HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 233 / 2006 vom 04.06.2006

Redaktion: Till Uhde, DL9JT

Autoren:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
  Till Uhde, DL9JT (tu)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

AGZ BEGRÜSST VORGESEHENE NOVELLIERUNG

(rps) der Amateurfunkverordnung. In einer Stellungnahme vom 30. Mai gegenüber dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wertet die AGZ e.V. die geplante Umsetzung des aktuellen Entwurfs als einen wichtigen Schritt, der sowohl der Sicherung der langfristigen Existenz des Amateurfunkdienstes, als auch der angestrebten europäischen Harmonisierung dient. Hier einige Auszüge aus unserem Text.

"Die Steigerung der Attraktivität der so genannten Einsteigerklasse E war lange überfällig. Zu gering ist bisher die Abgrenzung vom Jedermann- bzw. CB-Funk, der auf 27 MHz sowohl europaweite Kontakte pflegen, als auch dieselben 10 Watt EIRP nicht nur nutzen, sondern mit einer Standortbescheinigung sogar mittels Richtantennen überschreiten darf – beides im Gegensatz zur heutigen Amateurfunkklasse E. Wir erkennen mit Genugtuung an, dass diese Genehmigungsklasse nun eines der wesentlichen Ziele des Amateurfunkdienstes – nämlich die Völkerverständigung – erstmals wirklich umsetzen kann. Wir halten es zudem für richtig, dass auch Einsteiger bereits mit Fragen der Technik und des Ausbreitungsverhaltens von Kurzwellenfrequenzen konfrontiert werden – spielt doch gerade dieser Bereich eine zunehmend wichtige Rolle in nationalen Notfunkkonzepten.

Die beiden Klassen fortan gemeinsame Prüfung in Betrieb und Vorschriften ist eine konsequente Berücksichtigung der Tatsache, dass alle Funkamateure – gleich welcher Klasse – Frequenzen gemeinsam benutzen und miteinander reden. Folgerichtig müssen auch alle Akteure die einschlägigen rechtlichen Bestimmungen und die Betriebstechnik im Umgang miteinander gleich gut kennen und beherrschen. Die upgradefähige Technikprüfung ist eine alte Position der AGZ: Sie ist eine (fast) konsequente Umsetzung unserer Auffassung, dass eine sachlogisch nachvollzieh- und begründbare Zeugnisklasseneinteilung lediglich die zugestandene Senderausgangsleistung gemäß den nachgewiesenen technischen Kenntnissen gestalten soll.

Vereinzelt kam auch aus unseren Reihen die Kritik, dass die vorgesehene Senderausgangsleistung von 75 Watt PEP zu hoch sei. Der Abstand zu Genehmigungsklasse A sei zu gering, dies vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Regelungen der BEMFV meist sowieso nicht mehr zulassen. Da dies in der AGZ eine Minderheitenposition ist, können wir einer Reduzierung dieses Wertes nur zustimmen, wenn im Gegenzug der Genehmigungsklasse E alle Kurzwellenbänder zugesprochen werden. Eine sachgerechte Begründung für den Vorenthalt der Frequenzen bei 7, 10, 14 und 18 MHz können wir – auch aus dem der zukünftigen Prüfung inhaltlich zugrunde liegenden ERC-Report 32 – nämlich nicht erkennen und müssen die Entscheidung als eine rein politisch motivierte werten, die Gebrauch vom seitens unserer Rechtsordnung eingeräumten Ermessensspielraum macht.

Bei der konkreten Wahl der maximalen Senderausgangsleistung sollte man allerdings nicht erneut eine breite Illegalität vorprogrammieren und sich an den auf dem international geprägten Markt erhältlichen Amateurfunktransceivern orientieren: Die verfügbaren Geräte sollen vom Einsteiger auch legal betrieben werden können. Unter diesem Gesichtspunkt stand die bisherige Regelung von maximal 10 Watt EIRP unter scharfer Kritik. Der von Ihrem Hause auf den meisten Frequenzbändern vorgesehene Wert von 75 Watt Senderausgangsleistung erfüllt dieses Ziel weitgehend."

Lesen Sie das vollständige Statement bitte bei uns im Internet auf www.agz-ev.de, im Packet-Radio-Mailboxnetz in der Rubrik AGZ oder auch in den einschlägigen Newsgroups.


ERSTER JULI WOHL NICHT ZU HALTEN

(rps) Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat die Redaktion von HamRadio 2day diese Woche gebeten mitzuteilen, dass aufgrund erneut notwendiger Abstimmprozesse innerhalb der Bundesregierung der zunächst verfolgte Termin 1. Juli 2006 nicht mehr für ein In-Kraft-Treten der novellierten Amateurfunkverordnung zu halten ist. Dies stelle – um Gerüchten vorzubeugen – jedoch keinesfalls die vorgesehene Besserstellung beider Genehmigungsklassen in Frage, sondern sei lediglich formaler Natur.


FUNKAMATEURE HELFEN NACH ERDBEBEN

(rps) in Indonesien mit dem Aufbau einer Notfunkinfrastruktur in der Region von Yogyakarta. Die verheerende Naturkatastrophe vom 27. Mai mit einer Stärke von 6,3 auf der Richterskala tötete mehr als 5.000 Menschen, 20.000 wurden verletzt und 200.000 verloren ihr Zuhause.

Die "Organisation of Amateur Radio for Indonesia" koordiniert den Notfunkverkehr auf Kurzwelle und VHF, der von individuellen Funkamateuren und so genannten "Zulu-Stations" aufrecht erhalten wird. Hierbei handelt es sich um spezielle Präfixe, die offenbar mit Z beginnen.

Quelle: RSGB


EINEN ERFAHRUNGSBERICHT

(red/tu) über den Kauf von Amateurfunkgerät aus dem Nicht-EU-Ausland hat uns unser Leser Jörg, DG1JC, geschickt. Wir möchten ihn Ihnen nicht vorenthalten.

"Ich habe in den letzten zwei Monaten zwei Ersteigerungen bei E-bay gemacht, bei denen der Verkäufer aus Hong Kong kommt. Um allen, die ähnliches vorhaben, eine Entscheidungshilfe zu bieten – hier mein Erfahrungsbericht: Bei meiner ersten Ersteigerung handelte es sich um einen VHF-Duplexer mit sechs Kreisen und einer minimalen Shift von 3,5 MHz. Ein optisch und auch technisch baugleicher Duplexer kostet bei einem namhaften dänischen Hersteller etwa 420 Euro zuzüglich Versand. Der von mir ersteigerte Duplexer hat dagegen 65 Euro zuzüglich 38 Euro Versand gekostet.

Nach etwa anderthalb Wochen kam der Duplexer dann mit DHL unbeschadet bei mir zu Hause an. Eine erste optische Inaugenscheinnahme ergab, dass der Duplexer absolut baugleich mit dem dänischen Markenprodukt ist – bis auf die für mich positive Ausnahme, dass mein Hong-Kong-Duplexer mit N-Buchsen ausgestattet ist und das Original nur mit PL-Buchsen.

Der erste positive Eindruck setzte sich nach der Inbetriebnahme fort und überzeugte mich, einen echten Schnapp gemacht zu haben. Neben einer kaum feststellbaren Durchgangsdämpfung überzeugte der Duplexer auch mit einem hervorragenden Sperrverhalten der jeweils unerwünschten Frequenz. Der Abgleich des Duplexers war übrigens im Kaufpreis enthalten.

Von dieser positiven Erfahrung inspiriert habe ich dann noch ein UHF-Funkgerät im Sofortkauf für 50 Euro und 33 Euro Versandkosten ersteigert. Bei diesem Funkgerät handelt es sich um ein baugleiches Gerät eines japanischen Herstellers mit Vertretung in Heusenstamm. Es dauerte diesmal drei Wochen, bis ich dann eine Benachrichtigungskarte vom Zoll in Neuss erhielt, aus der hervorging, dass ein Nachzoll zu entrichten sei und dass ich mit einer Rechnung des Verkäufers die Ware dort abholen könne.

Im Zollamt in Neuss traf ich dann auf eine Spezies Mensch, von deren Aussterben ich noch kurz vor dem Betreten des Gebäudes überzeugt war. Nach dem Ausfüllen von etwa zehn Formularen und dem Entrichten von unglaublichen 8 Euro Nachzoll durfte ich dann endlich meinen Neuerwerb in Augenschein nehmen. Das Gerät ist mechanisch sehr stabil und überstreicht einen weiten Bereich im UHF-Band von 400 bis 480 MHz bei einer hervorragenden Eingangsempfindlichkeit. Die maximale Senderausgangsleistung beträgt mit dem mitgelieferten 1300-mAh-Lithiumionenakku stolze 5 Watt und lässt sich durch Knopfdruck halbieren. Weiterhin verfügt das Gerät über eine Subaudioauswertung, einen Subaudiogeber und über eine bis zu 20 MHz frei wählbare Relaisablage.

Leider verfügt das Gerät nicht über DTMF oder einen Ruftongeber und die Modulation ist sehr dunkel, was für asiatische Geräte aber nichts Ungewöhnliches ist. An einer Abhilfe für die dunkele Modulation arbeite ich noch und werde eine Lösung kundtun, sobald ich eine gefunden habe. Ansonsten bin ich bei beiden Beispielen angenehm überrascht gewesen und würde jederzeit wieder in Hong Kong einkaufen.

Vy 73, Jörg, DG1JC"

Die Redaktion wollte daraufhin wissen, was die Hersteller der originalen Geräte dazu zu sagen haben – und fragte nach.

Procom als Hersteller des Vorbilds des beschriebenen Duplexers gab zu bedenken, dass man ausschließlich Produktionsstätten in Dänemark betriebe. Ein Vertriebskanal in Hong Kong sei nicht Teil des Unternehmens. Einzig die optimistische Einstellung, es würden ja nur die qualitativ hochwertigen Produkte kopiert, täuscht über diesen offensichtlichen Fall von Produktpiraterie hinweg.

Kenwood gibt sich da schon etwas betroffener. Mit Plagiaten seiner Betriebsfunkgeräte, aber insbesondere seines Car-HiFi-Angebotes, geht dem Hersteller ein nicht unerheblicher Teil des Umsatzes verloren. Eindeutig ist die illegale Kopie aber auch hier zu erkennen. Nach Aussage von Kenwood Deutschland vertreibt der Anbieter ausschließlich unter eigenem Markennamen, OEM-Ware oder gar eine Billigmarke gibt es nicht.

Dem einzelnen Funkamateur als Käufer kann man in meinen Augen keinen Vorwurf machen. Er entscheidet nach dem Inhalt seines Portemonnaies. Jeder sollte sich aber selbst fragen, ob er das Treiben der Raubkopierer in Fernost fördern muss. Schlussendlich gräbt er den renommierten Herstellern das Wasser ab und legt das Gesparte auf die Allgemeinheit um: in Zeiten von "Geiz ist Geil" wohl die populäre Regel.


Vy 73,
Till, DL9JT