HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 264 / 2007 vom 27.05.2007

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



VORLÄUFIGES ENDE DER MITARBEIT

(rps) im RTA – im Runden Tisch Amateurfunk. Diesen Schritt hat der Vorstand des VFDB e.V. in seiner aktuellen Vorstandsinformation vom 16. Mai bekannt gegeben. Sie liegt der Redaktion vor. Hintergrund ist die Forderung der Deutschen Funkturm GmbH (DFMG), Amateurfunkinstallationen auf Türmen dieser Telekom-Tochter bis zum 30. April drastisch rückzubauen, und zwar auf höchstens vier Antennen pro Standort und auf eine maximale Spitzenleistungsaufnahme aus dem Energieversorgungsnetz von lediglich 100 Watt. Konkreter Anlass ist laut VFDB die nicht abgesprochene Kontaktaufnahme des RTA mit der Deutschen Funkturm GmbH. Man wertet sie als kontraproduktiv, da allein der VFDB Vertrags- und damit Verhandlungspartner für die genutzten Standorte sei. Hier nun im Wortlaut die entscheidende Passage der Vorstandsinformation:

"Durch ungeduldige Funkamateure, die sich auch an Bundestagsabgeordnete gewandt haben, aber auch durch andere Amateurfunkverbände, die meinten, in die Verhandlungen einzugreifen zu müssen, wurden unsere Verhandlungen nicht nur behindert, sondern wieder auf den Ausgangsstand zurück geworfen. Es gibt nun einmal kein gutes Verhandlungsbild ab, wenn sich Interessenverbände konkurrierend einmischen.

Der VFDB hat sich im Vorfeld eindeutig dazu geäußert. Der Vorsitzende des VFDB hat sowohl mit dem Vorsitzenden des DARC, als auch mit dem Vorstand des RTA in Kontakt gestanden, um zu einem vernünftigen Vorgehen zu gelangen. Der Vorstand hat dazu dem DARC und RTA Gespräche angeboten, die aber nicht angenommen wurden, da man dort unsere Sicht der Lage nicht teilte. Der VFDB hat daraufhin beschlossen, seine Mitarbeit im RTA ruhen zu lassen, da er den Vorstoß bei der DFMG als Einmischung in seine Geschäftsführung ansieht."

Kommentar der Redaktion: Dieser Vorgang bestätigt eindrucksvoll, dass eine Mitgliedschaft im "Runden Tisch Amateurfunk" zur spürbaren Beeinträchtigung des Handelns eines Vereins nach außen – und damit zur Beeinträchtigung seiner eigenen Interessen – führen kann. Offensichtlich betrachtet die Geschäftsführung des RTA ihre Mitgliedsvereine nicht mehr als souverän.


MONTENEGRO NUN MIT EIGENEM PRÄFIX

(rps) Wie die Internationale Telekommunikationsunion ITU und der amerikanische Amateurfunkverband ARRL melden, hat Montenegro vor wenigen Tagen den neuen und vor allem eigenständigen Präfix 4O bekommen. 4O war bisher auch Serbien zugeteilt, dem Montenegro noch bis vor etwa einem Jahr als Bundesstaat angehörte. Serbien darf ab sofort nur noch die Landeskenner YT und YU benutzen. Die beiden bisher auch eingesetzten Blöcke 4N und YZ wurden an die ITU zurück gegeben und stehen nun für Neuzuteilungen zur Verfügung.


NEUES VON DER VO-FUNK

(rps) oder doch nicht? Der Redakteur jedenfalls vertritt den nachfolgend dargelegten Standpunkt bereits seit langem. Die Redaktion von HamRadio 2day hatte vor einigen Wochen die Bundesregierung – speziell das zuständige Ministerium für Wirtschaft und Technologie – gefragt, ob seitens der Bundesregierung jemals Gebrauch gemacht wurde von dieser Ermächtigung:

"Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung ohne Zustimmung des Bundesrates die Vollzugsordnungen, die die Konstitution und die Konvention gemäß Artikel 4 Absatz 3 der Konstitution ergänzen, sowie Änderungen zu diesen Vollzugsordnungen, die die weltweiten Funkkonferenzen und die weltweiten Konferenzen für internationale Fernmeldedienste der Internationalen Fernmeldeunion beschließen, in Kraft zu setzen und Regelungen über die Verkündung der Vollzugsordnungen sowie ihrer Änderungen zu treffen."

Man findet diese Passage in Artikel 2 des "Gesetzes zu der Konstitution und der Konvention der Internationalen Fernmeldeunion", das im Bundesgesetzblatt II im Jahre 1996 auf Seite 1306 erschienen ist. Hier nun die Antwort des Ministeriums:

"Ihre Annahme, dass bisher von der Ermächtigungsgrundlage in toto kein Gebrauch gemacht wurde, ist zutreffend. Einer vollumfänglichen oder auch nur teilweisen Transformation der Vollzugsordnungen ins deutsche Recht bedurfte es meines Wissens nach bisher nicht. Dies liegt – wie Sie bereits vermuten werden – vor allem daran, dass die Vollzugsordnungen zuvorderst das Verhältnis der Mitgliedstaaten der ITU auf dem Gebiet der Frequenzverwaltung untereinander regeln und daher keinen unmittelbaren Einfluss auf das nationale Telekommunikationsrecht beinhalten.

Soweit notwendig bestehen außerdem durch die Ermächtigungsgrundlagen in den TK-Fachgesetzen, unter anderem das Gesetz über den Amateurfunk und das Telekommunikationsgesetz, hinreichende gesetzliche Grundlagen für die Frequenzordnung und weitere Fragen des Funks. Durch die darauf beruhenden Regelungen der Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung und anderer Rechtsverordnungen wurden und werden die umsetzungsbedürftigen Einzelregelungen des internationalen Fernmelderegelwerks berücksichtigt."

Herzlichen Dank für die Stellungnahme. Auch die Bundesregierung – und damit ebenfalls die nachgeordnete Bundesnetzagentur – vertritt also klar und deutlich im Einklang mit diversen Gerichtsentscheidungen den Standpunkt, dass die VO-Funk keine unmittelbare Geltung in Deutschland besitzt – und auch nicht besitzen muss.


KAUM STÖRUNGSMELDUNGEN ZU INHOUSE-POWERLINE BEI DER NETZAGENTUR

(red) Bei der Bundesnetzagentur sind in den vergangenen 24 Monaten nur ganze zwei Meldungen zu Störungen eingegangen, die auf Inhouse-Powerline-Adapter zurückzuführen sind. Dies meldet die Computer-Zeitschrift c't in ihrer Ausgabe 10/2007.

Die Zeitschrift c't hatte zehn Powerline-Adapter für Inhouse-Anwendungen getestet. Im Rahmen dieses Tests ging das Blatt am Rande auch auf die Störproblematik solcher Geräte ein. Weil Powerline-Adapter die Daten als breitbandiges Hochfrequenzsignal auf ungeschirmten Stromleitungen übertragen, können erhebliche Störungen im Kurzwellenbereich auftreten.

Acht der getesteten Powerline-Adapter senkten ihren Signalpegel im Bereich der Kurzwellen-Amateurfunkbänder ab (so genanntes "Notching"). Zwei Modelle der Firmen Allnet und Secomp taten dies nicht, obwohl ein Notching der Amateurfunkbänder mit dem in den Geräten verbauten DS2-Chip durchaus möglich ist.

Nach Angaben der c't hat eine der beiden Störungsmeldungen, die im Zusammenhang mit Inhouse-Powerline bei der Bundesnetzagentur eingingen, zu einem Ordnungswidrigkeitenverfahren geführt. Dieses sei jedoch, so das Blatt, gegen eine "geringe Gebühr" eingestellt worden. Der betroffene Powerline-Anwender sei auf WLAN umgestiegen.

Kommentar der Redaktion: Bei dieser Sachlage fällt es wirklich schwer, eine wirksame und vor allem ehrliche und aufrichtige Öffentlichkeitsarbeit gegen PLC durchzuführen. Offensichtlich ist Inhouse-PLC bei lediglich zwei Störungsmeldungen in zwei Jahren kein generelles Problem, sondern vielmehr eine exotische Randerscheinung. Funkamateure sind aufgerufen, auf eventuelle Störungen durch Inhouse-PLC aufmerksam zu achten und im Störungsfalle sich an die Bundesnetzagentur zu wenden.

Quelle: FM – das Funkmagazin und c't

 

Vy 73,
Ralph, DC5JQ