HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 265 / 2007 vom 03.06.2007

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



INTERVIEW MIT REINER LIEBLER

(red) Heute haben wir etwas besonderes für Sie: Wir möchten Ihnen den neuen Leiter des Referats VI A 5 im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie vorstellen. Seit dem 1. März dieses Jahres ist Reiner Liebler dort auch für den Amateurfunk zuständig. Herr Liebler gab der Redaktion diese Woche das folgende Interview:
 
Herr Liebler, Sie waren bisher bei der Bundesnetzagentur tätig. Können Sie unseren Hörern und Lesern kurz etwas über Ihren beruflichen Hintergrund und bisherigen Tätigkeitsbereich sagen?
 
Reiner Liebler:

"Nach meinem Studium der Nachrichtentechnik an der Technischen Hochschule Darmstadt habe ich meine berufliche Tätigkeit vor 20 Jahren im damaligen Fernmeldetechnischen Zentralamt der Deutschen Bundespost als Referent für nationale und internationale Funkfrequenzangelegenheiten begonnen. Im Rahmen dieses funkdienstübergreifenden Tätigkeitsfeldes hatte ich schon damals auch mit dem Amateurfunk Befassung und konnte einige Aspekte seiner vielfältigen Anwendungs- und Experimentiermöglichkeit etwas näher kennenlernen. Funk- und Frequenzfragen bin ich in meiner gesamten beruflichen Tätigkeit treu geblieben. Bei der Regulierungsbehörde standen für mich Fragen der internationalen Frequenzharmonisierung im Fokus. Ich habe internationale Arbeitsgruppen in der CEPT geleitet und auch an einigen Weltfunkkonferenzen der ITU für die Bundesrepublik Deutschland mitgewirkt – auch da gab es immer wieder interessante Begegnungen mit der Welt der Funkamateure. In den letzten Jahren war ich in der Bundesnetzagentur für die Themenfelder EMV und Funkverträglichkeit verantwortlich."

Sie haben nun seit dem ersten März den Aufgabenbereich Amateurfunk im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie übernommen und sind jetzt als Referatsleiter auch zuständig für das Amateurfunkgesetz und die Amateurfunkverordnung. Wo sehen Sie für die nähere Zukunft hier Ihre Aufgabenschwerpunkte?
 
Reiner Liebler:

"Gestatten Sie mir bitte, dass ich Ihre Fragestellung zunächst ein wenig korrigiere, weil sonst der Eindruck entsteht, als hätte ich ausschließlich den Aufgabenbereich Amateurfunk übernommen. Nein – das Referat trägt die Bezeichnung 'Frequenzpolitik', und daraus ist abzuleiten, dass sich mein Aufgabengebiet hinsichtlich der Zuweisung und Nutzung von Frequenzen als politische Grundsatzaufgabe auf sämtliche Funkdienste bezieht. Frequenzmäßig betrachtet, stellt sich der Amateurfunkdienst also auch nur als ein kleines Rädchen im großen Getriebe dar. Allerdings ist Ihre Fragestellung insofern richtig, als dass das Referat 'Frequenzpolitik' den Aufgabenbereich Amateurfunk gemäß dem Gesetz über den Amateurfunk und der zugehörigen Verordnung übernommen hat und verwaltet, hier also nicht nur Frequenzfragen zu behandeln sind.

Wie Ihnen ja bekannt ist, wurden in der jüngsten Vergangenheit gerade die für die deutschen Funkamateure wichtigen gesetzlichen Bestimmungen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Interessen überarbeitet. Es handelt sich dabei um die auf der Grundlage des Gesetzes aus dem Jahre 1997 novellierte Amateurfunkverordnung vom 15. Februar 2005 und die am 1. September 2006 in Kraft getretene Erste Änderungsverordnung. Und ich habe mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen, dass in unserem Hause seitdem keine wesentlichen Beanstandungen bekannt geworden sind – haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich das Thema EMVG/EMVU hier einmal außen vor lasse.

Ihnen ist sicherlich auch bekannt, dass solcherart Veränderungen ihre Ursachen sowohl in veränderten nationalen Gegebenheiten als auch in internationalen Anpassungserfordernissen haben können. Dies ist, wie oben ausgeführt, gerade geschehen. Insofern sehe ich gegenwärtig keinen dringenden aktuellen Handlungsbedarf. Ich sehe aber selbstverständlich auch, dass die Entwicklung weiter voranschreitet und man sich den neuen Herausforderungen stellen muss.

Im Zusammenhang mit den neuesten Bestimmungen sind noch nicht alle Aspekte umgesetzt. Deshalb werde ich in nächster Zeit darauf hinwirken, dass beispielsweise die neuen Prüfungsanforderungen rasch umgesetzt werden. Und wie immer wird das Streben nach weiterer europäischer Harmonisierung bestimmter Regelungen im Fokus der Amateurfunkaufgaben stehen."

Ihr Referat ist unter anderem für den Frequenzbereichszuweisungsplan und die Vertretung Deutschlands gegenüber der ITU, etwa auf der kommenden WRC im Herbst dieses Jahres, zuständig. Auch der Amateurfunk hat "Frequenzhunger". Wie sehen Sie unsere Chancen, Frequenzen bei 500 kHz und bei 5 MHz zu bekommen?

Reiner Liebler:

"Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass es weitere Referate unseres Hauses, unserer Abteilung gibt, die die Bundesrepublik Deutschland in der ITU vertreten. Für den Bereich der Frequenzen jedoch ist dies mein Referat.

Für Ihren 'Frequenzhunger' habe ich vollstes Verständnis; ich stehe ihm grundsätzlich vorbehaltlos gegenüber. Ihnen ist jedoch auch bekannt, dass Sie in der Welt der 'Frequenzhungrigen' nicht allein dastehen und dass deshalb die berechtigten Interessen sehr Vieler zu berücksichtigen sind. Und selbst wenn dies national gelungen ist, bleibt noch die Abstimmung innerhalb der CEPT wegen der notwendigen europäischen Harmonisierung und gegebenenfalls auch noch die Einbringung in die weltweit zuständigen Gremien. Es ist also ein langer Weg, der vorher wohldurchdacht sein will.

Und dennoch ist es mit den letzten Änderungen, die im Bereich des Amateurfunkdienstes national vollzogen wurden, für die deutschen Funkamateure möglich geworden, beispielsweise jetzt auch einen erweiterten Frequenzbereich bei 7 MHz zu nutzen, und die zahlenmäßige Beschränkung der Nutzung des 50-MHz-Amateurfunkbereiches sowie die bis dahin erforderlichen Sonderzuteilungen konnten aufgehoben werden.

Es wird weiter gehen. Beispielsweise könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass dem Amateurfunkdienst längerfristig ein Teilfrequenzbereich bei Mittelwelle zugewiesen wird, vorausgesetzt, es gibt keine Anwender, für die eine entsprechende Zuweisung desselben Frequenzbereichs dringlicher wäre. Die Mittelwelle kann ich mir deshalb recht gut vorstellen, weil es sich unter dem Aspekt des besonderen Experimentiercharakters des Amateurfunkdienstes hier um einen Wellenlängenbereich handelt, in dem der Amateurfunkdienst noch nicht präsent ist.

Anders sieht es bei Zuweisungen im 5-MHz-Bereich aus. Für die Erweiterungswünsche, die wohl unter anderem daraus resultieren, dass beispielsweise in den USA gewisse Möglichkeiten bestehen und dass auch die internationalen Gremien der Funkamateure (IARU) entsprechende Forderungen stellen, habe ich Verständnis. Ihnen dürfte aber auch bekannt sein, da Sie ja selbst an den Vorbereitungstagungen der Weltfunkkonferenzen teilnehmen, dass die Nationale Vorbereitungsgruppe keine Möglichkeit sieht, die Forderungen zu unterstützen. Insofern kann ich Ihnen für diesen Frequenzbereich keine Hoffnungen machen."

Zum Schluss eine persönliche Frage: Was halten Sie selbst vom Amateurfunkdienst und wie schätzen Sie seine Zukunft ein? Was müsste sich ändern?
 
Reiner Liebler:

"Ich könnte mir vorstellen, dass sich hinter Ihrer Frage die Befürchtung verbirgt, dass der Amateurfunkdienst angesichts der neuen, innovativen Übertragungstechnologien, der neuen Medien und Telekommunikationsmöglichkeiten in der Zukunft an Bedeutung verliert. Diese Befürchtung teile ich grundsätzlich nicht, wenn die Funkamateure sich den neuen Herausforderungen des technischen Fortschritts stellen.

Der Amateurfunkdienst hat seine Verdienste vor allem während der Entwicklung des Funkwesens und dessen Erschließung für die zivile, kommerzielle Nutzung erworben. Solche Herausforderungen anzunehmen und zu bewältigen, ist auch im heutigen, 'digitalen' Zeitalter möglich. Eine Voraussetzung dafür ist jedoch die Einigkeit unter den Funkamateuren selber. Wie die Erfahrungen gezeigt haben, ist es beispielsweise sehr hilfreich, gegenüber der zuständigen Verwaltung mit möglichst nur einer Stimme zu sprechen.

Wie wir alle wissen, lebt die Demokratie vom konstruktiven Streit. Wenn wir uns gemeinsam dieser Herausforderung stellen, wird es auch in der Zukunft gelingen, den schon im Gesetz über den Amateurfunk beschriebenen Charakter des Amateurfunkdienstes als Experimentierfunkdienst zu unterstützen, die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen entsprechend zu gestalten und den Amateurfunkdienst trotz der vielen neuen und innovativen Übertragungstechnologien und Telekommunikationsmöglichkeiten, die es inzwischen in anderen Bereichen gibt, attraktiv zu halten und seine Attraktivität noch zu steigern."

Soweit das Interview mit Reiner Liebler, neuer Referatsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und unter anderem zuständig für den Amateurfunk. Herzlichen Dank für diese offenen Antworten.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ