HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 268 / 2007 vom 01.07.2007

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



HAM RADIO 2007: BESUCHERZAHL NAHEZU KONSTANT

(rps/Messe Friedrichshafen) Drei Tage lang war Friedrichshafen am Bodensee wieder der Treffpunkt schlechthin für Funkamateure rund um den Globus: 18.100 Besucher – 2006 waren es knapp 18.000, die teils sogar aus Australien und Kalifornien anreisten, kamen zur HAM RADIO, die letzten Sonntag zu Ende gegangen ist. "Das entspricht einem leichten Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Die HAM RADIO hat sich einmal mehr als Treffpunkt der Branche und als wichtiger Einkaufsmarkt bestätigt", zog Messegeschäftsführer Klaus Wellmann Bilanz.
 
"Die Anzahl der internationalen Besucher ist leicht gestiegen", stellt Projektleiter Thomas Grunewald fest. Rund ein Drittel der Messegäste reiste aus dem Ausland an; die Funkamateure kamen unter anderem aus Australien, Japan, Kalifornien und Norwegen. "Um diese Entwicklung fortzuführen, werden wir in den kommenden Jahren noch enger mit den zahlreich vertretenen internationalen Verbänden zusammenarbeiten", so Grunewald.

Die HAM RADIO ist auch ein wichtiger Einkaufsmarkt: Knapp drei Viertel der Besucher haben auf der Messe etwas gekauft oder bestellt, bestätigte die Besucherbefragung. 207 Aussteller und Verbände aus 36 Ländern boten von 22. bis 24. Juni einen Überblick zum Thema Amateurfunk und stellten die Neuheiten der Branche vor. Bei weiteren rund 300 Anbietern des HAM-Flohmarktes fanden die Besucher Ersatzteile, Zubehör und manche Rarität.

Positive Signale für die Zukunft setzten die beiden Jugendtage. Insgesamt ist der Anteil der unter zwanzigjährigen Besucher leicht gestiegen. An der Messe-Rallye selbst nahmen 93 Jugendliche teil. Die sechszehnjährige Eileen Göres aus Bad Saulgau hat das Programm überzeugt: "Die Rallye machte sehr viel Spaß und war sehr abwechslungsreich. Besonders gefallen haben mir das Löten und die geografischen Fragen. Die HAM-Rallye macht die Messe noch interessanter." Ebenfalls auf großes Interesse stieß die neue Lehrerfortbildung am ersten Messetag mit 62 Teilnehmern.

Insgesamt bewerteten 93 Prozent der Besucher die Messe mit den Noten "sehr gut" und "gut". Das nächste Mal "funkt" die HAM RADIO vom 27. bis 29. Juni 2008 aus Friedrichshafen.

Auch die AGZ e.V. kann auf einen erfolgreichen Messeauftritt zurückblicken. Erfreuliche Ergebnisse: Die Anzahl von Standbesuchern mit Verbalangriffen unterhalb der Gürtellinie ging deutlich zurück, die allgemeine Parole lautete "weiter so, AGZ" und – der AGZ-Imageflyer 2007 hatte Premiere: Unter dem Motto "AGZ – einen Schritt voraus" stellt er die Erfolge des Vereins heraus – vom Bekenntnis zur Umweltverantwortung bei elektromagnetischen Feldern im Jahre 1995 bis hin zur Öffnung der Kurzwelle für Klasse E und die Freigabe des 50-MHz-Bandes für Klasse A im Jahr 2006. Schauen Sie sich einfach den neuen Flyer als PDF-Dokument auf unserer Homepage an!

Quelle: Messe Friedrichshafen und AGZ e.V.


EINE VOLLSTÄNDIGE DEUTSCHE RUFZEICHENLISTE

(rps) wird seit weit mehr als einem Jahrzehnt erstmals wieder von der Bundesnetzagentur angeboten – und zwar in Form eines PDF-Dokuments, das den Stand vom 9. Januar 2007 repräsentiert und das alle vergebenen Rufzeichen alphabetisch mit Namen, Adresse und gemeldeten festen Standorten auflistet. Bei datenschutzrechtlichem Widerspruch findet man nur das Rufzeichen und den zugehörigen Namen. Damit greift die Netzagentur eine alte Anregung der AGZ auf, die oftmals "hinter den Kulissen" diskutiert wurde. Danke!

Sie finden die 875-seitige Liste im Internetauftritt der Behörde. Einen direkten Link gibt es leider nicht; der Download wird nämlich über JavaScript und ASPX ausgelöst. Gehen Sie einfach auf

http://ans.bundesnetzagentur.de/Amateurfunk/

und wählen Sie dort "Download Liste aller Rufzeichen". Danach wird die etwa 8 Megabyte große Datei auf Ihre Festplatte gespeichert.

Einen kleinen Wermutstropfen hat das PDF-Dokument allerdings: Öffnet man es mit Softwareprodukten von Adobe, zum Beispiel mit Acrobat oder dem entsprechenden Reader, dann wird ein Passwortschutz wirksam. Er lässt lediglich das Drucken zu, nicht aber das Verändern des Dokuments, das Kopieren von Textpassagen, die Entnahme von Seiten und das Abspeichern in anderen Formaten. Wirklich ärgerlich ist, dass auch das Kopieren von Inhalt für eine barrierefreie Darstellung unterbunden ist: Auf einer staatlichen Website widerspricht das eigentlich den Vorgaben der Bundesregierung. Auch die Werkzeugleiste – zum Beispiel zum Suchen nach Rufzeichen oder Namen – muss man erst einmal sichtbar machen. Hier gibt es also Nachbesserungsbedarf, der Anfang ist aber jedenfalls ganz gut gemacht.

Anmerkung der Redaktion: Zum Anzeigen, Drucken und Umwandeln von PDF-Dokumenten gibt es auch andere – und vor allem kostenlose – Software, etwa das nicht nur auf Windows-Systemen weit verbreitete GhostView, das auf dem PostScript-Interpreter GhostScript aufbaut. GhostView wertet diverse Sicherheitsmerkmale des PDF-Standards nicht aus.


ENDLICH EIN GRUND ZUR PANIK?

(rps) So lautet der Untertitel eines brandneuen Rechtsgutachtens von Rechtsanwalt Michael Riedel, DG2KAR, zu den Auswirkungen der Konstitution und Konvention der Internationalen Fernmeldeunion – kurz ITU – und der Vollzugsordnung für den Funkdienst – vulgo VO-Funk – auf Funkamateure. Die Fragestellung: Was bringen diese Dokumente im Streit- oder Störungsfalle eigentlich konkret? Vorweg die ernüchternde Antwort: Nichts.

Nicht zuletzt initiiert durch Veröffentlichungen von Karl Fischer, DJ5IL, und Arno Weidemann, DL9AH – Stichwort: "leben wir noch in einem Rechtsstaat?" – fragen sich interessierte Funkamateure, ob die in der Konstitution und Konvention der ITU verankerten Schutznormen gegen Funkstörungen auf nationaler Rechtsebene verbindlich herangezogen werden können, etwa um gegen undichte PLC-Netze erfolgreich vorgehen zu können. Auch die immer noch nicht abgeschlossene Umsetzung der aktuellen EMV-Direktive der Europäischen Kommission und des Rates in ein neues EMV-Gesetz könnte Funkamateure besser vor Störungen schützen, wäre es zulässig, das ITU-Regelwerk verbindlich heran zu ziehen.

Zwar ist die Konstitution und Konvention der ITU ein nach Artikel 59 Absatz 2 des Grundgesetzes in den Gesetzesrang erhobener völkerrechtlicher Vertrag mit der Konsequenz, dass die staatlichen Organe der Bundesrepublik daran gebunden sind und sich jedermann darauf berufen kann. Nur leider haben die Proponenten dieses an sich wunderschönen Standpunktes übersehen, dass die Vertragsbestimmung, wonach alle Funkstellen, und zwar unabhängig von ihrem Verwendungszweck, so eingerichtet und betrieben werden müssen, dass sie keine schädlichen Störungen verursachen, sich lediglich und ausdrücklich auf Funkverbindungen oder Funkdienste der übrigen Mitgliedstaaten bezieht, nicht aber auf Funkverbindungen und Funkdienste im eigenen Land. Gleiches gilt für Störungen von Funkdiensten durch den Betrieb elektrischer Geräte und Anlagen aller Art.

Zusammengefasst: Befinden sich Störquelle und Störsenke im gleichen Staat, wie zum Beispiel bei PLC-Netzen, so gibt die an sich verbindliche Konstitution und Konvention der ITU inhaltlich nichts her und ist somit in der Sache nicht anwendbar.

Die Vollzugsordnung für den Funkdienst – die VO-Funk – schließlich erzeugt nach der Analyse von Rechtsanwalt Michael Riedel in Deutschland schon alleine deshalb keine unmittelbare rechtliche Bindung, weil die Bundesrepublik gegenüber der ITU regelmäßig auch im Bundesgesetzblatt veröffentlichte staatssouveräne Vorbehaltserklärungen abgegeben hat, was die uneingeschränkte Anwendung der VO-Funk anbelangt. Das nationale Recht bekräftigt dies im "Gesetz zu der Konvention und Konstitution der ITU". Hier wird ausdrücklich bestimmt, dass die VO-Funk erst durch Rechtsverordnung Rechtskraft erlangen kann, was bis heute aber nicht geschehen ist. Dieser Standpunkt wird in Urteilen und Beschlüssen diverser Obergerichte bekräftigt. Deren Aktenzeichen und die wesentlichen Inhalte finden Sie in Michael Riedels Ausarbeitung.

Weiteres Ergebnis: Gesetz- und Verordnungsgeber müssen die VO-Funk und die Konstitution und Konvention der ITU nur in soweit beachten und umsetzen, wie die Interessen der anderen Unterzeichnerstaaten berührt werden – natürlich mit Ausnahme der im Rahmen der staatlichen Souveränität erklärten Vorbehalte. So verlangt die VO-Funk etwa, im Amateurfunk die Inhalte von QSOs mit ausländischen Partnern auf rein persönliche Bemerkungen und den Amateurfunk selbst zu beschränken. Dies ist im nationalen Recht nicht umgesetzt, weil die Rede- und Meinungsfreiheit des Grundgesetzes dagegen stehen würde.

Das lesenswerte und sehr ausführliche Rechtsgutachten von Michael Riedel, DG2KAR, zur VO-Funk und zur Konstitution und Konvention der Internationalen Fernmeldeunion finden Sie als PDF-Dokument bei uns im Internet. Bitte beachten Sie dabei die im Dokument aufgeführten Vorbehalte hinsichtlich des Urheberrechts.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ