HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 239 / 2006 vom 30.07.2006

Redaktion: Till Uhde, DL9JT

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

LEITARTIKEL

(rps) Jetzt haben wir also eine richtige Affäre: die ECOLOG-DARC-Affäre.

Da geht ein seriöses wissenschaftliches Institut her und gibt eine Broschüre zur Wechselwirkung elektromagnetischer Felder mit dem menschlichen Körper heraus, identifiziert pflichtgemäß Feldquellen in Wohngebieten – und stellt dabei fest, dass – wenn dort eine Amateurfunkstelle betrieben wird – diese den Hauptanteil der Feldbelastung produzieren kann, wir berichteten letzte Woche. Fachlich ist daran nicht das Geringste auszusetzen, und dazu brauche ich bei weitem nicht den erlaubten Maximalwert von 750 Watt Senderleistung: Bereits wenige Watt machen beim unmittelbaren Nachbarn deutlich mehr Feldstärke, als die Mobilfunkbasisstation mit ihren 30 Watt in dreihundert Metern Entfernung. So ist eben die Physik: Die ECOLOG-Aussage ist also sachlich absolut richtig, lässt allerdings den Faktor "Zeit" völlig außen vor.

Da geht dasselbe wissenschaftliche Institut her und informiert in derselben Veröffentlichung über den Amateurfunk – dies in einer Art und Weise, die das Anzapfen von Insiderkenntnissen bei den Autoren geradezu voraussetzt: Prüfung, Vorschriften, nachgewiesene Kenntnisse, gesetzlich begrenzte Senderleistungen und Feldstärken und die Kontrolle durch die Netzagentur werden erwähnt – aber auch schwarze Schafe, die ihre Sender unerlaubt hochschrauben. Auch dagegen ist nichts einzuwenden: "Schwarze Schafe" gibt es in allen Bereichen des Lebens – im Straßenverkehr, beim Steuern zahlen – und im Amateurfunk. Nichts besonderes also, ECOLOG macht lediglich vom Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch: Die schwarzen Schafe sind schließlich in der krassen Minderheit, aber dennoch in Sicht des Instituts gefährlich.

Und wie reagiert Deutschlands größte Interessenvertretung, wohl gemerkt erst nach dem Bericht im Amateurfunkmagazin der AGZ? Nicht etwa politisch, sondern mit einer juristischen Breitseite, die auf etwas zielt, was auf dieser Ebene gar nicht angreifbar ist. Man bittet nicht etwa darum, nein – man fordert gleich den Geschäftsführer des Instituts auf, den Schwarzschafsatz zu entfernen – wohl gemerkt aus einer Broschüre, die bereits gedruckt ist. Auch fordert man die Umformulierung der wissenschaftlich korrekten Bildunterschrift, dass von Amateurfunkantennenanlagen hohe Expositionen ausgehen können. Man teilt ECOLOG die Auffassung mit, dem Institut stünde die Bewertung, dass es unter den Funkamateuren schwarze Schafe gäbe, nicht zu und spricht ihm gleichzeitig die Fähigkeit ab, dies zu beurteilen. Insgesamt also eine sicher nicht als freundlich oder gar als diplomatisch zu bezeichnende Diktion.

Geschrieben hat den Brief, den im übrigen Mitglieder im Internet in voller Länge lesen können, die Justiziarin des Vereins – also eine Volljuristin. Das gibt den Begriffen "auffordern" und "nicht zustehen" eine ganz andere Bedeutung und Schärfe, als wenn sie irgendjemand benutzt hätte. Ich meine, hier wird ohne Not eine gefährliche Konfrontation von Seiten des Amateurfunks losgetreten, die bei ECOLOG – und in Umweltkreisen – eigentlich nur eine einzige Einschätzung zulässt: Volltreffer, sie fühlen sich ertappt, da muss wohl wirklich was dran sein an den "schwarzen Schafen". Und das entspricht eben nicht der Realität – oder doch? Gibt es etwa Beweise?

Nun, das Kind ist in den Brunnen gefallen, schweigen wäre besser gewesen. Noch besser wäre freilich eine Mitarbeit der Amateurfunkverbände beim Entstehen der Broschüre gewesen. Ich bin gespannt, wie diese Affäre weiter geht. Politisches Geschick jedenfalls kann ein Vereinsvorstand nicht haben, der seine Justiziarin derart handeln lässt.

Ralph, DC5JQ


NEUES ZU 5 MHZ

(rps) Zuerst die gute Nachricht: In Großbritannien wird die Genehmigung zur Nutzung von Einzelfrequenzen bei 5 MHz bis zum 30. Juni 2010 verlängert. Darauf haben sich der Regulierer Ofcom und das britische Verteidigungsministerium nun geeinigt.

Jetzt die schlechte Nachricht: Am Dienstag vorletzter Woche tagte in Mainz ein Arbeitskreis der Nationalen Gruppe zur Vorbereitung der WRC-07. Einziger und ziemlich kontroverser Tagesordnungspunkt: Die Neuverteilung des Kurzwellenspektrums zwischen 4 und 10 MHz. Bereits vorweg hatte eine Arbeitsgruppe der CEPT zusammen mit der niederländischen Regierung und der IARU empfohlen, den Bereich 5250 bis 5450 kHz dem Amateurfunkdienst auf sekundärer Basis allgemein zuzuweisen. Grund ist, dass sich diese Frequenzen in besonderer Weise eignen, rund um die Uhr Länder wie die Bundesrepublik, Großbritannien und die Niederlande stabil zu versorgen. Das Stichwort lautet NVIS, das steht für "Near Vertical Incidence Skywave", also ein Ausbreitungsmodus, der mit geeigneten steil strahlenden Antennen arbeitet. AGZ und DARC hatten darum gebeten, auch Deutschland möge sich dieser Empfehlung anschließen.

Leider unterstützt der Arbeitskreis der deutschen Nationalen Gruppe mehrheitlich den europäischen bzw. niederländischen Vorschlag nicht. Die Begründung: Der Bereich sei das am intensivsten genutzte Band für militärische Anwendungen in Deutschland. Die Möglichkeit einer Zuweisung an den Amateurfunkdienst könne erst dann abschließend beurteilt werden, wenn das Ergebnis zur Neuordnung der Kurzwellenzuweisungen durch die WRC-07 bekannt ist. Die Bundeswehr hat jedoch signalisiert, dass die Bereitschaft besteht, über die Nutzung einzelner Frequenzen durch Funkamateure zu reden.

Anmerkung der Redaktion: Ganz offensichtlich gibt es auch hier das "50-MHz-Syndrom": Man glaubt, durch nationale Regelungen die Belegung von Kurzwellenfrequenzen beeinflussen zu können, obwohl die meisten in Deutschland zu hörenden Amateurfunkstellen aus dem europäischen Ausland stammen: Dort sind nämlich in vielen Ländern bereits lange Frequenzen bei 5 MHz dem Amateurfunk zugewiesen. Wir bleiben dran.


IRISCHE FUNKAMATEURE WOLLEN 500 KILOHERTZ

(rps) Der Amateurfunkverein "Irish Radio Transmitters Society" ist an die nationale Regulierungsbehörde ComReg heran getreten, um in der Nähe von 500 kHz auf der Mittelwelle ein kleines Stück Spektrum zu Experimentalzwecken zugeteilt zu bekommen. In Großbritannien steht dieser Wunsch bereits seit zwei Jahren zur Entscheidung an. Nachdem die meisten Küstenfunkstellen nahezu still gelegt oder ganz außer Betrieb gegangen sind, ist in Europa seit einiger Zeit im Frequenzbereich zwischen 415 und 526 kHz nur noch extrem wenig Seefunkverkehr festgestellt worden, so dass diesen Wünschen in der Sache eigentlich nichts entgegen steht.

Einzige Ausnahme in der Frequenzbelegung ist der intensiv genutzte NAVTEX-Dienst, der nautische Warnnachrichten und andere Informationen für die Schifffahrt unter anderem auf der Hauptfrequenz 518 kHz in digitaler Form verbreitet. Gesendet wird im Timesharingverfahren von mehreren Funkstellen, unter anderem in den Niederlanden, Belgien und Dänemark. Zum Einsatz kommt ein Amtor-ähnliches Forward-Error-Correction-Verfahren mit 170 Hz Shift und 100 Baud Datengeschwindigkeit.

Quelle: RSGB


AUSTRALIEN HEBT BESCHRÄNKUNG AUF

(rps) Die australische Regulierungsbehörde ACMA hat nun eine Beschränkung aufgehoben, die im Amateurfunk dort für Genehmigungsinhaber galt, die das sechszehnte Lebensjahr noch nicht erreicht hatten. Auch diese Amateure dürfen nun automatische und fernbediente Funkstellen unbeaufsichtigt betreiben.

Quelle: RSGB


ANTENNEN AUS LACK

(red) Ein Konsortium amerikanischer Firmen hat ein Testflugzeug mit einer neuen Art von Antenne für die Telekommunikation ausgestattet: Sie besteht aus nichts weiterem als einer elektrisch leitenden Lackierung auf der äußeren Oberfläche des Flugzeugs. Wenn die Lackierung in Form einer Dipolantenne aufgebracht und mit elektrischen Kontakten versehen wird, können mit ihrer Hilfe elektromagnetische Wellen abgestrahlt oder aufgefangen werden. Die Entwickler glauben, mit ihrem Rezept den Schlüssel für einen neuen Kommunikationskanal für in großen Höhen von typisch 20 Kilometern schwebende Flugzeuge, so genannte "High Altitude Platforms" oder HAPs, gefunden zu haben. HAPs könnten später auch für den Amateurfunk hoch interessant werden.

Quelle: Forschungsgemeinschaft Funk und wissenschaft.de


ALLE CUBESATS VERLOREN

(red) Alle vierzehn CubeSats, die beim Start der Trägerrakete Dnepr-1LV am 26. Juli an Bord waren, sind verloren. 86 Sekunden nach dem Start schaltete sich die Hauptantriebsstufe der umgebauten Langstreckenrakete ab und die Rakete mit ihrer gesamten Nutzlast, zusammen achtzehn Satelliten, schlug 190 km vom Startplatz entfernt auf dem Boden auf. Auch weil die Dnepr-Plattform ansonsten außerordentlich zuverlässig ist, ist dies ein herber Verlust für die beteiligten Universitäten.


Vy 73,
Till, DL9JT