HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 244 / 2006 vom 03.09.2006

Redaktion: Till Uhde, DL9JT

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

DIE NEUE AMATEURFUNKVERORDNUNG

(rps) ist am letzten Freitag, den 1. September um Mitternacht in Kraft getreten. Das Bundeswirtschaftsministerium war pünktlich: Im Bundesgesetzblatt Jahrgang 2006 Teil I Nr. 41 erschien tatsächlich Ende August – und zwar am Donnerstag, den 31. – auf Seite 2070 die Novellierung der Amateurfunkverordnung. Wir fassen hier kurz die wichtigsten Änderungen zusammen.

Für Zeugnisklasse A gilt seit Freitag:

  • Der Frequenzbereich 50,08 bis 51,00 MHz ist nun allen Funkamateuren dieser Klasse zugewiesen. Vor Aufnahme des Sendebetriebs ist – im Gegensatz zum Entwurf vom April 2006 – der beabsichtigte Betriebsort der Bundesnetzagentur nicht anzuzeigen. Die damals aufgeführte so genannte "zusätzliche Nutzungsbestimmung" Nr. 2 ist bei 50 MHz nämlich jetzt nicht mehr dabei; der Verordnungsgeber hat seinen Willen geändert.

Es gelten bis auf weiteres die Rahmenbedingungen der bisherigen Sondergenehmigungen – also maximal 25 Watt ERP, nur horizontal polarisierte Antennen, keine fernbedienten und nur ortsfeste Funkstellen, keine Conteste und nur die Sendearten CW und SSB. Außerdem verbleiben nach wie vor die beiden Schutzzonen um die Fernsehgrundnetzsender Saarbrücken und Grünten im Allgäu. Die Bundesnetzagentur kann weitere Auflagen festlegen – jedenfalls nach Meinung des BMWi – und im Amtsblatt veröffentlichen. Die vollständigen Nutzungsvorschriften finden Sie in Mitteilung 311 in Amtsblatt 24/2005 der Netzagentur, die allerdings keine Anzeigepflicht von Betriebsstandorten hergibt – im Gegensatz zu anderen in den Medien kursierenden Meinungen.

  • Für die bereits am 26. August in Kraft getretene Erweiterung des Vierzigmeterbandes gilt zusätzlich zu den schon bekannten 250 Watt Senderausgangsleistung eine weitere Rahmenbedingung: Die Bandbreite der Aussendungen ist auf 2,7 kHz beschränkt. Wir erinnern daran, dass die Zuweisung Sekundärstatus hat. Der bis zum März 2009 hier ebenfalls noch sendende Rundfunkdienst genießt Vorrang und darf keinesfalls gestört werden.

Für Zeugnisklasse E gilt seit Freitag:

  • Folgende Kurzwellensegmente dürfen mit bis zu 100 Watt Senderausgangsleistung neu genutzt werden: 1810 bis 1850 kHz, 3500 bis 3800 kHz, 21000 bis 21450 kHz und 28000 bis 29700 kHz. Mit 75 Watt out steht 1850 bis 1890 kHz zur Verfügung und mit 10 Watt out der Bereich 1890 bis 2000 kHz.

  • Im Zweimeter- und Siebzigzentimeterband fällt die Begrenzung auf 10 Watt EIRP. Statt dessen sind hier nun 75 Watt Senderausgangsleistung erlaubt. Im Bereich 10,0 bis 10,5 GHz sind es jetzt 5 Watt out.

  • Ab dem 1. Februar 2007 gilt für die Klassen E und A eine gemeinsame Prüfung in den Teilbereichen "betriebliche Kenntnisse" und "Kenntnisse über nationale Vorschriften und internationale Regelungen und Vereinbarungen". Damit kann Klasse A ab diesem Zeitpunkt erstmals allein durch das Bestehen einer zusätzlichen Technikprüfung erlangt werden, wenn man Klasse E bereits bestanden hat. Dies gilt für ausnahmslos alle Inhaber eines DO-Rufzeichens, also auch für bereits bestehende Genehmigungen. Die neuen Fragen- und Antwortenkataloge werden zur Zeit von der Bundesnetzagentur erstellt.

  • Die "neue Prüfung" für Klasse E wird zumindest, was den neuen Fachbereich von Kurzwellenthemen anbelangt, schwieriger und umfangreicher; man muss für Prüfungen ab dem 1. Februar 2007 mehr lernen. Da innerhalb dieser fünfmonatigen Übergangsfrist noch nach dem alten Fragenkatalog geprüft wird, ist dies eine einmalige Gelegenheit, den 100-Watt-Zugang zur Kurzwelle mit wenig Aufwand zu erlangen.

  • Inhaber der Zeugnisklasse E müssen schließlich bedenken, dass auch sie uneingeschränkt unter die Bestimmungen der BEMFV fallen. Bevor die Leistungsgrenze von 10 Watt EIRP überschritten wird, ist eine entsprechende Anzeige der ortsfesten Amateurfunkstelle bei der Bundesnetzagentur vorzunehmen.

  • Die Redaktion wünscht allen Klasse-E-Amateuren viel Spaß und Erfolg auf der Kurzwelle! Weitere weniger wichtige Änderungen lesen Sie bitte bei uns im Internet nach, wo Sie die Änderungsverordnung finden können. Unser Dank an das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie für die schnelle Umsetzung eines Großteils unserer Wünsche.


TAG DER NEUGIER 2006

(rps) auch für Funkamateure. Sie sollten sich den nächsten Sonntag, das ist der 10. September, in Ihrem Kalender ankreuzen: Zum 50-Jährigen Bestehen öffnet das Forschungszentrum Jülich seine Pforten. Von 11 bis 17 Uhr präsentiert Europas größtes interdisziplinäres Forschungszentrum kleinen und großen Gästen die Welt der Wissenschaft. Aber – keine Angst: Es gibt nicht nur Physik, Chemie, Biologie und Medizin. Die Besucher werden auch mit Shows, Musik und Experimenten zum "Tag der Neugier" empfangen. Für eine extra aufgebaute Seebühne wurden etwa Wonderwall und ihre Band, die Mighty Sleepwalkers, verpflichtet.

Ob Lasershow, Brennstoffzellenscooter, der Kernfusionsreaktor TEXTOR, der Großrechner, der an der Weltspitze mitmischt, die Forschungsrallye für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren oder die von Kindern erbaute Fantasiemaschine: Der ganze über zwei Quadratkilometer große Campus lädt zum Staunen und Entdecken ein. Das ist Wissenschaft "made in Jülich", umrahmt von einem Festival für Auge und Ohr.

Der Eintritt ist natürlich frei und für das leibliche Wohl ist gesorgt. Alle Details – auch die Anfahrtspläne mit Parkmöglichkeiten und kostenlosem Buspendelverkehr – finden Sie im Internet unter

www.tagderneugier.de


NEUE SENDEZEIT

(rps) Auf Wunsch unserer Zuhörer ändern wir die Uhrzeit unserer Sendung am Montagabend auf der Simplexfrequenz 145,325 MHz vom Standort Weilerswist bei Köln. HamRadio 2day kommt ab sofort dort um 19:00 Uhr Ortszeit.


NACHHILFEUNTERRICHT

(rps) Letzte Woche war vereinzelt die Meinung zu vernehmen, die neue Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung könne gar nicht das Vierzigmeterband erweitern. Irritationen gab es in diesem Zusammenhang um das Verständnis und die Anwendung von Paragraf 150 Absatz 7 des Telekommunikationsgesetzes als Übergangsregelung. Es lohnt sich also, die Systematik des TKG einmal genauer anzuschauen. Wir sehen das so:

Zunächst einmal bestimmt Paragraf 54 TKG, dass die Bundesnetzagentur den Frequenznutzungsplan auf Grundlage des Frequenzbereichszuweisungsplans aufstellt. Dies hat sie zuletzt im Mai dieses Jahres getan. Seit Ende August jedoch gilt der dabei zugrunde gelegte Frequenzbereichszuweisungsplan aus dem Jahr 2004 nicht mehr. Folglich ist dieser Frequenznutzungsplan nun nicht mehr auf der Grundlage des geltenden Frequenzbereichszuweisungsplans aufgestellt und entspricht somit nicht den Anfordernissen von Paragraf 54 TKG.

Für diesen Fall ist als Übergangsregelung Paragraf 150 Absatz 7 des Telekommunikationsgesetzes vorgesehen: Bis zum Erlass eines Frequenznutzungsplans, der die Vorgaben von Paragraf 54 erfüllt – also das Beruhen auf dem aktuellen Frequenzbereichszuweisungsplan – erfolgt die Frequenzzuteilung nach Maßgabe der Bestimmungen des geltenden Frequenzbereichszuweisungsplans.
 
Damit tritt ein neuer Frequenzbereichszuweisungsplan automatisch an die Stelle des Frequenznutzungsplans, was die Zuteilung von Frequenzen im Amateurfunk durch Paragraf 3 Absatz 5 des Amateurfunkgesetzes anbelangt – und das Vierzigmeterband ist tatsächlich erweitert.

Verstehen Sie das noch? Die deutsche Gesetzessystematik hat offenbar eklatante Schwächen, was die Verständlichkeit anbelangt. Dies wird noch durch die Tatsache zur Perfektion getrieben, dass die Bundesnetzagentur erstaunliche zwanzig Monate benötigt, um den einen Plan dem anderen anzugleichen.

Seit Freitag jedenfalls ist diese Frage nur noch von akademischer Bedeutung, wir haben ja eine neue Amateurfunkverordnung – vorerst. Die nächste Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung kommt bestimmt.


ZUM SCHLUSS: IN EIGENER SACHE

(rps) Wegen beruflicher Verpflichtungen am nächsten Sonntag und wegen des nachfolgenden Urlaubs steht DC5JQ für HamRadio 2day erst wieder im Oktober zur Verfügung. Ich bitte um Verständnis!

Ralph, DC5JQ


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Till, DL9JT