HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 221 / 2006 vom 05.03.2006

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

HAMRADIO TODAY IST HAMRADIO TOMORROW

(hfs) HamRadio 2day ist weder ein Wahlkampfverein für den RTA, noch hält die Redaktion von HamRadio 2day hinterm Berg, wenn es um Relaisabschaltung, Denunziation oder um die Nutzung von Frequenzen im Amateurfunkdienst zwecks Grüppchen- und Vereinsfunk geht, denn das Stalking von AGZ-Mitgliedern ist so alt wie die AGZ selbst – und das Thema "anonyme Briefe" so alt wie "Jamming" und "Träger Drücken".

Ohne die Arbeit der AGZ gäbe es keinen Kurzwellenzugang für die "C-Klasse", gäbe es weder eine Besitzstandswahrung für die "DH-Klasse", noch für die "Klasse 3" und erst recht keinen Kurzwellenzugang für die E-Klasse. Sie würden fleißig ihre EMV-Gebühren zusammen mit dem DARC-Beitrag zahlen und hätten schon einmal gar nicht das liberalste Amateurfunkgesetz in Europa. Ich behaupte auch, dass vor 15 Jahren mit einer AGZ als Konkurrent zum DARC es weder das S6-Desaster, noch die 70-cm-LPD-Blamage gegeben hätte.

Der folgende Leserbrief zeigt, wie wichtig es ist, Dielenbretter von Strukturen abzuheben, die den Amateurfunkdienst in Deutschland neuerlich auf dem Niveau eines DASD sehen wollen.

Hermann, DL1EEC


LESERBRIEF

(red) Am 23. Februar erhielt die AGZ den folgenden anonymen Brief:

"Sehr geehrter Herr Gels

entschuldigen Sie bitte, dass ich mich ohne Namen an Sie wende. Warum ich das mache werden Sie beim Lesen merken. Sie sind Vorsitzender der AGZ. Es geht hier um die AGZ.

Ich habe vor einigen Tagen davon gehört das einige Funker vorhaben die Mitgliederversammlung Ihres Vereins in Heusenstamm zu besuchen. Ich bin selber angesprochen worden, um ich mitfahren will. Bis jetzt fahren 7-9 Leute fest mit. Es werden noch welche gesucht. Man will zu Ihrer Versammlung fahren, weil in 2 Rundsprüchen der AGZ behauptet wurde, das es nicht richtig sei wenn man Gäste auf einer Mitgliederversammlung rauswirft. Und alle wollen ein Antrag auf Mitgliedschaft stellen. Es geht wohl um die Versammlung in Leverkusen bei G11. Man will in Heusenstamm mit mehr Neuen als Mitgliedern der AGZ hinkommen. Man versucht über 15 Teilnehmer zusammen zu bekommen. Die meisten Leute sind aus der Gegend von Köln Aachen Düsseldorf Leverkusen Remscheid und auch aus Frankfurt. Es soll sogar mit einer Videokamera alles gefilmt werden und man will einen eigenen Rundspruch über das Treffen machen. Es wird von einem im Internet organisiert. Ich werde nicht mitfahren. Ich finde das albern.

Ich finde den AGZ-Rundspruch nicht schlecht. Was mich ärgert ist, das von DL1EEC immer gegen den DARC gehetzt wird. Das habt ihr doch gar nicht nötig. Die meisten wie ich sind nun mal Mitglied in Baunatal. Also was soll das!

Den Rundspruch über G11 fand ich unmöglich. Da hätte man sich auch mal entschuldigen können, das der Bastian so eine Scheiße geschrieben hat. In den Ovs sind alle ziemlich sauer über diese Geschichte. Das hat der AGZ viel Sympatie gekostet. Ich kann meinen Namen nicht nennen, weil ich sonst mit beiden Seiten Ärger kriege. Aber ich finde dieses Affentheater zwischen dem DARC und der AGZ unmöglich. Wir sind alle Funker!!!

Demnächst soll auch ein Anfängerkurs der AGZ sein. Auch dort sollen welche hingehen. Ich glaube das in der Agz einer mit den Leuten bekannt ist, die sind nämlich gut über das was dort passiert informiert. Das wollte ich Ihnen nur schreiben, damit sie sich darauf vorbereiten können.

Viele 73"

Syntax, Rechtschreibung und Interpunktion des Briefes blieben unkorrigiert.


IN ZWEITER INSTANZ ABGEWIESEN

(rps) wurde der Antrag des Vorsitzenden des DARC-Ortsverbands Willich (R17), dem so genannten Amateurrat dieses Vereins den Status einer vereinsrechtskonformen Mitgliederversammlung abzuerkennen. Ein weiteres Rechtsmittel ist nun nicht mehr zulässig. Zentrales Argument von Johannes Heep, DJ5DM, und seines ihn uneingeschränkt unterstützenden Ortsverbands war, dass das einfache Mitglied lediglich den Ortsverbandsvorsitzenden wählen darf, der dann alleine und ohne jede Weisungsbindung an der Wahl eines einzigen Mitglieds einer Delegiertenversammlung mitwirkt. Man sah hierin eine nachhaltige Verletzung demokratischer Prinzipien und einen Verstoß gegen das Vereinsrecht, da die wesentlichen Geschicke des Vereins nur von einigen wenigen Personen gelenkt würden, die nicht durch die Basis direkt gewählt sind.

Gescheitert ist das Verfahren allerdings nicht in der Sache selbst, sondern lediglich an der gewählten Form. Es handelte sich nämlich nicht um eine Klage, sondern um eine schlichte Anregung an das Gericht im Rahmen der so genannten freiwilligen Gerichtsbarkeit, die Satzung des DARC e.V. auf Rechtskonformität zu prüfen. Es gibt dabei keine Rechtsgrundlage, die ein Gericht zwingt, eine solche Anregung auch tatsächlich aufzugreifen – und davon, eben nicht zu entscheiden, haben letztlich beide Instanzen Gebrauch gemacht.

Anders wäre dies laut dem Landgericht Kassel, wenn sich ein Mitglied mittels einer regulären Zivilklage gegen einen konkreten Beschluss etwa des Amateurrates wenden würde, zum Beispiel gegen eine Vorstandswahl oder eine Entlastung, weil das Mitglied sich in seinen Rechten verletzt sieht. Einer Art von Normenkontrollverfahren ohne konkrete Fallbezogenheit, die sich unmittelbar gegen eine Satzungsbestimmung wendet, gibt das Gericht dagegen keine Chance.

Bleibt nur die Erkenntnis, dass ein Mitglied vorher weiß, worauf es sich einlässt, wenn es einem Verein beitritt. Lesen Sie die komplette Entscheidung des Landgerichts Kassel auf Johannes Heeps Homepage

http://www.amyju.com/DJ5DM


VERFAHREN VERTAGT

(rps) Das Verwaltungsgericht Köln hat die für den 3. März angesetzte Verhandlung zur Rechtmäßigkeit von EMV-Beiträgen auf unbestimmte Zeit vertagt. Man will zunächst die noch laufenden Prozesse betreffend die Frequenznutzungsbeiträge für die Jahre 2000 bis 2002 zu Ende bringen; wir berichteten.


MEHRERE VERFAHREN WEGEN ABHÖRENS EINGESTELLT

(rps) Immerhin 4680 gleichlautende Straftaten – nämlich Abhören des Polizeifunks mit einem Scanner – warf die Staatsanwaltschaft Essen der Besitzerin und dem Geschäftsführer eines Presseunternehmens vor. Gefunden wurde neben dem Scanner auch ein PC mit POCSAG-Aufzeichnungen des digitalen Behördenfunks. Nach Durchsicht der Akten und unter presserechtlichen Erwägungen stellte der zuständige Richter des Amtsgerichts Essen-Borbeck das Verfahren Anfang Februar kurzerhand ein.

In Delmenhorst fand die Polizei bei einer Verkehrskontrolle einen ausgeschalteten Scanner auf dem Beifahrersitz. Das Fahrzeug gehörte einem Funkamateur. Die Beschlagnahme ergab, dass im Gerät eine Frequenz des 4-Meterbandes und eine Frequenz des 70-cm-Amateurfunkbandes gespeichert waren. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg stellte nun das Verfahren ein.

Das Amtsgericht Dortmund schließlich stellte im Februar ein Verfahren gegen einen Journalisten ein, der immer sehr schnell an den Einsatzorten von Sicherheitskräften war. Einem vor Ort anwesenden Polizeibeamten war aufgefallen, dass sich in dessen Fahrzeug ein betriebsbereiter Scanner befand; er wurde sichergestellt und man warf dem Journalisten das Abhören des Polizeifunks vor. In der Hauptverhandlung erklärte der Journalist dagegen, dass er die Information über den Einsatzort telefonisch von einem Informanten erhalten habe.

Quelle: Michael Riedel, DG2KAR


HIRNTUMORE

(red) sind keine Folge elektromagnetischer Schwingungen! Erneute Entwarnung gibt es nun bei Hirntumoren: In einer aktuellen Studie wurde kein erhöhtes Risiko festgestellt. Dies gilt, so die Erkenntnis nach bereits zahlreichen durchgeführten Studien, selbst bei Verwendung von Schnurlostelefonen mit der höchstmöglichen Belastung, wie etwa bei einer neben dem Bett stehenden Basisstation.

Die Nutzung mobiler Telefone wurde bei 844 neu an einem Hirntumor Erkrankten sowie bei etwa 1500 Personen einer Kotrollgruppe ausgewertet. Die regelmäßige Nutzung des Handys, selbst bei 30 Minuten am Tag, führt zu keinem erhöhten Hirntumorrisiko, wie Studien der Forscher um Joachim Schüz vom Universitätsklinikum Mainz, des Krebsforschungszentrums Heidelberg und der Universität Bielefeld zeigten.

Quelle: "Die Welt" vom 7. Februar 2006


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) Auf Seite 161 der Vereinszeitschrift CQ DL vom März 2006 tut der DARC so, als seien 1500 Funkamateure bereits stolze Besitzer einer neuen 50-MHz-Lizenz. Dass 3000 Anwärter in die Röhre gucken sollen, scheint in Ordnung zu sein, jedenfalls, was die Überschriften anbelangt. Tiefer im Text – und in Statements gegenüber den Behörden – spricht man dagegen offen von Rechtswidrigkeit, genau wie die AGZ. Schauen wir einmal, ob hier nicht nur gebellt, sondern auch gebissen wird.


Vy 73,
Hermann, DL1EEC