HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 335 / 2009 vom 20.12.2009


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


DOCH GEDRUCKT

(rps) hat die Zeitschrift FUNKAMATEUR nun den Artikel über die erste Trans-Atlantik-Verbindung in Digital Voice bzw. D-Star auf dem Zwanzigmeterband, wir berichteten in der Ausgabe vom letzten Sonntag. Lesen Sie die interessante Veröffentlichung ab Seite 106 in der neuen Januar-Ausgabe. Wir bedanken uns!


750 WATT IM GESAMTEN VIERZIGMETERBAND

(rps) dürfen seit letzten Mittwoch durch deutsche Funkamateure mit Zeugnisklasse A benutzt werden. Damit ist die Leistungsbegrenzung auf 250 Watt Output im Segment 7100 bis 7200 Kilohertz Vergangenheit. OM und YLs mit Klasse E dürfen nach wie vor das gesamte 7-MHz-Band nicht nutzen. Die Bundesnetzagentur schreibt dazu in ihrem aktuellen Amtsblatt Nr. 24/2009 auf Seite 5006:

"Die am 21. Juli 2009 in Kraft getretene Zweite Verordnung zur Änderung der Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung (BGBl. I Nr. 41 S. 1809) sieht für die Nutzung des Frequenzbereichs 7100 bis 7200 kHz den Amateurfunkdienst als primären und jetzt noch einzigen Funkdienst vor. Damit ergibt sich die Möglichkeit, auch die im Amateurfunkdienst vorgesehene maximale Sendeleistung auszuschöpfen, sofern dies im Sinne des Experimentiercharakters des Amateurfunkdienstes erforderlich ist.

Deshalb hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Vorgriff auf die noch anzupassenden Bestimmungen über den Amateurfunkdienst festgelegt, dass Funkamateure, die Inhaber der Amateurfunk-Zeugnisklasse A und einer Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst sind, den Frequenzbereich 7100 bis 7200 kHz ab sofort mit einer Spitzenleistung (PEP) von 750 Watt nutzen dürfen. Es wird darauf hingewiesen, diese Regelung sensibel anzuwenden, Störungen zu vermeiden und die maximale Leistung nur dann auszuschöpfen, wenn es zur Aufrechterhaltung einer Funkverbindung oder für experimentelle Zwecke als zwingend notwendig erachtet wird."

Die Amtsblattmitteilung hat die Nummer 621/2009. Der Hintergrund: Ende März 2009 verließ der Rundfunk diesen Frequenzbereich aufgrund eines Beschlusses der Weltfunkkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion ITU im Jahre 2003.


BESONDERE TECHNISCH-WISSENSCHAFTLICHE EXPERIMENTE

(rps) Sie erinnern sich: Letzte Woche haben wir einen Kommentar gebracht, der unter anderem das heute geltende Genehmigungsverfahren kritisiert, das ein Funkamateur bei einer beabsichtigten Abweichung von den geltenden Vorschriften der Amateurfunkverordnung durchlaufen muss. Innovationshemmend und langwierig ist es allemal – und die Bundesnetzagentur wird in die Situation gebracht, Wissenschaft und Experiment vorab hinsichtlich einer wie auch immer gearteten "Besonderheit" beurteilen zu müssen. Das kann sie natürlich schon rein fachlich nicht in jedem Fall.

Die Amateurfunkverordnung soll demnächst sowieso geändert werden; mit einem ersten Entwurf ist nach aktuellen Informationen nun gegen Ende des ersten Quartals 2010 zu rechnen. Grund genug für die AGZ vorzuschlagen, hier das Antrags- und Genehmigungsverfahren durch ein einfaches Anzeigeverfahren mit Darlegung der beabsichtigten Studien zu ersetzen. Die Bundesnetzagentur soll dabei jedoch ein Veto-Recht bekommen, um in begründeten und offensichtlichen Fällen einschreiten zu können: So wäre etwa FM auf 3,5 MHz klar erkennbar keine Innovation – und 10 Kilowatt auf diesem Band bedürften einer sehr ausführlichen Begründung unter Berücksichtigung der lokalen EMV-Situation. Wirklich Neues jedoch kann durch eine solche Regelung schneller und unkomplizierter in die Tat umgesetzt werden. Wir hoffen, mit diesem Vorschlag eine Diskussion anstoßen zu können.


AUS FÜR DAS FUNKEN IM AUTO?

(rps) Jedenfalls während der Fahrt. So könnte man eine relativ kurze Pressemeldung verstehen, die die Aachener bzw. Jülicher Nachrichten bereits am 1. November veröffentlicht haben. Demnach hat das Oberlandesgericht Celle in einem Urteil Handy und Funkgerät am Steuer einfach gleichgesetzt. In beiden Fällen hätte der Fahrzeuglenker nicht beide Hände für das Fahren frei. Das klingt zunächst in der Tat wie ein De-facto-Verbot des mobilen Amateurfunks. Wir haben für Sie recherchiert und uns das vollständige Urteil im Wortlaut schicken lassen.

Das Oberlandesgericht Celle verurteilte kürzlich einen Autofahrer zu einem Bußgeld von 75 Euro, weil er während der Fahrt ein Mobil- bzw. Autotelefon benutzt hat. Dieser wandte ein, es handele sich nicht um ein Handy, sondern um ein Funkgerät. Das Gerät unterschied sich laut Gericht dem äußeren Anschein nach aber weder in der Größe, noch in den Bedienungsfunktionen von einem herkömmlichen Handy. Bis dahin wäre es also durchaus denkbar und keineswegs auszuschließen, dass das Funken mit einem UKW-Handfunkgerät a la Kenwood TH-F7E im Auto eine Ordnungswidrigkeit darstellt.

Das Gericht stellte Gott sei Dank ergänzend klar, dass der zugrunde liegende Paragraf 23 Absatz 1a der Straßenverkehrsordnung lediglich die Benutzung von Mobil- bzw. Autotelefonen verbietet, nicht aber die Benutzung und Bedienung von Funkgeräten; dies folge ja bereits aus dem Wortlaut der Vorschrift.

Die gerichtliche Auflösung dieses offensichtlichen Widerspruchs folgt auf dem Fuß: Die Wortsinne der Begriffe "Mobiltelefon" und "Funkgerät" unterschieden sich im allgemeinen Sprachgebrauch der Gegenwart im Wesentlichen dadurch, dass ein Mobiltelefon für sein Funktionieren grundsätzlich ein öffentliches Fernsprechnetz benötige, ein Funkgerät jedoch nicht. Verboten sei in dieser Sicht die Benutzung und Bedienung eines Funkgeräts lediglich dann, wenn es auch im öffentlichen Fernsprechnetz benutzt werden kann. Dabei käme es nicht darauf an, ob es auch tatsächlich dazu benutzt wird, so das Oberlandesgericht Celle. Um ein solches Gerät handelte es sich in diesem Verfahren. Die Redaktion konnte leider seine genaue Bezeichnung bzw. Typ nicht ausfindig machen.

Mobile Sendeanlagen von Funkamateuren können schon rein technisch eigentlich nie mit öffentlichen Fernsprechnetzen kommunizieren. Damit haben wir nun auf Ebene eines Oberlandesgerichts endlich Klarheit, dass das Funken im Auto – jedenfalls so, wie es typisch im Amateurfunk geschieht – nicht verboten ist: sei es mit Handmikrofon, sei es mit einem Handfunkgerät. Der funkende Autofahrer bleibt natürlich weiterhin in der Pflicht, alles zu unterlassen, was die Sicherheit während der Fahrt gefährden könnte.

Man sollte Texte also grundsätzlich zu Ende lesen: Der Redakteur der Aachener bzw. Jülicher Nachrichten hat wohl ziemlich schlecht recherchiert, als er die plakative Überschrift "Auch Funkgeräte sind am Steuer verboten" wählte. Das Urteil des Oberlandesgerichts Celle hat das Aktenzeichen 311 SsRs 29/09. Mit Erlaubnis des Gerichts können Sie es im Wortlaut auf der Internetpräsenz der AGZ e.V. laden und ausdrucken – und sich für den Fall der Fälle vielleicht ins Handschuhfach legen. Dank geht an DO1KWR für den Input!


IN EIGENER SACHE

(rps) HamRadio 2day geht in die Weihnachtspause. Die nächste Ausgabe erscheint plangemäß am 17. Januar 2010. Redaktion und Vorstand wünschen allen Mitgliedern der AGZ e.V. und natürlich auch allen Lesern und Zuhörern ein frohes Weihnachtsfest, ein gutes und erfolgreiches neues Jahr – und natürlich für heute erst einmal einen schönen Vierten Advent.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ