HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 334 / 2009 vom 13.12.2009


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autoren: Jörg Delvos, DG1JC (jd)
  Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


LIECHTENSTEIN STIMMT GEGEN GRENZWERT-VERSCHÄRFUNG

(rps) Mit der deutlichen Mehrheit von 57 Prozent haben am vergangenen Wochenende die Wahlbürger des Fürstentums Liechtenstein eine ab dem Jahr 2013 geplante Herabsetzung der Grenzwerte für elektromagnetische Felder auf 0,6 Volt pro Meter abgelehnt. Damit ist eine Initiative gescheitert, die das Parlament des Landes gestartet hatte. Der Landtag, der dies im Mai letzten Jahres so beschlossen hatte, wollte mit der Aktion europaweit ein Zeichen setzen, Umweltproblematiken und speziell Elektrosmog ernster zu nehmen. Mobilfunkanbieter und andere Wirtschaftsvertreter dagegen hatten argumentiert, gerade in einem gebirgigen Land wie Liechtenstein könne künftig keine ausreichende Versorgung mehr gewährleistet werden, sollte der neue Wert tatsächlich in Kraft treten. Man befürchtete zudem negative Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes insgesamt und startete ein Volksbegehren gegen den Landtagsbeschluss. Das überzeugte und war schließlich mehrheitsfähig.

Zur Verdeutlichung: Würde man in Deutschland anstatt einem Grenzwert von 27,5 Volt pro Meter den Wert von 0,6 Volt pro Meter ansetzen, dann dürfte eine Amateurfunkstelle, die bis dahin 750 Watt Output legal machen konnte, nur noch eine Senderleistung von ganzen 0,36 Watt produzieren. Der Amateurfunkdienst wäre nach einer solchen Entscheidung schlicht tot.

Quelle: Forschungsgemeinschaft Funk und Liechtensteiner Vaterland


SONDERSTATION ZUM KLIMAGIPFEL

(rps) Unter dem Rufzeichen 5P15COP arbeitet noch bis zum 18. Dezember eine dänische Sonderstation aus Anlass des Weltklimagipfels in Kopenhagen. Betreiber sind Funkamateure des Amateurfunkclubs in Ballerup, das liegt etwa 20 Kilometer westlich der Hauptstadt.


NIEDERLANDE ERHALTEN MITTELWELLE

(rps) Vom 1. Januar 2010 an können niederländische Funkamateure der höchsten Zeugnisklasse eine Experimentalgenehmigung zur Nutzung des Frequenzsegments 501 bis 504 Kilohertz auf der Mittelwelle erhalten. Erlaubt sein werden eine Strahlungsleistung von 5 Watt EIRP und eine Bandbreite von 100 Hertz.

Quelle: RSGB


BELGIEN ERHÄLT 70 MEGAHERTZ

(rps) Auch die südlichen Nachbarn der Niederlande bekommen etwas zu Weihnachten: Alle belgischen Funkamateure der höchsten Genehmigungsklasse dürfen ab sofort die Frequenz 69,95 MHz mit einer Strahlungsleistung von 10 Watt EIRP und einer maximalen Bandbreite von 10 kHz nutzen. Mittelwellenfrequenzen bei 500 kHz haben die OM und YLs in Belgien bereits seit längerer Zeit.


AMATEURFUNKDIENST EIN EXPERIMENTALFUNKDIENST?

(jd) So jedenfalls haben wir es alle gelernt. Und genau das dachte sich auch ein Funkamateur aus Siegburg, der sich schon seit geraumer Zeit mit der Betriebsart DV – das steht für "Digital Voice" – beschäftigt. Er hat kürzlich als Pionierleistung die erste Trans-Atlantik-Verbindung auf der Kurzwelle im Zwanzigmeterband in dieser Betriebsart zustande gebracht. Der OM konnte dabei ein QSO in einer in diesen Frequenzbereichen bisher nicht da gewesenen Audioqualität führen und benötigte systembedingt natürlich etwas weniger als 6,25 kHz an Bandbreite.

Damit andere Funkamateure inspiriert werden, ebenfalls mit dieser Betriebsart auf Kurzwelle zu experimentieren, wollte der OM seine Erfahrungen natürlich weitergeben. Also schrieb er einen Beitrag und schickte ihn an eine bekannte deutsche Fachzeitschrift für den Amateurfunk mit der Bitte um Veröffentlichung.

Die Antwort des Chefredakteurs war nahezu grotesk. Man warf dem OM unter anderem vor, andere Funkamateure zu strafbaren Handlungen anzustiften und sie hiermit zu kriminalisieren. Diese Aussage bezog sich bezeichnenderweise auf die genutzte Bandbreite der Betriebsart DV. Der Chefredakteur lehnte die Veröffentlichung des klar experiment- und technikbezogenen Artikels ab. Interessant und vor allem amüsant ist bei dieser Angelegenheit, dass die besagte Fachzeitschrift einen Adapter vertreibt, der den Betrieb von DV über ein 9k6-fähiges Funkgerät auf allen Bändern – also auch auf der Kurzwelle – erst möglich macht.


KOMMENTAR

(rps) Eine Bandbreite von 6,25 kHz zu belegen, wenn lediglich – wie bei dem hier genutzten 14-MHz-Band – 2,7 kHz erlaubt sind, stellt natürlich keine strafbare Handlung dar; es ist noch nicht einmal eine Ordnungswidrigkeit, sondern lediglich ein einfacher Verstoß gegen eine Verwaltungsvorschrift und ist auf derselben Ebene angesiedelt wie etwa das Rufzeichen nicht mindestens alle zehn Minuten zu nennen. Ich meine, das wissenschaftliche Experiment muss hier eindeutig Vorrang haben. Dem Entwickeln neuer Technologien und dem Testen neuer Verfahren dürfen Verwaltungsvorschriften nicht entgegenstehen. Anders herum ist es richtig: Vorschriften und Regeln müssen Experiment und Innovation möglich machen und unterstützen. So verlangt es das Gesetz.

Es kann nicht angehen, dass Funkamateure, die sich an zukunftsorientierten Experimenten beteiligen wollen, vorher bei der Bundesnetzagentur eventuell kostenpflichtige Sondergenehmigungen einholen müssen. Damit nämlich würde der eigentliche Sinn des Amateurfunkdienstes und seine ureigenste Aufgabe – nämlich Neues zu entwickeln – mehr als pervertiert. Und ein Standortnachteil für Deutschland wäre es obendrein: Anderswo braucht man so etwas nun wirklich nicht.

Dieser Vorgang ist ein guter Anlass, Paragraf 16 Absatz 2 der Amateurfunkverordnung in Frage zu stellen. Die dort genannten "besonderen experimentellen und technisch-wissenschaftlichen Studien" gibt es nämlich tatsächlich gar nicht: Der Amateurfunk dient insgesamt und nicht differenzierbar diesen Studien. Wer will unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten entscheiden, was "besonders" ist und was normal? In der Wissenschaft etabliert man zu solchen Zwecken international besetzte Evaluierungskommissionen. Und hier will eine Verwaltungsbehörde am Schreibtisch entscheiden? Zweifel sind mehr als angebracht – auch hinsichtlich der rechtlichen Bestimmtheit des Begriffs "besondere Studien".

Zurück zum eigentlichen Vorfall: Die besagte Zeitschrift hätte durchaus die Möglichkeit gehabt, den eingereichten Artikel in dieser Sicht und mit der Betonung auf Innovation zu veröffentlichen. Mein Kommentar: einfach nur schade.


Mit den besten Wünschen für den Dritten Advent und vy 73,
Ralph, DC5JQ