HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 231 / 2006 vom 21.05.2006

Redaktion: Till Uhde, DL9JT

Autoren:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
  Till Uhde, DL9JT (tu)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LEITARTIKEL: NEIDGESELLSCHAFT

(rps) auch im Amateurfunk? Es scheint so. Lange Zeit schallte es durch den Amateurfunkwald, die 1997er Einsteigerklasse sei eine Farce – viel zu leicht und niveaulos sei die Prüfung, durch wildes Ankreuzen quasi zufällig zu bestehen. Viel zu gering sei die erlaubte Strahlungsleistung – sie sei praxisfern und quasi der permanente Ritt entlang der Klippe der Illegalität: Handelsübliches Gerät müsse man erst modifizieren, um legal zu werden. Normalerweise ist es umgekehrt: Man muss manipulieren, um illegal zu werden – eine verkehrte Welt. Und schließlich: viel zu wenig Frequenzen – Zweimeter und Siebzigzentimeter alleine, das sei doch nicht einmal "CB-Funk de Luxe", zumal die Jedermannfunkfreunde auf 27 MHz ganz Europa erreichen und zudem auch noch ganz legal dieselben 10 Watt EIRP mit Richtantennen nicht nur ausnutzen, sondern mit einer Standortbescheinigung sogar überschreiten dürfen.

Nun kommt die Bundesregierung diesen Argumenten tatsächlich entgegen, indem sie die Kurzwelle öffnet, die erlaubte Senderleistung anhebt und das Prüfungssystem upgradefähig macht. Die Prüfung für die "neue Klasse E" wird dadurch am 1. Juli nicht nur in zwei Teilbereichen – nämlich in Vorschriften und Betrieb – schwieriger, sondern sie wird sogar in allen drei Teilen umfangreicher, was den zu lernenden Inhalt anbelangt, eben bedingt durch neu aufzunehmende kurzwellenbezogene Themen. Das Niveau wird also steigen – wie allgemein gewünscht.

Doch es gibt erstaunlicherweise kaum öffentlichen Beifall. Es geht den Schreihälsen in Packet-Radio und im Usenet demnach nicht etwa darum, dass die neue Klasse-E-Prüfung ab Sommer 2006 nicht zu den neuen erweiterten Privilegien passt, denn dies ist unzweifelhaft gewährleistet – schon durch die entsprechende CEPT-Vorgabe. Es geht in Wirklichkeit um etwas ganz anderes: Man will den heutigen DO-Lizenzen nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnen. Sie sollen absolut nichts geschenkt bekommen. Der "Unfall" mit der Klasse C sei schon schlimm genug gewesen: "Finis Germaniae" – der Untergang des Amateurfunks stehe nun wirklich unmittelbar bevor – wie schon so oft seit Einführung der UKW-Lizenz im Jahre 1967. Nostradamus lässt grüßen! Fazit: Die Auseinandersetzung ist nahezu allein von Neid und Missgunst geprägt – und nicht von Sachthemen.

Inhaltsleere Stammtischreden a la "niemand ist daran gehindert, eine richtige Lizenz zu machen" sind so alt, wie es in Deutschland zwei Lizenztypen gibt. Dieses Gerede wird immer wieder und wieder bei passender Gelegenheit von Hardlinern ausgepackt, nur um sich selbst über Andere zu stellen. Die alte C-Lizenz kann nicht nur ein Liedchen davon singen. Dass ein "Auslaufenlassen" der heutigen Klasse E mit der daran gekoppelten Notwendigkeit einer Kurzwellen-Zusatzprüfung – wie von einigen aggressiv gefordert – schon allein wegen der dabei entstehenden Verwaltungs- und Überwachungskosten für den Staat untragbar ist, das wird offenbar – blind vor Missgunst – völlig übersehen.

Ob 75 Watt Senderausgangsleistung zu viel sind, und ob man nicht zum Beispiel 30 oder 40 Watt gegen den Rest der nun vorenthaltenen Kurzwellenbänder eintauschen möchte, darüber lässt sich natürlich trefflich und vor allem niveauvoll streiten. Allerdings sollte man nicht von vorne herein einen neuen Ritt in die breite Illegalität programmieren und man sollte vor allem Einsteiger nicht darunter leiden lassen, dass die mittleren Wohnverhältnisse in Deutschland – unter Beachtung der BEMFV – sowieso nur maximal 100 Watt zulassen – auch für Klasse A. Das wäre nichts anderes als eine Art von inversem Sozialneid.

Wieder aufs Neue verstrickt sich der deutsche Amateurfunkdienst also in eine heil- und vor allem niveaulose Diskussion über sein Selbstverständnis – und setzt eine falsch verstandene und mittlerweile verschwundene Exklusivität noch über die Nachwuchsgewinnung. Ich hoffe, dass das, was wir zur Zeit in den Netzen erleben müssen, eine kleine überlaute Minderheit ist – und nicht etwa ein repräsentativer Querschnitt. Sonst sähe es düster aus für die Zukunft – und jede Art von politischer Interessenvertretung wäre aus den eigenen Reihen torpediert.

Ralph, DC5JQ


BEMFV IN ZAHLEN

(rps) Die Redaktion von HamRadio 2day wollte es wissen: Wie viele ortsfeste Amateurfunkstellen wurden bis heute bei der Bundesnetzagentur hinsichtlich der Einhaltung der Personenschutz- und Herzschrittmachergrenzwerte angezeigt?

Nun, wir wissen es seit dieser Woche: Es sind genau 16.775 Anzeigen. Allerdings ist bei dieser Summenzahl nicht berücksichtigt, dass viele Funkamateure mehrfach nach Änderungen ihrer Anlage angezeigt haben. Ob das nun viel oder wenig ist, darüber wird man sicher kräftig streiten können. Dank geht jedenfalls an die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Bundesnetzagentur in Bonn, die diese Zahlen für uns erst einmal zusammentragen musste und die sich nun um die Anzahl der angezeigten Standorte bemüht.


BUNDESNETZAGENTUR BITTET UM ABSCHALTUNG

(rps) Proaktiv sollen sich diejenigen Funkamateure verhalten, die in der Nähe von Austragungsorten der kommenden Fußballweltmeisterschaft automatische oder fernbediente Amateurfunkstellen im 13-Zentimeterband betreiben: Sie sollen vorsorglich an bestimmten Tagen senderseitig abschalten, weil Primärnutzer den Frequenzbereich 2320 bis 2450 MHz für eine Vielzahl von Videoübertragungen nutzen werden, z.B. für mobile Kamerasysteme – auch der Sicherheitsdienste. Der AGZ liegt ein entsprechendes Schreiben der Bundesnetzagentur vor. Es geht um einen Radius von 50 bis 100 km um die Stadien in Berlin, Dortmund, Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart.

Ob Ihre Funkstelle davon betroffen ist und an welchen Tagen, das entnehmen Sie bitte einer Liste, die wir mit Zustimmung der Netzagentur in unser Internetangebot gestellt haben. In Köln handelt es sich zum Beispiel um die Amateurfunkstellen DB0DE, DB0DSP, DB0II, DB0JL, DB0ME, DB0OVN, DB0RHB, DB0SG, DB0SYS, DB0WST und DB0XXP, wenn man 50 km Abstand zu Grunde legt. Wie gesagt, es handelt sich um eine Bitte der Behörde, entscheiden muss jeder für sich selbst. Im Störungsfall ist laut Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung der Betreiber der Videostrecke jedenfalls bevorrechtigt. Außerdem müssen Störungen der Relaisempfänger durch Videoaussendungen der Primärnutzer hingenommen werden, auch wenn die Ausgabefrequenz nicht auf 13 Zentimeter liegt.


AGZ-SERVICES WIEDER ON AIR

(tu) Anfang dieser Woche sind die Lizenzurkunden für DF0AGZ und DB0AGZ eingetroffen. DM0AGZ wird aus Kostengründen nicht wieder aktiviert. Zur Erinnerung: Seit dem 1. Januar dieses Jahres kostet die Neuzuteilung eines Rufzeichens für automatischen oder fernbedienten Betrieb 150 Euro. Hierunter fällt auch ein Wechsel des Rufzeicheninhabers.

DF0AGZ bietet ab sofort vom Standort Solingen auf 144,9625 MHz mit einem 123 Hz-Subaudioton wieder unser Echolink-Gateway mit der neuen Nodenummer 102250 – und auf 433,400 MHz den bekannten SSTV-Repeater. Letzterer ist mit einem 1750 Hz-Rufton zu aktivieren, danach fordert die Kennung zum senden eines Bildes auf. Im Laufe der nächsten Wochen werden auch die Pactor- und Packet-Radio-Einstiege wieder aktiviert.

DB0AGZ wird in Grevenbroich mit einem kombinierten Relaissystem für analoge und digitale Sprache aufgebaut. Im Moment sind eine Frequenz im Zweimeterband für analoge Übertragung und eine im Siebzigzentimeterband für digitale Übertragung genehmigt. Mehr zu dem verwendeten Verfahren und der dafür erstellten Software erfahren Sie bald hier im Magazin und auf der HamRadio in Friedrichshafen – am Stand der AGZ e.V.


NOCHMAL RELAIS

(red) Dieter, DO6ED, teilt mit, dass seine Genehmigungsurkunde für DO0SJ in Ratingen verlängert wurde.


KEINE ZUSÄTZE

(rps) für das personengebundene Rufzeichen sind laut Auskunft der Bundesnetzagentur während der Fußballweltmeisterschaft erlaubt. Die Redaktion erreichten in den letzten Wochen Anfragen von Funkamateuren, ob aus diesem Anlass – ähnlich wie im Ausland oft praktiziert – das eigene Rufzeichen mit einem speziellen Anhängsel a la /WM erweitert werden darf. Erlaubt seien jedoch nur so genannte "international gebräuchliche Rufzeichenzusätze", was bei der Fußballweltmeisterschaft allerdings nicht zu erkennen sei.

Vy 73,
Till, DL9JT