HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 322 / 2009 vom 21.06.2009

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



DGPS

(rps) Dieses Akronym geistert seit etwa zwei Wochen durch die Amateurfunkmedien: Die niederländische Regulierungsbehörde "Agentschap Telecom" teilt momentan im Frequenzbereich von 438 bis 440 MHz – also mitten in einem wichtigen Amateurfunkband –  Einzelgenehmigungen für das so genannte Differential GPS-System zu. Wir nennen Ihnen heute die Hintergründe.

Doch zunächst: Was überhaupt ist "Differential GPS" – oder kurz DGPS – genau? Jeder kennt mittlerweile die Navis für das Auto. Sie beruhen – wie viele andere Anwendungen – auf dem satellitengestützten Navigationssystem GPS, das vom US-Militär aufgebaut wurde und bis heute betrieben wird. Die Genauigkeit von GPS ist allerdings schon rein physikalisch bedingt auf die Größenordnung von einigen Metern beschränkt. Will man mehr, wie etwa die Technische Universität München, die an einer Mähdreschersteuerung arbeitet, die diese Fahrzeuge auf einen Zentimeter genau automatisch und unbemannt über die Felder fahren lassen will, dann muss man zusätzlich auf eine andere Technologie zurück greifen: eben auf DGPS.

Die Funktionsweise: An einem mit Methoden der klassischen Landvermessung exakt bestimmten Standort wird derselbe kontinuierlich mit GPS gemessen. Die Abweichung von der tatsächlichen Position wird nun digital per Funk ausgesendet. Damit nun kommt der Mähdrescher tatsächlich auf einen Zentimeter Genauigkeit. In Deutschland und den meisten anderen Staaten werden die DGPS-Signale auf der Langwelle ausgestrahlt, etwa in Koblenz auf 302,5 kHz mit einer Reichweite von über 200 Kilometern. Einige wenige Staaten benutzen dazu auch den UHF-Bereich von 440 bis 470 MHz.

Einzig die Niederlande haben nun auf den Frequenzen 438,8125, 438,8375, 438,8625 und 438,8875 MHz DGPS-Anlagen mit bis zu einem Watt effektiver Strahlungsleistung unkoordiniert zugelassen, die mitten in einem Segment senden, in dem in Deutschland die unverzichtbare und unersetzbare Infrastruktur des Netzes automatisch arbeitender und fernbedienter Amateurfunkstellen angesiedelt ist – im übrigen mit besonderem Schutz durch die Bestimmungen des Amateurfunkrechts und zudem koordiniert per Einzelzuteilung, die einen ziemlich hohen Preis kostet. Aufgrund der großen Anzahl der Installationen mit einem nicht zu vernachlässigenden Investivvolumen und des insgesamt genutzten Frequenzraums gibt es dazu bei uns keine Alternative.

Dürfen die Niederlande das überhaupt? Ja, sie dürfen, allerdings unter denjenigen Auflagen und Systematiken, die der Weltnachrichtenvertrag und die VO-Funk der ITU hier für das Zusammenwirken verschiedener Staaten vorsehen. Der Frequenzbereich 438 bis 440 MHz ist auf Ebene der ITU-Region 1, also auf Ebene eines zwischenstaatlichen Vertrages, den beide Länder unterzeichnet haben, sowohl dem Amateurfunkdienst, als auch dem hier relevanten Radio Location Service – auf deutsch dem "nichtnavigatorischen Ortungsfunkdienst" – gleichberechtigt primär zugewiesen. Die Niederlande weichen nun hiervon ab, indem dieses Land auf nationaler Ebene dem Amateurfunk nur sekundären Status zuerkennt. Das wird vom Weltnachrichtenvertrag gedeckt, solange primäre Funkanlagen anderer Staaten dadurch nicht gestört oder beeinträchtigt werden. Die deutsche Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung sieht hier im übrigen ausschließlich den Amateurfunkdienst mit primär-exklusivem Status vor.

Konkret bedeutet das in Sicht der AGZ, dass in den Niederlanden neu errichtete DGPS-Basisstationen die in Deutschland unter exklusivem Primärstatus arbeitenden Amateurfunkstellen nicht stören dürfen. Andererseits müssen diese DGPS-Anwendungen Störungen durch in Deutschland betriebene Amateurfunkanlagen hinnehmen. Deutschland kann sogar verlangen, dass die Niederlande eine Schutzzone entlang ihrer Grenze einrichten, in der keine DGPS-Sender arbeiten dürfen, damit an der Grenze Maximalfeldstärken nicht überschritten werden. Das kommt Ihnen bekannt vor? In der Tat, dasselbe gibt es bereits seit langem in umgekehrter Richtung bei den 40 Zusatzkanälen im CB-Funk. Hier ist Deutschland damals im Frequenzbereich 26,565 bis 26,955 MHz von der VO-Funk abgewichen – und unter anderem die Niederlande forderten damals prompt die allseits bekannte Schutzzone auf deutschem Gebiet. Wir sollten nun im Amateurfunk dasselbe in den Niederlanden fordern.

Die Redaktion von HamRadio 2day hat die Pressestelle der Bundesnetzagentur bereits vor zwei Wochen um eine Stellungnahme gebeten, wie sie als zuständige Regulierungsbehörde die deutschen Funkamateure und ihre Interessen im Grenzgebiet schützt. Leider haben wir bis heute keine Antwort. Wir bleiben dran.


NISG: VERLOREN

(rps) haben am letzten Freitag die Interessenvertretungen der deutschen Funkamateure im Bundestag. Keinen Buchstaben hat das Parlament am Text dieses Gesetzentwurfs geändert. Der teils erhebliche politische Lobbyaufwand war also vollständig ohne Ergebnis, jedenfalls ohne ein greifbares. Am 19. Juni wurde das Gesetz in unveränderter Form in dritter Lesung vom Deutschen Bundestag verabschiedet.

Wie geht es nun weiter? Bevor das Gesetz in Kraft treten kann, muss noch der Bundesrat zustimmen. Hier gibt es allerdings Probleme: Die Bundesländer wollen, dass die Funkstellen ihrer Sicherheitsbehörden – wie etwa Polizei, Zoll, Feuerwehr und Katastrophenschutz – von der Geltung des NiSG ausgenommen werden. Die Länder betrachten diese Sendeanlagen als ein Hochsicherheitsnetz und deren Standorte und Parameter damit als eine streng vertrauliche Verschlusssache, deren Bekanntwerden die nationale Sicherheit der Bundesrepublik gefährden würde.

Offenbar traut man in Sicherheitskreisen allein der Bundesnetzagentur zu, hinsichtlich der brisanten Informationen, die dieser Behörde bereits aufgrund der Bestimmungen der BEMFV vorliegen, "dicht zu halten" – im Gegensatz zu den diversen Umweltbehörden und dem Bundesumweltminister, der vielleicht irgendwann auch die Veröffentlichung der Daten aller nicht-gewerblichen Sendeanlagen im Internet betreiben wird. Die Bundesregierung, sprich der Umweltminister, hat dann auch in ihrer ablehnenden Entgegnung darauf hingewiesen, dass es ein zentrales Anliegen des Gesetzgebungsverfahrens ist, ausnahmslos alle Strahlungsquellen im Bereich von 0 bis 300 GHz zu erfassen, also auch diejenigen der Sicherheitsdienste. Lesen Sie bitte die aktuelle Bundestagsdrucksache Nr. 16/13299 mit der Forderung des Bundesrates und der Entgegnung der Regierung im Internetangebot des Deutschen Bundestages.

Hier wird es also spannend: Vielleicht scheitert das NiSG ja am 10. Juli erneut an den Bundesländern, wie schon im Januar das Umweltgesetzbuch. An diesem Tag soll der Bundesrat nämlich darüber abstimmen.


ECHOES OF APOLLO

(rps) lautet die Überschrift einer Reihe von Events, die mittels Amateurfunk an die erste Mondlandung vor 40 Jahren erinnern sollen. Was liegt näher, als dieses Jubiläum zunächst einmal mittels einer dazu passenden Betriebsart zu begehen – nämlich mit EME, der Reflexion von Amateurfunksignalen an der Mondoberfläche. Eine Gruppe um die Funkamateure Robert Brand und Pat Barthelow plant am 27. Juni, also am kommenden Samstag, den "World Moon Bounce Day". Er soll Menschen auf der ganzen Welt mittels Funkwellen über den Mond verbinden.

Große Parabolantennen mit vielen Metern Durchmesser, die ansonsten anderen Zwecken wie etwa der Radioastronomie dienen, stehen an diesem Tag dem Amateurfunk zur Verfügung – unter anderem in der Schweiz, in Alaska, in New Mexico und Oklahoma sowie in Australien. Niemals zuvor haben so viele Antennen mit hoher Leistung gleichzeitig auf den Erdtrabanten gezielt. Vom 18. bis zum 20. Juli, dem eigentlichen Tag der Mondlandung im Jahre 1969, soll das Jubiläum dann auf der Kurzwelle weltweit begangen werden. Mehr Details dieser ziemlich öffentlichkeitswirksamen Aktion in finden Sie englischer Sprache auf der Website

www.echoesofapollo.com.


NEUE SECHSMETERBAKE IN ÖSTERREICH

(rps) Von der Mitte und dem Norden Deutschlands kann auf 50 MHz sehr oft auch Österreich mit guten Feldstärken erreicht werden. Zum Studium dieser Sporadic-E-Ausbreitungslinie eignet sich seit einigen Tagen eine neue Bake, die auf der Frequenz 50,066 MHz vom Gipfel des Kaiserkogels mit dem Locator JN78SB in rund 750 Meter Höhe betrieben wird – das ist etwas südlich von St. Pölten. Das Rufzeichen ist OE3XAC. Dank geht an den Erbauer und Betreiber, das ist Charly, OE3KLU.

Quelle: ÖVSV


QRM DURCH ANLAGEN ZUR NUTZUNG VON WINDENERGIE

(rps) Sie haben richtig gelesen bzw. gehört: Es geht um die Störung von Funkstrecken durch die zunehmende Anzahl von Windenergieanlagen, die der Stromerzeugung dienen. Der hier zugrunde liegende Mechanismus ist allerdings nicht eine nur im Nahbereich wirkende elektromagnetische Störstrahlung der Leistungselektronik, sondern die Bewegung der Rotorblätter und die dadurch hervorgerufene sich zeitlich ändernde Reflexion und Absorption der Funkwellen.

Die britische Regulierungsbehörde Ofcom hat dazu nun eine Studie fertig gestellt, die zu erstaunlichen Resultaten kommt: Der Mittelwert von 3 dB Fading bei Telemetrieverbindungen im UHF-Band und bei Richtfunkstrecken im Bereich von 1,5 bis 18 GHz ist dabei noch harmlos. In einem Prozent der Zeit allerdings schwanken die Empfangsfeldstärken um bis zu 15 dB, wenn die Windmühlenfarm mitten auf der Verbindungslinie zwischen Sender und Empfänger liegt. Der zurzeit deutlich steigende Anteil der Windenergie am europäischen Gesamtenergiemix wird also für die terrestrische Funkkommunikation durchaus als Problem wahrgenommen. Details dazu finden Sie im Internet, natürlich in englischer Sprache.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ