HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 302 / 2008 vom 19.10.2008

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


ZOFF IN OBERBAYERN – ODER: EINFACH NUR SCHADE

(rps) Sie erinnern sich vielleicht an dieses fantastische Siebzigzentimeter-Relais auf dem Olympiaturm in München, über das Sie Verbindungen mit Handfunkgeräten an Standorten bis weit hinter Garmisch-Partenkirchen machen konnten. DB0EL war sein Rufzeichen, EL – ein Synonym für seine ebenfalls fantastisch stabile Echolink-Anbindung, seinerzeit die fünftmeist genutzte Einrichtung dieser Art auf dem gesamten Planeten. Funkamateure aus der ganzen Welt unterhielten sich hier: ein Treffpunkt der allerersten Wahl, wenn es um eines der im deutschen Amateurfunkgesetz verankerten Ziele geht: die Völkerverständigung.

Plötzlich war diese Relaisfunkstelle im Dezember 2007 verschwunden. Wir berichteten in HamRadio 2day Nr. 281 am 16. Dezember unter der Überschrift "DB0EL in München: schlechte internationale Presse". In der Tat gab es damals eine ziemlich miese Presse in den weltweiten Amateurfunkmedien – und zwar für den deutschen Amateurfunkverein VFDB, dessen Vorstand den Mietvertrag gegenüber dem Besitzer des Olympiaturms – der Deutschen Funkturm GmbH, kurz DFMG – gekündigt hatte, und zwar gegen den Willen des Relaisbetreibers und -erbauers, OM Rainer Englert, DF2NU. Diese Woche wendet dieser sich nun in einem offenen Brief speziell an den so genannten Leitungskreis des VFDB e.V. Sein Inhalt liegt der Redaktion vor.

OM Englert macht darin Mitglieder des heutigen Vereinsvorstands persönlich dafür verantwortlich, dass ein herausragender DFMG-Standort auf dem Olympiaturm in München und die beliebte Relaisfunkstelle DB0EL für ganz Südbayern dem Amateurfunk faktisch für immer verloren gingen. DF2NU weist den Vorwurf von sich, er habe sich nicht an die Vorgaben und an die Randbedingungen des Mietvertrags gehalten. So wurde damals seitens des VFDB-Vorstands unter anderem behauptet, die Stellflächen und der Stromverbrauch seien überschritten worden und es mangele an einer aktiven Zusammenarbeit mit dem Betreiber. Dies sei schlicht nachweislich falsch, so Rainer Englert.

Zitat DF2NU: "Die falschen Tatsachenbehauptungen gegenüber den Technikverantwortlichen stellen justiziable Vorgänge dar. Da sie öffentlich verbreitet wurden bzw. zur Verbreitung gelangt sind, ist hier unter anderem auch der Tatbestand der Falschbehauptung und Verleumdung und auch der Verletzung des Fernmeldegeheimnisses und Persönlichkeitsrechtes gegeben."

In einer – wie DF2NU schreibt – rechtswidrig öffentlich bekannt gewordenen E-Mail eines Mitglieds des VFDB-Vorstands wurde ihm zusätzlich vorgeworfen, er sei eigentlich nur an einem Zugang zu den DFMG-Standorten interessiert und nur deshalb in den Verein eingetreten; zudem würde er selbstherrlich handeln.

Wie OM Englert schreibt, hat er seine Mitgliedschaft im VFDB vor kurzem aus wichtigem Grund fristlos gekündigt und ruft in seinem offenen Brief andere Funkamateure dazu auf, gleiches zu tun. Man solle sich statt dessen einer Interessenvereinigung anschließen, die den Amateurfunk noch fördert und erhält und diesen nicht aktiv zerstört.

Wie geht es nun weiter? Der Münchener Olympiaturm gehört nicht nur einem einzigen Besitzer. Im Eigentumsbereich der Olympiapark GmbH – einer Beteiligungsgesellschaft der Stadt München – wird DB0EL zurzeit neu aufgebaut, sogar rund 40 Meter höher als früher. Die Außeninstallationen des neuen Umsetzers sind mittlerweile abgeschlossen. Es wurden insgesamt sieben Panel-Antennen montiert und nahezu 600 Meter Koaxkabel eingezogen. Ein komplett neuer Umsetzer wurde aufgebaut, der über insgesamt vier Diversity-Empfänger verfügt. Laut DF2NU muss nun nur noch ein Termin gefunden werden, um die restlichen Inneninstallationen abzuschließen. Mehr dazu finden Sie im Internet unter

www.alximedia.de/df2nu.

Kommentar der Redaktion:

In erster Linie hat die Existenz von DB0EL einer Vielzahl von Funkamateuren in Oberbayern und in der ganzen Welt Spaß und Freude bereitet. Dass der erfolgreiche Aufbau von Technik und deren Betrieb auch DF2NU Spaß und Freude bereitet hat, ist selbstverständlich; dieser Aspekt ist jedoch zweitrangig. Klar, dass man dazu Zugang zu einem "Premium-Standort" braucht. Klar, dass man sich zu dem Zweck einer Vereinsmitgliedschaft bedient, denn genau dazu sind Vereine da: Gemeinsam erreicht man eben mehr. OM Englert ganz alleine wäre wohl nie auf den Turm gekommen. Und das soll "selbstherrlich" sein? Hätte der VFDB denn ohne DF2NU und Mitstreiter ein ähnlich performantes Relais auf die Beine stellen können? Ich jedenfalls habe an dieser Stelle ein grundlegendes Verständnisproblem.

Wie schrieb der Redakteur von HamRadio 2day damals: "Unter Public-Relations-Gesichtspunkten ist der Vorgang DB0EL ein schlichtes Fiasko für den VFDB-Vorstand, aus dem er kaum noch herauskommen dürfte, egal, was er nun macht." Wie wahr – denn allein DB0EL erstrahlt bald in neuem Glanz.

Ralph, DC5JQ


ANTENNENBAU IN DEN USA

(rps) ist ganz offensichtlich im Amateurfunk erheblich einfacher und unbürokratischer als bei uns in Deutschland. Pennsylvania ist nun bereits der 27. Staat der USA, der aktuell ein Gesetz beschlossen hat, das Funkamateuren die Errichtung von Antennenmasten und Halterungen bis zu einer Höhe von 65 Fuß, das sind immerhin etwa 22 Meter, erlaubt. Und zwar sehr flexibel und ohne eine jede Baugenehmigung.

Am 8. Dezember tritt diese erfreuliche Regelung dort in Kraft. Sie enthält aber noch mehr: Die Städte und Gemeinden des Bundesstaates Pennsylvania werden verpflichtet, den Amateurfunkdienst in angemessener Weise zu integrieren und zu unterstützen. Nur das Allernötigste sei an Regelungen zu erlassen, um lediglich die wesentlichen Interessen der Kommunen zu schützen. Die Städte dürfen jedoch Sicherheitsbestimmungen für Amateurfunkantennenanlagen erstellen und in Kraft setzen.

In Deutschland können wir von so etwas nur träumen. Es zeigt sich wieder einmal mehr, dass der Amateurfunkdienst in anderen Ländern wesentlich anerkannter und besser in die Gesellschaft integriert ist als bei uns, weil er eben mehr ist als irgendein Hobby unter vielen, das in der Freizeit ausgeübt wird.

Quelle: ARRL


IN EIGENER SACHE

(rps) Weil offensichtlich am Sonntagmorgen um 10:00 Uhr Ortszeit viele potenzielle Zuhörer noch nicht wach genug sind, verlegen wir unsere Achtzigmeter-Aussendung von HamRadio 2day um eine halbe Stunde nach hinten. Ab der nächsten Ausgabe senden wir um 10:30 MEZ bzw. MESZ auf der gewohnten Frequenz 3772 kHz mit 750 Watt Output im Regelfall vom Standort Mönchengladbach. Unser Dank geht hier an Johannes, DJ5DM. Bei unserer Sendung im erweiterten Vierzigmeterband bleibt es bei 10:45 Uhr Ortszeit und 7195 kHz. Auch der Termin 11:30 Uhr auf 14305 kHz wird nicht geändert. Senderstandort ist hier Wassenberg in JO31BC.

Außerdem wollen wir einmal den Versuch wagen, die jeweils letzte Ausgabe von HamRadio 2day am kommenden Sonntag erneut auszustrahlen, wenn keine neuen Informationen vorliegen oder wenn der Redakteur aufgrund anderer Verpflichtungen keine Zeit hatte. Damit wollen wir wieder eine gewisse Regelmäßigkeit sicherstellen.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ