HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 305 / 2008 vom 30.11.2008

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



LEITARTIKEL: AMATEURFUNK UNERWÜNSCHT?

(rps) Es steht im Amateurfunkgesetz und in der VO-Funk: Der Amateurfunkdienst dient zur Unterstützung von Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen. Um genau das in die Tat umzusetzen, schrieb bereits vor mehr als einem Jahr der Vorsitzende von Deutschlands größtem Amateurfunkverein einen Brief an diejenige Behörde, die in Deutschland besagte Hilfsaktionen in Not- und Katastrophenfällen vorbereitet und koordiniert: an das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, kurz BBK, und bot die Unterstützung durch die deutschen Funkamateure an. Das hätte er mal besser nicht getan. Denn erst nach über einem Jahr – und das allein ist schon bezeichnend – kam nun die Antwort. Und die ist derart niederschmetternd, dass ich Sie Ihnen auszugsweise wörtlich präsentiere:

"Eine der Aufgaben des BBK in Katastrophenfällen ist das Zusammenfassen von Informationen und die Weiterverteilung. Dies wird vom Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) wahrgenommen. Eine weitere Aufgabe stellt die fachliche Beratung der Länder bei bestimmten Lagen, z.B. dem Massenanfall von Verletzten, dar. Zu den Lagezentren der Innenministerien der Länder gibt es in meinem Hause mehrere, redundante Wege, auch von terrestrischer Kommunikation unabhängige. Aus diesen Gründen ist eine Nutzung des Amateurfunks zur Aufgabenerfüllung nicht vorstellbar."

Das BBK bittet schließlich noch darum einzusehen, dass deshalb der gewünschte Gesprächstermin nicht sinnvoll erscheine.

Man könnte nun in oberflächlicher Sicht der Dinge durchaus geneigt sein, diese Antwort immerhin einer Bundesbehörde als arrogant einzustufen. Vielleicht wäre das auch gar nicht so falsch. Interessanter ist es jedoch, über die tatsächlichen Gründe zu spekulieren – hat der Amateurfunkdienst in anderen Ländern doch einen um Größenordnungen höheren Stellenwert im Katastrophenschutz und in der Gesellschaft insgesamt, man denke etwa nur an die USA und an Großbritannien. Dort wäre eine solche Antwort vollkommen unvorstellbar.

Kann es sein, dass gerade der deutsche Amateurfunkdienst im vergangenen Jahrzehnt nicht unbedingt einen kompetenten Eindruck in der Öffentlichkeit hinterlassen hat? Kann es sein, dass unsere steten Streitereien um jede noch so kleine Veränderung in Richtung Zukunftsfähigkeit Zweifel an unseren Kenntnissen moderner Technologie und an unseren wahren Absichten haben aufkommen lassen? Kann es sein, dass unser interner Kleinkrieg um die Morsetelegrafie, D-Star, um Klasse E und nun um die – hoffentlich nicht so heißen werdende – "Klasse K" Zweifel an unserer Seriosität erzeugten? Macht unsere offen für jedermann zur Schau gestellte Diskussionskultur im Packet-Radio-Netz, im Internet und auf Achtzigmeter wirklich Lust darauf, Funkamateure in wichtige staatliche Vorhaben einzubinden? Wie steht es mit der Kompetenz der Führungsmannschaften im Amateurfunk? Siegen hier Stallgeruch und Vereinsmeierei über fachliche Qualifikation? Warum bekennen sich – im Gegensatz zu früher – die lizenzierten Leistungsträger unseres Landes nicht mehr offen zum Amateurfunk und fördern ihn aktiv mit ihrem Namen? Werden wir schließlich im Ergebnis wirklich nur noch als eine reine Freizeitbeschäftigung wahrgenommen, die zudem als störend und lästig empfunden wird?

Gehen Sie einmal in sich und fragen Sie sich, welches Bild der Amateurfunk in Deutschland heute in der Öffentlichkeit abgibt – und warum. Die kommenden Tage und Wochen des zu Ende gehenden Jahres eignen sich vielleicht in ganz besonderer Weise dazu. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien einen besinnlichen ersten Advent und eine frohe Vorweihnachtszeit.

Ralph, DC5JQ


WIEDER EINE KLAGE GEGEN MOBILFUNKSENDER GESCHEITERT

(red) Die Verwaltungsgerichtsklage eines Anwohners gegen eine Mobilfunkanlage auf einem Gebäude im Stuttgarter Westen war erfolglos. Der Mobilfunkmast auf dem Dach eines Wohnhauses darf stehen bleiben. Der Mann, dem ein Nachbarhaus gehört, in dem er auch wohnt, hatte vor dem Verwaltungsgericht argumentiert, die Stadt hätte die Sendeanlage nicht vom geltenden Bebauungsplan befreien dürfen. Erstens sei das Rücksichtnahmegebot verletzt, zweitens mindere der Mobilfunkmast den Wert seines Hauses, und drittens sei nicht auszuschließen, dass durch die Strahlung beispielsweise Menschen mit einem Herzschrittmacher oder in der Nähe arbeitende Dachdecker und Schornsteinfeger gefährdet werden.

Die Richter der 13. Kammer des Verwaltungsgerichtes Stuttgart haben die Klage des Anwohners gegen die Stadt nun abgewiesen. Eine mögliche Gesundheitsgefährdung sei nicht nachgewiesen, die Grenzwerte und Mindestabstände würden eingehalten. Eigentlich lässt der Bebauungsplan Gewerbe zwar nur im Erd- und Untergeschoss zu. Die Befreiung vom Bebauungsplan durch die Stadt sei trotzdem rechtens, weil die Anlage als gewerbliche Nutzung weder Lärm, Geruch, noch zusätzlichen Verkehr mit sich bringe. Die Wertminderung der Nachbargebäude müsse wegen des öffentlichen Interesses an flächendeckendem Mobilfunk hingenommen werden, so die Richter, die ihre Entscheidung auf Urteile des Bundesgerichtshofs und des Bundesverfassungsgerichts stützen.

Für den Amateurfunkdienst sind hier zwei Dinge hervorzuheben: Erstens – wenn man die geltenden Grenzwerte einhält und dies auch in einer Anzeige nach BEMFV nachweist, dann kann einem mit dem Segen des Bundesverfassungsgerichts nichts passieren. Und zweitens – wenn eine gewerblichen Zwecken dienende Antennenanlage in einem Wohngebiet mittels einer Befreiung vom Bebauungsplan errichtet werden darf, dann kann eine rein privaten Zwecken dienende Amateurfunkantennenanlage dort erst recht nicht verboten werden. Denn auch die verursacht weder Lärm, Geruch noch zusätzlichen Verkehr. Mehr noch: Sie sendet im Gegensatz zur Mobilfunkbasisstation nicht einmal rund um die Uhr.

Quelle: Forschungsgemeinschaft Funk und Stuttgarter Nachrichten vom 11.11.2008


KANADA GIBT FUNKAMATEUREN FREQUENZEN BEI 500 KILOHERTZ      

(rps) Die kanadische Regulierungsbehörde hat angekündigt, zunächst im Rahmen von besonderen Forschungsgenehmigungen Funkamateuren Zugang zu Frequenzen bei 500 kHz auf der Mittelwelle zu gewähren. Dieser Teil des elektromagnetischen Spektrums unterscheidet sich hinsichtlich der Ausbreitungsbedingungen grundlegend von anderen Frequenzen, die auch zur Mittelwelle gehören. Sie reicht – allerdings nur rein formal – von 300 bis 3000 kHz und umfasst eine Vielzahl von Ausbreitungsphänomenen – von der reinen Bodenwelle bis hin zur Ionosphärenreflexion. So unterscheiden sich bereits im Mittelwellenrundfunkband die Versorgungsbedingungen grundlegend, wenn man zum Beispiel einen Sender bei 600 kHz mit einer ansonsten gleichen Anlage bei 1600 kHz vergleicht – Grund genug für viele Rundfunksender außerhalb Deutschlands, am Tag auf der Mittelwelle eine niedrigere Frequenz als in der Nacht zu verwenden.

Konkret sieht Kanada den Bereich von 504 bis 509 kHz vor – mit einer maximalen Strahlungsleistung von 20 Watt ERP und einer Bandbreite von bis zu einem Kilohertz. Kanadische Funkamateure können somit in diesem Rahmen bestens moderne digitale Übertragungsverfahren untersuchen. Ihre Regierung unterstützt im übrigen – ebenso wie das deutsche Bundeswirtschaftsministerium – eine Zuweisung an den Amateurfunkdienst bei 500 kHz auf der kommenden Weltfunkkonferenz der ITU. Sie wird im Jahre 2011 in Genf stattfinden.


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Ralph, DC5JQ