HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 263 / 2007 vom 29.04.2007

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



IARU-REGION 1 UNTERNIMMT WEITEREN NOTFUNKTEST

(rps) Am nächsten Sonntag, den 5. Mai dieses Jahres, führt die Region 1 der Internationalen Amateurfunkunion IARU bereits zum zweiten Mal auf der Kurzwelle eine breit angelegte Übung zum Not- und Katastrophenschutzfunk durch. Unter dem Namen "EmCom Party on the Air" findet von 11:00 bis 15:00 UTC auf dem 40-, 20- und 15-Meterband Funkbetrieb in SSB statt, der von speziell dazu ausgesuchten und besonders ausgestatteten Amateurfunkstellen durchgeführt wird. Leitstation ist OF3F in Finnland.

Ziel ist es dabei, die Bedeutung des Amateurfunkdienstes für die Aufrechterhaltung der Kommunikation in Not- und Katastrophensituationen öffentlich heraus zu stellen und in der Gesellschaft das Bewusstsein für den Nutzen des Amateurfunks zu schärfen. Weitere Anliegen sind etwa die Untersuchung, in wieweit die vorgesehenen Frequenzen sich für eine sichere Kommunikation über die Region 1 hinweg eignen und natürlich das Training von Funkamateuren für diese spezielle Art von Funkverkehr.

Die IARU betont ausdrücklich, dass es sich bei der "EmCom Party on the Air" nicht – wie der Name vielleicht vermuten lässt – um einen Contest handelt, sondern um eine Notfallübung. Sie soll durch Nichtbeteiligte keinesfalls gestört werden. Man bittet um entsprechende Disziplin auf den benutzten Frequenzen.

Quelle: IARU-Region 1 und RSGB


AMATEURFUNK-GEBÜHREN IN USA VOR DEUTLICHER ABSENKUNG

(rps) Die US-Regulierungsbehörde FCC beabsichtigt, künftig ihre Gebühren für die Zuteilung eines Wunschrufzeichens – eines so genannten "Vanity Call Signs" – drastisch, und zwar um 40 Prozent, zu senken. Statt 20,80 Dollar sollen künftig nur noch 11,70 Dollar fällig werden. Dies wäre der geringste Betrag, der jemals in den Vereinigten Staaten für ein solches Rufzeichen verlangt wurde. Am 18. April veröffentlichte die FCC dazu ihre entsprechende Ankündigung in MD-Docket 07-81.

Zum Vergleich: In Deutschland kostet die Zuteilung eines personengebundenen Rufzeichens ab dem 1. Januar 2008 immerhin 70 Euro, was etwa 95,50 Dollar entspricht. Damit kostet ein Rufzeichen – übrigens auch ein Nicht-Wunschcall – bei uns das Achtfache. Plakativer kann man die krass unterschiedliche gesellschaftliche Wichtung des Amateurfunks in den USA und in der Bundesrepublik kaum noch ausdrücken.

Quellen: FCC und ARRL


EIN SCHARFER WIND

(rps) weht dem Amateurfunk in Deutschland entgegen. Die Kasseler Tageszeitung "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" – kurz HNA – berichtete diese Woche – und zwar am 25. April – ausgerechnet in ihrer Lokalausgabe Baunatal unter der Überschrift "Streit um fünf Antennen" das folgende.

"Geht Reinhold Simon in seinen Garten und blickt nach Süden, schaut er auf ein endlos wirkendes, gelb leuchtendes Rapsfeld. Sieht er nach Westen, schaut er auf einen mit Antennen und Abspannseilen gespickten Garten. Simons Nachbar an der Südstraße in Martinhagen ist Amateurfunker. Unter anderem betreibt dieser eine 17,60 Meter hohe Funkantenne auf seinem Grundstück. Doch nicht nur diese ist bei Reinhold Simon und anderen Nachbarn Stein des Anstoßes. Auch über den Betrieb weiterer vier Sendeanlagen für Amateurfunk gibt es seit Jahren Streit. Die Anlieger fühlen sich durch Anblick und Betrieb der Einrichtung gestört.

'Die Behörden lassen uns im Stich', klagt Reinhold Simon. Nach dem Einzug des Nachbarn 2003 seien zu der bereits auf dem Grundstück stehenden 17,60-Meter-Antenne (auch der Vorbesitzer des Nachbargrundstückes war Amateurfunker) ständig neue Antennen hinzugekommen, sagt Simon. Der Fernsehempfang, das Telefon und das Radio seien durch den Funkbetrieb gestört gewesen, so der 73-Jährige. Nachbarin Ingrid Schulze stimmt zu. 'Bei mir sind schon mal der Fernseher und das Radio nachts angegangen.' Und Anwohnerin Marinka Möller-Marko meint: 'Das ist für eine Wohnstraße kein schöner Anblick.'
 
Simon sammelte Unterschriften der Anlieger gegen die Anlagen, schaltete die Bauaufsicht des Landkreises ein und die Bundesnetzagentur, die die gesetzlichen Vorschriften für Amateurfunk überwacht. 'Die waren mehrere Tage hier und haben gemessen', sagen Reinhold Simon und dessen Ehefrau Anne, geben allerdings zu: 'Danach ist es dann besser geworden.' Dennoch: Auch heute sei etwa noch der Empfang des Radios in der Küche durch den Funkbetrieb gestört. Und aus einer Heimorgel kämen manchmal Stimmen.

Der betroffene Amateurfunker war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Thilo Kootz, hauptamtlicher Mitarbeiter des Deutschen Amateur Radio Clubs (DARC) mit Sitz in Baunatal, nimmt für den Betroffenen, der auch Mitglied des DARC ist, Stellung. Der Verband gebe seinen Mitgliedern in solchen Fällen Hilfestellung, sagt Kootz. Er selbst habe den Streit um die Antennen in Martinhagen begleitet, so der Physiker. Die Amateurfunkanlage entspreche der 2002 in Kraft getretenen Bundesverordnung, die vor übermäßiger Strahlenbelastung von Menschen schützen solle. Die Bundesnetzagentur habe das überprüft. Kootz: 'Ich sehe keinen weiteren Handlungsbedarf.'

Die Anlieger der Südstraße hadern indes mit den Behörden. Mehrere Ortstermine mit der Bauaufsicht des Kreises und der Gemeinde brachten aus ihrer Sicht kein Ergebnis. Der behördliche Standpunkt ist auch eindeutig: Jeder könne sein Haus so gestalten, wie er wolle, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn. 'Antennen, die nicht höher als zehn Meter sind, sind genehmigungsfrei.' Für die 17,60 Meter hohe Antenne gebe es seit 1983 eine Baugenehmigung. 'Das hat Bestandsschutz.' Kühlborn räumt allerdings ein, dass heute in einem allgemeinen Wohngebiet eine solche Antenne nicht mehr genehmigt würde. 'Damals aber waren die Zeiten andere.'"


KOMMENTAR DER REDAKTION

(rps) In Deutschland galt der Amateurfunk auch in dieser Hinsicht früher offensichtlich mehr, jedenfalls vor 25 Jahren: Da gab es noch Baugenehmigungen für große Antennen – auch in so genannten Wohnstraßen und in allgemeinen Wohngebieten. Heute kann man Funkamateuren nur noch den Rat mit auf den Weg geben, vor dem Kauf einer Immobilie darauf zu achten, dass möglichst kein Bebauungsplan besteht, dass es sich keinesfalls um ein reines oder allgemeines Wohngebiet handelt und dass man genug Abstand zu den Nachbarn hat. Optimal sind ländliche Gewerbe- oder Mischgebiete ohne Bebauungsplan, schon alleine wegen der Kosten für die notwendige Größe des Grundstücks.

Sagt da jetzt einer ketzerisch, der Funkamateur wird – langsam aber sicher – an den Rand der Gesellschaft gedrängt, jedenfalls wenn er den Amateurfunk klassisch ausleben will – quasi als so genannter "Echtfunkamateur"? Verständnis für diese Wertung könnte man durchaus aufbringen.

Ralph, DC5JQ


ZUM SCHLUSS: IN EIGENER SACHE

(red) Wegen einer Dienstreise und anschließendem Urlaub des Redakteurs gibt es an den nächsten drei Sonntagen leider kein HamRadio 2day. Die nächste Ausgabe kommt also erst am 27. Mai. Wir bitten um Verständnis.

 

Vy 73,
Ralph, DC5JQ