HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 253 / 2007 vom 07.01.2007

Redaktion: Till Uhde, DL9JT

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

NEUJAHRSGRÜSSE

(rps) Die Redaktion wünscht allen Lesern und Hörern unseres Amateurfunkmagazins ein erfolgreiches und gutes Jahr 2007! Im vergangenen Jahr konnten wir im Amateurfunk wichtige und bedeutende Meilensteine setzen: etwa die Freigabe der Kurzwelle und die deutliche Anhebung der Senderleistung für die Zeugnisklasse E, sowie die vorzeitige Erweiterung des 40-Meterbandes und die nahezu generelle Öffnung von 50 MHz für Klasse A.

In 2007 liegen nicht minder wichtige Aufgaben vor uns – es gilt nämlich nicht zuzulassen, dass das Erreichte durch flankierende Gesetze und Bestimmungen wieder zerstört wird: Das Jahr wird geprägt sein durch politische und rechtliche Auseinandersetzungen im Umfeld der elektromagnetischen Verträglichkeit, deren Regelungsumfang zunehmend bestimmen will, ob und wie weit wir unsere Rechte aus Amateurfunkgesetz und -verordnung tatsächlich ausüben können.

So ist die neue Europäische EMV-Direktive in nationales Recht umzusetzen: In Brüssel Erreichtes droht in Berlin zu scheitern, weil der in ihr verankerte besondere Schutz des Amateurfunkdienstes vor Störungen – zum Beispiel durch PowerLine Communication, kurz PLC – von der Bundesregierung und maßgeblichen Parteien bisher negiert wird. Und zum Beispiel, weil in Deutschland trotz anderslautender EU-Vorgaben die grundlegenden Anforderungen aus der EMV-Direktive doch auch für Amateurfunkgeräte gelten sollen, die nicht im Handel sind – mit allen negativen Konsequenzen bis hin zum Zwangsgeld, sollte der Funkamateur mit seiner durch ihn betriebenen Anlage andere Geräte stören.

Zu alledem strebt die Bundesnetzagentur auch noch eine verwaltungsgerichtliche Grundsatzentscheidung an. Sie will durchsetzen, dass eine völlig unzureichende Feldstärke von lediglich etwa 1,8 Volt pro Meter am Ort gestörter Geräte nicht zu überschreiten ist und dass das CE-Zeichen im nachbarlichen Wohnzimmer Indiz genug sein soll, um dies vom Funkamateur zu fordern. Allenfalls einfachste Ad-hoc-Messungen unter nicht-reproduzierbaren Bedingungen vor Ort in der Nachbarwohnung sollen zudem ausreichen.

Das Jahr 2007 wird zeigen, was der Amateurfunk in der deutschen Gesellschaft noch gilt, welchen Kredit wir noch besitzen. Haben wir noch etwas beizutragen, etwa durch technische Ausbildung, Behindertenbetreuung und Zurverfügungstellung unserer Geräte und unseres Wissens in Not- und Katastrophensituationen, oder – sind wir in Sicht von Gerichten, Politik, Verwaltungen und Bauämtern nur noch pure Hobbyisten und Egoisten, die ihren Nachbarn zur Last fallen? Für letzteres gibt es in der jüngsten Vergangenheit zunehmend Hinweise. Dann allerdings – und nur dann – sollte sich der Amateurfunk für Gemeinnütziges nicht mehr zur Verfügung stellen und seine gesellschaftliche Position grundlegend überdenken – jedenfalls in Deutschland.

Die AGZ wird sich auch im neuen Jahr wie gewohnt für die Funkamateure einsetzen.

Ralph, DC5JQ


ARRL VERKLAGT FCC

(rps) Auch in den USA ist der Amateurfunk ganz offensichtlich unter Druck geraten. Der weltgrößte Amateurfunkverband ARRL musste nun – neben der ersatzlosen und generellen Streichung der Morsetelegrafieprüfung – eine weitere bittere Pille schlucken: Der Personalwechsel an der Spitze der US-Regulierungsbehörde FCC brachte in Sachen PowerLine Communication – kurz PLC – nicht die erhoffte Änderung der politischen Grundhaltung. Im Gegenteil, der neue FCC-Vorsitzende Kevin Martin unterstützt mehr denn je die Anstrengungen der Industrie, breitbandige Internetanschlüsse über Stromleitungen zu realisieren.

Anlass einer nun durch die ARRL beim United States Court of Appeals in Washington gegen die FCC eingereichten Klage ist eine Bestimmung, die die Behörde letztes Jahr erlassen hat. Demnach muss der Betreiber eines PLC-Systems auf der Frequenz eines Störungen beklagenden Funkdienstteilnehmers unterhalb von 30 MHz lediglich eine Absenkung um 20 dB vornehmen, oberhalb sind es nur 10 dB. Mehr wird nicht verlangt. Dies gilt zudem nur für mobile Funkanlagen; für ortsfeste Stationen gibt es nichts Vergleichbares. Die ARRL wertet diese Situation als eine Verletzung des geltenden Rechts – und rechnet mit einem langen und kostenintensiven Instanzenweg. Der Ausgang ist völlig offen.

Aus deutscher bzw. europäischer Sicht ist zu betonen, dass es in den Vereinigten Staaten immerhin so etwas wie Schutzvorschriften gegen PLC überhaupt gibt. In unserem Land werden mit Inkrafttreten des neuen EMV-Gesetzes am 20. Juli 2007 und mit der Aufhebung der so genannten "NB 30" nur noch Sicherheitsfunkdienste einen Schutz vor Störungen genießen, den man ohne wenn und aber vom Staat einfordern kann. Unter anderem der Amateurfunkdienst wird dagegen auf das Zivilrecht und auf die meist ziemlich strittige Interpretation von EMV-Normen verwiesen, insgesamt also auf die Abwägung von Interessen – mit völlig ungewissem Ausgang.

Quelle: ARRL


VERFASSUNGSGERICHT ZU VÖLKERRECHTLICHEN VERTRÄGEN

(rps) Eine wahrhaft Never-Ending-Story: Gilt sie nun – oder gilt sie nicht? Gemeint ist die VO-Funk – und zwar in dem Sinne, dass dieses internationale Regelwerk der ITU aus sich selbst heraus und ohne weitere nationale Gesetzgebung für Behörden und Bürger unmittelbar bindend ist. Funkamateure trugen hier in der Vergangenheit oftmals eine bejahende Position vor. Das Bundesverfassungsgericht hat dazu Ende letzten Jahres nun Klartext gesprochen: Nein, die VO-Funk gilt nicht unmittelbar.

Es ging in Karlsruhe um einen völkerrechtlichen Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Argentinien. Er regelt das Vorgehen bei eventuellen Streitigkeiten im Zusammenhang mit der Rückzahlung von Anleihen bzw. Wertpapieren. Das Verfassungsgericht hatte unter anderem zu entscheiden, ob diese Vereinbarungen nach Maßgabe von Artikel 25 des Grundgesetzes automatisch Bestandteil des Bundesrechts sind.

In einem Beschluss vom 6. Dezember 2006 führt der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts dazu nun aus, dass allgemeine Regeln des Völkerrechts im Sinne von Artikel 25 ausschließlich Regeln des universell geltenden Völkergewohnheitsrechts sind, ergänzt durch aus den nationalen Rechtsordnungen tradierte allgemeine Rechtsgrundsätze. Nach einhelliger Auffassung beziehe sich Artikel 25 des Grundgesetzes dagegen nicht auf völkervertragliche Regelungen. Genau dazu zählt aber die VO-Funk. Der Beschluss hat das Aktenzeichen 2 BvM 9/03.

Damit dürfte die Diskussion um die unmittelbare Geltung der VO-Funk wohl beendet sein. Niemand – weder Bürger noch Staat – kann sich direkt auf dieses Regelwerk berufen und auf diese Weise etwa Schutz vor Störungen einfordern. Die unterzeichnenden Staaten haben sich lediglich verpflichtet, diese Bestimmungen gegenseitig einzuhalten; auf Rechtsverhältnisse innerhalb eines Landes hat die VO-Funk – jedenfalls in Deutschland – keinerlei Auswirkungen.

Quelle: Bundesverfassungsgericht
http://www.bverfg.de/entscheidungen/ms20061206_2bvm000903.html


GLÜCKWUNSCH AN FRITZ TRAXLER

(red) Vom Vorstand des DARC-Ortsverbands Ludwigsfelde (Y05) erreichte die Redaktion die folgende Nachricht:

"Der bekannte Autor vieler Fachpublikationen, Fritz Traxler, DM2ARD, feierte 2006 sein 50-Jähriges Jubiläum als Funkamateur. Fritz wurde 1939 geboren und erlernte beim Fernmeldeamt Chemnitz den Beruf eines Fernmeldehandwerkers. 1956 legte er die Amateurfunkprüfung der damaligen Klasse 1 ab und arbeitete an der Clubstation DM3MCN. Von 1960 bis 1963 studierte er in Leipzig an der Fachhochschule der Deutschen Post und kam 1963 als Ingenieur nach Beelitz zum Funkkontroll- und Messdienst der Deutschen Post. Er arbeitete hier an der Clubstation DM3KMD und war einige Jahre deren Leiter und Lizenzträger. 1963 erhielt er die Privatlizenz mit dem Rufzeichen DM2ARD, später Y21RD. Unter diesen Rufzeichen ist er durch viele Funkkontakte und Veröffentlichungen in den Fachzeitschriften 'Funkamateur' und 'CQ DL' bekannt geworden.

Seine Konstruktionen – und insbesondere seine mechanische Lösung für die Quad-Antenne – bauten viele Funkamateure nach. Seine dazu gemachten Veröffentlichungen gingen in die Antennenliteratur ein. Fritz Traxler hat sich später noch zum Diplom-Ingenieur qualifiziert. Er hat den Ortsverband Ludwigsfelde vor ein paar Jahren als Heimstadt gewählt, da er hier sein umfangreiches Fachwissen an die jüngere Generation weitergeben kann. Fritz begeistert sich und andere im Ortsverband für neue Ideen, er ist auch als Rentner noch äußerst aktiv. In interessanten Fachvorträgen vermittelt er Jugendlichen und Erwachsenen kurzweilig sein Wissen und seine Forschungsergebnisse.

Fritz ist ein guter fachlicher Ratgeber für den OV-Vorstand, der die Vorstandslinie im Ortsverband intensiv unterstützt und der in der Jugend die Zukunft für den Amateurfunk sieht. Dadurch hält er sich fit. Selbst bei Fielddays ist er noch mit Antennenexperimenten und Vorträgen für Jugendliche zu finden.

Wir wünschen Fritz noch viele schöne Jahre im Ortsverband Ludwigsfelde und vor allem Gesundheit und Schaffenskraft, damit wir noch viele interessante Beiträge von DM2ARD lesen können!"


Vy 73,
Till, DL9JT