HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 236 / 2006 vom 02.07.2006

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

HAM RADIO 2006 ERFOLGREICH: BESUCHERZAHL BLIEB KONSTANT

(rps) Knapp 18.000 Funkamateure – das sind ebenso viele wie in 2005 – aus mehr als 30 Ländern – von Ungarn bis Südafrika und Amerika – trafen sich am letzten Wochenende auf der Internationalen Amateurfunkausstellung HAM RADIO in Friedrichshafen. "Damit ist die Veranstaltung auf einem stabilen Kurs", zog Messegeschäftsführer Rolf Mohne Bilanz. 221 Aussteller aus 35 Ländern zeigten von Freitag, den 23. bis Sonntag, den 25. Juni alles rund um das Thema Amateurfunk.

"Gute Geschäfte bestätigten die kommerziellen Händler in der Halle A1", erklärte HAM RADIO-Projektleiter Thomas Grunewald nach Gesprächen mit den Ausstellern. Große Umsätze verzeichneten die Anbieter des HAM-Flohmarktes, der sich über drei Messehallen erstreckte und als größter Funker- und Elektronikflohmarkt Europas gilt. Dies schlug sich auch in der Besucherumfrage nieder: 80 Prozent der Besucher haben auf der HAM RADIO etwas gekauft oder bestellt.

Die AGZ e.V. zeigte an ihrem Stand in Halle A1 den aktuellen Entwurf der AFuV-Novellierung und das Draft Paper von ECC/CEPT zur europäischen Entry Level Licence: Klar, dass diese geplanten Neuerungen zu vielen – teils kontroversen – Diskussionen mit in- und ausländischen Funkamateuren führten. Insgesamt konnten wir im Vergleich zu den Vorjahren eine deutliche Steigerung der Besucherzahl und – bis auf wenige Ausnahmen – eine Verbesserung des Diskussionsklimas verzeichnen.

Die "HAM" war schließlich den Funkamateuren eine Reise wert – knapp die Hälfte der Befragten hatte einen Anreiseweg von mehr als 300 Kilometern; mehr als ein Viertel der Besucher kam aus dem Ausland. 91 Prozent gaben der 31. Internationalen Amateurfunkausstellung die Noten "sehr gut" und "gut". Immerhin knapp 15 Prozent der Messegäste waren unter 30. Das nächste Mal sendet die HAM RADIO vom 22. bis zum 24. Juni 2007 aus Friedrichshafen am Bodensee.

Quelle: Messe Friedrichshafen


AFUV-UPDATE AUS FRIEDRICHSHAFEN

(rps) In einem öffentlichen Vortrag und in persönlichen Gesprächen mit den Amateurfunkverbänden informierten das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur auf der HAM RADIO über die anstehende Novellierung der Amateurfunkverordnung. Hier das Wichtigste:

Jetzt wird als Termin für das In-Kraft-Treten frühestens Mitte August genannt – eher aber etwas später. Grund ist eine noch bis Mitte Juli laufende interne Ressortabstimmung zwischen diversen Ministerien – und natürlich die Urlaubszeit. Positiv hervorzuheben ist, dass Klasse E nach aktuellem Stand nun auf Kurzwelle, 144 und 430 MHz eine Senderausgangsleistung von 100 Watt – anstatt bisher 75 Watt – erlaubt werden soll, damit auf dem Markt erhältliche Transceiver auch legal ausgefahren werden können. Die allgemeine Freigabe von 50 MHz für Klasse A ist nun endgültig in trockenen Tüchern: Das Bundesverteidigungsministerium hat dem nach langem Zögern endlich zugestimmt. Zunächst soll das Band unter denselben Auflagen und Bedingungen genutzt werden, die bisher für die erteilten 4500 Sondergenehmigungen gelten. In Zukunft soll dann in Ruhe über Veränderungen geredet werden. Es bleibt dabei, dass der auch weiterhin auf ortsfeste Standorte beschränkte Sendebetrieb auf 50 MHz der Netzagentur anzuzeigen ist. Auch die beiden Schutzzonen um die Fernsehgrundnetzsender Saarbrücken und Grünten im Allgäu bleiben bestehen.

Negativ hervorzuheben ist, dass wegen eines Einspruchs des Bundesverteidigungsministers bzw. der Bundeswehr das so genannte "Contestverbot" auf 1,8, 10 und 50 MHz bestehen bleiben wird. Man will so offenbar die Belegung dieser Frequenzen in Grenzen halten und setzt sich offen erkennbar über die bereits veröffentlichte Begründung des Bundeswirtschaftsministers hinweg, der aufgrund juristischer Probleme bei der Definition und Auslegung des Begriffs "Contest" dieses Verbot ersatzlos eliminieren wollte.

Das Einschreiten der Deutschen Flugsicherung (DFS) verhindert leider auch, dass im Frequenzbereich 1260 bis 1263 MHz – wie eigentlich vom Wirtschaftsministerium geplant – für Klasse A wieder – wie bis zum Februar 2005 – 750 Watt Senderleistung erlaubt werden. Radarsysteme unterhalb von 1260 MHz in Verbindung mit nicht ausreichend steilflankigen Empfängerfiltern machten eine Art von Sicherheitspuffer notwendig. Wesentlich sachgerechtere Maßnahmen, wie zum Beispiel die Einrichtung von geografischen Schutzzonen um die wenigen Radarstandorte herum, die verpflichtende Vorgabe einer minimalen Antennenelevation und eine Senderleistung zwischen 5 Watt EIRP und 750 Watt out wurden von der DFS bezeichnenderweise abgelehnt: Hintergrund sei eine Vielzahl von nicht aufgeklärten Störungen. Damit bleiben deutsche Funkamateure bei der Satellitenkommunikation gegenüber ihren ausländischen Kollegen im 23-Zentimeterband weiterhin existenziell benachteiligt.

Wo wir bei Störungen sind: Das Bundesinnenministerium hat tatsächlich verlangt, das 13-Zentimeterband dem Amateurfunk in Deutschland vollständig zu entziehen. Grund sei das starke Anwachsen von Videoüberwachungsinstallationen der Sicherheitsbehörden zwischen 2320 und 2450 MHz, die zunehmend durch den Amateurfunk als Sekundärnutzer gestört würden. Aufgrund internationaler Vorgaben und wegen des geltenden Frequenzbereichszuweisungsplans lehnte das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie zurzeit dieses Ansinnen allerdings ab, bat aber gleichzeitig die Funkamateure darum, verstärkt Rücksicht auf die jeweiligen Primärnutzer zu nehmen – vor allem beim Betrieb von ATV-Relaisfunkstellen und während Contests.

Für die Prüfung zur Zeugnisklasse E wird es nach In-Kraft-Treten der neuen Amateurfunkverordnung eine halbjährige Übergangsfrist geben, das heißt, es wird weiter nach dem alten Fragen- und Antwortenkatalog geprüft, obwohl es dafür Kurzwelle und 100 Watt out geben wird – eine einmalige Gelegenheit für alle am Amateurfunk Interessierten. Einen Prüfungsstopp – wie seinerzeit im Frühjahr 2005 – wird es diesmal nicht geben.

Der momentan von der CEPT auf europäischer Ebene diskutierten dritten Zeugnisklasse namens "Entry Level Licence" – wir berichteten vor zwei Wochen – stehen BMWi und Bundesnetzagentur derzeit zumindest nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Kurzfristig – zum Beispiel mit der gerade laufenden Novellierung der Amateurfunkverordnung – werde man diese Klasse jedoch nicht in Deutschland umsetzen. Wir bleiben dran – es wird mit Sicherheit weitere Novellierungen geben.


EIN NEUER FREQUENZNUTZUNGSPLAN

(rps) wurde vor wenigen Tagen von der Bundesnetzagentur veröffentlicht. Diese Zusammenstellung von Frequenznutzungsdetails in Deutschland, die unter anderem Kraft des Amateurfunkgesetzes den Funkamateuren ihre Frequenzen zuweist, hat den Stand Mai 2006. Damit sind jetzt erst neue Frequenzen, die schon in der Amateurfunkverordnung vom Februar 2005 im Rahmen einer Übergangsregelung bereit gestellt wurden, eingearbeitet worden – so etwa das Segment 1890 bis 2000 kHz im 160-Meterband.

Der neue Frequenznutzungsplan beruht nach Vorgabe des Telekommunikationsgesetzes auf der geltenden Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung, und die ist vom September 2004 und damit alles andere als aktuell, denn ihre erneute Novellierung steht in diesen Tagen unmittelbar bevor – sie wurde bereits vom Bundeskabinett gebilligt. Folglich wird der gerade erst nach immerhin zwanzigmonatiger Bearbeitungszeit veröffentlichte Frequenznutzungsplan nach wenigen Tagen oder Wochen schon wieder überholt sein: Die in der kommenden Amateurfunkverordnung vorgesehene 40-Meterbanderweiterung enthält er zum Beispiel – neben vielen anderen Dingen – nicht.

Sie können den "neuen" Frequenznutzungsplan im Internet laden – und zwar auf den Webpräsenzen der Bundesnetzagentur und der AGZ e.V. Das PDF-Dokument erlaubt allerdings weder das Drucken, noch die Entnahme von Text. In gedruckter Form im Ringordner können sie das Werk für 18 Euro je Exemplar zuzüglich Versand- und Nachnahmekosten bestellen bei der folgenden Adresse:

Bundesnetzagentur
Dienststelle 214a
Tulpenfeld 4
53113 Bonn
Telefax 0228-14-6125
wolfgang.becker@bnetza.de


TOLERANTE NETZAGENTUR ?

(rps) Die Zeitschrift "Funktelegramm" veröffentlicht in ihrer aktuellen Juli-Ausgabe auf Seite 36 eine interessante und bemerkenswerte Meldung von DL8BDU: Er teilt mit, dass laut Auskunft der Bundesnetzagentur Digimodebetrieb auf 50 MHz "geduldet" wird – im Gegensatz zu den Bestimmungen der zugrunde liegenden Amtsblattveröffentlichung. Er schließt mit dem Satz: "Also DLs: macht ruhig JT6M!".


GÜNTHER, DF9KG, SILENT KEY

(red) Peter, DJ4KA, teilt der Redaktion leider eine traurige Nachricht mit:

"Leider ist es nun mal so: Diesen Weg müssen wir alle einmal gehen. Unser lieber Freund und Funkfreund Günther, DF9KG, verstarb am vergangenen Montag oder Dienstag im Alter von 65 Jahren. Da ich ihn persönlich sehr gut gekannt habe, kann ich nur sagen, Günther war ein prima Kumpel und Funkfreund, der mir mit vielen Tipps und Ratschlägen stets zur Seite stand, man konnte mit ihm über alles mögliche sprechen und diskutieren – Günther wusste immer Rat und Hilfe. Mein tiefes Mitgefühl und Beileid möchte ich hier zum Ausdruck bringen an alle Angehörigen, Freunde und Bekannte."


Vy 73,
Ralph, DC5JQ