HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 273 / 2007 vom 23.09.2007

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



EU-KOMMISSION WILL EUROPÄISCHE REGULIERUNGSBEHÖRDE

(rps) Bekommen wir demnächst unsere Lizenz aus Brüssel? Laut einer aktuellen Meldung von Heise Online jedenfalls sieht die Europäische Kommission die Zeit für eine neue Regulierungsbehörde für Telekommunikation auf EU-Ebene jetzt gekommen. Wir fassen für Sie kurz das Wichtigste zusammen.

Die Brüsseler Regulierungsbehörde soll für eine einheitliche Marktaufsicht sorgen und EU-weite Frequenzen vergeben. Das ist eines der wesentlichen Ergebnisse der seit dem vergangenen Jahr laufenden Überprüfung des Rechtsrahmens zur Telekommunikationsregulierung in Europa. Auch der Name steht schon fest: Der Vorschlag für eine "European Electronic Communications Market Authority" – kurz EECMA – kursiert bereits seit dem 4. September in Form einer Pressemitteilung von Kommissarin Viviane Reding, zusammen mit Entwürfen für eine Empfehlung zur weiteren Deregulierung von TK-Marktsegmenten und Neufassungen für die bereits geltenden TK-Einzelrichtlinien.

Besonders große Mängel sieht die EU-Kommission bei der Schaffung eines einheitlichen Binnenmarktes für Telekommunikation. Die Existenz von 27 nationalen Regulierungssystemen habe dazu geführt, dass der Markt national segmentiert worden sei und dass die verbindlichen EU-Regeln völlig uneinheitlich umgesetzt worden seien. Genau deshalb sieht die Kommission die neue EU-Regulierungsbehörde EECMA als notwendig an.

Die EECMA soll der Kommission bei der Kontrolle der Aufsicht der nationalen Regulierungsbehörden zur Hand gehen und auch in der Frequenzvergabe eine zentrale Rolle spielen. So soll sie etwa EU-weite Frequenzen vergeben und für die Mitgliedsländer Gebühren für die Frequenznutzung abrechnen. Die Frequenzvergabe soll künftig insgesamt liberaler gestaltet werden, indem zusätzliches lizenzfreies Spektrum verfügbar gemacht und der Lizenzhandel in gewissem Umfang freigegeben wird.

Damit sich die nationalen Regulierungsbehörden mit dem Eingriff in ihre Kompetenzen überhaupt anfreunden können, sieht der Vorschlag vor, dass die Chefs bzw. Präsidenten dieser Behörden den EECMA-Vorstand bilden sollen.

Quelle: Heise Online und Europäische Kommission


GROSSBRITANNIEN STOPPT KOORDINIERUNG VON AMATEURFUNKSTELLEN

(rps) – jedenfalls teilweise. Das britische "National Frequency Assignment Panel" – das Frequenzkoordinierungsgremium der dortigen Regulierungsbehörde Ofcom – hat bereits am 31. August seine Tätigkeit eingestellt. Ziel der Regierung in London ist eine deutliche Reduzierung des administrativen Aufwands bei der Vergabe von Frequenzen. Für den Amateurfunk bedeutet dieser mutige und konsequente Schritt nach Auskunft des englischen Amateurfunkverbands RSGB, dass in Zukunft Amateurfunkstellen – gemeint sind vor allem automatische und fernbediente – nur noch in denjenigen Bändern behördlicherseits koordiniert werden, in denen der Amateurfunkdienst Sekundärstatus genießt, also etwa im 23-cm-Band und oberhalb.

Damit unterliegen zum Beispiel Relaisfunkstellen im primär zugewiesenen Zweimeterband ab sofort keiner staatlichen Koordinierung mehr: eine Position, die in Deutschland die AGZ seit Jahren öffentlich vertritt.

Quelle: Ofcom und RSGB


NOCH MAL GROSSBRITANNIEN: 200 NEUE LIZENZEN ALLEIN IM MONAT AUGUST

(rps) Der britische Regulierer Ofcom hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass im Vereinigten Königreich allein im Monat August mehr als 200 neue Amateurfunkgenehmigungen erteilt wurden. Damit zeigt sich erneut der außerordentliche Erfolg des Nachwuchskonzepts der RSGB, dessen wesentliches Element eine unterhalb der deutschen Zeugnisklasse E angesiedelte Foundation-Licence ist – neben den beiden anderen Klassen "Intermediate" und "Advanced". Glückwunsch! Deutschland bringt es im Vergleich dazu im Durchschnitt auf weniger als die Hälfte, trotz höherer Einwohnerzahl.

Quelle: Ofcom und RSGB


ÖSTERREICH: BEHÖRDE GEGEN DIGITALEN AMATEURFUNK

(rps) – jedenfalls, was "D-Star" anbelangt. Die österreichische Fernmeldeverwaltung hat einen Antrag auf Betrieb einer digitalen "D-Star"-Amateur-Relaisfunkstelle nämlich kürzlich abgelehnt.

D-Star – das steht für "Digital Smart Technologies for Amateur Radio" – ist ein Verfahren zur digitalen Übertragung von Sprache und Daten, das in Japan entwickelt wurde und das zahlreiche Möglichkeiten der Vernetzung bietet. Es entstand in einer Kooperation zwischen der Firma ICOM und dem japanischen Amateurfunkverband JARL. D-Star beinhaltet ein offenes Protokoll – nämlich 0.5 GMSK und den Sprachcodec AMBE mit 3,6 Kilosamples pro Sekunde. Zahlreiche Geräte sind bereits auf dem Markt erhältlich.

Die österreichische Behörde begründete ihre Ablehnung nicht etwa sachlich, sondern lediglich formal – und zwar schlicht damit, dass die D-Star-Sendeart "F7W" in der österreichischen Amateurfunkverordnung nicht aufgelistet sei. Deshalb könne für eine solche Anlage keine Bewilligung erteilt werden.

Die Entscheidung der Behörde stieß bei den österreichischen Funkamateuren des "ICOM-Radio-Clubs Wien" auf Unverständnis. Sie hatten in ihrem Antrag darauf hingewiesen, dass der Amateurfunk auch ein Experimentalfunk zur Erprobung neuer Übertragungstechniken sei. Auch sei D-Star in EU-Ländern wie Deutschland, England, Frankreich, Italien, der Slowakei, der Schweiz und der Tschechischen Republik bereits im Einsatz.

Quelle: FM – das Funkmagazin und ICOM-Radio-Club Wien


Kommentar der Redaktion:

(rps) Was Experiment und Fortschritt ist, das entscheiden in der Alpenrepublik also Ministerialbeamte, und nicht Ingenieure, Wissenschaftler und Techniker. Die Beamten müssen es ja schließlich wissen, arbeiten sie doch an vorderster Front bei der Entwicklung digitaler Technologien. Spaß beiseite: Nun rächt es sich für Österreich bitter, sich vom Rest der CEPT-Länder in Sachen Amateurfunkfunk abgekoppelt zu haben, als wolle man das vergangene Jahrhundert zementieren.

Das österreichische Amateurfunkrecht ist in seiner heutigen Form offensichtlich nicht zukunftsfähig: Statt in der Amateurfunkverordnung lediglich Bandbreiten und beliebige, aber offene Protokolle festzuschreiben, wie man das heute eben macht, blieb man in Wien unverständlicherweise bei der abschließenden Auflistung von erlaubten Sendearten. Eine Ausnahmebestimmung für neuartige Experimente fehlt offensichtlich auch – mit der Konsequenz, dass die Ministerialbürokratie vom Fortschritt überrollt wird und dass mit rein formalen Argumenten das wissenschaftlich-technische Experiment verboten wird.

Das hat Tradition: Statt eine europäisch-harmonisierte Einsteigerlizenzklasse gemäß CEPT-Empfehlung 05-06 und ERC-Report 32 einzuführen, kreierte man an der Donau ein Unikum, das mit nichts in der Welt kompatibel ist und dessen Teilnehmer man in ganz Österreich bequem an wenigen Händen abzählen kann – mit der Konsequenz, dass deutschen Klasse-E-Inhabern trotz umfangreicherer und schwierigerer Prüfung in Österreich eine Gastlizenz verwehrt bleibt. Da macht man doch lieber gleich CB-Funk, so "attraktiv" ist dieses Konstrukt.

Ich meine, in Österreich besteht ein dringender Nachbesserungsbedarf, um den Amateurfunk auf das europäische Niveau zu heben. Hoffen wir das Beste, ansonsten wärs schlicht blamabel.

Ralph, DC5JQ


GELD ZURÜCK

(rps) gibt es von der Bundesnetzagentur. In den letzten Wochen hat die Behörde damit begonnen, die in den beiden Jahren 2003 und 2005 gezahlten EMV- und Frequenznutzungsbeiträge den Funkamateuren wieder zu erstatten. Allerdings kommen in diesen Genuss nur diejenigen OMs und YLs, die seinerzeit – unter anderem auf Anraten der AGZ e.V. gegenüber ihren Mitgliedern – fristgerechten Widerspruch gegen die Beitragsbescheide eingelegt hatten: Und das ist eine krasse Minderheit.

Die Gelder der großen Mehrheit aller Funkamateure behält die Bundesnetzagentur jedoch ein – obwohl ihr Handeln in zwei Instanzen bis hin zum Oberverwaltungsgericht Münster für rechtswidrig erklärt wurde: So ist nun halt das deutsche Verwaltungsrecht, wenn ein Bescheid erst einmal bestandskräftig geworden ist. Zur Erinnerung noch einmal der Grund für die Entscheidung der Gerichte: Die Bundesnetzagentur konnte die Beitragsbemessung nicht plausibel darlegen.

Es geht immerhin um Beträge zwischen 90 und 120 Euro, die denjenigen nun durch die Lappen gehen, die seinerzeit dem Argument eines anderen Amateurfunkverbands – "wir sind doch keine Prozesshansel" – kritiklos gefolgt waren.


ZUM SCHLECHTEN SCHLUSS

(rps) Seit dem 17. September kostet die Zuteilung eines Wunschrufzeichens in den USA nur noch 11,70 Dollar – also etwa 8,50 Euro: kein Vergleich mit Deutschland, wo exakt dasselbe ab dem 1. Januar 2008 glatte 70 Euro kosten wird.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ