HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 306 / 2008 vom 07.12.2008

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



DIE SCHWEIZ LIBERALISIERT DAS SECHSMETERBAND

(rps) Die Nutzung des 50-MHz-Bandes in der Schweiz wird liberalisiert: Ab dem 1. Januar 2009 dürfen alle Inhaber von Amateurfunkkonzessionen der CEPT-Klasse – das sind alle Rufzeichen, die mit HB9 anfangen – zwischen 50 und 52 MHz mit maximal 100 Watt PEP Senderausgangsleistung arbeiten, und es sind ab diesem Tag alle Arten von Antennen ohne jede Einschränkung erlaubt.

Vertreter der schweizer Regulierungsbehörde "Bundesamt für Kommunikation", kurz BAKOM, eröffneten diese erfreuliche Nachricht der Delegation des Amateurfunkvereins USKA während des halbjährlichen Gesprächs mit der Genehmigungsbehörde. Bisher mussten Funkamateure in der Schweiz für die Nutzung des Sechsmeterbandes eine Einzelbewilligung einholen. Die Leistung ist bislang wie in Deutschland auf 25 Watt ERP begrenzt, es dürfen heute allerdings nur Antennen mit vertikaler Polarisation verwendet werden – in Deutschland sind es dagegen ausschließlich horizontal polarisierte.

Diese Einschränkungen fallen in der Schweiz nun bald weg. Zu beachten ist jedoch, dass der Amateurfunkdienst zwischen 50 und 52 MHz nur sekundärer Nutzer ist. Primär ist dieser Frequenzbereich in der Schweiz nach dem Wegfall des Rundfunks im Fernsehband I nunmehr noch dem mobilen Landfunkdienst zugewiesen. Das bedeutet, dass der Amateurfunk andere Dienste – auch ausländische – nicht stören darf und dass er keinen Schutz vor anderen Diensten mit primärem Status beanspruchen kann. Besondere Vorsicht müssen dabei die Tessiner Funkamateure walten lassen, da in Norditalien weiterhin Band-I-Fernsehsender in Betrieb sind.

Quelle: USKA

Anmerkung der Redaktion: Diese Bestimmungen zu 50 MHz gelten ab dem 1. Januar auch für deutsche Funkamateure mit Zeugnisklasse A, die unter den CEPT-Bestimmungen vorübergehend in der Schweiz Sendebetrieb durchführen möchten.


NEUER BANDPLAN FÜR VIERZIGMETER

(rps) Auf der kürzlich zu Ende gegangenen Tagung der IARU-Region 1 in kroatischen Cavtat wurde ein geänderter Bandplan für das Vierzigmeterband beschlossen. Ein neues Regelwerk ist notwendig, weil der Rundfunk am 29. März 2009 aus dem Frequenzbereich 7100 bis 7200 kHz vollständig verschwindet und der Amateurfunkdienst dort Primärstatus erhält.

So soll der exklusive Telegrafiebereich künftig von 7000 bis 7040 kHz reichen, digitale Verfahren ohne Sprachübertragung sollen von 7040 bis 7060 kHz stattfinden, und alle Betriebsarten einschließlich SSB und digitale Sprache zwischen 7060 und 7200 kHz. Details zum Beispiel zu Anruffrequenzen und speziellen Betriebsarten entnehmen Sie bitte der Website der IARU-Region 1.

Quelle: RSGB


WERBUNG FÜR DEN AMATEURFUNK IM EUROPÄISCHEN PARLAMENT

(rps) Ein Kalender mit Planerfunktion und Amateurfunkinhalten wurde kürzlich allen 785 Mitgliedern des Europäischen Parlaments überreicht – zusammen mit einem einführenden Brief. Als Unterzeichner versuchen der spanische Europaabgeordnete Fernando Fernandez-Martin, EA8AK, und Gaston Bertels, ON4WF, den Amateurfunkdienst der Politik näher zu bringen. Gaston ist Vorsitzender der EUROCOM Working Group der IARU-Region 1. Der Kalender wurde von Mitarbeitern des britischen Amateurfunkvereins RSGB entworfen. Er legt den Schwerpunkt auf das Thema "Amateurfunk im Weltraum" und auf die in Deutschland verschmähte Notfallkommunikation.

Quelle: RSGB


IARU BEFÜRWORTET D-STAR IM ZWEIMETERBAND

(rps) Einer der Beschlüsse der IARU-Region-1-Konferenz im kroatischen Cavtat betrifft das Zweimeterband und die in Deutschland teils heftig geführte Kontroverse, ob digitale Sprachübertragung mittels D-Star nun als Digimode oder als Voice einzustufen ist. Die IARU ist für das letztere und empfiehlt ihren Mitgliedsverbänden ab sofort, digitale Übertragungsverfahren insbesondere im bislang rein FM-geprägten Relaissubband zuzulassen, sofern es sich um die Übertragung von Sprache handelt. Die neue Mode-Bezeichnung dafür lautet DV – das steht für "Digital Voice". Damit stellt man klar, dass es bei so genannten Bandplänen nicht darauf ankommt, ob Sprache analog oder digital übertragen wird. Ferner wurden die Simplex-Frequenzen 145,375 MHz, 433,450 MHz und 1297,725 MHz als Anruffrequenzen ausschließlich für digitale Sprachübertragung ausgewiesen. Allerdings soll auf diesen Kanälen keine Gateway-Funktion implementiert werden.

Nach dieser IARU-Entscheidung gibt es in Deutschland nun keinen Grund mehr, D-Star-Relaisfunkstellen im Zweimeterband nur mit einer Sonderzuteilung für besondere experimentelle und technisch-wissenschaftliche Studien nach Paragraf 16 Absatz 2 der Amateurfunkverordnung zu genehmigen. Einen belastbaren Grund dafür gab allerdings auch in der Vergangenheit nicht, denn die so genannten Bandpläne der IARU sind in Deutschland lediglich eine unverbindliche Empfehlung eines privaten Vereins – und kein geltendes Recht.


LESERBRIEF

(red) Christoph, DO9CD, kommentiert unseren Beitrag über die ablehnende Haltung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, was die Unterstützung durch Amateurfunkstellen anbelangt. Er schreibt auszugsweise:

"In den großflächigen Ländern wie den USA, in Australien usw., die nicht so dicht bewohnt sind wie Deutschland, sind Funkamateure und alle, die CB-Funk nutzen, auch ein großes Stück weit für den Erhalt der Kommunikation zuständig, da ein flächendeckendes staatliches Kommunikationsnetz zu teuer wäre. Zusätzlich haben diese Staaten gelernt, dass nur dezentrale Kommunikationsnetze mit Peer-to-Peer-Struktur in Krisenzeiten funktionieren. Wenn es keinen Strom mehr gibt, wenn die EDV-Anlagen unter Wasser stehen, dann gibt es noch immer einen Funkamateur, der mit einem Stück Draht und einem Transceiver einen anderen Funkamateur erreichen kann und der in der Lage ist, Nachrichten weiterzuleiten. Woher sollte das aber ein Beamter einer Bundesbehörde wissen?! So weit, wie er denken kann, gab es immer irgendein Telefon und einen Satellitenlink – und der Yellow-Strom kam bisher noch immer aus der Steckdose.

Stichwort Schulbildung und die Stellung der Naturwissenschaften in Deutschland: Meine beiden Kinder besuchen ein Gymnasium im Rhein-Main-Gebiet, wo nur 25 Prozent der Hauptfächer Naturwissenschaften sind. Fächer wie Physik, Chemie, Informatik, usw. sind kaum präsent. Können diese Kinder später eine Begeisterung für die Arbeiten von Heinrich Hertz oder Otto Lilienthal entfalten? Ich glaube das nicht; sie werden die Natur nämlich gar nicht mehr verstehen. Inzwischen sind wir so weit gekommen, dass viele Hauptakteure aus Politik, Medien, Jura und Sport mit viel Stolz verkünden, dass sie ganz schlecht in Mathematik und Physik waren, es aber trotzdem nach oben geschafft haben. Wo sind wir angekommen? Sind die Supermodels und Popstars die Helden der Gegenwart?

Jetzt aber zu uns selbst. Es wird oft und bei jeder Gelegenheit über Amateurfunk diskutiert. Und dies häufig, so ist meine Erfahrung, mit Argumenten, die ihre Geltung bereits vor 20 Jahren verloren haben. Was mich immer wieder irritiert, ist die Diskussion über den Amateurfunk im Selbstbaukontext. Vor vielen Jahren, als ich meinen ersten Kurzwellenempfänger selbst gelötet habe, war die Welt auch für mich sehr einfach: 'Ein echter Funkamateur baut seine Geräte selbst, nur das ist Experimentalfunk'. Später habe ich Abstand von dieser Aussage genommen, weil ich verstanden habe, dass Amateurfunk zusätzlich zum Beispiel auch eine Sportart ist – DX-Sport eben.

Heute stellt sich die gleiche Frage in einem erweiterten Kontext: Klassifiziert man die Entwicklung von digitalen Übertragungsarten wie PSK-31, Olivia, usw. als Selbstbau – oder nicht? So wie ich die Beiträge in vielen Newsgroups interpretiere, betrachten das viele Kollegen nicht als Selbstbau. Warum? Ich wage zu behaupten, dass sie dieses Fachgebiet einfach nicht verstehen; und etwas, das nicht verstanden wird, wird abgelehnt. Wir müssen uns aber klar werden, dass Amateurfunk irgendwo im Bereich der Wellenausbreitungsforschung beginnt, sich über Antennen- und Geräteselbstbau fortsetzt, Computer und Softwaretechnik in der Kommunikation einschließt und als reine Sportart endet, und dass es Funkamateure gibt, die auf einem oder auch mehreren der genannten Gebiete zu Hause sind. Aus diesem Grund müssen wir alle daran arbeiten, dass man Amateurfunk nicht einseitig darstellt und dass man offen für neue Ideen ist. Trotz alledem ist und bleibt Amateurfunk in erster Linie ein Teil der Naturwissenschaften.

Christoph, DO9CD"

Danke für Deinen sehr guten Beitrag, der in seinen zentralen Thesen sogar weit über den Amateurfunkdienst hinausgeht. Ich glaube, auch im Amateurfunk gilt der alte Erfahrungssatz, keine fundamentalistischen und einseitigen Definitionen zuzulassen. Amateurfunk ist breit und vor allem gleichberechtigt gefächert – und liefert Beiträge zu vielen Bereichen der Gesellschaft. Gerade das macht ihn interessant. Die AGZ nannte das vor über einem Jahrzehnt einmal Säulentheorie. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien einen frohen zweiten Advent.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ