HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 311 / 2009 vom 01.02.2009

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



KOMMT DAS AUS FUER PLASMABILDSCHIRME?

(rps) Der australische Amateurfunkverband WIA und Amateur Radio Newsline melden diese Woche, die Europäische Union habe ein Gesetzgebungsverfahren mit dem Ziel gestartet, Fernsehgeräte mit Plasmabildschirmen zu verbieten. Als Grund nennt man zunehmende Beschwerden über Störungen der Kommunikation auf Kurzwelle. Auch deutsche Funkamateure kennen dieses Problem, wenn ein Nachbar sich ein solches Gerät zugelegt hat.

Dass ein solches Gesetzgebungsverfahren gestartet worden ist, das ist richtig. Falsch ist allerdings die berichtete politische Motivation dazu. Richtig ist vielmehr, dass die Europäische Union im Frühjahr Mindeststandards zur Energieeffizienz von Fernsehgeräten und ein Kennzeichnungssystem beschließen will. Das Kennzeichnungssystem soll es für Konsumenten einfacher machen, innerhalb der verfügbaren Geräte die energieeffizienten zu identifizieren. Jene Fernsehgeräte, die den Effizienzvorgaben der EU überhaupt nicht mehr entsprechen können, werden zu Auslaufmodellen. Das wird vor allem Plasmabildschirme betreffen.

Dazu ein Beispiel: Ein 42 Zoll großer Plasmafernseher verbraucht im Mittel rund 822 Kilowattstunden pro Jahr, während ein gleich großer LCD-Flachschirm lediglich 350 Kilowattstunden benötigt. So könnten die störungsgeplagten Funkamateure von künftigen EU-Bestimmungen zur Energieeffizienz auch in anderer Hinsicht profitieren. Auf bereits in den Verkehr gebrachte Plasmaschirme zu Hause und im Handel hat dies allerdings keine Auswirkungen. Hier ist bei Empfangsstörungen nach wie vor die Bundesnetzagentur gefragt und in der Pflicht.


SCHLUSS MIT ANALOGEM UKW-RUNDFUNK

(rps) Jedenfalls in Sachsen. Dort will man ein klares Signal für Innovation setzen: In fünf Jahren ist dort Schluss mit dem UKW-Empfang; das entnehmen wir der Sächsischen Zeitung vom 28. Januar. Nach dem Umstieg beim Antennenfernsehen hat sich dieses Bundesland nun auch hier voll auf Digital festgelegt. Damit endet 2014 ein Radiozeitalter. Der Amateurfunkdienst ist – siehe etwa die Diskussion um D-Star – bei weitem nicht so zukunftsorientiert.

Sachsen will in Sachen Technologie den Trend bestimmen, auch bei den Medien. "Wir haben die Umstellung des Fernseh-Antennenempfanges auf digitale Technik im vergangenen Jahr erfolgreich abgeschlossen und sind auch bei den anderen Medien auf einem guten Weg." Das sagte Jens-Ole Schröder, Referatsleiter Medien der sächsischen Staatskanzlei, diese Woche auf einer Podiumsdiskussion in Leipzig.

Gemeint war die Absicht der Staatsregierung, auch beim Rundfunk bis 2010 den Digitalfunk durchzusetzen und "bis zum Ablauf des 31. Dezember 2014" den normalen Antennenempfang nur noch als Ausnahme zu dulden. Nichts geht dann mehr, was bisher als Radio galt. Für Schröder ist das völlig normal, "denn auch beim verbleiten Benzin und beim Katalysator gab es einen Stichtag und einen notwendigen Zusatzaufwand".

Im März berät die Länder-Rundfunkkommission das Thema, um ein koordiniertes Vorgehen abzustimmen. Doch dazu könnte es bereits zu spät sein. Der 31. Dezember 2014 steht nämlich schon in einer Neufassung des sächsischen Privatrundfunk-Gesetzes, das seit September 2008 gilt. "Da ist alles in der Öffentlichkeit besprochen und parlamentarisch debattiert worden", erklärt ein Sprecher der Staatskanzlei, der die aktuelle Aufregung deshalb nicht nachvollziehen kann. Zudem habe Sachsen das Recht auf einen Alleingang, denn Rundfunk sei Ländersache. Und eine gute Seite habe der Termin ja auch: "Die Bürger können sich jetzt schon darauf einstellen."

Quelle: Sächsische Zeitung vom 28. Januar 2009

Anmerkung der Redaktion: Vielleicht sollten diejenigen Amateurfunkverbände, die sich dazu berufen fühlen, allen Funkamateuren einen so genannten Bandplan aufzwingen zu wollen, einfach das Verbot der Sendeart F3E zum Termin 31. Dezember 2014 beschließen. Ansonsten sind wir eines Tages nicht nur die letzten, die Morsetelegrafie machen, sondern auch die letzten Analogfunker.


NEUES INFOPORTAL ZUR ENTRY LEVEL LICENCE IN DEUTSCHLAND

(rps) "FM – Das Funkmagazin" berichtet diese Woche über den Funkamateur Oliver Wehbeck, DO6LFX, in Berlin. Er hat im Internet unter der URL www.lizenzklasse-k.de ein neues Infoportal zur momentan kontrovers diskutierten neuen Amateurfunkzeugnisklasse eingerichtet.

Die in den Medien vorläufig "Zeugnisklasse K" genannte Genehmigung soll Interessenten einen besonders leichten Einstieg in den Amateurfunk bieten. Sie beruht auf einem Vorschlag des europäischen "Electronic Communications Committee", kurz ECC. Das ECC als Arbeitsgruppe der CEPT hatte bereits im Oktober 2006 seine Vorstellungen zu einer solchen Einsteigerklasse – dort heißt sie "Entry-Level-Licence" – im ECC-Report 89 zusammengefasst, wir berichteten bereits mehrfach.

OM Oliver Wehbeck möchte mit seinem Projekt neben so genannten "Jedermann-Funkern" vor allem auch solche Personen ansprechen, die sich bisher kaum mit dem Thema Funk beschäftigt haben. Neben allgemeinen Informationen zum Amateurfunk und Berichten zum Planungsstand der Klasse K bietet das Portal einen Chat und ein Forum. Sobald die genauen Bedingungen für die neue Zeugnisklasse feststehen, sollen dort auch Ausbildungsmaterial und ein Online-Lehrgang bereitgestellt werden.

Quelle: FM – Das Funkmagazin

Anmerkung der Redaktion: Auch innerhalb der AGZ hat inzwischen eine Meinungsbildung über die Schaffung einer dritten Amateurfunk-Zeugnisklasse in Deutschland stattgefunden. Unsere Mitglieder werden kurzfristig deren Resultat zur Endabstimmung vorgelegt bekommen. Während bei uns lediglich einige Details der Ausgestaltung dieser wirklichen Einsteigerklasse offen waren und hier eine Mehrheit entscheiden musste, sind zwei Dinge bereits jetzt sonnenklar: Wir wollen eine Entry-Level-Licence in Deutschland – und das Recht auf Selbstbau und Gerätemodifikation ist untrennbar mit dem Begriff "Amateurfunk" verbunden. Es darf keinesfalls angetastet werden, auch nicht bei Klasse K – oder wie immer sie später heißen mag. In der nächsten Ausgabe von HamRadio 2day erfahren Sie mehr.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ