HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 277 / 2007 vom 04.11.2007

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



NEUES EMVG – WIE GEHT ES WEITER?

(rps) Verwirrende Informationen geisterten in den letzten beiden Wochen durch die Amateurfunkmedien. Deutschlands größter Amateurfunkverein DARC meldete zum Beispiel, dass es beim neuen Gesetz über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln – dem EMVG – "kurzfristig Kompromisse gegeben habe, die im Wesentlichen die bisher seitens der Funkamateure vorgetragenen Bedenken ausräumen und wünschenswerte Änderungen im neuen EMVG darstellen". Einzelheiten nannte der Verein allerdings nicht. Wie diese Kompromisse inhaltlich konkret aussehen, das weiß offenbar niemand. Das fachlich zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie teilte der AGZ dazu diese Woche mit, nichts wäre wirklich klar, alles wäre nach wie vor im Fluss und etwaige Kompromisse stünden auf wackligen Füßen. Daher gäbe es zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine inhaltliche Stellungnahme.

Die zweite und dritte Lesung des neuen EMVG steht dennoch auf der Tagesordnung des Deutschen Bundestages, und zwar für die 123. Sitzung am 8. November. Es ist Tagesordnungspunkt 23, der eine halbe Stunde lang für 22:30 Uhr angesetzt ist. Am 24. Oktober hatte der Bundestag bereits beschlossen, das Gesetz zusätzlich seinem Rechtsauschuss zur Klärung spezieller juristischer Fragen zuzuleiten. Der behandelt das Thema nun am 7. November. Wie die Redaktion erfahren konnte, geht es hier aber gar nicht um den Amateurfunk, sondern um das Begehren der Bundesnetzagentur, zur Aufklärung von Störungen gemäß EMVG-Definition die Inhalte von Aussendungen abhören zu dürfen – also unter Umgehung des sogenannten "Abhörparagrafen" 89 TKG. Dies muss gesetzlich geregelt werden und die Opposition im Bundestag ist dagegen.

Schließlich wurde das neue EMVG nicht wie zunächst angekündigt auf der Sitzung des Wirtschaftsausschusses am 24. Oktober behandelt, sondern auf den 7. November verschoben. Ob die zweite und dritte Bundestagslesung am darauf folgenden 8. November zustande kommt, ist damit genauso fraglich, wie das beabsichtigte Inkrafttreten des Gesetzes noch in diesem Jahr.

Fakt ist dagegen, dass bereits ein europäisches Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik Deutschland eingeleitet wurde, weil das EMVG nicht fristgerecht am 20. Juli dieses Jahres in nationales Recht umgesetzt wurde. Außerdem muss das Gesetz, nachdem es in Kraft getreten ist, in Brüssel notifiziert werden – Gelegenheit also, dann noch einmal seine Konformität zu europäischem Recht zu prüfen und im Fall der Fälle auch seitens der Amateurfunk-Interessenvertretungen bei der Europäischen Kommission vorstellig zu werden.

Die beiden wesentlichen Forderungen der deutschen Funkamateure beruhen nämlich auf bisher nicht korrekt umgesetztem europäischem Recht: Der von Brüssel geforderte "besondere Schutz" des Amateurfunkdienstes gegen Störungen durch andere Geräte ist im deutschen Gesetzentwurf bisher nicht realisiert und – die Inkraftsetzung von Schutzanforderungen des EMVG aus dem Amateurfunkgesetz heraus ist unzulässig, weil nun erstmals laut EU-Richtlinie das EMVG für Amateurfunkgeräte in Gänze nicht gilt, sobald sie nicht mehr im Handel sind. Wir bleiben dran – in jeder Hinsicht.


VERKEHRTE WELT: WILL DARC AGZ-IDEE UMSETZEN?

(rps) Der Ortsverband Landau an der Isar (U07) hat ganz offensichtlich AGZ-Luft geschnuppert – stellt er doch über seinen Distrikt einen Antrag an die Mitgliederversammlung des DARC, eine Beitragsklasse "Ruhende Mitgliedschaft" einzuführen – ohne Zeitschrift, ohne QSL-Vermittlung und ohne sonstige Dienstleistungen. Für das reine Mandat, gegenüber Politik und Behörden die Interessen zu vertreten, sollen fünf Euro genommen werden. Die Mitgliederversammlung tagt an diesem Wochenende.

Die AGZ hatte ein ähnliches Billigkonzept Anfang dieses Jahres wegen unabsehbarer wirtschaftlicher Risiken nicht umgesetzt – und nicht zuletzt auch aus Imagegründen.


DIE DRITTE EMCOM-PARTY ON THE AIR

(rps) findet nächsten Sonntag, also am 11. November statt, und zwar zum ersten Mal weltweit. Der Zeitrahmen erstreckt sich dabei von 11 bis 15 Uhr UTC. "EmCom" steht für Emergency Communication, also für die Kommunikation in Not- und Katastrophensituationen. Die Party – oder besser gesagt die Übung – wird von der Internationen Amateurfunkunion IARU veranstaltet. Teilnehmen sollen ausschließlich Amateurfunkstellen von Gruppen und Vereinen, die sich speziell mit dieser Thematik beschäftigen.

Zu nutzende Frequenzen sind diejenigen, die für die Notfallkommunikation vorgesehen sind, und zwar im 80-, 40-, 20-, 17- und 15-Meterband. Die Details der Notfallübung finden Sie in englischer Sprache im Internet unter

http://www.iaru-r1.org/3rdEmCom.htm.

Europäische Leitstation ist OF3F in Finnland. Die Veranstalter betonen, dass es sich nicht um einen Contest handelt, sondern um eine gezielte Übung zur effizienten Übermittlung von Informationen im Not- und Katastrophenfall. Die nächsten Parties bzw. Übungen sind für den 3. Mai und den 8. November 2008 vorgesehen.

Quelle: RSGB und IARU Region 1


AMSAT HOFFT AUF EINEN EIGENEN GEOSTATIONÄREN SATELLITEN

(rps) Am letzten Wochenende, also vom 26. bis zum 28. Oktober, fand in Pittsburgh/Pennsylvania ein sehr erfolgreiches Space Symposium statt, organisiert von AMSAT North America. Berichtet wurde unter anderem über Gespräche mit Intelsat. Sie haben zum Ziel, den Funkamateuren erstmals einen geostationären Satelliten zur Verfügung zu stellen, und zwar mit Hilfe einer Payload dieses Unternehmens.

Das Projekt mit Namen "Phase IV Lite" ist zurzeit noch in der frühen Planungsphase. AMSAT sieht jedoch gute Chancen, diesen Traum zu verwirklichen. Vor allem effiziente digitale Protokolle sollen neben altbekannten Lineartranspondern zum Einsatz kommen. Außerdem plant AMSAT in diesem Zusammenhang die Errichtung einer Bodenstation, die über das Internet von jedem Funkamateur fernbedient werden kann. Damit soll auch Funkamateuren mit unterdurchschnittlichen oder gar keinen eigenen Anlagen der Zugang zu den geplanten modernen Audio-, Video- und Digitalservices ermöglicht werden.

Quelle: RSGB


DAS BONMOT DER WOCHE

(rps) lautet diesmal:

"Ich persönlich komme bisher nicht um den Eindruck herum, dass die 'Nationale Gruppe' – sofern diese überhaupt existiert – eine reine AGZ-Erfindung ist."

Zu finden in einer Packet-Radio-Mail vom 21. Oktober 2007, die unter dem Rufzeichen DL5AFN in der Rubrik AGZ veröffentlicht wurde. Laut eigenem Bekunden war der Autor Rundspruchsprecher in den DARC-Distrikten Berlin und Brandenburg. Gemeint ist offenbar die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie einberufene Nationale Gruppe zur Vorbereitung der zurzeit in Genf laufenden Weltfunkkonferenz WRC-07. Der Kenner genießt und schweigt. Einen schönen Sonntag.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ