HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 337 / 2010 vom 31.01.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


EUREGIONALE RELAISFUNKSTELLEN

(rps) Ein wahrhaft europäischer Standort: der höchste Punkt Belgiens – der "Signal de Botrange" im Locatorfeld JO30BM. In unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze – Monschau ist in direkter Nachbarschaft – erhebt sich dieser Berg im Hohen Venn auf immerhin 694 Meter über dem Meeresspiegel. Hier hat der Verein "Radioamateure der belgischen Ostkantone" vor etwa zwei Wochen eine FM-Relaisfunkstelle im Siebzigzentimeterband errichtet, die mit ihren 20 Watt Senderleistung ein riesiges Gebiet versorgen kann: Von weit hinter Brüssel bis hin zum niederländischen Zeeland im Westen geht es im Norden bis weit über die nordrhein-westfälische Landesgrenze hinaus. Im Süden geht es bis nach Luxemburg und tief in die Eifel hinein: In der Tat eine Amateurfunkinstallation von europäischer Dimension.

Im gesamten Rheinland sind die Feldstärken ziemlich hoch: Mobilstationen können hier fast überall über das Relais problemlos arbeiten, meist reicht sogar ein Handfunkgerät. Die Relaisfunkstelle hat natürlich das dazu passende Rufzeichen: ON0TB – das steht für "Top of Belgium". Verwendet wird das deutsche Ablagesystem von -7,6 MHz mit einer Ausgabefrequenz von 439,0125 MHz – zurzeit noch ohne einen CTCSS-Zugangston. Details – unter anderem sehr aussagekräftige Reichweitenkarten, die mit RadioMobile erstellt wurden – finden Sie um Internet unter

www.on0tb.be.

Glückwunsch an die Erbauer!

(rps) Auch ein anderes Relais, das mehrere EU-Länder versorgt, ist kürzlich aufgerüstet worden: das Zweimeterrelais Aachen mit dem Rufzeichen DB0WA, über das Sonntagsmorgens um 11:30 Ortszeit auch HamRadio 2day gesendet wird. Heinz, DG9KAF, informierte uns.

Der verantwortliche VFDB-Ortsverband Aachen entschloss sich nach mehr als 20 Jahren erfolgreichem Betrieb nun dazu, die Technik von DB0WA zu erneuern. Heinz, DG9KAF, hatte zu diesem Zweck ein kommerzielles Ascom-Relais beschafft, das allerdings noch einige Verbesserungen, Umbauten und Erweiterungen nötig hatte. Diese Arbeiten wurden von Günter, DL2QC, und Norbert, DF5KT, in mühevoller und zeitaufwendiger Kleinarbeit ausgeführt.

Zu bedenken ist bei der neuen Hardware, dass das ZF-Filter im Empfänger eine 3-dB-Bandbreite von nur noch 9 kHz aufweist. Speziell Nutzer älterer FM-Geräte könnten damit hinsichtlich des Hubs Schwierigkeiten bekommen. Das betriebsfertige Relais konnte schließlich nach einigen erfolgreichen Probeläufen am 19. Januar auf dem Fernmeldeturm Karlshöhe nahe dem Dreiländereck in Aachen installiert werden. Die Antenne befindet sich 98 Meter über Grund und in 438 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Der VFDB Aachen freut sich, die bereits in den 70er Jahren erstmals aufgebaute Relaisfunkstelle traditionell weiter betreiben zu können und leistet damit seinen aktiven Beitrag für die Versorgung der Stadt Aachen und der Euregio. Die Ausgabefrequenz ist 145,7875 MHz. Auch hier unseren Dank!


MITTELWELLE AUF DEM RÜCKZUG: ÖSTERREICH SPRENGT

(rps) Immer mehr Länder Europas ziehen sich aus der Rundfunkversorgung via Mittelwelle zurück. Österreich tut dies nun vollständig, indem es seinen letzten einsatzbereiten Mittelwellensender auf dem Wiener Bisamberg – genauer: seine beiden Sendemasten – in die Luft sprengt. Lesen beziehungsweise hören Sie die Informationen des österreichischen Amateurfunkverbands ÖVSV zu diesem Thema.

Die Tage von Österreichs höchstem Bauwerk sind gezählt: Der 265 Meter hohe Nordmast des Senders Bisamberg an der Grenze von Niederösterreich und Wien wird Ende Februar gesprengt. Zugleich fällt dann auch sein kleineres, nur 120 Meter hohes Pendant. Damit rückt der Donauturm mit seinen 252 Metern auf Platz 1 der Höhenrangliste nach. Der Grund für die Sprengung seien die hohen Instandhaltungskosten. Wie die Tageszeitung "Kurier" berichtet, hätte allein die Erneuerung der Stahlseilsicherung eine Million Euro gekostet. So werden nun vier Sprengungen im Februar den 80 Tonnen schweren Mast in drei Teile zerlegen und seiner Karriere als höchstes Bauwerk der Alpenrepublik ein Ende setzen. Sein kleiner "Bruder" soll im Ganzen fallen.

Der ursprüngliche Mittelwellensender Bisamberg ist bereits seit 1995 nicht mehr in Betrieb. Der Kern der Anlage wurde 1933 errichtet, allerdings 1945 von den abziehenden SS-Truppen zerstört. In ihrer heutigen Form entstand die Sendeanlage 1959 mit vier Sendern zu je 120 kW. Während sich die beiden gigantischen Masten auf Wiener Stadtgebiet befinden, liegt der überwiegende Teil des Sendegebäudes im niederösterreichischen Langenzersdorf. Auch wenn die beiden Stahlfachwerkriesen fallen werden, bleibt der Senderaum aus den 1950er Jahren der Nachwelt erhalten und wird laut "Kurier" der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Was mit dem 25 Hektar großen Areal im Besitz der Stadt Wien und des ORF geschieht, ist indessen noch offen.

Anmerkung der Redaktion:

(rps) Der Sender Bisamberg sendete bis zum Jahr 1995 das Programm ORF 1 auf der Frequenz 585 kHz und das Regionalprogramm ORF 2 auf 1476 kHz. Zum Einsatz kamen Senderleistungen von bis zu 600 kW. Die Anlage hatte während des Kalten Krieges eine immense Bedeutung für die Informationsbeschaffung der Menschen in Ost- und Südosteuropa. 1997 wurde der Sendebetrieb auf 1476 kHz wieder aufgenommen, um so genannte Qualitätsinformationsprogramme für das benachbarte Europa zu verbreiten. Insbesondere während des Jugoslawienkriegs 1999 spielte dieser Sender eine wichtige Rolle: Unter dem Titel "Nachbar in Not" wurden gezielt Informationen für diese Länder ausgestrahlt. Ende 2008 wurde der Mittelwellensendebetrieb endgültig und vollständig in Österreich eingestellt. Mehr zum Sender Bisamberg finden Sie im Internet unter

de.wikipedia.org/wiki/Sender_Bisamberg.


SONDERRUFZEICHEN

(rps) gibt es aus Anlass der kurz bevorstehenden Olympischen Winterspiele in Vancouver, Kanada. Im Zeitraum vom 1. Februar bis zum 1. März dürfen kanadische Funkamateure folgende Präfixe verwenden: VG anstatt VA, VX anstatt VE, XJ anstatt VO und XK anstatt VY.

Quelle: RSGB


HOT NEWS NACH REDAKTIONSSCHLUSS: AUS FÜR DB0RKN

(rps) Das beliebte und weit reichende Siebzigzentimeterrelais DB0RKN mit seinem exponierten Standort auf der Vollrather Höhe in der Nähe von Grevenbroich auf 439,250 MHz wird am nächsten Wochenende für immer abgeschaltet. Bis sein Betreiber Jörg, DG1JC, einen neuen Standort gefunden hat, wird die Relaisfunkstelle bei ihm zu Hause unter seinem persönlichen Rufzeichen in der Luft sein, während er anwesend ist. Weil DB0RKN eine große Bedeutung für die Region Düsseldorf-Köln hat, berichten wir in unserer nächsten Ausgabe ausführlich über die nicht unbedingt erfreulichen Hintergründe.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ