HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 301 / 2008 vom 05.10.2008

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


LEITARTIKEL: NO-GO-AREAS IM AMATEURFUNK?

(rps) Es scheint in Deutschland Städte und Gemeinden zu geben, auf deren Gebiet Funkamateure als Einwohner unerwünscht sind. Anders kann man sich diverse in letzter Zeit öffentlich gewordene Vorgänge im kommunalen Umfeld nicht erklären. Nachdem vor wenigen Wochen die Bauamtsleiterin des Oberbergischen Kreises – Gabriele Keil-Riegert – einem Funkamateur gegenüber erklärte, sein geplanter und im Amateurfunkdienst vieltausendfach in Deutschland errichteter Standardmast sei nur in einem Industriegebiet zulässig, zelebrierte vergangene Woche die bisher bereits nicht unbedingt als funkfreundlich bekannte nordbayerische Gemeinde Dittelbrunn erneut ihre diesbezügliche Grundhaltung: Sie erlaubt der Deutschen Telekom nicht, im Gemeindegebiet eine Mobilfunkbasisstation zu errichten – dabei geht es nicht etwa um eine neue, sondern nur um einen Ersatz für eine abgebaute Anlage in der Nachbargemeinde, also um die Schließung einer Versorgungslücke.

Auf keinen Fall dürfe eine Funkanlage auf öffentlichen Gebäuden in Dittelbrunn errichtet werden, allerdings auch nicht auf einem Mast an der Sporthalle, gleiches gilt für das so genannte Marienbachzentrum, eine Mehrzweckhalle mit Turmzimmer, Kegelbahnen, Außenspielfeldern und Tennisplätzen, und schon einmal gar nicht darf ein Sender in der Nähe der Grundschule erlaubt sein – so laut dem Schweinfurter Tagblatt vom 25. September der einstimmige Beschluss des Gemeinderates. Besser kann man Technologiefeindlichkeit nicht manifestieren: In Summa nirgendwo in Dittelbrunn will man Antennen. Der Ort ist damit nun eindeutig und endgültig eine No-Go-Area für Funkamateure. Da kann man nur hoffen, dass kein Gemeinderatsmitglied bei einem Notfall einmal auf Funktechnologien angewiesen sein wird, die im entscheidenden Moment nicht verfügbar sind.

Ich meine, wir Funkamateure sollten uns unseren Wohnort sorgfältig aussuchen. Zu meiden sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel reine Wohngebiete mit Bebauungsplan genauso wie eine Wohnung in einem Haus, das mehreren Eigentümern gehört, für das also das Wohneigentumsgesetz gilt. Der Funkamateur sollte bereits im frühen Vorfeld eines Wohnungswechsels sehr genau abklären, wie sich seine eventuell zukünftige Gemeinde oder Stadt zum Amateurfunkdienst und zu Antennenanlagen positioniert. Schließlich sind Dittelbrunn und Gummersbach nicht überall.

Ralph, DC5JQ


NOTFUNK-TEST

(rps) Der nächste "GlobalSET" der IARU – die Abkürzung SET steht dabei für "Simulated Emergency Test" – ist für den 8. November dieses Jahres angesetzt, diesmal zwischen 04:00 und 08:00 UTC: Um mehr Stationen in der Welt zu erreichen, wurden nämlich die Uhrzeiten geändert. Dazu wie immer dieser Hinweis: Dies ist eine Übung zwischen Amateurfunkstationen, die Interesse am Notfunk haben, und keinesfalls ein Contest! Die Aktivitäten finden auf den Frequenzen des "IARU-Emergency Centre of Activity" statt und sind weltweit festgelegt. Die Details der Übung werden gerade fertig gestellt und werden bald auf der IARU-Region-1-Website – das ist www.iaru-r1.org – veröffentlicht.

Quelle: ÖVSV


US-LIZENZ KONTRAPRODUKTIV?

(rps) Oft wird dafür geworben, in Deutschland die Prüfung für eine US-amerikanische Amateurfunkgenehmigung abzulegen. Manche Funkamateure lieben es, sich mit solchen zusätzlichen Rufzeichen geradezu zu schmücken. Aus gegebenem Anlass möchte die Redaktion in diesem Zusammenhang auf eine vielleicht wenig bekannte Tatsache hinweisen.

Die USA wenden das CEPT-Abkommen undifferenziert auf alle europäisch definierten Genehmigungsklassen an: Sowohl die CEPT-Lizenz – bei uns Klasse A – als auch die CEPT-Novice-Lizenz – bei uns Zeugnisklasse E – genießen beide in den Vereinigten Staaten die Nutzungsrechte der höchsten Lizenzklasse, der dortigen Extra Class. Voraussetzung zur Nutzung des eigenen deutschen Rufzeichens mit einem W oder K davor ist der lediglich vorübergehende Aufenthalt von bis zu drei Monaten ohne Wohnsitz in den USA. Besitzt man jedoch ein zusätzliches US-Rufzeichen zusammen mit der zu seiner Erteilung verpflichtend notwendigen US-Adresse bzw. Wohnsitz, dann ist zwingend dieses Rufzeichen in den USA auch zu verwenden, natürlich verbunden mit dem eventuell geringeren Nutzungsumfang, der der abgelegten US-Prüfung bzw. -klasse entspricht.

Im Klartext: Legt man also in Deutschland eine US-Amateurfunkprüfung unterhalb von "Extra" ab, dann hat dies spürbare Nachteile bei einem kurzfristigen Aufenthalt in den USA, etwa bei einem Urlaub oder auf einer Dienstreise, weil man keinen Gebrauch mehr von der CEPT-Regelung machen darf.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ