HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 286 / 2008 vom 23.03.2008

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de

 

Die Redaktion von HamRadio 2day wünscht allen Lesern und Zuhörern ein frohes und erholsames Osterfest!


ZEUGNISKLASSE E UNATTRAKTIV GEWORDEN:
NEUE EINSTEIGERKLASSE NOTWENDIG

(rps) Nun haben wir es schwarz auf weiß: Seitdem Anfang 2007 neue Prüfungsbestimmungen für die deutsche Amateurfunkklasse E in Kraft traten, ist die Anzahl der bestandenen Prüfungen drastisch zurück gegangen. Die Pressestelle der Bundesnetzagentur teilte der Redaktion von HamRadio 2day dazu nun harte und belastbare Zahlen mit.

Haben im Jahre 2006 noch 1292 Personen eine Prüfung für Klasse E bestanden, so waren es in 2007 nur noch 532 OM und YLs. Dieser deutliche Rückgang um immerhin mehr als einen Faktor zwei ist klar auf die Anhebung sowohl des Umfanges, als auch des Anforderungsniveaus dieser Prüfung zurück zu führen. So gibt es seitdem etwa eine gemeinsame Prüfung in Betriebstechnik und Gesetzeskunde für beide Zeugnisklassen – und die Technikprüfung wurde um kurzwellenbezogene Fragen erweitert. Außerdem kam der Themenkomplex "Sicherheit in elektromagnetischen Feldern" neu hinzu – Stichwort "Selbsterklärung", die mit der Anhebung der Senderleistung auf 100 Watt Output nun auch von Klasse-E-Inhabern gemäß BEMFV geleistet werden muss.

Damit ist erwiesen, dass die Zeugnisklasse E ihre Funktion als Einsteigerklasse verloren hat. Ihre Attraktivität hat spürbar und vor allem auch messbar nachgelassen: Die Hürde ist heute zu hoch. Obwohl im letzten Jahr die Anzahl der Funkamateure dieser Klasse leicht gestiegen ist, und zwar um genau 191 Personen auf insgesamt 7116 persönliche Rufzeichenzuteilungen, muss dennoch auch in Deutschland mittelfristig auf eine "Entry Level Licence" nach britischem Muster gesetzt werden. Eine europäische Struktur dazu liegt bereits seit etwa zwei Jahren vor: der Report Nummer 89 des "Electronic Communications Committee" – kurz ECC – der CEPT. Er muss nur umgesetzt werden – in Deutschland.

Ansonsten wird die Zahl der Funkamateure – wie bereits in Österreich – mittelfristig deutlich zurück gehen. Im Jahre 2007 sank bei uns bereits die Zahl der Klasse-A-Amateure um 124 Personen auf insgesamt 68146 personengebundene Rufzeichenzuteilungen. Eine neue Entry-Level-Licence wird die Basis sein, um diesen Trend umzukehren: Klasse kann nämlich nur aus Masse entstehen – und "E" steht nicht mehr für "Einsteiger".


MIT DEN FÜSSEN ABGESTIMMT

(rps) Morsetelegrafie muss durch ihre eigene Attraktivität überleben, und nicht durch eine Zwangsprüfung künstlich am Leben gehalten werden. Das war die Position nicht nur der AGZ zur WRC 2003, als diese Prüfung bekanntlich abgeschafft wurde. Einige Amateurfunkgruppen empfahlen seinerzeit, von der Möglichkeit einer freiwilligen Zusatzprüfung in Telegrafie Gebrauch zu machen, die die Amateurfunkverordnung nach wie vor anbietet, etwa, um in einigen wenigen Ländern, die diese Prüfung noch nicht abgeschafft haben, eine Gastlizenz zu bekommen. Nun, wie steht es hier und heute – fast fünf Jahre nach der WRC 2003 – um diese viel beschworene Attraktivität? Auch hier bekamen wir nun klare Zahlen von der Pressestelle der Bundesnetzagentur.

Im Jahre 2006 haben demnach in Deutschland ganze fünf Personen diese Zusatzprüfung bestanden, in 2007 waren es dann nur noch vier. Einziger Kommentar: Hier wurde mit den Füßen abgestimmt. Das ist schlicht ein Fiasko für die Befürworter dieser Sendeart.


Dazu passt die folgende Meldung:

FCC WEIST PETITION ZURÜCK

(rps) Die Morseprüfung bleibt in den USA abgeschafft. Einige wenige Funkamateure hatten eine Petition mit dem Ziel gestartet, in den Vereinigten Staaten von Amerika die Morsetelegrafieprüfung im Amateurfunkdienst wieder einzuführen, zumindest für die Extra Class. Dieses Ansinnen wies die US-Telekommunikationsbehörde FCC Ende Februar endgültig zurück. Die FCC betonte bei dieser Gelegenheit erneut, dass die Beherrschung von Morsetelegrafie heutzutage weder für den Amateurfunk wesentlich ist, noch gar dessen Ansehen in der Öffentlichkeit stärken kann. Dem Argument, dass eine Morseprüfung die nationale Sicherheit erhöhe und dass die Funkamateure durch sie zu einer "strategischen Reserve" avancierten, folgte die Behörde nicht.

Ein FCC-Sprecher sagte in diesem Zusammenhang, die Abschaffung der verpflichtenden Morsetelegrafieprüfung erlaube es den Funkamateuren, zukünftig die Aufgaben und Zielsetzungen des Amateurfunkdienstes besser zu erfüllen. Außerdem werde die Nützlichkeit des Dienstes gegenüber der Gesellschaft gerade ohne diese Art von Prüfung nachhaltig erhöht. Im übrigen stelle eine nur ein einziges Mal abgelegte Prüfung keineswegs sicher, dass ein Funkamateur über Jahrzehnte hinweg Morsetelegrafie auch tatsächlich in der Praxis beherrscht. Insofern sei eine solche Prüfung eine Farce. Und außerdem werde ja auch niemand daran gehindert, diese Betriebsart auszuüben. Bravo, liebe FCC!

Quelle: FCC und ARRL


D-STAR OPTIMAL FÜR NOTFALLKOMMUNIKATION

(rps) Die Internationale Amateurfunkunion IARU veranstaltet regelmäßig einmal im Jahr die "Global Amateur Radio Emergency Communications Conference" – kurz GAREC –, eine Konferenz, die sich mit der Amateurfunkkommunikation im Not- und Katastrophenfall beschäftigt. Die nächste Tagung wird am 26. und 27. Juni in Friedrichshafen am Bodensee zusammen mit der Messe HAM RADIO 2008 stattfinden.

Ein Vortrag auf der GAREC-08 wird sich mit der Eignung des digitalen D-Star-Standards für die Notfallkommunikation beschäftigen und dessen Vorteile hinsichtlich der Vernetzbarkeit sowie der gleichzeitig möglichen Übertragung von Sprache und Bildern herausstellen – also optimale Eigenschaften dieses neuen Standards, um im Katastrophenfall zum Beispiel zusätzlich auf der gleichen Frequenz auch Lagepläne übertragen zu können, oder beliebige digitale Dokumente. Der Amateurfunk kann davon nur profitieren – und ist gut beraten, D-Star aktiv fördern, auch und gerade im Simplex-Modus im Zweimeterband.

Lesen Sie alle Programmpunkte der GAREC-08 im Internet unter

http://www.iaru.org/emergency/GAREC2008Program.pdf

Quellen: IARU und Amateur Radio Newsline


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Ralph, DC5JQ