HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 228 / 2006 vom 23.04.2006

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LEITARTIKEL: TABUTHEMA POLITISCHE VERSTRICKUNG DES AMATEURFUNKS

(rps) vor allem während des Dritten Reiches – darum geht es in einem sehr lesenswerten Artikel von Wolf Harranth, OE1WHC, in der aktuellen Mai-Ausgabe der Zeitschrift "Funktelegramm". Der Autor räumt dabei gründlichst auf mit lange und intensiv gepflegten Mythen und Märchen, der Amateurfunk sei schon immer von Grund auf unpolitisch gewesen und man wolle doch "bloß funken" – egal, unter welchem Regime.

Minutiös deckt Harranth die tief gehenden Verstrickungen des damaligen "Deutschen Amateur-Sende-Dienstes" – des DASD – mit den herrschenden Nationalsozialisten auf – bis hin zur geheimen Kommando-Vollzugsmeldung von DASD-Präsident Sachs, der im Jahre 1944 dem Reichsführer SS mitteilte, alle Agentennetze der verschiedenen deutschen Dienste seien unterdessen durch Funkamateure mit selbst gebauten Geräten aufgebaut worden. Denn allein der Funkamateur – so Sachs – sei Forscher, Techniker und Frontfunker in einer Person.

Beim Lesen verschlägt es einem einfach die Sprache: Autor Wolf Harranth hat einen demaskierenden und desillusionierenden Artikel geschrieben, der manche Worte der renommierten Nachkriegsgarde des deutschen Amateurfunks in ein ziemlich schräges Licht rückt und der mit authentischen Zitatstellen und historischem Material nicht gerade spart. Harranth bezeichnet seinen Text ganz bewusst als Schnittstelle vom DASD zum DARC und damit als Grundlage für das, was in einem Folgeartikel, der die Nachkriegszeit und das Entstehen des Deutschen Amateur-Radio-Clubs behandeln wird, demnächst kommt. Man darf gespannt sein.

Ralph, DC5JQ


KURZWELLENSTATION JÜLICH IST VERKAUFT

(rps) T-Systems – eine Tochter der Deutschen Telekom AG – verkauft seine Kurzwellenstation Jülich an Christian Vision. Christian Vision – oder kurz CVC International, das bisher eigene Kurzwellenzentren in Australien, Chile und Sambia besitzt und Sendezeit bei anderen Anbietern zukauft, bekommt mit Jülich eine ursprünglich für die Weltversorgung ausgestattete Station, die Möglichkeiten für Europa, Afrika, den Nahen und Mittleren Osten sowie den GUS-Raum eröffnet. Die in den Fünfzigerjahren erste Sendeanlage der Deutschen Welle verfügt über ein Dutzend 100-kW-Sender, die teilweise auch DRM-tauglich sind. Jülich spielte eine gewisse Pionierrolle bei der Einführung dieser neuen digitalen Sendertechnologie.

Bisher sendete CVC International christlich eingefärbte Tagesbegleitprogramme in Englisch, Chinesisch, Hindi, Indonesisch, Portugiesisch und Spanisch. Naheliegend wären jetzt auch Arabisch, Französisch und Russisch. T-Systems wird bis 2007 Sendezeit für seine bisherigen Kunden sicher stellen, danach übernimmt Christian Vision die volle Kontrolle und Vermarktung der Station.

Quelle: Kurzwellenring Süd und Radio Netherlands Media Network


HAMRADIO 2DAY MIT ZUSÄTZLICHEM AUDIOTERMIN

(rps) Ab sofort wird unser Magazin über das neue 70-Zentimeterrelais DB0KJA in Erftstadt bei Köln ausgestrahlt – und zwar sonntags um 10:15 Uhr Ortszeit auf der Ausgabefrequenz 439,2875 MHz. Unser Dank geht an den Betreiber Matthias, DD1KJ, und an Peter, DJ4KA!


ERSTER 50-MHZ-FERNSEHGRUNDNETZSENDER WIRD ABGESCHALTET

(rps) Die analoge terrestrische Aussendung des Fernsehens wird in Hessen am 29. Mai dieses Jahres vollständig eingestellt. Wie unter anderem die Zeitschrift "Funktelegramm" in ihrer aktuellen Mai-Ausgabe meldet, wird damit auch der Sender Biedenkopf abgeschaltet, der bisher auf Kanal 2 – also bei 50 MHz – das Programm der ARD sendet. An seine Stelle tritt der DVB-T-Sender Angelburg in der Nähe von Dillenburg, der jedoch nur UHF-Frequenzen nutzen wird.

Damit fällt am 29. Mai die 50-MHz-Schutzzone um den Sender Biedenkopf automatisch weg. Einer Änderung der entsprechenden Amtsblattmitteilung oder gar der individuellen Sondergenehmigungen selbst bedarf es dazu allerdings nicht: In den Schutzzonen ist nämlich nicht etwa jeglicher Amateurfunksendebetrieb untersagt; man darf statt dessen nur dann nicht senden, wenn der betreffende Fernsehsender tatsächlich im Sendebetrieb ist. Im Gegensatz zur Meldung im "Funktelegramm" braucht also niemand auf die Bundesnetzagentur zu warten, bis sie die Schutzzone aufhebt: Wenn Biedenkopf QRT geht, ist ab diesem Moment das 50-MHz-Band dort frei.

Quelle: Hessischer Rundfunk und ueberallfernsehen.de


ÖSTERREICH BRÄT EINE EXTRAWURST

(rps) Unser Nachbarland Österreich hat nach Informationen aus Verbandskreisen nicht die Absicht, dem CEPT-Abkommen zur Einsteigergenehmigung beizutreten. Angeblich unterscheide sich die dortige Klasse 3 in Prüfung und Frequenzen zu sehr von all dem, was die europäische Harmonisierung von der Novice Licence einfordert. Aber nicht nur das – Österreich will zudem auch keine Gastlizenzen erteilen. Ändern an der Klasse 3 will man aber auch nichts.

Bei der Wahl des Urlaubsortes dürfte diese nur als bockig und anti-europäisch zu bezeichnende Haltung durchaus einen spürbaren Einfluss bei den europäischen Novizen ausüben – es gibt schließlich auch noch andere Länder mit Bergen und Alpengipfeln.

Quelle: ÖVSV


ERNEUT VERFAHREN GEGEN FUNKER EINGESTELLT

(rps) Im Mai 2005 erhielt ein CB-Funkfreund aus Ochtrup von der Bundesnetzagentur einen Bußgeldbescheid. Er soll einen unzulässigen Senderendverstärker auf einer CB-Funkfrequenz bei 27 MHz verwendet haben. In dem Bescheid wurde auch die Einziehung zweier Endstufen angeordnet. Der Funkfreund legte Einspruch ein – und so landete das Verfahren jetzt vor dem Amtsgericht Bonn.

Die Beweisaufnahme in der Hauptverhandlung am 20. April dieses Jahres führte zu folgendem Ergebnis: Nach mobilen Messungen und Peilungen vermuteten die Beamten der Netzagentur die Verwendung eines Senderendverstärkers durch den Betroffenen. Daraufhin riefen sie die Polizei. Nach deren Eintreffen wurde an der Tür des Funkfreunds geklingelt und diesem erklärt, man begehre Einlass zum Zweck des Überprüfens seiner Funkanlage. Im Haus wurden dann ein eingeschaltetes Funkgerät und eine damit verbundene Endstufe gefunden. Die Messung von deren Ausgangsleistung ergab mehr als 100 Watt. Im Fahrzeug des Betroffenen fand man später ebenfalls eine angeschlossene Endstufe.

Der Verteidiger des Betroffenen rügte, dass dem Funkfreund der Tatvorwurf nicht vor dem Betreten seines Hauses bekannt gegeben und statt dessen nur eine Überprüfung begehrt wurde. Daraufhin stellte das Amtsgericht Bonn das Verfahren auf Kosten der Staatskasse ein. Das Aktenzeichen lautet 71 Owi 359/05.

Quelle: Michael Riedel, DG2KAR  


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Ralph, DC5JQ