HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 333 / 2009 vom 22.11.2009


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autoren: Jörg Delvos, DG1JC (jd)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


AUF EIN NEUES: EMV- UND FREQUENZNUTZUNGSBEITRÄGE

(rps) Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle gibt im Amateurfunk wirklich keinen guten Einstand. Am letzten Donnerstag ließ sein Ministerium im Bundesgesetzblatt die "Dritte Verordnung zur Änderung der Frequenzschutzbeitragsverordnung" verbindlich veröffentlichen. Für die Jahre 2005 bis 2007 sollen nun von jedem Funkamateur die folgenden Geldbeträge verlangt werden:

Jahr Frequenznutzungsbeitrag EMV-Beitrag
2005 2,40 Euro 18,90 Euro
2006 3,41 Euro 17,40 Euro
2007 6,55 Euro 16,16 Euro

In Summa sind dies 64,82 Euro, zu deren Zahlung Funkamateure demnächst per Beitragsbescheid einzeln aufgefordert werden. Das Geld wird allerdings nicht für jedes zugeteilte Rufzeichen erhoben, sondern nur für das personengebundene Rufzeichen. Bezugsgröße ist also der Funkamateur als Mensch.

Seit dem Verschicken der letzten Beitragsbescheide vor einigen Jahren sind etliche Gerichtsverfahren negativ für die Inkassobehörde Bundesnetzagentur ausgegangen. Tragendes Argument der Verwaltungsrichter war dabei bislang, dass die Bundesnetzagentur nicht nachvollziehbar darlegen konnte, wie die Beträge konkret zustande gekommen sind. Dazu muss man wissen, dass die hier zugrunde liegenden Gesetze TKG und EMVG vorschreiben, die beiden Beitragshöhen nach dem tatsächlich geleisteten behördlichen Aufwand jährlich neu festzusetzen, wobei ein angemessener Selbstbehalt für die Abgeltung des Allgemeininteresses an einer störungsfreien Frequenznutzung abgezogen werden muss.

Die Frequenzschutzbeiträge für das Jahr 2005 wurden bereits schon einmal im Juni desselben Jahres in genau gleicher Höhe festgesetzt. Nach den verlorenen Musterprozessen sind bislang allerdings keine Bescheide mehr verschickt worden. Das versucht man jetzt offenbar nachzuholen. Die Jahre 2004 und davor sind bereits verjährt.

Da man auch diesmal das Zustandekommen der Zahlen aus dem Verordnungstext nicht einmal ansatzweise entnehmen kann, haben wir die Pressestelle des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie dazu befragt. Wir werden Sie über die eventuelle Antwort natürlich informieren. Schließlich dienen so genannte Beiträge im deutschen Verwaltungsrechtssystem dazu, vom Staat für den Bürger konkret erbrachte Dienstleistungen gegenzufinanzieren. Und da wüssten wir gerne, um was es sich denn hier eigentlich handelt.

Quelle: Bundesgesetzblatt


POSITIV ZU EINER MITTELWELLENZUWEISUNG

(rps) für Funkamateure steht die britische Regulierungsbehörde Ofcom. Sie hat diese Woche die gesamte Öffentlichkeit in ihrem Land aufgefordert, Kommentare und Meinungen zu den auf der Weltfunkkonferenz der ITU Anfang 2012 anstehenden Fragen einzureichen. Dabei ist es schon auf den ersten Blick bemerkenswert, dass Ofcom die wissenschaftliche Nutzung von Frequenzen – etwa durch den Radioastronomiefunkdienst und die Weltraumforschung – in einem Atemzug mit dem Amateurfunkdienst nennt und beides gleichberechtigt nebeneinander im relevanten Textdokument behandelt. Der wissenschaftliche Anspruch unseres Funkdienstes wird in England offenbar voll und ganz akzeptiert.

Frage Nummer 23 an die britische Öffentlichkeit lautet: "Soll dem Amateurfunk eine Zuteilung im Frequenzbereich 415 bis 526,5 kHz gegeben werden – und wenn ja, wo?" Gleichzeitig teilt Ofcom ihre Position dazu mit: nämlich die ausdrückliche Unterstützung von Studien seitens des Amateurfunkdienstes in diesem Bereich der Mittelwelle. Die Regulierungsbehörde weist darauf hin, dass im Vereinigten Königreich bereits seit längerer Zeit Einzelgenehmigungen bei 500 kHz mit erfolgreichem Ergebnis erteilt worden sind. Auf der Weltfunkkonferenz 2012 will man die Interessen von Seefunk, Flugfunk und Amateurfunk ausgewogen vertreten und so zu einer befriedigenden Lösung für alle Beteiligten gelangen.

Quelle: RSGB und Ofcom


D-STAR WEITER AUF DEM VORMARSCH

(jd) Von wegen D-STAR erlaubt keine eigenen Entwicklungen: Dank den Bemühungen von Jonathan, G4KLX, sowie Torsten, DG1HT, und Markus, DH2YBE, ist es nun möglich, einen Digital Voice Repeater komplett selber zu bauen, und zwar ohne dass auf Hardware eines bestimmten japanischen Herstellers zurück gegriffen werden muss. Jörg, DG1JC, konnte sich von dieser Tatsache selbst überzeugen, indem er eine solche Relaisfunkstelle für digitale Sprache mit einem 9k6-fähigen Empfänger, einem ebensolchen Sender und einem Computer nach dem von Jonathan, Torsten und Markus entwickelten System aufgebaut hat.

Dieser neue Digital Voice Repeater läuft unter dem von der Bundesnetzagentur zugeteilten Rufzeichen DB0AGZ in Grevenbroich bei Düsseldorf auf der Frequenz 439,500 MHz und verfügt natürlich auch über einen Zugang zum weltweiten Netzwerk über den EU-Trustserver.

Als Hardwarekomponenten kommen zurzeit ein Yaesu FT857 als Empfänger und ein Motorola GM1200 als Sender sowie ein PROCOM-Duplexer und ein Windowsrechner zum Einsatz. Für die Auswertung und Steuerung von Empfänger und Sender wird ein Velleman USB Development Board verwendet. Die 9k6-fähigen Ein- und Ausgänge der Funkgeräte werden über zwei Soundkarten versorgt. Die Steuerung der beiden Funkgeräte übernimmt die von Jonathan, G4KLX, programmierte Software.

Die Anbindung an das weltweite Netzwerk wird durch die von Scott, KI4LKF, entwickelte Gatewaysoftware "Open G2" realisiert. Torsten und Markus haben einige Zusatzprogramme – wie etwa den XMonitor und XAudio – programmiert und die APRS-Software von Pete Lovell, AE5PL, auf das X-System angepasst. Diese Linux-Software läuft in einer virtuellen Umgebung mit auf dem Windowsrechner. Das Zusammenschalten der Komponenten und die Inbetriebnahme konnte durch Gerrit, DF8JO, und Jörg, DG1JC, in wenigen Stunden durchgeführt werden.

Torsten und Markus arbeiten momentan an einer Anleitung zum Aufbau eines solchen Repeaters. Dieses Dokument und natürlich die notwendige Software wird in Kürze im Internet verfügbar sein. Die Funktionalität und Qualität dieser Lösung steht einem kommerziellen Digital Voice Repeater in nichts nach und natürlich ist sie auch vollständig kompatibel. Unter der Webadresse

www.xreflector.net

kann man sich über die aktuellen Geschehnisse informieren.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ