HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 289 / 2008 vom 20.04.2008

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de

 

DIGITALE SPRACHÜBERTRAGUNG

(rps) ist zurzeit ein Zankapfel par excellence – jedenfalls in einigen Ortsverbänden des größten deutschen Amateurfunkvereins im Bergischen Land. Es geht um die Frequenz 145,2625 MHz im Zweimeterband. Hier treffen sich seit langer Zeit Funkamateure aus Remscheid und Umgebung – es ist eine so genannte OV-Frequenz. Seit einigen Wochen nun machen einige OM aus der erweiterten Region dort Simplex-Funkbetrieb im D-Star-Modus, sie übertragen also die menschliche Sprache per Livestream mit einem einigermaßen modernen digitalen Verfahren.

Das ist ein willkommener Fortschritt, sollte man meinen, schließlich sind wir ja ein wissenschaftlich-technischer Experimentalfunkdienst. Doch weit gefehlt: "Schwarzfunker" ist noch einer der schmeichelhaftesten Vorwürfe, die man auf der besagten Frequenz hört. Deren alteingesessene vermeintliche "Besitzer" versteifen sich im Abwehrkampf gegen die Modernisierung auf zwei Argumente:

Erstens: D-Star sei in Deutschland illegal und nicht "Amateurfunk-konform", weil es keine offene Sprache darstelle, und

zweitens: D-Star sei ein "Machine Generated Mode" – kurz MGM, den der so genannte Bandplan der IARU oberhalb von 145 MHz nicht erlaube.

Schlachten wir Argument Nummer eins: Paragraf 16 Absatz 7 der Amateurfunkverordnung verlangt, dass Amateurfunkverkehr in offener Sprache abzuwickeln ist. Ich betone den Begriff "Sprache" – damit wird zunächst einmal nur das gesprochene menschliche Wort reguliert: "Offen" heißt, es muss schlicht das bedeuten, was es wörtlich heißt. Heimlich verabredete Codesätze sind ebenso verboten wie geheime Abkürzungen. Dabei ist es egal, ob die Sprache mit analogen oder digitalen Techniken übertragen wird; es ist egal, ob wir analoges FM oder digitales D-Star verwenden – es zählt allein der gesprochene Inhalt. Das kann D-Star also nicht auf den Index setzen.

Absatz 8 desselben Paragrafen erledigt den Rest. Er reguliert keine Inhalte, sondern das Übertragungsverfahren: Amateurfunkverkehr darf nicht zur Verschleierung des In­halts verschlüsselt werden. Das ist eine fast wörtliche Übersetzung des VO-Funk-Artikels 25.2A: "Transmissions between amateur stations of different countries shall not be encoded for the purpose of obscuring their meaning". Hiermit ist das gesamte Umfeld der Kryptographie gemeint – von der Steganographie über AES/Rijndael bis hin zum einfachen Caesar. Ich darf also zum Beispiel eine Textdatei keinesfalls mit AES oder Triple DES verschlüsseln, sie in einem netten Foto verstecken und das dann mittels Amateurfunk – etwa mit Pactor oder Packet-Radio – meinem Partner zuschicken, der als Einziger das Passwort zum entschlüsseln besitzt. Ist D-Star vielleicht verschlüsselt?

Digitale Sprachübertragung kann man durch ihr Protokoll und den verwendeten Codec charakterisieren. D-Star verwendet ein offenes Protokoll unter der Modulationsart 0.5 GMSK, das jedermann einsehen kann. Verschlüsselung findet darin nicht statt. Hauptargument der Gegner ist jedoch der zur effektiven Datenreduktion bei der Digitalisierung der Sprache verwendete AMBE-Codec. Er ist in der Tat durch internationale Patente geschützt. Und deshalb sei er nicht "offen", so die Gegner. Übersehen haben die OM dabei allerdings, dass der Codec in der niedergelegten Patentschrift im Detail dokumentiert ist, wie das bei jedem anderen Patent auch vorgeschrieben ist. Etwas offeneres als ein Patent gibt es schlichtweg nicht, was die Kenntnisnahme seines Inhalts anbelangt: Jeder kann – eventuell gegen Gebühr – die Patentschrift und damit das Verfahren einsehen. Lediglich die wirtschaftliche bzw. gewerbliche Nutzung des Patents ist ohne Genehmigung des Inhabers untersagt, die rein private Verwendung dagegen keineswegs. Auch das stellt D-Star nicht in die illegale Ecke.

Bleibt die Tatsache, dass man D-Star zurzeit nur vollständig realisieren kann, indem man einen ganz bestimmten integrierten Schaltkreis einsetzt: den "AMBE-Vocoder". Über die konkrete technische Realisation eines Übertragungsverfahrens macht das deutsche Amateurfunkrecht allerdings nicht die geringste Aussage. Es ist für das "offen sein" egal, ob das Verfahren nur mit einem einzigen gewerblich angebotenen Gerät geht, oder ob man in der Lage ist, es mit einfachsten Bauelementen aus der Bastelkiste selber zu realisieren. Kuriosität am Rande: Bei Pactor – speziell bei dessen Variante Nummer drei – hat sich seit Anbeginn zu Recht niemand darüber aufgeregt, dass das ausschließlich mit Geräten einer ganz bestimmten Firma aus der Nähe von Frankfurt am Main machbar ist – auch einer der heute exponierten Gegner von D-Star nicht, der selbst seit langem Pactor nutzt.

Argument Nummer zwei der D-Star-Gegner schlachten wir etwas schneller – und zwar mit einem kurzen Zitat aus einer Sitzung des "VHF/UHF/Microwave Committee" der IARU-Region 1, die im Februar 2007 in Wien stattfand. Hier heißt es im Protokoll: "Digital voice should not be considered as a Machine Generated Mode (MGM) as voice is the origin of the modulation and not a computer." Übersetzt: Da hier die menschliche Sprache die Quelle der Modulation ist und nicht ein Computer, wird digitale Sprachübertragung nicht als Machine Generated Mode betrachtet. Richtig so, ansonsten wäre ja auch jede Aussendung eines Software-Defined-Radios MGM, nicht zu reden von der "Direct Digital Sythesis", die vor einigen Jahren heftig bei Amateurfunktransceivern beworben wurde. Damit ist D-Star auf 145,2625 MHz vollkommen konform zum so genannten Bandplan der IARU – ein peinlicher Fehler der Gegner.

Fazit: D-Star ist weder nichtoffene Sprache, noch verschlüsselt, noch gar ein Bruch irgendwelcher Bandpläne. Ansonsten hätte die Bundesnetzagentur wohl kaum in letzter Zeit eine Vielzahl von D-Star-Relaisfunkstellen genehmigt, zuletzt DB0DZ in Düsseldorf auf 145,6875 MHz. D-Star ist so legal wie FM oder SSB. Was bleibt, ist ein Kindergarten. Es geht in letzter Konsequenz nämlich nur darum, Eindringlinge von einer so genannten OV-Frequenz zu vertreiben. Und so etwas sollte unter der Würde eines wissenschaftlich-technischen Experimentalfunkdienstes sein. Und das gilt für beide Seiten.


BUNDESNETZAGENTUR: AMATEURFUNKGERÄTE IM CB-FUNK

(rps) dürfen verwendet werden. Allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen. "FM – Das Funkmagazin" veröffentlichte diese Woche ein entsprechendes Schreiben der Behörde an einen Berliner Funkfreund. Hier das wesentliche Zitat daraus:

"Für 'fertige' Amateurfunkgeräte, die im Handel erhältlich sind, wie die klassischen 10/11 m Transceiver, gilt das FTEG uneingeschränkt. Diese dürfen, sofern sie nach dem FTEG ordnungsgemäß in Verkehr gebracht wurden und gekennzeichnet sind, unter Beachtung der entsprechenden Bestimmungen der Allgemeinzuteilung auch auf CB-Funkfrequenzen senden."

Zu beachten bei der Verwendung von Amateurfunktransceivern im CB-Funk ist somit, dass das Gerät mit einem CE-Zeichen versehen wurde und nicht modifiziert ist. Die wesentlichen Inhalte der Allgemeinzuteilung sind: Sendearten F3E bzw. G3E und J3E, maximal 4 Watt effektive Strahlungsleistung bezogen auf den Halbwellendipol, maximal 4 Watt Senderausgangsleistung und 10 kHz Kanalbandbreite. Beim Auftreten von Störungen werden ferner die Inhalte der europäisch harmonisierten Normen ETSI EN 300 135 und ETSI EN 300 433 zu Grunde gelegt. Hier ist unter anderem zu beachten, dass die Leistung in den Nachbarkanälen 20 Mikrowatt nicht übersteigt, der Hub maximal 2 kHz beträgt und dass in den Rundfunk- und Fernsehbereichen höchstens 4 Nanowatt an Ober- und Nebenwellen erzeugt werden.

Weitere Bestimmungen – etwa die erlaubten Festfrequenzen einschließlich der Sperrzonen für die deutschen CB-Funkkanäle 41 bis 80, Regeln für die Verwendung von Richtantennen sowie betriebliche Vorgaben – entnehmen Sie bitte der Allgemeinverfügung 37/2005 der Bundesnetzagentur, die zuletzt durch Verfügung 3/2008 geändert wurde. Sie finden sie im Internetangebot der Behörde.


ZWANZIG MONATE

(rps) scheinen für die Bundesnetzagentur zu einer Konstanten zu werden: Bereits zum zweiten Mal dauerte es genau diese Zeitspanne, um aus der Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung vom August 2006 – wie im Telekommunikationsgesetz verlangt – einen Frequenznutzungsplan zu machen. Eine aktualisierte Version wurde letzte Woche veröffentlicht. Wichtig für den Amateurfunk: Erstmals ist jetzt das erweiterte 40-Meterband von 7100 bis 7200 kHz aufgeführt, das deutsche Funkamateure bereits seit den besagten zwanzig Monaten nutzen – und: Im Siebzigzentimeterband ist erstmals nun auch Betriebsfunk zugelassen – im Bereich 433,0875 bis 434,7625 MHz mit immerhin fünf Watt ERP, allerdings beschränkt auf die Übertragung von Daten für Fernwirkzwecke.

Gedruckte Exemplare des Frequenznutzungsplans können über die folgende Anschrift bestellt werden:

Bundesnetzagentur
Dienststelle 214a – Frequenznutzungsplan
Tulpenfeld 4
53113 Bonn

oder auch unter der E-Mailadresse wolfgang.becker@bnetza.de. Der Versand des Frequenznutzungsplans erfolgt bei Behörden oder Firmen gegen Rechnung, bei Privatpersonen vorzugsweise gegen Nachnahme. Der Abgabepreis beträgt für die Loseblattsammlung im Vierfachringordner je Exemplar 18 Euro zuzüglich aktueller Versand- und ggf. Nachnahmekosten. Der Frequenznutzungsplan ist nur in deutscher Sprache erhältlich. Auch als PDF-Dokument ist er im Internetangebot der Behörde zu laden, diesmal wieder in einer nicht druckbaren Version – jedenfalls, wenn man zur Anzeige Softwareprodukte der Firma Adobe verwendet.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ