HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 298 / 2008 vom 03.08.2008

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


NEUES RELAIS IN DER REGION AACHEN

(rps) Seit kurzer Zeit kann man im südwestlichen Nordrhein-Westfalen ein neues Amateurfunkrelais in FM hören: Es ist ON0RBO auf der Frequenz 438,725 MHz im Siebzigzentimeterband. Benutzt wird – für Belgien eigentlich ungewöhnlich – die deutsche Shift von -7,6 MHz. Der Standort ist in Ostbelgien, genauer in Raeren-Petergensfeld in unmittelbarer Nähe der deutschen Grenze im Locatorfeld JO30CP. Es wird derselbe Sendemast benutzt, über den auch "100,5 – Das Hitradio" auf 100,5 MHz mit einer Leistung von 20 kW ERP abgestrahlt wird: ein Sender, der in der Euregio Aachen sehr beliebt ist. Da sich der Mast 486 Meter über dem Meeresspiegel befindet, ist die Reichweite nach Nordrhein-Westfalen hinein entsprechend groß.

Informationen über das neue Relais und seinen Betreiber, den Verein der Radioamateure der belgischen Ostkantone, finden Sie im Internet – und zwar unter http://www.rbo.be/on0rbo.htm.


EINGESTELLT

(rps) hat die Rendsburger Firma Hilberling GmbH vorige Woche die Produktion ihrer High-Tech-Transceiverserie PT-8000. In einer Pressemitteilung begründet man diesen Schritt mit den folgenden Worten:

"Durch die anhaltenden Widerstände, die wir bei der Erfüllung der behördlichen EU-weiten Herstellerauflagen zu überwinden haben, waren immer wieder Anpassungen am Design dieses Spitzentransceivers notwendig. Die sehr hoch gesteckten Entwurfsziele des PT-8000 konnten in einigen Prototypen erfüllt werden. Diesen hohen Standard mit vielen Zulieferern in einer Serienproduktion ohne Einschränkungen zu garantieren, stößt aber auf Schwierigkeiten, die mit noch vertretbarem Aufwand nicht zu überwinden sind."

Nicht nur der Redaktion stellt sich an dieser Stelle natürlich die Frage, wieso die diversen fernöstlichen Hersteller von Amateurfunkequipment in der Serienproduktion keine Probleme damit haben, die gesetzlichen und behördlichen Anforderungen – zum Beispiel hinsichtlich europäisch harmonisierter Normen und Richtlinien – zu erfüllen, ein deutscher Hersteller von High-End-Produkten aber doch. Leider konnten wir diese Woche keinen Vertreter der Firma Hilberling für eine Stellungnahme erreichen. Wir bleiben dran.


NEUE FREQUENZBEREICHSZUWEISUNGSPLANVERORDNUNG

(rps) Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat im Juli einen Entwurf für einen neuen Frequenzbereichszuweisungsplan im Internet veröffentlicht und betroffene Kreise – unter anderem auch die AGZ – gebeten, Stellung zu nehmen. Das haben wir natürlich getan. Auch wir verweisen für den ausführlichen Text auf unser Internet.

Kurz zusammengefasst ist der Frequenzbereichszuweisungsplan ein übergeordnetes Verzeichnis im Rang einer Rechtsverordnung, das das Frequenzspektrum den einzelnen Funkdiensten zuweist. Unter anderem finden sich dort also auch die Amateurfunkfrequenzen. Dieser Plan hat allerdings keine Bedeutung für die Person des Funkamateurs als Frequenznutzer im Sinne einer direkten Zuweisung. Er ist vielmehr derjenige Rahmen, auf den der Frequenznutzungsplan und die Anlage 1 der Amateurfunkverordnung aufbauen, die am Ende den Funkamateuren den Frequenzraum samt Nutzungsbedingungen zur Verfügung stellen. Dennoch ist der Frequenzbereichszuweisungsplan ziemlich wichtig: Stimmt hier etwas nicht, hat das Auswirkungen auf die nachgeordneten Strukturen.

Die AGZ e.V. hat kritisiert, dass durch eine Fußnote auch nach dem 29. März 2009 im erweiterten Vierzigmeterband – also von 7100 bis 7200 kHz – die Senderleistung für den dann primären Amateurfunkdienst auf 250 Watt beschränkt bleiben soll, obwohl von diesem Zeitpunkt an der Rundfunkdienst den Bereich nicht mehr nutzen darf und es in Folge dort keinen zu schützenden anderen Funkdienst mehr gibt. Diese Bestimmung ist sinnlos und gehört gestrichen bzw. ebenfalls auf den 29. März 2009 befristet.

Ein wesentlicher Teil der AGZ-Stellungnahme widmet sich der Kritik, dass wirklich neuartige wissenschaftlich-technische Experimente heute nur außerhalb des Amateurfunkrechts stattfinden können, jedenfalls in Deutschland. Wir finden, es grenzt beinahe an Perversität, Experimentalfunk bei 500 kHz Mittelwelle, bei 5,2 MHz Kurzwelle und bei 70 MHz UKW allein mit unflexiblen Genehmigungen unter dem TKG durchführen zu können, obwohl die Betreiber ausnahmslos Funkamateure sind, der Funkverkehr wie im Amateurfunk durchgeführt wird und sogar die mit DI beginnenden Rufzeichen wie Amateurfunk aussehen, es aber in Wirklichkeit nicht sind.

Der Grund für diese deutsche Merkwürdigkeit ist schlicht, dass diese Frequenzen im Frequenzbereichszuweisungsplan dem Amateurfunkdienst nicht zugewiesen sind. Wir haben deshalb angeregt, dies zu ändern – schließlich ist es doch die ureigenste Aufgabe des Amateurfunks, Experimente durchzuführen.


WINDRM MIT URHEBERRECHTSVERLETZUNG?

(rps) Wie das US-Internetmagazin "Amateur Radio Newsline" vergangene Woche berichtet, musste der Download der im Amateurfunk beliebten Softwareangebote WinDRM, DRMDV und FDMDV kurzfristig und ohne Ankündigung vom Netz genommen werden. Mit diesen Programmen kann man digitale Sprachübertragung durchführen, und zwar allein mit Hilfe der PC-Soundkarte. Die Bandbreite bleibt dabei innerhalb eines SSB-Kanals von 2,7 kHz.

Hintergrund der Abschaltung ist laut Amateur Radio Newsline das Urheberrecht. Der bisher eingesetzte Sprachcodec namens MELP wurde nämlich für das US-Militär und die NATO entwickelt – und bislang nicht für die allgemeine Benutzung freigegeben. Einige Firmen besitzen Rechte an dieser Software – und eine davon hat sich jetzt beschwert.

Die Entwickler mussten ihre Softwarepakete nun umschreiben, wobei ab sofort ein Open-Source-Codec Verwendung findet. Er hat allerdings laut Amateur Radio Newsline bei weitem nicht die Qualität des bisher eingesetzten Militär-Codecs, der ganz speziell für die Sprachübertragung bei kleinen Bandbreiten auf der Kurzwelle optimiert wurde.

Amateur Radio Newsline betont in seiner Berichterstattung die dringende Notwendigkeit, für Amateurfunkanwendungen einen eigenen Sprachcodec zu entwickeln, der einerseits den qualitativen Anforderungen entspricht, und der andererseits für jedermann frei verwendbar ist. Allerdings dürfte diese Aufgabe nur sehr schwer zu erfüllen sein, ohne bereits existierende Patente zu verletzen, denn davon gibt es genug.

Das Magazin weist in diesem Zusammenhang ausdrücklich darauf hin, dass D-Star-Amateurfunktransceiver unter dieser Problematik nicht leiden. Der hier eingesetzte AMBE-2020-Vocoder ist zwar ein geschütztes kommerzielles Produkt, jedoch wurden die entsprechenden Bestimmungen von den Herstellern beachtet.

Quelle: Amateur Radio Newsline


SOMMERPAUSE

(rps) Eine Mitteilung in eigener Sache: HamRadio 2day geht in die Sommerpause. Plangemäß lesen oder hören wir uns wieder am

Sonntag, den 7. September.

Sollte es allerdings Wichtiges geben, dessen Meldung unaufschiebbar ist, dann gibt es natürlich eine Sonderausgabe. Schauen Sie also immer wieder einmal auf unsere Website oder hören Sie am Sonntagmorgen auf den bekannten Frequenzen zu.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ