HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 269 / 2007 vom 15.07.2007

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



EINHEITSLIZENZ IN SPANIEN: SENDEN FÜR KLASSE E NICHT MEHR ERLAUBT

(rps) Quasi unbemerkt von der deutschen Amateurfunköffentlichkeit hat Spanien bereits im Juni letzten Jahres seine Amateurfunkbestimmungen geändert – und zwar radikal: Spanien hat nun die morsetelegrafielose Einheitslizenz. Sie ist konform zur "CEPT Radio Amateur Licence" und erlaubt die Nutzung aller Amateurfunkfrequenzen zwischen 135,7 kHz und 81 GHz. Die Senderausgangsleistung darf auf Kurzwelle bis zu 1000 Watt und zum Beispiel auf 144 MHz bis zu 600 Watt betragen.

Die anderen beiden Genehmigungsklassen – ihre Inhaber tragen auch weiterhin die Landeskenner EB und EC – wurden automatisch und über Nacht zur höchsten und jetzt einzigen Lizenzklasse befördert. Das erklärt auch die seit einiger Zeit auffallend intensive Präsenz spanischer Amateurfunkstellen auf dem 50-MHz-Band, wo nun – ohne die bisher notwendige Sondergenehmigung – alle Rufzeicheninhaber senden dürfen, und zwar mit bis zu 100 Watt Senderausgangsleistung.

Der Begriff "Einheitslizenz" lässt es bereits befürchten: Spanien hat die CEPT-Empfehlung (05)06 zur Novice Licence nicht unterzeichnet bzw. in Kraft gesetzt. Laut Auskunft der dortigen Behörden will man auf absehbare Zeit auch keine Einsteigerklasse mehr einrichten. Damit sind nun die Zeiten vorbei, in denen deutsche Klasse-E-Amateure in diesem Land großzügig für ihren Urlaub individuelle Gastlizenzen unabhängig von der CEPT-Systematik bekamen – dies sogar mit Kurzwellennutzung, als das in Deutschland noch nicht erlaubt war. Die einzige Möglichkeit, künftig in Spanien Amateurfunk zu machen, und zwar sowohl kurzzeitig unter der CEPT-Regelung mit voran gestelltem EA/, als auch im Rahmen einer Rufzeichenzuteilung für den längeren Aufenthalt, ist nun unsere Zeugnisklasse A bzw. die Vorlage einer harmonisierten Prüfungsbescheinigung nach HAREC bzw. CEPT-Empfehlung T/R 61-02.

Damit zeichnet sich in Europa mittlerweile ein spürbares Nord-Süd-Gefälle ab: Während im Norden und Westen sehr viele Länder eine CEPT-anerkannte Einsteigerklasse haben, steht der Süden Europas dem anscheinend ablehnend gegenüber. Auch Italien hatte bereits vor einiger Zeit die Einheitslizenz eingeführt. Einzige Ausnahme bisher: Rumänien. Die dortige Zeugnisklasse III ist konform zur CEPT-Empfehlung (05)06 und erlaubt auch die Nutzung einiger Kurzwellenbänder mit bis zu 100 Watt Output: und zwar 160 Meter, 80 Meter, 40 Meter und 10 Meter. Auch 50 MHz ist dabei! Mit voran gestelltem YO/ ist dies ebenfalls den deutschen Klasse-E-Amateuren erlaubt: Die rumänische Tourismusindustrie wird's freuen.

Quelle: Ministerio del Industria, Turismo y Comercio (Madrid) und DO7SBH


BUNDESNETZAGENTUR VERÖFFENTLICHT GRENZWERTE FÜR "UNERSCHWÜNSCHTE AUSSENDUNGEN"

(rps) Bekanntlich gelten die beiden Gesetze namens FTEG und EMVG nicht für Amateurfunkgeräte, sobald diese nicht oder nicht mehr im Handel erhältlich sind – und das ist spätestens dann der Fall, wenn selbst kommerzielle Geräte im Shack des Funkamateurs stehen, und zwar unabhängig davon, ob er sie modifiziert hat oder nicht. Aus diesem Grund bedarf es einer eigenständigen und unter dem Amateurfunkgesetz angesiedelten Regelung, wie hoch so genannte "unerwünschte Aussendungen", zum Beispiel Ober- und Nebenwellen, im tatsächlichen Betrieb maximal sein dürfen. Diese Werte wurden nun letzte Woche von der Netzagentur in ihrem Amtsblatt Nr. 13 in Verfügung 33/2007 bekannt gegeben.

Dabei hat man sinnvollerweise die Werte der europäisch harmonisierten Norm EN 301 783-1 übernommen, die sich allein an Hersteller und Inverkehrbringer wendet und die somit für Amateurfunkgeräte nur gilt, solange sie im Handel erhältlich sind: Zwischen 150 kHz und 1,7 MHz ist eine Unterdrückung der unerwünschten Aussendungen von mindestens 60 dB gefordert, zwischen 1,7 und 35 MHz eine von 40 dB, zwischen 35 und 50 MHz steigt der Wert logarithmisch-linear wieder auf 60 dB an, wo er dann bis 1 GHz konstant bleibt. Oberhalb von 1 GHz soll die Unterdrückung mindestens 50 dB betragen. Alternativ kann der Funkamateur unter einem Gigahertz eine einzuhaltende Ober- und Nebenwellenleistung von maximal 0,25 Mikrowatt und oberhalb einem Gigahertz von einem Mikrowatt frei wählen. Dies ist aber nur im Fall kleinster Nutzleistungen – und zwar von weniger als 2,5 Milliwatt auf Kurzwelle, 0,25 Watt auf UKW und 0,1 Watt im Mikrowellenbereich – die günstigere Vorschrift. Die als Übergangsregelung geltenden Werte der alten Durchführungsverordnung aus dem Jahr 1967 wurden durch die Verfügung aufgehoben.

Aufgrund der Stellungnahme der AGZ e.V. vom Dezember 2006 sind aus dem Verfügungstext sämtliche Verweise auf das EMVG verschwunden, so etwa die dort vorgesehene Androhung "weiterer Maßnahmen" nebst Zwangsgeld selbst bei Einhaltung der Grenzwerte für Ober- und Nebenwellen. Die AGZ hatte darauf hingewiesen, dass das neue EMVG gemäß der bindenden Vorgaben aus Brüssel samt und sonders auf Amateurfunkgeräte im Besitz von Privatpersonen nicht mehr anwendbar sein wird – und dass daher eine Störfallbehandlung allein auf Grundlage des Amateurfunkgesetzes zu geschehen habe – ohne Zwangsgeld natürlich. Die Netzagentur zog die Passagen daraufhin zurück mit der Bemerkung, es habe sich nur um einen unverbindlichen Hinweis gehandelt.

Auf Initiative eines anderen Amateurfunkvereins wurde nun zusätzlich die Störstrahlung von Empfängern einer Amateurfunkstelle in die Verfügung aufgenommen. Demnach dürfen nun zwischen 150 kHz und 1 GHz insgesamt lediglich zwei Nanowatt abgestrahlt werden, wenn die Anlage nicht sendet. Oberhalb von einem Gigahertz dürfen es zwanzig Nanowatt sein.

Es bleibt noch, zwei Dinge kritisch anzumerken: Einerseits ist nach dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Nordrhein-Westfalen in Münster zu der damaligen Verfügung 306/1997 (Stichwort: Herzschrittmachergrenzwerte, Aktenzeichen 13 A 2839/02) davon auszugehen, dass eine Verfügung der Bundesnetzagentur den Bürger bzw. hier den Funkamateur überhaupt nicht bindet. Damit wären die neuen Grenzwerte für unerwünschte Aussendungen schlicht eine Luftnummer mit lediglich behördeninterner Geltung. Sie könnten in dieser obergerichtlichen Sicht bestenfalls erst im tatsächlichen Störungsfalle herangezogen werden, nicht aber im täglichen Betrieb. Anderseits ist die präventive Messung bzw. Kontrolle von Ober- und Nebenwellen technisch nur mit einem Spectrum Analyzer möglich, der wohl in den wenigsten Shacks zu finden sein dürfte – allein schon aus Kostengründen. Sie finden den neuen Verfügungstext in den Internetangeboten der AGZ und der Bundesnetzagentur.


70-MHZ-EXPERIMENTAL-GENEHMIGUNG IN UNGARN

(rps) Das 70-MHz-Band setzt sich in Europa immer mehr durch: Auch in Ungarn bekamen nun zum ersten Mal Funkamateure die Erlaubnis, diese Frequenzen zu nutzen. Es sind Mitglieder des "Haros Radioklub". Die Genehmigung ist zeitlich begrenzt und gilt für den ganzen Monat Juli. Ziel des Experiments ist die Untersuchung von Ausbreitungsmechanismen. Bis zum Februar dieses Jahres wurde 70 MHz in Ungarn noch für die Rundfunkversorgung im alten FM-OIRT-Standard genutzt.

Hier die ungarischen Nutzungsdetails: Die Frequenz darf zwischen 70,0 und 70,5 MHz liegen, die maximale effektive Strahlungsleistung beträgt 1000 Watt ERP und an Sendearten sind CW, SSB, Schmalband-FM sowie digitale Modi wie etwa PSK31 und JT6M erlaubt. Die ungarischen Funkamateure hoffen, mit diesem Experiment den Weg für eine allgemeine Zuteilung von 70 MHz zu ebnen – auch in anderen Ländern.

70 MHz eignet sich gerade in der momentanen Jahreszeit zum Studium der Sporadic-E-Ausbreitung, weil so die doch recht große Lücke zwischen 50 und 144 MHz ausgefüllt werden kann. Zusammen mit der Beobachtung des FM-Rundfunkbandes bei 100 MHz lässt sich der Auf- und Abbau von Sporadic-E-Reflektionszonen besser nachvollziehen. Sollten Sie über geeignete Technik zum Empfang von 70 MHz verfügen, dann lohnt es sich bestimmt, in den nächsten beiden Wochen die Antenne einmal Richtung Ungarn zu drehen.

Quelle: RSGB


STANDORTKÜNDIGUNGEN: HINTERGRÜNDE WERDEN KLAR

(rps) Nun wird langsam deutlich, was tatsächlich hinter den Standortkündigungen von automatischen und fernbedienten Amateurfunkstellen auf Türmen der Deutschen Funkturm GmbH stecken könnte: Die Telekom will diese Sparte nämlich verkaufen. Dazu hier Auszüge aus einer Meldung von Heise Online vom 11. Juli:

"Die Telekom mal als Trendsetter: Mit ihren bereits seit geraumer Zeit diskutierten und jetzt wieder konkretisierten Plänen, sich von den unter dem Dach der T-Systems angesiedelten Broadcast- und Funkturmtöchtern zu trennen, steht die Deutsche Telekom nach Einschätzung des Wall Street Journal an der Spitze eines sich entwickelnden Branchentrends. Der Verkauf der Servicegesellschaft 'T-Systems Media and Broadcast' könnte den Informationen der Zeitung zufolge rund eine Milliarde Euro in die Kassen spülen. Auch ein Verkauf der Deutschen Funkturm, die die telekom-eigenen Sendetürme hierzulande betreibt, stehe zur Debatte. Ein Telekom-Sprecher bestätigte dem Blatt gegenüber, der Konzern überlege den Verkauf der beiden Bereiche, sei aber noch nicht entschieden."


Vy 73,
Ralph, DC5JQ