständlich unmittelbar nach meiner Wahl übergeben wurde.

Als Frank, DD6FB, und Bastian (angeblich DO2KAW) die Räumlichkeiten verließen, wurden sie nicht von der Polizei in Empfang genommen. Es stimmt, dass sich zum fraglichen Zeitpunkt eine Polizeistreife auf dem Schulgelände befand, diese führte lediglich eine routinemäßige Kontrolle des Schulgeländes durch, da an diesem Abend zur gleichen Zeit eine Veranstaltung dort stattfand. Der dadurch erhöhte Publikumsverkehr hatte die Polizei zu einer Routinekontrolle veranlasst. Wie mir Frank, DD6FB, in einem persönlichen Gespräch ebenfalls mitteilte, hat die Polizei weder mit ihm, noch mit Bastian, DO2KAW (?), Kontakt aufgenommen, noch wurden Sie von der Polizei vom Schulgelände eskortiert. Sie wurden zwar nach dem Verlassen des Schulgeländes vom Polizeifahrzeug überholt, aber es gab nie irgendwelche Anzeichen einer Observation – so die Aussage von Frank, DD6FB. Die Polizei wurde definitiv nicht von Mitgliedern des OV G11 herbei gerufen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich derartige Ereignisse medienwirksam 'ausschlachten' lassen und von der AGZ in falscher Form verbreitet werden, ohne sich zuvor – wie es unter Journalisten üblich ist – korrekte Informationen einzuholen.

Ferner möchte ich mich als OVV und im Namen des ganzen Clubs davon distanzieren, irgendwelche Personen aufgrund ihrer sexuellen Neigungen vom Vereinsleben auszuschließen. Auch von der Wortmeldung von Ralf, DG1TV, die ebenfalls im Internet (Usenet, PR, etc.) verbreitet wurde, möchte sich der gesamte Vorstand wie auch der Ortsverband in schärfster Form distanzieren. DG1TV ist nicht Mitglied des OV G11.

Bst 73’s de DL3YAT, OVV G11"

Soweit die Stellungnahme des Vorsitzenden des Ortsverbands Leverkusen im DARC e.V. Sie kennen nun die Positionen beider Seiten. Was allerdings bei einer Pressemeldung eine so genannte "korrekte Information" ist, hängt meist vom Standpunkt des jeweils Berichtenden ab. Offen bleibt schließlich die Frage, warum eigentlich dieser Ortsverband keine Gäste zu seinen Jahreshauptversammlungen zulässt. Anderswo sind Gäste bei dieser Gelegenheit nämlich eine willkommene Normalität.


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) ... Nachgeben kann auch ein Zeichen von Stärke und ein Gebot der Klugheit sein. Aber ein schleichender Rückzug aus Furcht schwächt die Werte, die eigentlich bekräftigt werden sollen.

Quelle: Roger Köppel


Vy 73,
Ralph, DC5JQ