HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 223 / 2006 vom 19.03.2006

Redaktion: Hermann Schulze, DL1EEC

Autoren:
Hermann Schulze, DL1EEC (hfs)
  Wolfgang van Gels, DL5EDA (wvg)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LEITARTIKEL: FUNKAMATEURS DUMMYLOAD II

(wvg) Da den Ausführungen des HamRadio 2day-Leitartikels der Ausgabe 215 vom 22. Januar dieses Jahres bisher nicht widersprochen wurde, haben wir Funkamateure offensichtlich doch ein Problem mit unserer Selbstdarstellung.

Wenn die dort geschilderten Abläufe tatsächlich "Amateurfunkdienst" sind, dann können wir nicht erwarten, dass sich dafür jemand ernsthaft außerhalb des Amateurfunkbereiches in unserer Gesellschaft einsetzt. Bestenfalls erhalten wir von Besuchern ein beifälliges "Toll" und beim Gehen ein verständnisloses Kopfschütteln ob solcher Praktiken. Wenn unser Funkdienst gesellschaftlich ernst genommen werden will, muss auf den Bändern ein neuer Wind wehen, der dem Geist und dem Auftrag des Amateurfunkgesetzes gerecht wird:

Der Beitrag zur Völkerverständigung muss im QSO für Dritte erkennbar werden.

Lassen Sie uns QSO-Partner in Regionen suchen, in denen die Begriffe Menschenwürde, Rechtsstaat oder Meinungsfreiheit unbekannt sind – und machen wir auf diese Mängel aufmerksam. Völkerverständigung besteht eben nicht darin, das Unrecht in anderen Regionen zu tolerieren und nur um eines persönlichen Erfolges willen diejenigen zu hofieren, die als Linientreue ein seltenes DXCC-Land aktivieren, dessen QSL-Karte dann auch noch das eigene Shack schmückt.

Nein, das bringt uns auf Dauer keine Verbündeten in der Gesellschaft – und die sind dringend nötig. Wir müssen Farbe bekennen und jeder muss im Rahmen seiner Möglichkeiten den vom Amateurfunkgesetz geforderten Beitrag zur Völkerverständigung leisten. Dazu reichen aber fünf neun neun null null sieben alleine nicht aus.

Vy 73 de
Wolfgang, DL5EDA
Vorsitzender der AGZ e.V.


DF0AGZ WIRD ZU DM0AGZ

(hfs) und befindet sich nun am neuen Standort Wermelskirchen – mit noch mehr Anwendungsmöglichkeiten als bisher am alten Standort. Zusätzlich zu der Repeaterfunktion kommt die weltweite Anbindung via Internet und eine Gatewayfunktion zur Kurzwelle auf 14220 kHz. Ihr Einstieg ist die Simplexfrequenz 433,400 MHz. Mittels eines Ruftones von 1750 Hz wird das System aktiviert. Auf jeden Fall werden wir mittelfristig auch die Möglichkeit anbieten, parallel "Echolink" zu schalten, wenn SSTV pausiert. Dazu hat DL5DK eine Schaltung entwickelt, die SSTV abschaltet, wenn auf der Frequenz Fonie erkannt wird.

Wir haben 433,400 MHz bewusst gewählt, weil wir damit auch etwas für die Absicherung der Amateurfunkfrequenzen tun möchten. Bekanntlich arbeiten wir dort als Primärnutzer und die Bundesnetzagentur will in diesem Band den Amateurfunkdienst wieder fördern, indem sie keine neuen Allgemeinzuteilungen für LPD-Sprachanwendungen mehr vornehmen wird.

Derzeit läuft auf der Frequenz 433,400 MHz DL0AGZ im Test als SSTV-Repeater mit 100 Watt out. Wir bitten darum, uns umgehend die Feldstärke an Ihrem Empfangsort per E-Mail unter dl0agz@agz-ev.de mitzuteilen.

DM0AGZ bekommt ein eigenes Notebook – ein EC G320 – und einen FT-857. Die Antenne ist eine X-7000 zusammen mit einem Kelemen-Dipol für 20 Meter Kurzwelle. Dieser wird im April oder Mai gegen eine Cushcraft-R8 getauscht. Auf dem Windows-XP-SP2-Rechner läuft Echolink und WWW-SSTV. Mittels pcAnywhere ist die Station fernsteuerbar und natürlich auch – wie gefordert – abschaltbar. Der FT-857 ist zudem so konfiguriert, dass er nach 15 Minuten Dauersendung abschaltet und alle zehn Minuten die Kennung DM0AGZ sendet.


WWW-SSTV

(hfs) entstammt der Echolink-Idee und war zuerst unter "isstv" bekannt. Zwischenzeitlich hat die Truppe um DL5DK – das ist Dieter Meereis – ein kleines Netz errichtet, das Gateway-Stationen in der Schweiz und in Deutschland betreibt. Zusammen mit DM0AGZ stehen den Usern derzeit neun Gateways vom Internet zu VHF und UHF zur Verfügung. Im Einzelnen sind das:

DB0DXM, DB0QF, DJ6JL, DL5DK, DM0AGZ, DO4SH, HB9GL, HB9RWL und HB9ZF.

Weitere Einzelheiten dazu finden Sie unter http://www.db0dxm.de/.


DER HAMMER DER WOCHE

(hfs/rps) Wir kennen die Dittelbrunner Gemeinderätin Marianne Blank als tatkräftige Verfechterin einer Welt mit möglichst wenig Antennen, Funkmasten und gepulsten elektromagnetischen Schwingungen. Auch weiß sie ganz genau, wie man mit Gesetzen und Verordnungen Masten im Allgemeinen und Funkmasten im Besonderen knickt.

Nun hat sie die Physik auf den Kopf gestellt – und zwar im "Hassfurter Tagblatt" vom 12. März unter der Überschrift "der Mast steht noch lange nicht". Meinte sie doch dort allen Ernstes, dass wegen der hohen Empfindlichkeit der heutigen Handy-Empfänger von nur 0,001 Mikrowatt pro Quadratmeter die Sender auch nicht wesentlich mehr Leistung zum Senden bräuchten. Das ganze soll anscheinend ihre Forderung nach der Senkung der gesetzlichen Feldstärkegrenzwerte um mindestens den Faktor eine Million pseudowissenschaftlich untermauern. Leichtgläubige und Uninformierte könnten nun auf die Idee kommen, dass ein Sender mit wenigen Mikrowatt draußen im Wald ausreicht, um eine ganze Stadt mit digitaler Infrastruktur zu versorgen. Das Gegenteil ist richtig: Geringere mittlere Feldstärken bedeuten nicht nur mehr Sender, Masten und Antennen, sondern vor allem auch deren Heranrücken an und in die Wohngebiete.

Hier werden nicht nur die einfachsten Gesetze der Physik regelrecht mit Füßen getreten; nein – hier werden Laien offenbar gezielt manipuliert. Dass Frau Blank umweltpolitische Sprecherin der FDP Bayern ist, kann man nach dieser Lektüre eigentlich nicht mehr so recht glauben: setzt sich diese Partei doch ansonsten vehement für den Wirtschafts- und High-Tech-Standort Deutschland und für eine liberale Politik ein, während Marianne Blank das ganze Register des öffentlichen Bau- und Planungsrechts zieht, um dem Ausbau der drahtlosen Telekommunikationsnetze Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Quelle: DL8NAD und Hassfurter Tagblatt vom 12. März 2006


DAS MALHEUR DER WOCHE

(red) Vorige Woche – während der täglichen Auszeit von DB0AGZ auf 145,450 MHz von 9 bis 10 Uhr – unterhielten sich zwei Funkamateure im Rentenalter über ihre Probleme mit den Soundkarten ihrer Computer und den daran anzuschließenden Funkgeräten. Es ging darum, die Transceiver brummfrei mit der Soundkarte zu verbinden.

Sagte der eine Funkamateur zum anderen: "Wenn ich ihn hinten reinstecke – er meinte natürlich den Klinkenstecker –, dann geht es, aber vorne geht es nicht". Nun, bei den modernen Computergehäusen kann man die Audioschnittstellen nach vorne umleiten. Wenn man das nicht macht, dann tut's vorne natürlich nicht mit Line-In und Line-Out. Man sollte vielleicht ein wenig aufpassen, was man auf öffentlichen Frequenzen so von sich gibt. Zum Schmunzeln war's allemal.


DIE PANNE DER WOCHE

(red) fügte der Deutsche Aero Club e.V. der Bundesnetzagentur zu, indem er beim Verwaltungsgericht Köln erreichte, dass nach den Jahren 1998 und 1999 nun auch die TKG-Frequenznutzungsbeiträge der Jahre 2000 bis 2002 nicht nur für fehlerhaft, sondern insgesamt für rechtswidrig erklärt wurden. Das Gericht bemängelte, dass erst nach mehrfacher Mahnung und nach langen Fristen von der Bundesnetzagentur überhaupt Kalkulationsunterlagen vorgelegt wurden. Eine für das Gericht nachvollziehbare Darstellung und Erläuterung der Unterlagen und vor allem des Zustandekommens der geforderten Geldbeträge blieb seitens des Bundeswirtschaftsministeriums trotz Aufforderung aus. Weder die angesetzten Zahlen, noch die darauf gestützte Kalkulation seien nachvollziehbar. Ferner seien Kostenpositionen aufgeführt worden, die in die Beitragsbemessung gar nicht einfließen dürfen.

Hätten die Interessenvertreter der Sportflieger nicht seit 1993 gegen derartige Beitragsbescheide erfolgreich gekämpft, wären mit Sicherheit die Beitragshöhen seither explodiert. Eine Nachfrage bei der Bundesnetzagentur ergab, dass es noch völlig offen ist, ob und wann für das laufende Jahr 2006 Beitragsbescheide versandt werden.

Quelle: Deutscher Aero Club e.V. Mehr dazu finden Sie im Internet unter http://www.daec.de/aktuelles/.


LESERBRIEF

(red) Christof, DO7KEH, schreibt uns:

"Hallo lieber Hermann,

ich habe erfahren, dass Ernst, DO3PN, behauptet, ich sei Schwarzfunker. Hermann, anbei sende ich meine Zuteilungsurkunde.

Mit freundlichen Grüßen
Christof Höhn, DO7KEH"

Anmerkung der Redaktion: Das Rufzeichen DO7KEH bestätigt auf dem Zweimeterrelais Bonn häufiger HamRadio 2day und ist laut Auskunft der Netzagentur vom 9. März nicht nur zugeteilt, sondern auch mit der uns vorliegenden Urkunde identisch. Ist das eine neue Art des Stalkings im Amateurfunk?


Vy 73,
Hermann, DL1EEC