HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 307 / 2008 vom 14.12.2008

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Jörg Delvos, DG1JC (jd)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



(red) Heute beschäftigen wir uns in HamRadio 2day ausschließlich und ausführlich mit dem Thema D-Star. Jörg Delvos, DG1JC, stellvertretender Vorsitzender der AGZ e.V., hat für Sie recherchiert. Er zeigt unter anderem Möglichkeiten zum Selbstbau und zum eigenen Experiment auf und räumt kräftig mit weit unter den Funkamateuren verbreiteten Vorurteilen auf. Hier ist sein Beitrag.


ÜBER DIE TOLLSTEN GERÜCHTE ZUM THEMA D-STAR

(jd) Ich bin in Internetforen immer wieder auf Beiträge gestoßen, in denen sich Funkamateure über D-Star äußern. Leider musste ich feststellen, dass 95 Prozent von den gemachten Äußerungen totaler Quatsch sind. Normalerweise würde ich solcherlei Äußerungen ja total ignorieren, nur ist es ja leider in der heutigen Zeit so, dass viele unserer Mitmenschen Dinge, die in der Zeitung stehen, im Fernsehen gezeigt werden oder im Radio zu hören sind, für "wahr" betrachten, ohne diese näher zu prüfen. Nicht nur das: Viele unserer Mitmenschen verbreiten dann diese ungeprüften Informationen einfach weiter, womit sie dann bei anderen Mitmenschen Unsicherheit erzeugen.

Ich habe daher zum Thema D-Star einfach mal die haarsträubensten Geschichten genauer untersucht und im Selbstversuch erkundet. Da wäre zum Beispiel folgende Aussage: D-Star funktioniert bei hohen Geschwindigkeiten im Auto nicht!

Da ich viel beruflich unterwegs bin, habe ich die Strecke Münster-Hagen mehrfach ausführlich testen können. Auf dieser Strecke kann man das D-Star-Relais Dortmund durchgehend arbeiten, also empfangen und darüber senden. Die Signale schwankten dabei zwischen S1 und S9+. Auch bei Geschwindigkeiten über 180 km/h konnten mein Gesprächspartner und ich keinerlei Verständigungsschwierigkeiten feststellen. Im Gegenteil, die Verständigung war weitaus besser als z.B. bei einem analogen FM-Signal – welches, wenn es ins Rauschen übergeht, nun im Auto und gerade bei hohen Geschwindigkeiten bedingt durch die höhere Umgebungslautstärke wirklich nicht mehr gut zu verstehen ist.

Eine weiterhin oft verbreitete Meinung ist, dass man bei D-Star nicht selber bauen könnte, da ICOM der Patentinhaber von was auch immer sei. Ich muss hier "von was auch immer" sagen, da diese Aussage von den meisten nicht klar definiert ist. Die AGZ hat die gefragt, die es genau wissen müssen, nämlich die Firma ICOM. Am Telefon habe ich Herrn Hamberger von der Firma ICOM interviewt.

AGZ: Guten Tag Herr Hamberger.

Hamberger: Guten Tag.

AGZ: Herr Hamberger, viele Leute behaupten, die Firma ICOM hätte ein Patent auf D-Star, ist das richtig?

Hamberger: Nein, dass ist falsch, das ist grundsätzlich falsch. Wir haben D-Star für die Japan Amateur Radio Leage entwickelt. Da gibt es kein Patent. Es gibt nur eine Sache, das ist der Vocoder. Aber bei AMBE kann man sich Kleinlizenzen kaufen und dann kann man basierend auf dem Vocoder sich ein Selbstbaugerät machen. Siehe DV-Dongle, da gibt es ja ein Projekt von den Amerikanern, wo man via PC und einem DV-Dongle am USB-Port auf die Repeater direkt zugreifen kann, das hat nichts mit ICOM zu tun, das als Beispiel. Dann gibt es auch noch ein Selbstbauprojekt, dass man normale Analogradios, also Geräte, die dafür geeignet sind, auf D-Star bringen kann, egal welcher Anbieter. Da gibt es beim Funkamateur einen Bausatz.

AGZ: Ok, da werden wir auch noch darauf eingehen und auch noch eine Bezugsquelle für den Vocoder Chip nennen. Nun aber noch etwas anderes: In Amerika gibt es ein D-Star-Gerät der Marke ICOM Typ ID800, welches deutlich günstiger ist als z.B. ein 2820. Kommt dieses Gerät hier auch auf den Markt ?

Hamberger: Nein, weil das ID800 in der ursprünglichen Form, wie es von ICOM Amerika angeboten wird, nicht RoHS-kompatibel ist, keine CE-Prüfung hat und auch keine E-Prüfung hat. Deshalb ist ein Inverkehrbringen in Deutschland nicht statthaft.

AGZ: Vielen Dank für die Auskunft. Das war Herr Hamberger, Vertriebsleiter im Bereich D-Star von der Firma ICOM, auf wiederhören.

Hamberger: tschüss.

Wer sich näher mit dem Thema Eigenbau beschäftigen möchte, für den haben wir hier ein paar Internetseiten. Auf der Seite d-star.dyndns.org/DV_Adapter.html.en finden Sie in englischer Sprache die Beschreibung, Bezugsquellen und die Software für einen Eigenbauadapter, der es ermöglicht, ein herkömmliches 9k6-fähiges Funkgerät zum D-Star-Transceiver umzubauen. Diese Seite ist von dem japanischen Amateur Satoshi, 7M3TJZ, bei dem man auch eine unbestückte Platine für den Aufbau des beschriebenen Adapters für 10 Euro bestellen kann.

Auf der Seite www.dstarusers.org finden Sie u.a. eine Übersicht der aktuell an das Netz angebundenen D-Star-Relaisfunkstellen, ein Forum und eine live-aktuelle Übersicht der aktiven Nutzer auf den Relaisfunkstellen.

Als Bezugsquelle des AMBE2020-Chip, das ist der so genannte Vocoder, haben wir die Firma Digital Voice Systems ausfindig gemacht, die uns via E-Mail bestätigt hat, dass man diesen Chip für 20 US-Dollar pro Stück zuzüglich Verpackung und Porto dort ordern kann. Einziger Wermutstropfen hierbei ist die Mindestabnahme von fünf Stück.

Aber wieder zum Thema. Eine oft gehörte Behauptung ist die Aussage, D-Star sei teuer. Hierzu möchte ich nochmal kurz auf den Selbstbau verweisen: Alles in allem kosten die Bauteile zum Aufbau eines von Satoshi beschriebenen Adapters unter 100 Euro. Aber auch ein Neugerät ist bereits ab 200 Euro zu haben. Keine Frage: Natürlich ist ein D-Star-Gerät zurzeit noch teurer als ein herkömmliches FM-Funkgerät, aber auch das wird sich spätestens ändern, wenn andere Firmen mit der Herstellung von D-Star-Geräten nachziehen.

Man sollte bei der Preisbetrachtung auch nicht unbedingt Äpfel mit Birnen vergleichen. Ein D-Star-Gerät kann zumindest immer zwei Betriebsarten, also FM und DV (Digital Voice), daher kann man es preislich nicht mit einem reinen FM-Gerät vergleichen. Hier müsste man ein Gerät zum Vergleich heranziehen, was z.B. FM und SSB kann, und wenn man dann vergleicht, liegt man gar nicht mehr oder nicht mehr soweit auseinander.

Weiterhin sollte man auch bedenken, dass man mit einem D-Star-Transceiver seine GPS-Daten in das APRS-Netz und zusätzlich noch Daten parallel zum Phonie-QSO übertragen kann. Mit Programmen wie z.B. D-Term kann man während eines QSOs Texte, QSL-Karten oder E-Mails senden – und das alles ohne zusätzliche Peripherie. Man bekommt für sein Geld also auch mehr.

Zum Schluss noch ein paar grundsätzliche Dinge: Man muss für D-Star keinen Umsetzer nutzen, sondern kann auch direkt QSOs führen. Alle zurzeit auf dem Markt befindlichen D-Star-Geräte können auch herkömmliches FM und sind somit zur analogen Technik kompatibel. Inzwischen habe ich mehr QSOs mit Leuten auf DV als in FM, das mag aber daran liegen, dass durch DV die Reichweite einfach größer wird.

Ich möchte mit meinem Beitrag für die Betriebsart DV werben – und nicht für einen Hersteller, auch wenn es im Moment nur einen gibt, welches sich – und davon bin ich überzeugt – sicherlich bald ändern wird.

Vy 73, Jörg, DG1JC


Vielen Dank Jörg für diesen klarstellenden Beitrag, der vielleicht viele Funkamateure zum eigenen Experiment mit Digital Voice anregen wird. Wer Probleme damit hat, dass wir einen Nicht-Funkamateur zu Wort haben kommen lassen, dem empfiehlt die Redaktion einen Blick in Paragraf 5 Absatz 5 des Amateurfunkgesetzes. Ihnen und Ihren Familien wünsche ich einen guten dritten Advent.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ