HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 232 / 2006 vom 28.05.2006

Redaktion: Till Uhde, DL9JT

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

KLARSTELLUNG

(rps) auf Wunsch einiger unserer Leser und Hörer: Der ministerielle Entwurf einer neuen Amateurfunkverordnung enthält ausdrücklich nicht die Notwendigkeit einer zusätzlichen Prüfung für die heute bereits existierenden Klasse-E-Genehmigungen, um künftig Kurzwellenfrequenzen nutzen zu dürfen. Der Entwurfstext ist so abgefasst, dass mit seinem In-Kraft-Treten ausnahmslos alle bereits existierenden Inhaber eines Klasse-E-Rufzeichens sowohl die dort vorgesehenen Kurzwellenfrequenzen, als auch die neuen Senderausgangsleistungen von 5, 10 oder 75 Watt PEP automatisch nutzen dürfen.

Am 1. Juli soll es soweit sein – und nächste Woche hören Sie dazu an dieser Stelle unser Statement gegenüber dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.


NEUE GEFAHREN FÜR AMATEURFUNKFREQUENZEN

(rps) Der britische Regulierer OFCOM und der dortige Amateurfunkverband RSGB berichten diese Woche über Planungen, Internetbreitbandzugänge in ländlichen und damit sehr oft unterversorgten Gebieten mittels Funk im 2,4- und 5-GHz-Band zu realisieren. Weil aus finanziellen Gründen große Flächen mit wenigen Basisstationen zu versorgen sind, werden für diese exponierten Standorte Strahlungsleistungen von 80 bzw. 200 Watt EIRP diskutiert.

Protest kommt im Vereinigten Königreich insbesondere von AMSAT UK, einer Vertretung von Funkamateuren, die gemeinsam Amateurfunksatelliten bauen und nutzen. Speziell der Bereich 2,4 bis 2,45 GHz sei durch diese Pläne bedroht, weil hier sehr viel Funkverkehr mit schwachen Signalen aus dem Orbit und dem Sonnensystem abgewickelt werde: So werde zum Beispiel der Mars-Orbiter P5-A, der im Jahre 2009 von AMSAT-Funkamateuren zu unserem Nachbarplaneten geschickt werden soll, 2,4 GHz als wichtigstes Kommunikationsband nutzen. Auch der Amateurfunk-Videolink der Internationalen Raumstation ISS, der von vielen Schulen genutzt wird, arbeitet dort und wäre ebenfalls gefährdet, sollten die Pläne Wirklichkeit werden.

Eine technische Studie der britischen Regulierungsbehörde OFCOM erwähnt in diesem Zusammenhang zudem mit keinem Wort den Amateurfunkdienst, der Frequenzzuweisungen in beiden avisierten Bereichen besitzt. Leider haben – auch in Deutschland – diese Zuweisungen Sekundärstatus, so dass sich die Funkamateure formalrechtlich noch nicht einmal wehren können – und den Kürzeren ziehen.

Langsam aber sicher bewahrheitet sich nun die Einschätzung der AGZ e.V. anlässlich der "Detailed Spectrum Investigation"-Unternehmung von ERO und damaliger RegTP gegen Ende der 90er Jahre, dass ein Mikrowellenband nach dem anderen dem Amateurfunk de facto in der Praxis verloren gehen wird, weil Primärnutzer immer mehr und flächendeckend Besitz von ihren Frequenzen ergreifen und damit kaum noch sekundäre Nutzungsmöglichkeiten zulassen – schon einmal gar nicht für automatische und fernbediente Amateurfunkstellen. Experimente mit modernen Technologien und entsprechendem Bandbreitenbedarf sind damit im Amateurfunkdienst zunehmend existienziell gefährdet.

Die damalige Forderung der AGZ nach der Ausweisung kleinerer Bereiche mit dem Primärstatus, um Planungssicherheit für die Zukunft zu bekommen, wurde und wird bis heute von der deutschen Regulierungsbehörde nicht unterstützt. In Folge muss sich der Amateurfunkdienst aktuell nun den ebenfalls berechtigten Interessen zum Beispiel der nicht DSL-versorgten ländlichen Gebiete stellen, endlich einen bezahlbaren Breitbandzugang zum Internet zu bekommen.

Quellen: RSGB und OFCOM


DIE EUROPÄISCHE FREQUENZHOHEIT RÜCKT NÄHER

(rps) Die Europäische Union plant laut der britischen Zeitung Daily Mail die Gründung einer "Super-Regulierungsbehörde". Die Idee stamme von der EU-Kommissarin Viviane Reding, zuständig für die Informationsgesellschaft und Medien – und damit auch für die Telekommunikation. Die nationalen Regulierungsbehörden, in Deutschland ist dies die Bundesnetzagentur, sollten dabei einer übergeordneten EU-Institution unterstellt werden, die Kompetenzen in den Bereichen Rundfunk- und Fernsehen, Telekommunikation und Internet erhalten solle.

Die nationalen Regulierungsbehörden der Mitgliedsstaaten sowie betroffene Unternehmen wenden sich natürlich bereits gegen die Pläne. Der Chef der britischen Regulierungsbehörde OFCOM, Alex Blowers, kritisierte, die EU könne bei Verwirklichung der Pläne zukünftig in die Entscheidungen der nationalen Behörden eingreifen und zum Beispiel bereits verhängte Strafen gegen Akteure aufheben. Dies nehme den Regulierungsinstitutionen nicht nur die Entscheidungsgewalt, sondern führe durch eine neue Kompetenzebene zu unnötiger Bürokratisierung.

Rückendeckung erfährt Blowers durch Ben Verwaayen, Chef der British Telecom, der hofft, dass die Pläne bald verworfen werden. Den Streit um den Ausbau des VDSL-Netzes der Deutschen Telekom sieht Verwaayen als Testfall: Die Bundesregierung hat im gerade verabschiedeten Entwurf für die Novellierung des Telekommunikationsgesetzes der Telekom beim Ausbau des Glasfasernetzes einen regulierungsfreien Raum gewährt und sich damit offen gegen die Europäische Union gestellt. "Lassen Sie uns sehen, wie dieser Streit ohne 'Super'-Kompetenzen von Brüssel ausgeht", sagte Verwaayen.

Eben diese als nicht existent angemahnten Superkompetenzen bereitet die Europäische Kommission allerdings zur Zeit vor: Vor allem die Einrichtung einer Gruppe für Frequenzpolitik im Jahre 2002 und die Veröffentlichung des "Grünbuchs Frequenzpolitik" formulierten bereits klar und deutlich die politischen Ziele der EU im Zusammenhang mit dem Zugang zu Frequenzen und deren Bereitstellung, nämlich die Kohärenz der Frequenzzugangsbedingungen für gleichartige Dienste auf Gemeinschaftsebene und gleiche Rechtsvorschriften in der Europäischen Union beim Zugang zu Frequenzen. Funkfrequenzen werden von Brüssel als Wirtschaftsgut im europäischen Binnenmarkt angesehen, den es weiter zu harmonisieren gilt.

Warten wir also auf das, was Viviane Reding sich in der kommenden "Frequenzdirektive" für den Amateurfunk als gleichartigen Dienst auf Gemeinschaftsebene ausdenkt – oder besser: handeln wir und sagen ihr vorher, was wir uns vorstellen.

Quelle: www.teltarif.de


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Till, DL9JT