HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 325 / 2009 vom 26.07.2009

Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ

Autor:
Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
   
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de



NEUER FREQUENZBEREICHSZUWEISUNGSPLAN

(rps) Am vergangenen Dienstag trat die zweite Verordnung zur Änderung der Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung in Kraft. Sie enthält unter anderem einen neuen Frequenzbereichszuweisungsplan und zusätzlich grundlegende Nutzungsbestimmungen. Dieser Plan teilt das Spektrum in Deutschland unter den Funkdiensten auf und bildet die Basis sowohl für den Frequenznutzungsplan, der detailliertere Bestimmungen ausweist, als auch für die Frequenztabelle in Anlage 1 der Amateurfunkverordnung.

Die jetzt gültig gewordene Änderung setzt im Wesentlichen Beschlüsse der ITU-Weltfunkkonferenz aus dem Jahre 2007 um – und nicht zuletzt auch Vorgaben der Europäischen Kommission zur Verwendung der so genannten "Digitalen Dividende". Hierunter versteht man den aufgrund der besseren spektralen Effizienz des digitalen terrestrischen Fernsehens – kurz DVB-T – freiwerdenden Frequenzraum vor allem im oberen Teil des UHF-Fernsehbandes. Dieser Bereich steht nun für die funkgestützte Internetanbindung des ländlichen Raumes zur Verfügung.

Für den Amateurfunkdienst hat sich nur eine einzige Änderung ergeben, und zwar eine positive: Der Frequenzbereich von 7100 bis 7200 kHz – die Erweiterung des Vierzigmeterbandes – hat nun primären Nutzungsstatus. Weggefallen ist zudem diejenige Fußnote, die hier lediglich 250 Watt Sendeleistung erlaubte. Allerdings sieht die Amateurfunkverordnung weiterhin diese Beschränkung in ihrer Anlage 1 vor. Es ist rechtlich umstritten, wer hier gewinnt: die Amateurfunkverordnung, weil sie ab jetzt spezieller reguliert – oder aber der höherrangige Frequenzbereichszuweisungsplan, weil er soeben diese Beschränkung ausdrücklich aufgehoben hat. Entscheiden zwischen 250 und 750 Watt Output muss hier dann wohl jeder Funkamateur selbst.

In der eigentlichen Sache ist diese Frage allerdings ziemlich bedeutungslos: Es gibt seit Ende März keinen einzigen anderen Funkdienst mehr, der zu schützen wäre: Der Amateurfunkdienst ist im gesamten Vierzigmeterband heute primär-exklusiv – und eine Unterscheidung innerhalb des Bandes wäre ziemlich willkürlich.

Zum Negativen: Die Amateurfunkverbände konnten sich mit ihren Forderungen, Frequenzzuweisungen bei 500 kHz, 5 MHz und 70 MHz zu erhalten, nicht durchsetzen. Leider ist hier eine Angleichung an andere Staaten der Europäischen Union gescheitert. Weiterhin müssen somit Experimente bei den gerade genannten Frequenzen außerhalb des Amateurfunkdienstes im Rahmen von Zuteilungen unter dem Telekommunikationsgesetz stattfinden.

Probleme sehen wir hier in erster Linie hinsichtlich der uneingeschränkten Geltung von EMVG, FTEG und BEMFV. Diese Rechtsnormen bedingen zum Beispiel die Notwendigkeit einer kostenpflichtigen Standortbescheinigung durch die Bundesnetzagentur, wenn an einem Standort zusammen mit der meist zusätzlich vorhandenen Amateurfunkanlage eine effektive isotrope Strahlungsleistung von 10 Watt überschritten wird, und das ist eigentlich immer der Fall. Außerdem könnte der Einsatz selbst gebauter oder modifizierter Sendeanlagen ohne Zertifizierung kritisch sein. Schade, dass hier das wissenschaftliche Experiment nicht erleichtert werden konnte.


WALTER CRONKITE SILENT KEY

(rps) Er war nicht nur Vollblutjournalist, Moderator der meist gesehensten Nachrichtenmagazine des US-Fernsehsenders CBS, Vorbild für Tagesthemen und Heute-Journal und nicht zuletzt derjenige Mann, dem die Bürger in den USA mit Abstand am meisten vertrauten – mehr noch im übrigen als dem Präsidenten, er war auch Funkamateur mit dem Rufzeichen KB2GSD. Walter Cronkite starb am 17. Juli im Alter von 92 Jahren.

Lesen Sie seinen vollständigen Lebenslauf in englischer Sprache auf der Website des US-Amateurfunkverbandes ARRL:

www.arrl.org/news/stories/2009/07/17/10971/?nc=1


ENTRY-LEVEL-LICENCE: NACHGEHAKT

(rps) Auf der diesjährigen HAM RADIO-Messe in Friedrichshafen am Bodensee gab es unter anderem eine viel beachtete Diskussionsveranstaltung zum Thema "Entry Level Licence" – oder "Lizenzklasse K", wie sie ein anderer Verein ziemlich abwertend und unpassend bezeichnet. Offenbar führt die – öffentliche wie vereinsinterne – Berichterstattung darüber mittlerweile zu Missverständnissen, was zum Beispiel die Position des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu einer dritten Amateurfunkklasse in Deutschland anbelangt. Wir haben für Sie recherchiert.

Zunächst einmal gibt es hier und heute überhaupt keine offizielle Position – weder des Ministeriums, noch der Bundesnetzagentur. Was in Friedrichshafen ablief, das war eine persönliche und unverbindliche Diskussion, und zwar ohne Protokoll oder gar Beschlüsse. So hat denn auch der Vertreter des BMWi keineswegs gesagt, man sähe eine K-Klasse lieber nicht. Und er hat schon einmal überhaupt keinen "erklärten Willen" mit diesem Tenor geäußert, wie dies der Vorstand eines anderen Amateurfunkvereins letzte Woche in einem Rundschreiben vermitteln wollte – um sich dann prompt gegen die neue Klasse auszusprechen, die man nun ja nicht mehr durchsetzen könne: beste Dialektik im klassischen politischen Sinne also.

Nach unseren Informationen ist das zuständige Bundesministerium vollkommen offen, was die Entry-Level-Licence betrifft. Von sich aus möchte man allerdings nicht die Initiative ergreifen; für weitere Schritte wartet man vielmehr darauf, dass die Interessenvertretungen der Funkamateure eine deutliche Mehrheit ihrer Mitglieder für eine dritte Klasse signalisieren. Die AGZ e.V. hat dies bereits vor einigen Monaten getan.


ZUM SCHLECHTEN SCHLUSS: SCHWARZFUNK

(rps) Das Amateurfunkrufzeichen DO1MM ist von der Bundesnetzagentur zurzeit niemandem zugeteilt. Dennoch hört man es ziemlich oft – meistens auf Achtzigmeter und dies seit einigen Monaten. In diversen Diskussionsforen tobt eine heftige Diskussion darüber, warum die hier zuständige Aufsichtsbehörde diesem Treiben in der Nähe von Hannover bislang kein Ende bereitet hat. Auch hier haben wir für Sie recherchiert.

Der Bundesnetzagentur ist der Fall seit einiger Zeit bekannt. Zweckdienliche Ermittlungen zur Aufklärung der Angelegenheit wurden unterdessen durchgeführt. Wie schon an anderer Stelle im Internet berichtet, sind die Bemühungen der Behörde, bei dem zuständigen Amtsgericht einen Beschluss zur Durchführung einer Hausdurchsuchung zu erwirken, bislang fehlgeschlagen. Der Richter ist der Meinung, dass Funken ohne Genehmigung nicht schwerwiegend genug ist, um die grundgesetzlich garantierte Unverletzlichkeit der Wohnung aufzuheben. Dagegen hat die Bundesnetzagentur Rechtsmittel eingelegt, über die bis heute allerdings noch nicht entschieden wurde.

Wir weisen zum Schluss darauf hin, dass Funkamateure gemäß den Bestimmungen des Amateurfunkgesetzes nur mit anderen Amateurfunkstellen Funkverkehr abwickeln dürfen. Ein Kontakt mit einer Person bzw. mit einer Funkstelle, die das nicht zugeteilte Rufzeichen DO1MM benutzt, scheidet somit aus und stellt seinerseits einen Rechtsverstoß dar.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ