HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 222 / 2006 vom 12.03.2006

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

NACHGEHAKT

(rps) Die Redaktion wurde gefragt, mit welcher Begründung und gegebenenfalls mit welchen Auflagen die drei Verfahren wegen Abhören des Polizeifunks eingestellt wurden; wir berichteten letzte Woche. Alle Verfahren wurden gemäß Paragraf 153 der Strafprozessordnung eingestellt. Diese Bestimmung besagt, dass die behauptete Schuld allenfalls gering wäre und dass kein öffentliches Interesse an einer Verfolgung besteht. Auflagen, zum Beispiel eine Geldbuße, wurden nicht gemacht. Die betroffenen Personen gelten also nach wie vor als unschuldig. Einstellungen nach Paragraf 153 StPO können allerdings je nach Einzelfall dennoch zu Kosten führen: Über Gerichtskosten, die Begleichung der persönlichen Auslagen, zum Beispiel der Anwaltskosten, sowie über die Einziehung des Scanners entscheidet das Gericht. Einzelheiten der berichteten Fälle sind der Redaktion hier nicht bekannt.


SCHON BALD KEIN AMATEURFUNK MEHR IN MANNHEIM?

(rps) Einen bemerkenswerten Beschluss mit ziemlich negativen Folgen für den Amateurfunk hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg als Beschwerdeinstanz in einem Verfahren auf einstweiligen Rechtsschutz gegen die Bundesnetzagentur gefällt. Der Hintergrund: Ein Mannheimer Funkamateur hatte der damaligen Regulierungsbehörde angezeigt, er könne auf Kurzwelle keinen Amateurfunk mehr empfangen, weil der Energieversorger MVV mit seinen Stromleitungen ein ungeschirmtes PLC-Netz als Internetzugang betreibe. Messungen der Behörde ergaben dann auch eine Verletzung der so genannten Nutzungsbestimmung 30 der Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung, indem unzulässig starke Störstrahlung produziert wurde. Dem Energieversorger wurde auferlegt, die Grenzwerte dieser Bestimmung unverzüglich einzuhalten.

Der Versuch von MVV, den angeordneten Sofortvollzug vor dem Verwaltungsgericht Karlsruhe zu Fall zu bringen, scheiterte zunächst im Mai letzten Jahres, wir berichteten. Der PLC-Betreiber legte jedoch Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg ein – und gewann diese nun im Februar. Bemerkenswert ist die Position des zuständigen Ersten Senats unter Vorsitz des Gerichtspräsidenten, das Geschäftsinteresse des Energieversorgers überwiege das private Interesse des Funkamateurs an einem ungestörten Empfang. Daher sei zumindest der Sofortvollzug auszusetzen. Es darf also unverändert weiter gemacht werden mit PLC, ohne sich an die NB 30 halten zu müssen – mit nur als düster zu bezeichnenden Erwartungen an das noch laufende Hauptverfahren.

Noch dramatischer ist allerdings die Meinung des höchsten baden-württembergischen Verwaltungsgerichts zur Nutzungsbestimmung 30 selbst: Es sei davon auszugehen, dass sie wegen Unvereinbarkeit mit europäischem Recht ungültig ist. Diese Vorschrift sei – im Gegensatz zur Auffassung von Netzagentur und Wirtschaftsministerium – nämlich keineswegs eine reine Angelegenheit der Frequenzordnung unter dem Telekommunikationsgesetz, sondern wegen der Unerwünschtheit der Abstrahlungen auf jeden Fall auch unter der EMV-Direktive der Europäischen Union anzusiedeln. Und hier habe die Bundesregierung die vom Gemeinschaftsrecht der EU geforderte Notifizierung schlicht unterlassen. Dies führe unter Beachtung der ständigen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs zur Nichtigkeit der NB 30.

Wenn es aber bis heute weder eine harmonisierte EMV-Norm für PLC-Netze gibt, noch in Zukunft eine staatliche Schutznorm auf Verordnungsebene zu existieren scheint, dann ist der Amateurfunk – und nicht nur der – vollkommen ungeschützt – und es bleibt letztlich nur das Zivilrecht, also die Abwägung der Interessen von Kommerz gegen Idealismus. Anders lautende Meldungen von anderen Interessenvertretungen lassen auf laienhafte juristische Sachkenntnis schließen. Lesen Sie den vollständigen Beschluss des VGH Baden-Württemberg auf unserer Website. Er hat das Aktenzeichen 1 S 787/05.


AM AGZ-STANDORT WERMELSKIRCHEN

(hfs) wird ab kommender Woche eine SSTV-Station neu in Betrieb gehen, die über ein Internet-Gateway weltweite Kommunikation ermöglicht. Die Station finden Sie auf der Frequenz 433,400 MHz im Simplex-Mode. Sie können sie mit einem 1750-Hertz-Ton auftasten und dann Ihre Bilder senden. Beachten Sie, dass die Umschaltzeiten länger sind; also nicht sofort nach dem Empfang senden, sondern etwa zehn Sekunden Pause lassen, bis die Empfangsbestätigung angesagt wird.

Die Station läuft mit einem Standard C-7900 und 100 Watt out, einer X-7000 und der Software WWW-SSTV. Derzeit lautet das Rufzeichen DL0AGZ. Wenn Sie Fragen haben, schreiben Sie bitte an dl0agz@agz-ev.de.


INNOVATIVE ZWEI-METER-BAKE IN ENGLAND

(rps) Auf der Frequenz 144,430 MHz gibt es seit dem 26. Februar etwas Neues zu hören: Die Bake GB3VHF in Wrotham im englischen Kent mit dem Locator JO01DH. Die hier benutzte Direct-Digital-Synthesiser-Technik erlaubt erstmals im Bakengeschäft die Aussendung moderner digitaler Modi. Neben der althergebrachten Identifikation im A1A-Morsecode sendet GB3VHF zu Beginn einer jeden geraden Minute 48 Sekunden lang im JT65B-Modus der WSJT-Software von Joe Taylor, K1JT. Als Antennen kommen zwei Dreielementyagis zum Einsatz, die in 48 Metern über Grund Richtung Nordwesten strahlen. Sie werden mit 30 Watt gespeist. Versuchen Sie es – trotz Antennenrückseite – einfach einmal; in Nordrhein-Westfalen ist GB3VHF jedenfalls auch bei schlechten Bedingungen ganz gut zu dekodieren. Empfangsberichte sind erbeten, und zwar mittels eines Internetformulars auf der Website des Erbauers: www.g0afh.com/gb3vhf.

Quelle: RSGB


RSGB SENDET RUNDSPRUCH IN DRM

(rps) Der britische Amateurfunkverband RSGB sendet seinen wöchentlichen News Service jetzt auch im DRM-Modus – also in digitaler Sprache. Zum Einsatz kommt die WinDRM-Software – und zwar sonntags abends um 21:15 UTC auf 1840 kHz im 160-Meterband im oberen Seitenband.

Quelle: RSGB


LESERBRIEF

(red) Jörg Kreiser von der privaten Hilfsorganisation DcAR schreibt uns:

"Sehr geehrter Herr Schulze,

seit mehreren Monaten höre ich aufmerksam den Rundspruch der AGZ. Ich wende mich mit der Bitte an Sie, mein Anliegen im kommenden Rundspruch mit einzubauen. Wir sind ein mehrjähriger Katastrophenschutzverein, der unter anderem beim Tsunamieinsatz auf Sri Lanka, beim Erdbeben in der Türkei sowie beim Erdbeben in Pakistan aktiv war. Bilder dazu können auf unserer Internetseite www.dcar-dl.de besichtigt werden.

Da wir seit kurzen zusätzlich zu unseren Zweimeterfrequenzen für Relaisfunkstellen auch vier Kurzwellenfrequenzen zugeteilt bekommen haben, sind wir nun auf der Suche nach Spendern, die uns mit Antennen jeglicher Art und ggf. mit nicht mehr benötigten Transceivern weiter helfen. Gerne freuen wir uns auch über Spenden von kommerziellen VHF-Geräten. Kontaktaufnahme bitte unter info@dcar-dl.de.

Vielen Dank 
MfG 
Jörg Kreiser"


UNLIEBSAME GÄSTE

(hfs) Die Vorgänge um den Gaststatus beim DARC-Ortsverband G11 sind offensichtlich doch keine Einzelfälle. Die am 11. März abgehaltene Jahreshauptversammlung des "Deutschen Arbeitskreises für CB- und Notfunk e.V." in Herleshausen veranlasste offensichtlich – ähnlich wie bei der AGZ für den 25. März in Heusenstamm angekündigt – eine Demonstration der ausgeladenen Meinungsgegner. Zielperson beim DAKfCBNF ist Franz Ahne, DL6NY, dem man die notwendige Distanz zum DARC abspricht.


ZUM GUTEN SCHLUSS

(hfs) Die Pressestelle der Bundesnetzagentur bestätigte der Redaktion am 9. März telefonisch, dass das Losverfahren bei 50 MHz tatsächlich zum Zuge kam. Diejenigen, die sich für eine Sechsmeterlizenz beworben und bis zum Wochenende keine Zuteilung erhalten haben, können ziemlich sicher von einem negativen Ergebnis ausgehen. Mit einer Begründung versehene Ablehnungsbescheide will die Behörde definitiv nicht erstellen, obwohl das Verwaltungsverfahrensgesetz das Gegenteil verlangt. Die Bundesnetzagentur will zum Thema am 22. März eine Amtsblattmitteilung heraus geben.

Jetzt stellt sich erneut die Gretchenfrage: Welches Gefahrenpotenzial entsteht wohl im 50-MHz-Band, wenn die Teilnehmerzahl in Deutschland 4500 übersteigt und wenn man im eigenen Land diese Sender gar nicht hören kann, weil die Frequenzbelegung nahezu allein durch ausländische Funkamateure mit Senderleistungen jenseits der 100 Watt out mittels Sporadic-E-Ausbreitung geprägt wird?

Wir bleiben dran, demnächst mehr zu diesem Thema.


Vy 73,
Hermann, DL1EEC