HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 332 / 2009 vom 15.11.2009


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


NEUE FREQUENZEN IN NORWEGEN

(rps) Rückwirkend zum 5. November ist den norwegischen Funkamateuren gleich eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten eröffnet worden. Der nutzbare Frequenzraum wurde für deutsche Verhältnisse in geradewegs unvorstellbarer Weise vergrößert. Folgendes ist neu:

  • Auf der Mittelwelle wurde der Bereich von 493 bis 510 kHz mit 100 Watt Output zugewiesen.

  • Auf Kurzwelle im Sechzigmeterband ist nun der gesamte Bereich von 5260 bis 5410 kHz mit 100 Watt PEP lückenlos nutzbar, das heißt, es sind jetzt nicht mehr einzelne Festfrequenzen vorgeschrieben.

  • Das Zwölfmeterband wurde nach unten um das Segment 24740 bis 24890 kHz erweitert, das nun ebenfalls mit 1000 Watt PEP genutzt werden kann.

  • Bei 70 MHz wurden insgesamt fünf Segmente neu zugewiesen, die mit 100 Watt genutzt werden dürfen.

Die neuen Frequenzen haben sekundären Status und gelten für alle Funkamateure in Norwegen.

Quelle: Norwegisches Gesetzblatt


FUNKAMATEUR

(rps) ist George Smith, einer der drei diesjährigen Physiknobelpreisträger. Er hat das Rufzeichen AA2EJ. Das meldet der amerikanische Amateurfunkverband ARRL. Smith bekommt den Preis für die Entwicklung des CCD-Sensors, der in der Optoelektronik, der wissenschaftlichen Messtechnik, der Fotografie und bei Videokameras inzwischen nicht mehr wegzudenken ist.

Der amerikanische Physiker und Funkamateur teilt sich die Preissumme von 10 Millionen Schwedischen Kronen – das ist etwas weniger als eine Million Euro – mit Charles K. Kao, der bahnbrechende Entwicklungen in der Lichtleitertechnik gemacht hat, und mit Williard S. Boyle, der bei der Entwicklung des CCD-Sensors ebenfalls maßgeblich beteiligt war. Die Preisverleihung findet am 10. Dezember in der schwedischen Hauptstadt Stockholm statt. Die ARRL hat auf ihrer Webseite einen ausführlichen englischsprachigen Artikel und ein Interview mit George Smith veröffentlicht.

Quelle: ARRL und USKA


MITTELWELLE: KANADA IST DABEI

(rps) Die kanadische Regulierungsbehörde "Industry Canada" hat den Frequenzbereich 504 bis 509 kHz nun zum ersten Mal an den Amateurfunkdienst vergeben. Im Vorgriff auf die Weltfunkkonferenz der ITU im Jahre 2012, wo genau dieses Thema auf der Tagesordnung steht, dürfen fürs Erste zwei Funkamateure diese Frequenzen nutzen: Jack Leahy, VE1ZZ, bekam zu diesem Zweck das Sonderrufzeichen VX9PSO zugeteilt, während Joe Craig, VO1NA, unter VX9MRC zu hören ist. Beide Stationen sind bereits aktiv; beobachten Sie vor allem 504,6 und 507,77 kHz.


ANMERKUNG DER REDAKTION

(rps) Gerade die untere Mittelwelle eignet sich in besonderer Weise für digitale Verfahren bei geringen effektiven Strahlungsleistungen. Der Grund dafür ist ihre stabile und vor allem weit reichende Bodenwellenausbreitung. In der letzten Ausgabe berichteten wir ausführlich über das von Physiknobelpreisträger Joe Taylor, K1JT, entwickelte WSPR-Protokoll. Dazu nun ein Praxistipp: Stellen Sie abends bitte einmal die Frequenz 502,4 kHz im oberen Seitenband ein und geben Sie das Audiosignal auf die Soundkarte Ihres PCs. Wenn Sie nun WSPR starten und ein paar Stunden laufen lassen, dann können Sie etliche britische Amateurfunkstationen mitschreiben, die mit höchstens 0,2 Watt EIRP senden – und das über einige hundert Kilometer Distanz.


ZUM SCHLUSS DER KOMMENTAR: ÜBER DEN TELLERRAND GESCHAUT

(rps) Wellen schlägt in der geneigten Amateurfunk-Community momentan die Erhöhung des Mitgliedsbeitrags bei Deutschlands größtem Amateurfunkverein. Dabei übersehen diejenigen Spezialisten, die bei Änderungen eines Vertrags ein Sonderkündigungsrecht ohne Einhaltung von Fristen für sich reklamieren, dass es sich bei einer Vereinsmitgliedschaft überhaupt nicht um einen Vertrag handelt: Es gilt nicht Vertragsrecht, sondern Vereinsrecht. Sinn und Zweck von Vereinen ist hier, gemeinsam Dinge anzugehen, zu denen man alleine nicht im Stande wäre. Dass eine Gemeinschaft Auslagen und Kosten hat, die auch alle gemeinsam zu begleichen haben, das dürfte klar sein. Und genau dazu dient der Mitgliedsbeitrag, für den streng betrachtet noch nicht einmal eine Gegenleistung erbracht werden muss. Gemeinnützige Vereine dürfen ihre Gelder sowieso nur für die in der Satzung niedergelegten Ziele verwenden. Diesen offenkundigen Weg geht auch die einschlägige Rechtsprechung: Eine moderate Beitragserhöhung, die über den Inflationsausgleich nicht deutlich hinaus geht, eröffnet bei Vereinen eben kein Sonderkündigungsrecht.

Diejenigen, die nun dennoch ein Sonderkündigungsrecht ihres vermeintlichen Vertrages behaupten, verwechseln offenbar einen Verein mit einem Supermarkt oder mit einem Zeitschriftenverlag: Ersterer beruht auf Gemeinschaft und Gegenseitigkeit, und die anderen beiden verkaufen lediglich irgendeine Leistung oder Ware gegen Geld – ohne den Anspruch, sich selber einbringen oder andere unterstützen zu müssen. Tief blicken lässt dieser Vorgang auf jeden Fall.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ