HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 240 / 2006 vom 06.08.2006

Redaktion: Till Uhde, DL9JT

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

SCHWARZE SCHAFE TATSÄCHLICH UNTER UNS ?

(rps) Wir berichteten in den letzten beiden Ausgaben von HamRadio 2day über das neue EMF-Handbuch des ECOLOG-Instituts und seine inzwischen kontrovers diskutierten Ausführungen zum Amateurfunk – Stichwort "Schwarze Schafe". Die Redaktion interessierte natürlich, warum diese an sich harmlosen Tiere überhaupt thematisiert wurden, was genau der Hintergrund der angegriffenen Aussagen ist. Uns liegt inzwischen eine Antwort des Geschäftsführers von ECOLOG dazu vor. Hier ist sie:

"Wir haben uns doch sehr gewundert, welche Wirkung die harmlose Formulierung zu den 'Schwarzen Schafen' in unserem EMF-Handbuch unter Amateurfunkern ausgelöst hat, von der umfangreichen – wenn auch nicht immer qualifizierten – Stellungnahme des DARC bis hin zu wüsten Beschimpfungen durch einzelne Amateurfunker. Es waren unter den Zuschriften aber auch einige besonnene Antworten, die deutlich gemacht haben, dass sich einzelne Amateurfunker durchaus der Problematik bewusst sind und sehen, dass ihr Ansehen insgesamt leidet, wenn sich Einzelne nicht an die Vorschriften halten. Es war uns gerade wichtig, deutlich zu machen, dass die überwiegende Mehrzahl der Amateurfunker ihr Hobby verantwortungsbewusst betreibt, es aber einzelne 'Schwarze Schafe' gibt. Die Probleme, die ihr Verhalten für Anwohner, HF-Empfangsgeräte und das Image der 'Weißen Schafe' verursacht, verschwinden nicht durch totschweigen.

Unter Immissionsschützern und Messinstituten ist es unbestritten, dass Amateurfunkanlagen zu sehr hohen Immissionen führen können, siehe zum Beispiel den Endbericht zur Studie 'Gesundheitliche Auswirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf die Bevölkerung in Niedersachsen: Bestandsaufnahme und Machbarkeitsüberlegungen', im Juni 2002 erstellt vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt und herausgegeben in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Ökologie im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Frauen, Arbeit und Soziales. Bei HF-Messungen, die wir bereits in hunderten von Wohnungen und im Freien im Umfeld von Funksendeanlagen durchgeführt haben, unter anderem im Rahmen des vom Bundesamt für Strahlenschutz koordinierten Deutschen Mobilfunkforschungsprogramms, sind wir gelegentlich auf Intensitäten in den Amateurfunkbändern gestoßen, die nur durch überhöhte Sendeleistungen erklärt werden konnten.

Eine Statistik, wie viele 'Schwarze Schafe' es gibt, liegt uns leider nicht vor. Die Tatsache, dass weniger als 20 Prozent der Amateurfunker eine entsprechende Erklärung bei der Bundesnetzagentur abgegeben haben, macht allerdings nachdenklich und bestärkt Zweifel, ob Amateurfunker generell alles tun, um Beeinträchtigungen ihrer Nachbarn zu vermeiden, wie in einigen Zuschriften an uns behauptet. Ein Beleg, dass die Schwarzen Schafe in der Überzahl sind, ist dies aber nicht.

Dr. H.-P. Neitzke, Geschäftsführer ECOLOG-Institut".


LESERBRIEF

(red) Nils Schiffhauer schreibt uns zu diesem Thema, das den Amateurfunkdienst mit Sicherheit betrifft. Wir geben seine Zuschrift aufgrund ihres Umfangs in gekürzter Form wieder.

"Eine Passage im EMF-Handbuch des anerkannten ECOLOG-Institutes hat die Justiziarin des DARC zu einem Brief veranlasst, der im Ton frech, in der Sache verlogen und in seinen Folgen schädlich für den gesamten Amateurfunk ist. Das wissenschaftliche Institut sprach davon, dass die Mehrzahl der Funkamateure sich an die Leistungsbegrenzung hielte, es aber eben auch ein paar Schwarze Schafe gäbe.

Wie kam ECOLOG auf diese Aussage, die ja schon in jeder Gruppierung allein von der statistischen Verteilung her gedeckt wäre?

Das ist sehr einfach: Man gewann diese Erkenntnis aus eigenen Messungen. Hierbei wurden in Wohnungen Feldstärken festgestellt, die eindeutig von Funkamateuren herrührten und die ebenso eindeutig über den Grenzwerten lagen.

Stellt man zudem die nur knapp 20.000 'Selbsterklärungen' Deutschlands 'rund 80.000 Funkamateuren' gegenüber, so ergibt sich ein weiteres solides Argument, dass manche Funkamateure mit dem Personenschutz in elektromagnetischen Feldern in der Praxis genau so umgehen, wie sie es in den diversen Newsgroups herumerzählen.

Dass die DARC-Justiziarin von alledem nichts weiß, glaube ich gerne. Ihre Pflicht jedoch wäre gewesen, sich sachkundig zu machen, bevor sie eine öffentliche Diskussion auslöst. Zudem sollte ihr die Haltung ihres Arbeitgebers zu QRP, dem Senden mit kleiner Leistung, bekannt sein. Meines Wissens ist die Idee, mit 10 Watt EIRP auf Kurzwelle zu arbeiten, und als Ansporn für legales Funken unterhalb der Selbsterklärungsgrenze von dort nie propagiert worden. Das ist bedauerlich. Denn es könnte zeigen, dass es eben nicht nur die QRO-Brüller im Amateurfunk gibt.

Nils Schiffhauer, ex-DK8OK"


EINE DRASTISCHE VERSCHÄRFUNG VON UMWELTBESTIMMUNGEN

(rps) wird es in Israel ab dem 1. Januar 2007 geben. Drakonische Maßnahmen werden den Amateurfunkbetrieb in diesem Land spürbar einschränken und behindern. Die Regierung begründet die Gesetzesinitiative mit der zunehmenden Sorge der Bevölkerung um die Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung auf die Gesundheit.

Konkret dürfen israelische Funkamateure ab Januar nur noch Geräte und Antennenanlagen benutzen, die zuvor von Inspektoren der Regierung in jedem einzelnen Fall geprüft und frei gegeben wurden. Hiervon ausgenommen sind Amateure, die ausschließlich Gerätschaften besitzen, die nur oberhalb von 144 MHz senden können – und dies mit maximal 20 Watt Output.

Außerdem benötigen Amateure in Israel ab nächstes Jahr grundsätzlich immer eine staatliche Genehmigung, wenn sie einen Antennenmast gleich welcher Größe errichten wollen – und zwar unabhängig von der Leistung und den vorgesehenen Frequenzen. Ein Verstoß gegen diese neuen Bestimmungen wird, da die Gesundheit mit im Spiel ist, als Straftat gewertet. Eine "Selbsterklärung" – wie in Deutschland – will man den OMs und YLs in 4X4 offensichtlich gar nicht erst anvertrauen – und die ursprünglich vorgesehene generelle Befreiung des gesamten Amateurfunkdienstes von diesen Maßnahmen ist ohnehin vom Tisch.

Quelle: RSGB


KONING KEIZER ADMIRAAL

(rps) zahlte 10.000 Euro Bußgeld. Wie das niederländische Onlinemagazin etherpirateninfo.nl berichtet, hat sich der Widerspruch des UKW-Piraten Koning Keizer Admiraal (oder kurz KKA) gegen den Bußgeldbescheid der deutschen Bundesnetzagentur gelohnt: Statt der geforderten 53.500 Euro muss das in den Niederlanden beheimatete Piratenteam nach Überprüfung durch das Amtsgericht Bonn nun lediglich 10.000 Euro bezahlen. Für die 25-köpfige Truppe bedeutet dies 400 Euro pro Mann – eine bezahlbare Summe für den Riesenspaß.

Dennoch handelt es sich um die bislang höchste jemals in Deutschland verhängte Geldbuße für Schwarzfunkerei. KKA hatte im Dezember 2004 mehrere Tage lang auf der Frequenz 97,0 MHz unmittelbar an der Grenze bei Gildehaus in Niedersachsen gesendet; wir berichteten in HamRadio 2day 163 am 19. Dezember 2004. Das Signal des zehn Kilowatt starken Rohde-und-Schwarz-Senders und die Antenne mit ihren 100 Kilowatt Strahlungsleistung auf dem mehr als einhundert Meter hohen Mast hatten seinerzeit enormes Aufsehen erregt.

Quelle: vogelfreiesradio.de


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Till, DL9JT