HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 276 / 2007 vom 21.10.2007

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



WELTFUNKKONFERENZ BEGINNT MORGEN

(rps) Vom 22. Oktober bis zum 16. November tagt in Genf die Weltfunkkonferenz WRC-07. Für den Amateurfunk werden diesmal nicht derart gravierende Veränderungen erwartet wie auf der letzten Tagung im Jahre 2003. Wir erinnern uns: Damals wurde die Verpflichtung zur Morsetelegrafieprüfung für Frequenzen unterhalb von 30 MHz abgeschafft und der Amateurfunkdienst damit zukunftsfähig gemacht. Hier sind die beiden uns betreffenden Themen.

Tagesordnungspunkt 1.15 sieht eine weltweit harmonisierte Zuweisung des Langwellensegments 135,7 bis 137,8 kHz an die Funkamateure vor. Damit soll auch all denjenigen Zugang zu diesen interessanten Experimenten gewährt werden, deren Länder dies noch nicht in ihren nationalen Bestimmungen erlauben – und das sind mittlerweile sehr wenige. Dieser Vorschlag findet Unterstützung in der ganzen Welt und daher ist von seiner Annahme auszugehen. Spannend bleibt nur die Frage, ob bereits in der Frequenztabelle der VO-Funk eine Leistungsbeschränkung auf ein Watt ERP global festgeschrieben werden soll, oder ob man es den einzelnen Staaten überlässt, je nach den eigenen Randbedingungen individuelle Leistungsgrenzen festzulegen – wie bei den anderen Amateurfunkbändern auch. Letztere Position wurde von der AGZ in der deutschen Nationalen Gruppe zur Vorbereitung der WRC-07 vertreten, fand dort aber keine Zustimmung. Im Gegensatz zu Deutschland unterstützen diese Haltung aber nicht wenige ITU-Mitgliedsstaaten.

Tagesordnungspunkt 1.13 behandelt eine komplette Neuordnung des Kurzwellenfrequenzbereichs 4 bis 10 MHz. Unangetastet bleibt natürlich die bereits 2003 beschlossene Erweiterung des 40-Meter-Amateurfunkbandes auf eine Breite von 200 kHz. Bei diesem Tagesordnungspunkt wird es wirklich spannend – es tobt inzwischen schon ein richtiger Kampf: Auf der einen Seite steht der Seefunkdienst, der nach der Einstellung des Morsetelegrafiefunks und der Einführung von GMDSS sowie von satellitengestützten Technologien unter großem Druck steht, überflüssige Frequenzen abzugeben. Auf der anderen Seite stehen der Rundfunk, der für seine Pläne zur Digitalisierung der Kurzwelle – Stichwort DRM – mehr Frequenzraum will und das Militär, das seit einiger Zeit das enorme Potenzial der Kurzwelle für robuste digitale Verbindungen erkannt hat – nämlich den schnellen und einfachen Aufbau von Anlagen auch unter Gefechtsbedingungen verbunden mit der Möglichkeit, flexibel und autark IP-basierte Netze über weite Entfernungen zu betreiben, und zwar ohne die Zuhilfenahme von Satelliten oder Relaisfunkstellen. Funkamateure kennen das seit langem: PACTOR und NVIS heißen hier die Stichworte.

Ob der Amateurfunk bei dieser Schlacht ein paar Frequenzen in der Nähe von 5 MHz mit abbekommt, das steht in den Sternen. Die AGZ trat in der Nationalen Gruppe dafür ein, ein 200 kHz breites Segment bei 5400 kHz dem Amateurfunk sekundär zuzuweisen, um international das zu bewerkstelligen, was auf experimenteller Basis in vielen Ländern wie Großbritannien, Skandinavien, den USA, Kanada und Island bereits seit einiger Zeit Wirklichkeit ist. Auch bei diesem Thema fand sich keine deutsche Mehrheit für eine Unterstützung auf der WRC-07. Andere Länder – europäische wie außereuropäische – dagegen sind wegen der positiven Erfahrungen mit dem Testbetrieb dafür. Warten wir es also ab: Wir bleiben dran und halten Sie informiert.


ITU-GENERALSEKRETÄR IST NUN FUNKAMATEUR

(rps) Dr. Hamadoun Touré, Generalsekretär der Internationalen Fernmeldeunion ITU, hat die Amateurfunkprüfung erfolgreich abgelegt und bekam am 8. Oktober seine Genehmigungsurkunde mit dem Rufzeichen HB9EHT. OM Touré stammt aus Mali und besitzt einen Master-Titel in Elektrotechnik des Technical Institute of Electronics and Telecommunications im damaligen Leningrad und einen Doktortitel der University of Electronics, Telecommunications and Informatics in Moskau. Er steht dem Amateurfunk sehr positiv gegenüber. Glückwunsch und willkommen!

Quelle: ITU und ARRL.


DIE ITU-CLUBSTATION 4U1ITU

(rps) in Genf wird während der Weltfunkkonferenz WRC-07 verstärkt Amateurfunkbetrieb durchführen. Attila Matas, OM1AM und HB9IAJ, der Präsident des ITU-eigenen "International Amateur Radio Club" (IARC), gab bekannt, dass dazu erstmals neu installierte Antennen zum Einsatz kommen werden. Also, versuchen Sie's einfach einmal.

Quelle: IARC und ARRL


UNANGEKÜNDIGT EINGESTELLT

(rps) wurde seitens der Bundesnetzagentur bis auf weiteres das im Januar gestartete Angebot, eine vollständige Liste aller deutschen Amateurfunkrufzeichen und ihrer Inhaber im PDF-Format im Internet laden zu können.

Nach Recherche der Redaktion ist der Hintergrund dieser ziemlich übereilten Reaktion vor allem datenschutzrechtlicher Art: Funkamateure drohen der Bundesnetzagentur aktuell mit Klage. Der Grund: Sie haben seit der letzten Veröffentlichung der Liste Anfang Juli dieses Jahres Widerspruch gegen die Bekanntgabe ihrer Adresse eingelegt. Die Liste dürfe in ihrer Sicht keinesfalls weiterhin unaktualisiert – das heißt mit ihrer Adresse – im Netz stehen. Außerdem erfüllt das bisherige PDF-Dokument nicht die Anforderungen an die so genannte Barrierefreiheit von Webinhalten; so können etwa blinde Personen nur sehr schlecht mit üblicher Vorlesesoftware damit umgehen.

Geplant ist nun, das Angebot tagesaktuell und automatisch aus der Datenbank zu generieren und neben der normalen Version zusätzlich eine barrierefreie anzubieten. Leider kann dies aber nicht vor Anfang nächsten Jahres realisiert werden


FUNKAMATEURE IN JAPAN WERDEN IMMER ZAHLREICHER

(rps) Japan erlebt zur Zeit ein signifikantes Wachstum im Amateurfunk. In den zwölf Monaten vor dem März 2007 hat sich die Zahl der Anträge auf die höchste Lizenzklasse vervierfacht! Die zweithöchste Klasse überbot diesen bereits enormen Faktor noch mit einer Verachtzehnfachung innerhalb dieses einen Jahres. Der japanische Amateurfunkverband JARL geht davon aus, dass dieses bemerkenswerte Wachstum allein durch die Abschaffung der Morsetelegrafieprüfung für die beiden Klassen herbeigeführt wurde.

Quelle: RSGB


THAILAND: AMATEURE BEKOMMEN MEHR FREQUENZEN

(rps) Immerhin fünf neue Bänder beziehungsweise Teile davon dürfen thailändische Funkamateure seit dem 12. Oktober benutzen: Betroffen sind 30 Meter, 17 Meter und 12 Meter – sie sind ganz neu und stehen vollständig zur Verfügung – sowie 160 Meter und 80 Meter, hier gelten nun die erweiterten Segmente 1800 bis 1825 kHz und 3500 bis 3540 kHz. Damit wurde eine langjährige Forderung der Radio Amateur Society of Thailand endlich erfüllt. Glückwunsch für die erfolgreiche Lobbyarbeit!

Ziemlich düster sieht es in Thailand allerdings im UKW-Bereich aus: 6 Meter, 70 Zentimeter und 23 Zentimeter sind überhaupt nicht zugewiesen und im Zweimeterband ist nur kanalisierter Betrieb erlaubt. Ein schlichter Witz und in unserem Rechtsverständnis völlig unvorstellbar ist die Bestimmung, dass eine Clubstation mindestens drei Stunden am Tag senden muss, um als solche anerkannt zu bleiben ... Es gibt also noch genug Themen für die Lobbyarbeit in Thailand.

Quelle: RSGB und ARRL


FUNKAMATEURIN IST NEUE KOMMANDANTIN DER ISS

(rps) Die Internationale Raumstation ISS steht seit dem 19. Oktober unter dem Kommando von Peggy Whitson, KC5ZTD. Weitere Funkamateure an Bord sind Yuri Malenchenko, RK3DUP, und Sheikh Muszaphar Shukor, 9W2MUS.

Quelle: RSGB


ZUM GUTEN SCHLUSS

(rps) Damit die diesbezügliche Spekulation endlich beendet werden kann: Anfang Oktober gab es in Deutschland genau 75.327 personengebundene Rufzeichen, das heißt Funkamateure – bei etwa 80.800 zugeteilten Rufzeichen insgesamt.


UND DAS ALLERLETZTE

(rps) Das Bonmot der Woche lautet: "Die Freigabe des 50-MHz-Bereiches für alle Funkamateure wurde vom RTA ausdrücklich anerkannt". Zu finden in einer Vorstandsinformation des DARC e.V. vom 15. Oktober. Da bleiben nur zwei Interpretationsmöglichkeiten: Entweder – 50 MHz wurde inzwischen auch für Zeugnisklasse E frei gegeben und keiner weiß was davon, oder aber – Inhaber dieser Art von Genehmigung sind für den RTA gar keine Funkamateure. Einen schönen Sonntag.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ