HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 347 / 2010 vom 30.05.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


GROSSBRITANNIEN ERWEITERT MÖGLICHKEITEN

(rps) auf dem Sechzigmeterband. Die britische Regulierungsbehörde Ofcom sagte Mitte Mai zu, dass Funkamateure der höchsten Genehmigungsklasse auf Antrag weiterhin – und zwar zunächst bis zum 30. Juni 2015 – einzelne Frequenzen bei 5 MHz auf der Kurzwelle nutzen dürfen. Vorausgegangen waren konstruktive Gespräche mit dem Verteidigungsministerium, das diesen Bereich ebenfalls nutzt.

Hier die Details, die auch ein Modell für die Bundesrepublik sein könnten: Senderausgangsleistung bis zu 200 Watt PEP, sekundärer Status, praktisch alle Sendearten innerhalb einer Bandbreite von 3 kHz auf diesen Festfrequenzen:

5260 kHz, 5280 kHz, 5290 kHz, 5368 kHz, 5373 kHz und 5405 kHz.

Das sind die Mitten der jeweils drei Kilohertz breiten Kanäle. Bei SSB ist die Trägerfrequenz beim hier meist genutzten oberen Seitenband also 1,5 kHz tiefer einzustellen. Portabelbetrieb ist erlaubt. Eine Besonderheit stellt im Vereinigten Königreich die Tatsache dar, dass der Funkverkehr mit militärischen Funkstellen auf diesen Frequenzen ausdrücklich erlaubt ist.

Quelle: Ofcom


IN EIGENER SACHE

(rps) Am nächsten Sonntag den 6. Juni gibt es vom Standort Wassenberg keine Aussendungen von HamRadio 2day. Die anderen Stationen wiederholen die heutige Ausgabe.


WIEDER KEINE BEWEISE FÜR HIRNTUMORE DURCH HANDYSTRAHLEN

(rps) Den folgenden sehr aufschlussreichen Bericht brachte vor einigen Tagen Heise online:

"Eine mit Spannung erwartete Großstudie der Weltgesundheitsorganisation WHO über die Folgen von Handystrahlungen hat keine Beweise für Gesundheitsgefahren gefunden. Es gebe keine Anzeichen für eine gesteigerte Anfälligkeit für Hirntumore, heißt es in der in Genf veröffentlichten Untersuchung. Sie stützt sich weitgehend auf Interviews von 2708 Menschen mit Gliomen sowie 2409 Menschen mit Meningiom, den häufigsten Gehirntumoren, und Kontrollpersonen in 13 Ländern.

Nicht auszuschließen sei, dass langes Telefonieren mit mobilen Telefonen das Tumorrisiko fördere, hieß es weiter. Dafür bedürfe es aber weiterer Untersuchungen. Die bisher größte Studie dieser Art für Zusammenhänge zwischen Handy-Nutzung und Gehirntumoren war im Jahr 2000 von der WHO in Auftrag gegeben worden, wobei auch die Industrie einen Teil der Finanzierung übernommen hat.

Die Mehrheit der Befragten gehört nach Angaben der Autoren der Studie nicht zu den starken Handynutzern. Ihr Gebrauch lag bei etwa zwei Stunden im Monat. Ungewöhnlicherweise wurde auch festgestellt, dass der regelmäßige Gebrauch von Handys sogar die Gefahr von Tumoren etwas verringern kann. Dies hätten auch schon frühere Untersuchungen gezeigt, aber auch hierzu seien weitere Studien nötig, hieß es.

In der Studie wird zugegeben, dass sich die Handy-Nutzung seit 2000 stark verändert hat. So sei es nicht unüblich, dass junge Leute heute ihr mobiles Telefon mehr als eine Stunde am Tag nutzen. Allerdings verursachten heutige Handys weniger starke Strahlen. Hinzu käme die verstärkte Nutzung von geschriebenen Nachrichten (SMS) und Headsets. 'Von diesen Daten kann man nicht auf ein erhöhtes Risiko für Gehirntumore schließen', wird der Direktor der Internationalen Agentur für die Krebsforschung (IARC), Christopher Wild, zitiert. Die veränderten Nutzungsgewohnheiten machten aber weitere Untersuchungen notwendig.

Die Industrie fühlt sich dagegen durch die Studie bestätigt, dass keine gesundheitlichen Gefahren von Handys ausgehen. Michael Milligan, Generalsekretär des Mobile Manufacturers Forum sagte, dies bedeute 'eine weitere klare Bestätigung hinsichtlich der Sicherheit von Mobiltelefonen'. Die Gesamtanalyse stimme mit Ergebnissen früherer Studien und dem beachtlichen Umfang der Forschung überein, die kein erhöhtes Gesundheitsrisiko aus dem Gebrauch von Mobiltelefonen ableiteten."

Quelle: Heise online


KOMMENTAR

(rps) Es ist halt schwer bis unmöglich, das Nichts zu beweisen. Seit mehr als zwanzig Jahren versucht die Wissenschaft nun die Frage zu klären, ob Funk gefährlich ist. Mal fand eine Studie überhaupt keine Gefährdung, mal waren die Ergebnisse in anderen Labors durch andere Wissenschaftler nicht reproduzierbar, und mal stritt man sich, ob der zweifellos gefundene Effekt denn überhaupt eine Beeinträchtigung für die Gesundheit darstellt. Immer wurden weitere Untersuchungen gefordert. Trotz intensiver Forschung mit einem erheblichen Aufwand an Personal und Finanzmitteln haben wir bis heute nicht den Ansatz eines unter wissenschaftlichen Kriterien belastbaren Beweises, dass die so genannten a-thermischen Wirkungen – so sie denn existieren – eine Gefahr für den Menschen darstellen könnten. Für die Verschärfung von Grenzwerten gibt es in meiner Sicht deshalb nicht den geringsten Grund.

Diese auf den Empfehlungen von ICNIRP und des Europäischen Rates beruhenden Feldstärkegrenzwerte für den Personenschutz jedoch nach oben in Frage zu stellen, das ist allerdings genauso töricht wie die Forderung nach deren Senkung: Die auf Wärmeabsorption beruhenden Werte sind weltweit experimentell abgesichert und politisch akzeptiert. In diesem Zusammenhang ist es kontraproduktiv, speziell auf den unteren Kurzwellenbändern lautstark mit Argumenten um sich zu werfen, die keiner physikalischen Prüfung standhalten. Der Vergleich etwa der im Sonnenlicht absorbierten Energie mit derjenigen im Hochfrequenzfeld ist schlicht Dilettantismus: Das eine ist ein Oberflächeneffekt, das andere findet im Körpervolumen statt. Und besser als mit dem oft europaweit zu hörenden Schlagwort "es ist noch nie etwas passiert" können wir unsere Inkompetenz nun wahrlich nicht zur Schau stellen.

Und noch eins: Selbst wenn die BEMFV fällt, weil sie eventuell verfassungswidrig ist, dann bleibt seit August 2009 immer noch das Bundesimmissionsschutzgesetz, quasi als Rettungsschirm und doppelter Boden. Hier hat der Gesetzgeber offenbar vorgesorgt, indem er private Senderbetreiber mit einbezog.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ