HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 255 / 2007 vom 28.01.2007

Redaktion: Till Uhde, DL9JT

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dl0agz@agz-ev.de

 

PARADIGMENWECHSEL

(rps) in den USA. Nun ist es offiziell: Am 23. Februar 2007 um 12 Uhr Mittags Ortszeit verzichten die Vereinigten Staaten von Amerika voll und ersatzlos auf die Prüfung von Morsetelegrafie im Amateurfunk und geben der bisher einzigen Genehmigungsklasse ohne dieses Prüfungselement Nutzungsrechte für Kurzwellenfrequenzen.

Am 24. Januar erschien die entsprechende Anordnung im Federal Register, dem Bundesgesetzblatt der USA. Ein Sprecher der US-Regulierungsbehörde FCC dazu: "Das Ziel dieser Aktion ist die Stärkung des öffentlichen Interesses am Amateurfunk. Wir möchten die Bevölkerung ermutigen, sich verstärkt mit Kommunikations- und Funktechnologie zu beschäftigen und zu diesem Zweck die Amateurfunkgenehmigung zu erwerben. Wir beseitigen deshalb ein heute nicht mehr notwendiges Prüfungselement, das Interessenten davon abhalten könnte, sich mit den kommunikativen und technischen Aspekten des Amateurfunks zu beschäftigen".

Die Forderung des größten US-Amateurfunkverbands ARRL, für die höchste Lizenzklasse namens "Extra" die CW-Prüfung weiterhin zu verlangen, wurde – wie bereits berichtet – zurück gewiesen. Inhaber der bisher bereits morsefreien Technician License erhalten am 23. Februar ohne ein weiteres Erfordernis das Recht, im 80-, 40- und 15-Meterband in Morsetelegrafie zu senden – und zwar unabhängig davon, ob sie eine entsprechende Prüfung abgelegt haben. Lediglich auf dem 10-Meterband darf zusätzlich in Fernschreiben, Datenfunk und Sprechfunk gesendet werden: Also gibt es doch noch ein kleines Zückerchen für die ARRL.

Quelle: ARRL und FCC


PERSONALWECHSEL

(rps) im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Dr. Alexander Tettenborn ist nicht mehr für den Amateurfunk zuständig. Seit kurzem leitet er im selben Hause das Referat mit dem etwas komplizierten Namen "Organisation des Ministeriums, Controlling, Stellenbewirtschaftung, Organisation Geschäftsbereich" – oder kurz Z A 4. Die Leitung des bisher von ihm geführten Referats VI B 2 – Rundfunk und Medienwirtschaft – ist vakant und wird neu ausgeschrieben. Bis zu einer Neubesetzung werden die Aufgaben vom Unterabteilungsleiter Herrn Bröhl wahrgenommen. Die Redaktion wünscht Herrn Dr. Tettenborn viel Erfolg bei seinen neuen Aufgaben.

Auch ein weiteres für den Amateurfunk wichtiges Referat im BMWi ist seit Monaten verwaist: Die Leiterin des Referats "Frequenzpolitik" VI A 5, Angelika Müller, ist längerfristig beurlaubt. Ihre Arbeitsgruppe ist unter anderem für die Vertretung Deutschlands gegenüber der ITU, die deutsche Vorbereitung der Weltnachrichtenkonferenzen und die Aufstellung des Frequenzbereichszuweisungsplans zuständig – also für die Frequenzressourcen des Amateurfunks. Auch diese Stelle ist ausgeschrieben.


HIGH ALTITUDE PLATFORMS WERDEN WIRKLICHKEIT

(rps) oder: fliegende Mobilfunknetze für Russland. Angeblich in Europa von Industrie und Verwaltung nicht gewünscht, finden nun doch die ersten Tests mit den so genannten HAPs statt: Das russische Telekommunikationsunternehmen ASTELCOM ist erfreut, gemeinsam mit den russischen Technologieunternehmen MW Satkom und Myashishev sowie der deutschen Siemens AG den erfolgreichen Testlauf ihrer hochfliegenden Telekommunikationsplattform bekannt zu geben.

Danach ist am 26. Dezember 2006 ein neues Telekommunikationszeitalter in Moskau eingeläutet worden, und zwar mit einer neuartigen, für extreme Einsatzhöhen konstruierten Plattform für Kommunikations-, Sende- und Überwachungsanwendungen.

Das von ASTELCOM in Kooperation mit russischen Hochtechnologieunternehmen und der Siemens AG entwickelte System operierte erfolgreich in einer Höhe von 18 Kilometern und wies eine UMTS-Netzabdeckung im Radius von 250 Kilometern auf. Es konnten Sprach-, Bild- und Videoverbindungen zwischen normalen UMTS-Mobilfunktelefonen über das fliegende System mit Übertragungsraten von 384 kbit/s aufgebaut werden.
 
Die Verbindung zum Netzkontrollzentrum wurde dabei über einen Hochleistungsrichtfunkkanal bei 28 GHz gehalten. Dr. Viktor Kazakov, Geschäftsführer der OJSC ASTELCOM, kommentierte: "Dieser Erfolg ist ein Meilenstein in der Entwicklung von fliegenden Telekommunikationssystemen und stellt die Funktionsfähigkeit unserer Technologie unter Beweis. Gleichzeitig ist er Startschuss für die zeitnahe, kommerzielle Nutzung auf dem Territorium der Russischen Föderation. Dieses Ereignis reflektiert den russischen Innovationsgeist und die erfolgreiche Zusammenarbeit führender russischer und deutscher Unternehmen."

High-Altitude-Platforms setzen verschiedene Technologien für diverse drahtlose Kommunikationsanwendungen sowie Umweltüberwachungssysteme in einer Höhe von typisch etwa 20 Kilometern über Grund mit hoher Flächenabdeckung ein. Dank direkter Sichtverbindung bei gleichzeitig großem Abstand minimiert diese Infrastruktur die Elektrosmogbelastung der Bevölkerung. Das Trägersystem basierte im Testbetrieb auf dem russischen Höhenforschungsflugzeug M55. ASTELCOM beabsichtigt, in naher Zukunft ein kommerzielles Netz mit dieser Technologie aufzubauen.

Langfristig sind HAPs sicher auch für den Amateurfunk von Interesse, eignen sie sich doch in hervorragender Weise zum frequenzökonomischen Aufbau digitaler Sprach- und Datenfunknetze.

Quelle: Businessportal 24


HERAUSFORDERUNG FÜR FUNKAMATEURE

(rps) Asteroiden, die die Erdbahn kreuzen oder zumindest in ihre Nähe kommen, können für das Leben und die Zivilisation unseres Planeten gefährlich werden. Der momentan am intensivsten für einen Zusammenstoß gehandelte Kandidat ist Apophis – ein Felsbrocken mit etwa 300 bis 400 Metern Durchmesser und einer Umlaufszeit von 0,9 Jahren. Seine leicht elliptische Bahn pendelt zwischen dem Venus- und dem Erdorbit. Im Jahre 2029 soll er der Erde bedenklich nahe kommen – und zwar näher als die geostationäre Satellitenumlaufbahn in 36.000 Kilometern Höhe –, eine Kollision ist in dem Jahr mittlerweile aber so gut wie ausgeschlossen worden. 2036 allerdings kann das ganz anders aussehen: Hier ist die Kollisionswahrscheinlichkeit auf Basis der bisherigen Messungen wesentlich höher.

Wissenschaftler haben nun angeregt, auf Apophis eine Funkbake zu installieren. Ziel ist eine wesentlich genauere Vermessung der Bahn des Asteroiden, als es mit passivem Radar oder optischen Beobachtungen je möglich sein wird. Die Planetary Society hat aus diesem Grund einen Wettbewerb ausgeschrieben. 50.000 US-Dollar stehen bereit für den besten Vorschlag, die Bake zu konstruieren, sie zu bauen und sie schließlich auf die Oberfläche von Apophis zu befördern. Hier sind wir Funkamateure sicher gefordert, zumindest, was die Hochfrequenzseite anbelangt.

Mehr Information finden Sie im Internet in englischer Sprache unter www.planetary.org. Die Planetary Society wurde im Jahre 1980 unter anderem von Astrophysiker Carl Sagan gegründet. Ihre Aufgabe ist die Förderung der Raumfahrt und die Information der Öffentlichkeit über dieses Thema. Schwerpunkt ist die Erkundung des Sonnensystems und die Suche nach extraterrestrischem Leben.

Quelle: Planetary Society und RSGB


ZUM SCHLUSS: IN EIGENER SACHE

(red) Der Vorstand der AGZ e.V. und die Redaktion von HamRadio 2day weisen aus gegebenem Anlass darauf hin, dass die Texte unseres Amateurfunkmagazins dem Urheberrecht unterliegen und somit durch Copyright geschützt sind. In diesem Zusammenhang ist jede Veröffentlichung im so genannten Usenet – also in Newsgroups – unerwünscht und wird ausdrücklich untersagt.


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Till, DL9JT