HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 279 / 2007 vom 25.11.2007

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



WRC-07: WEITERE NEGATIV-ERGEBNISSE

(rps) Die Neuordnung des Kurzwellensegments von 4 bis 10 MHz steht nun definitiv nicht auf der Tagesordnung der nächsten Weltfunkkonferenz. Sie wird voraussichtlich im Jahre 2011 stattfinden. Hier bleibt also für mindestens acht Jahre alles beim alten – ohne zusätzlichen Frequenzraum für den Rundfunk- und den Amateurfunkdienst. Das Thema "5 MHz" kann also in unabsehbarer Zukunft nur auf nationaler Ebene und auf Non-Interference-Basis angegangen werden.

Auch die von den Funkamateuren gewollte Region-1-weite Eintragung von 50 MHz in die Frequenztabelle der VO-Funk konnte nicht auf die Tagesordnung für 2011 gesetzt werden. Auch hier bleibt es bei nationalen Regelungen, wenn auch fast alle Länder der EU diesen Bereich mittlerweile zumindest in irgendeiner Art und Weise dem Amateurfunkdienst zugewiesen haben.


ABZOCKE?

(rps) Der Betroffene jedenfalls nennt es so. Er möchte einfach nur den Standort seiner genehmigten FM-Relaisfunkstelle ändern – nicht vom Tal auf den Berg, sondern schlicht innerhalb derselben Stadt mit vergleichbaren Ausbreitungsbedingungen. Dies wurde früher von der Bundesnetzagentur kostenlos und flexibel erledigt. Seit einiger Zeit jedoch verlangt die Behörde dafür den vollen Betrag von 150 Euro, der auch für eine komplette Neuerteilung fällig wird. Im Januar 2008 steigt der Preis übrigens auf 200 Euro. Änderungen bei anderen genehmigten Parametern, wie etwa Frequenzen, Strahlungsleistungen und Antennenhöhen, sind dem Vernehmen nach dagegen nach wie vor kostenfrei.

Schauen wir uns die hier relevante Rechtsnorm an. Dabei entstehenden zumindest in der persönlichen Sicht des Redakteurs ernsthafte Zweifel, ob diese Verwaltungspraxis mit dem Recht vereinbar ist.

Anlage 2 der geltenden Amateurfunkverordnung – das ist die Gebührenverordnung im Amateurfunk – bestimmt nämlich, dass besagte 200 Euro nur fällig werden bei der Zuteilung eines Rufzeichens zum Beispiel für eine FM-Relaisfunkstelle. Das Rufzeichen ist aber bereits zugeteilt. Hier handelt es sich in persönlicher Sicht des Redakteurs statt dessen um den Antrag auf Änderung einer bestehenden Nebenbestimmung. Außerdem stellt die Genehmigungsurkunde die in ihr enthaltenen Nebenbestimmungen alle auf die gleiche Stufe. Nur für die Änderung einer ganz bestimmten Vorschrift Gebühren zu verlangen – hier für die Standortänderung –, könnte sich daher genauso verbieten wie das Einbringen eines Aufwandsarguments, etwa für Art und Umfang der Koordinierungsarbeiten: Das Amateurfunkrecht kennt eine Gebührenerhebung "nach Aufwand" nämlich überhaupt nicht.

Nicht zuletzt, um das freie wissenschaftliche Experiment mit automatischen und fernbedient arbeitenden Amateurfunkstellen nicht durch ein Gebührenübermaß zu behindern, ist die Bundesnetzagentur aufgerufen, ihre Praxis zu ändern. Die Relaisfunkstelle wurde unterdessen unter Protest außer Betrieb genommen. Sie und der betroffene Funkamateur sind der Redaktion bekannt.


IRAK BACK ON THE AIR

(rps) In Kürze wird im Irak der Amateurfunk-Sendebetrieb wieder erlaubt sein. Seit dem 13. März 2007 war auf dem Territorium dieses Staates aus Sicherheitsgründen jede Sendetätigkeit untersagt.

Quelle: RSGB und Iraqi Amateur Radio Society


PLASMA-ANTENNEN

(rps) Über eine völlig neue Art und Weise, Antennen aufzubauen, wurde Anfang November auf der Jahrestagung der Plasma-Physics-Division der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft APS in Orlando/Florida berichtet. Ein Gas geht in den Plasmazustand über, wenn es – zum Beispiel im Falle des Wasserstoffs – über etwa 100.000 Grad erhitzt wird. Ein Plasma besteht unter anderem aus frei beweglichen Ladungsträgern und ist damit natürlich elektrisch leitfähig. Es eignet sich in Folge grundsätzlich auch als Antenne.

Der Vorteil einer Plasmaantenne ist, dass man sie nicht nur ein- und ausschalten kann, sondern vor allem, dass man durch die geeignete Gestaltung der Plasmaform ihre Größe und Ausrichtung blitzschnell ändern kann. Auf der Tagung der APS wurde ein Prototyp gezeigt, der – ähnlich einer modernen Energiesparlampe – aus segmentierten Glasrohren besteht, in denen das Plasma gezündet wird. Einsatzgebiete sehen die Entwickler vor allem im militärischen Bereich. Hier kann man etwa diese Antennenart nahezu vollständig unsichtbar machen, wenn man sie nicht benötigt: Man schaltet einfach das Plasma aus.

Quelle: QRZ.com und American Physical Society


EU-KOMMISSION FORDERT EUROPÄISCHES FREQUENZMANAGEMENT

(red) Mit dem am Dienstag dieser Woche vorgestellten Telecom-Paket will die EU-Kommission dafür sorgen, dass mit dem Übergang von analoger zu digitaler Übertragung im Jahr 2012 die so genannte digitale Dividende effizient für neue Dienste genutzt wird. Die Richtlinie mit dem bezeichnenden Namen "Bessere Regulierung" will eine marktorientiertere und harmonisierte Belegung der Frequenzbänder in ganz Europa erreichen. Vor allem soll vermehrt der unlizenzierte Gebrauch von Frequenzen über Allgemeinzuteilungen möglich sein. Exklusive Nutzungsrechte sollen in vereinbarte Frequenzbereiche transferiert werden. Hiervon könnte eventuell auch der Amateurfunkdienst betroffen sein.

Da die neuen digitalen Dienste grenzüberschreitend verfügbar sein werden, verlangt die EU-Kommission, die strikt nationalen Regulierungsansätze in diesem Bereich aufzugeben. Unternehmen seien nämlich nur dann bereit, in die neuen Technologien zu investieren, wenn sie dies europaweit tun könnten. Bislang müssen sie sich aber jeweils mit den nationalen Regulierungsbehörden und Vergaberegeln auseinander setzen – in Deutschland im Rundfunkbereich sogar mit den einzelnen Bundesländern.

In der Bundesrepublik führte die unterschiedliche Vergabepraxis beim digitalen mobilen Fernsehen bereits zu einer erheblich verzögerten Markteinführung. Weil einzelne Länder wie Deutschland eigene Pläne zur Nutzung der digitalen Dividende entwickelt haben, müsse die Europäische Union gerade deshalb einen koordinierten Ansatz für ein Frequenzspektrum-Management entwickeln, verlangt die EU-Kommission. Zu dem Zweck hat sie bereits mehrfach und vehement die Einrichtung einer europäischen Regulierungsbehörde gefordert.

Quelle: Heise Online


DAS BONMOT DER WOCHE

(rps) stammt heute von der Bandwacht des DARC e.V. Sie schreibt aktuell:

"Welche Universität schleicht sich als nächste unter dem Deckmantel Amateurfunk in ein Amateurband ein? Seien wir wachsam!"

Der Hintergrund: Die niederländische Regulierungsbehörde hat der Technischen Universität Delft erlaubt, im Rahmen des Amateurfunkdienstes Testaussendungen im DRM-Modus auf der Frequenz 29200 kHz im Zehnmeterband durchzuführen. Bisher ging der Redakteur davon aus, der Amateurfunkdienst sei ein technisch-wissenschaftlicher Funkdienst. Offenbar sieht der DARC das anders.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ