HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 338 / 2010 vom 14.02.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


Alaaf und Helau an unsere Zuhörer und Leser! Wir bitten um Verzeihung für die gar nicht karnevalistischen Inhalte unserer heutigen Ausgabe – es geht leider nicht anders: eben ein Informationsnotstand, der nicht warten kann.


BEMFV: NEUES ANZEIGEVERFAHREN GEPLANT

(rps) Eigentlich war es eine Arbeitssitzung; eigentlich macht es keinen Sinn, in diesem frühen Stadium darüber zu berichten, weil vieles noch unklar ist. Nachdem diese Woche andere Amateurfunkvereine die Sache öffentlich gemacht haben – hier nun unser Bericht.

Die Bundesnetzagentur hat erneut Herrn Prof. Werner Wiesbeck vom Karlsruher Institut für Technologie – kurz KIT – mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragt, dessen Ziel die "modulare Einbindung von ortsfesten Amateurfunkstellen in das Standortverfahren" ist. Das KIT ist der am 1. Oktober 2009 erfolgte Zusammenschluss der ehemaligen Universität Karlsruhe und des Forschungszentrums Karlsruhe. Mit rund 8000 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von etwa 700 Millionen Euro entstand damit eine der weltweit größten Forschungs- und Lehreinrichtungen.

Am 5. Februar wurden erste Ergebnisse und Überlegungen zur weiteren Entwicklung den Vertretern der Amateurfunkverbände vorgetragen – auch die AGZ war für Sie beim KIT in Karlsruhe mit dabei. Die Mitarbeiter der Bundesnetzagentur nannten zunächst einmal aus ihrer Sicht die Nachteile des gegenwärtigen Anzeigeverfahrens, wie es in der BEMFV niedergelegt ist:

  • Eine einheitliche und verbindliche Bewertung der abgegebenen Selbsterklärung durch die Bundesnetzagentur ist zurzeit nicht möglich. In Folge kann die Einhaltung der Grenzwerte lediglich unterstellt, aber nicht bestätigt werden.
  • Die Bewertung der gegenseitigen Beeinflussung von mehreren benachbarten Funkanlagen mit unterschiedlichen Betreibern ist derzeit nur mit hohem Aufwand möglich. Die Unterschiede zum Standortverfahren bei Nicht-Amateurfunksendern sind zu groß.
  • Und: Der Verwaltungs- und Überwachungsaufwand ist der Behörde für einen rein privat betriebenen Funkdienst zu hoch – will sagen zu teuer. Man will künftig nur noch bei Nachbarschaftsstreitigkeiten in Sachen "Strahlung" tätig werden und ansonsten auf das neue standardisierte Verfahren verweisen.

Daraus leiten sich nun die Ziele des neuen Gutachtens ab:

  • Die Einhaltung des Schutzes von Personen in elektromagnetischen Feldern soll künftig transparenter und nachvollziehbarer sein als bisher.
  • Ein einheitliches Bewertungsverfahren soll in möglichst enger Anlehnung an das Standortverfahren bei Nicht-Amateurfunkstellen realisiert werden.
  • Die Dokumentation der technischen Parameter der Amateurfunk- und Antennenanlage soll standardisiert bzw. kategorisiert erfolgen.
  • Und: Die Berechnung und Darstellung der Einhaltung der Sicherheitsabstände soll in einer einheitlichen und anerkannten Art und Weise durchgeführt werden.

Wie sollen diese Ziele nun konkret umgesetzt werden? Dazu plant die Bundesnetzagentur, auf einem ihrer Server im Internet eine Bibliothek mit möglichst vielen Antennentypen und kommerziell verfügbaren Ausführungen anzubieten. Auch soll dort ein validierter NEC2-Kernel zur Nahfeldberechnung angeboten und eingesetzt werden. Um darauf zuzugreifen, muss der Funkamateur auf seinem Rechner eine in Java geschriebene und damit plattformunabhängige Software installieren. Sie wird zurzeit am KIT entwickelt und stellt eine Benutzeroberfläche zur Verfügung, die eine einheitliche und verbindliche Berechnung der Sicherheitsabstände gewährleisten soll. Hier ist noch viel zu tun; Bundesnetzagentur und KIT hoffen deshalb auf die intensive Mitarbeit der Amateurfunkverbände.

Die fertige Berechnung der Sicherheitsabstände einschließlich der technischen Daten der Amateurfunkstelle soll dann im XML-Format auf den Behördenserver hoch geladen werden. Anschließend werden diese Informationen in eine Datenbank integriert. Die Einsendung in Schriftform soll dadurch langfristig deutlich reduziert werden. Hier sei das Ziel, so die Netzagentur, Immissionen von Amateurfunkstellen mit denen eventuell vorhandener anderer Funkstellen in der Nachbarschaft zu überlagern und somit für den Funkamateur nicht erkennbare Grenzwertüberschreitungen feststellen zu können. Auch könne der hoch geladene Datensatz mit wenig Aufwand an die Landesumweltbehörden weitergeleitet werden, so wie das neue Bundesimmissionsschutzgesetz es nun auch für private Sendeanlagen vorschreibt. Dazu benötige man allerdings aus Gründen des Datenschutzes die Einwilligung des Funkamateurs.

Die Vertreter der Bundesnetzagentur stellten schließlich klar, dass man bei Abständen von weniger als einer Sechstelwellenlänge auch weiterhin eine Nahfeldberechnung verlangen wird. Bereits abgegebene Anzeigen ortsfester Amateurfunkstellen genössen Bestandsschutz; erst bei einer relevanten Änderung müsse später nach dem neuen Verfahren angezeigt werden. Messungen der Feldstärken seien natürlich auch weiterhin zulässig.

Der Vertreter der AGZ e.V. machte noch während des Arbeitstreffens auf einige kritische Punkte aufmerksam. So müsse auf jeden Fall gewährleistet sein, dass selbst entwickelte und selbst gebaute Antennen, die sich nicht kategorisieren lassen, mit dem neuen Verfahren berechnet werden können. Ein Rückgriff auf eine "ähnliche Antenne" – wie in der alten Wiesbeck-Studie – sei weder rechtssicher, noch trägt dieses Vorgehen dem Experimentalcharakter des Amateurfunkdienstes Rechnung: Man kann eben nicht alles standardisieren. Für Funkamateure ohne Rechner oder ohne Internetanschluss müsse nach wie vor ein schriftliches Anzeigeverfahren möglich sein. Schließlich seien Maßnahmen zu ergreifen, die einen Missbrauch des netzbasierten Verfahrens ausschließen. So müsse etwa verhindert werden, dass unter falscher Identität namens eines anderen Funkamateurs angezeigt werde, um diesem Schaden zuzufügen. Dass Rechtsnormen – wie etwa die BEMFV – modifiziert und an die seit August 2009 geltende Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes angepasst werden müssen, könnte ein sehr wahrscheinliches Ergebnis der aktuellen Bemühungen sein, so die AGZ.

Ein wichtiges Thema – nicht nur für die AGZ – war am Ende die Akzeptanz des neuen Verfahrens durch die Funkamateure. Immerhin sollen Daten, die auf das persönliche Equipment und die Grundstücks- und Bebauungssituation vor Ort schließen lassen, auf einen Behördenserver hoch geladen werden. Hier ist – vor allem durch die Bundesnetzagentur – Überzeugungsarbeit zu leisten, dass Einfachheit und Rechtssicherheit des angestrebten neuen Verfahrens eventuelle Datenschutzbedenken überwiegen. Die AGZ wird das Vorhaben kritisch-konstruktiv begleiten.


NOCH EIN NEUES RELAIS

(rps) steht diesmal in Bergheim bei Köln. Seit dem letzten Wochenende ist die dort schon lange bestehende Relaisfunkstelle DB0XO um ein D-STAR-Relais erweitert worden. Es sendet auf der ehemaligen Packet-Radio-Frequenz 438,350 MHz mit der hier üblichen Shift von -7,6 MHz. Die Technik wurde vom Stellvertretenden Vorsitzenden der AGZ e.V., das ist Jörg Delvos, DG1JC, leihweise zur Verfügung gestellt, bis der Ortsverband Bergheim des DARC alle notwendigen Hardwarekomponenten besorgt hat. Da beide vorhandenen Siebzigzentimeter-Relais über dieselbe Antenne laufen, waren auch Änderungen beim FM-Relais notwendig. Josef, DL2JQ, hat zu diesem Zweck das vorhandene Modacom-Relais gegen ein Motorola-Gerät vom Typ Quatar getauscht.

Diese Änderungen haben zu einer erheblichen Empfindlichkeitssteigerung auch beim FM-Relais auf 439,100 MHz gesorgt. Es arbeitet momentan trägergesteuert. Erste Reichweitentests nach dem Umbau waren sehr vielversprechend. Gratulation zu diesen beiden neuen Relais!


ZUM SCHLUSS: NACHHILFEUNTERRICHT

(rps) Einige begreifen es wohl nie: Einen Patentschutz – etwa für den bei D-STAR verwendeten Codec – gibt es nur für die gewerbliche Nutzung. Solange die Verwendung im eigenen Privatbereich und ohne kommerzielle Absichten bleibt, gibt es bei Nachbau und Modifikation keine Einschränkungen. Selbst der AMBE-Codec-Chip dürfte für die eigene Verwendung nachgebaut oder in Software implementiert werden, wenn es denn jemand könnte.

Soweit unsere aktuellen Informationen für heute. Die unangenehmen Meldungen kommen dann in der nächsten Ausgabe, nach Aschermittwoch – etwa zur Abschaltung von DB0RKN und zu neuen Vorgängen beim US-Trustserver im D-STAR-Netz.


Vy 73, Alaaf und Helau,
Ralph, DC5JQ