HamRadio 2day
Text Audio

HamRadio 2day

Ausgabe 348 / 2010 vom 13.06.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


EINE GEFAHR FÜR DIE NATIONALE SICHERHEIT

(rps) der Vereinigten Staaten von Amerika stellt der südafrikanische Rentner Greg Roberts dar. Er ist Funkamateur und hat das Rufzeichen ZS1BI. Was er angestellt hat? Nun, er hat schlicht mit einem Fernrohr in seinem Garten ein geheimes Raumschiff beobachtet und aufgezeichnet. Die US Air Force hat nämlich im Verborgenen einen Raumgleiter entwickelt, von dem bis heute praktisch nichts bekannt ist außer seiner Bezeichnung: X-37B. Greg Roberts fand nun zusammen mit anderen Funkamateuren und Amateurastronomen heraus, dass die Umlaufszeit 92 Minuten beträgt und dass das Raumschiff kürzlich über Afghanistan, Pakistan, den Irak und Korea geflogen ist. Niemand geringeres als der US-Kongress betitelte ihn daraufhin offiziell als Gefahr für die nationale Sicherheit.

Quelle: South African Sunday Times


D-STAR: OPEN-SOURCE-CODEC IN ENTWICKLUNG

(rps) Das vom japanischen Amateurfunkverein JARL entwickelte D-STAR-Protokoll an sich ist bekanntlich für jedermann offen zugänglich und dokumentiert. Meinungsverschiedenheiten gibt es jedoch immer wieder bei dem hier verwendeten Audio-Codec namens AMBE. Der ist nämlich patentgeschützt und darf nicht in Software implementiert werden. Einzig ein Chip – also ein Stück Hardware – ist verfügbar, um diese extrem effektive Sprachkompression einzusetzen. Man findet ihn in jedem Transceiver einer japanischen Firma, die D-STAR anbietet. Er wird verwendet, um die sehr geringe Bandbreite von 6,25 kHz überhaupt realisieren zu können.

Der australische Funkamateur David Rowe, VK5DGR, hat nun damit begonnen, einen eigenen Audiocodec zu entwickeln, der künftig frei verfügbar sein soll. "Codec2", so sein Name, ist momentan noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. David hat das Ziel, Codec2 genauso effizient und performant zu machen wie AMBE. Er meint wohl zu Recht, dass seine Entwicklung die Verbreitung und Akzeptanz von D-STAR beschleunigen wird.

VK5DGR's Open-Source-Codec zeigt überdeutlich, dass Amateurfunk in erster Linie Experiment und technologische Entwicklung bedeutet. David sucht momentan Unterstützung durch andere Funkamateure. Mehr zu seinem Projekt finden Sie im Internet.


AGZ AUF HAM RADIO

(rps) In diesem Jahr nimmt die AGZ e.V. wieder an Europas größter Amateurfunkmesse teil. In Friedrichshafen am Bodensee findet vom 25. bis zum 27. Juni dieses Jahres die HAM RADIO 2010 statt. Besuchen Sie uns in Halle 1 am Messestand Nr. 440 und lassen Sie sich überraschen!


EMV- UND FREQUENZNUTZUNGSBEITRÄGE

(rps) Seit Mitte Mai verschickt die Bundesnetzagentur Bescheide über die TKG- und EMV-Beiträge für die Jahre 2006 und 2007 an die Funkamateure. Pro zugeteiltem persönlichen Rufzeichen werden für diese beiden Jahre 43,52 Euro verlangt. Wieder einmal stellt sich hier – nach diversen für die Behörde verlorenen Verwaltungsgerichtsverfahren – die Frage, ob ein Widerspruch sinnvoll ist oder nicht. Gleich vorweg: Wir in der AGZ werden keine öffentliche Rechtsberatung betreiben. Jeder Funkamateur muss diese Frage für sich alleine entscheiden.

Wir sehen allerdings durchaus Chancen für die Nichtigkeit auch der aktuellen Beitragsbescheide, es hat sich nämlich nichts gegenüber früher geändert – trotz kräftiger Richterschelte. Zu nennen ist etwa die gegenüber Nutzern von kostenlosen Allgemeinzuteilungen nicht gewahrte Gleichheit vor dem Gesetz, die erneute Nicht-Erkennbarkeit und Nicht-Transparenz des Zustandekommens der Beträge und die nicht erfolgte Berücksichtigung der unterschiedlichen Frequenznutzung der beiden Zeugnisklassen im Amateurfunk. Ein gewisses Risiko trägt man bekanntlich in ausnahmslos jedem Gerichtsprozess. Deshalb muss wie gesagt jeder selbst entscheiden.

Wir lehnen im übrigen Beiträge nicht grundsätzlich ab. Wir erwarten allerdings, dass wir erkennen können, für was konkret wir eigentlich zahlen sollen. Da es sich heute nicht mehr um eine generelle Abgabe handelt wie zu Zeiten des alten Amateurfunkgesetzes, sondern jedes Jahr der konkret geleistete Behördenaufwand zugrunde zu legen ist, sollte Transparenz seitens des Staates hier eigentlich selbstverständlich sein.


STELLUNGNAHME DER BUNDESREGIERUNG ZU PLC-STÖRUNGEN IM AMATEURFUNK

(red) FM – Dem Funkmagazin entnehmen wir den folgenden bemerkenswerten Bericht.

Die Bundesregierung hat aufgrund einer Kleinen Anfrage unter anderem auch Stellung zur Störproblematik von Powerline-Anwendungen im Amateurfunk genommen. Abgeordnete der SPD hatten am 25. Februar 2010 eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gerichtet, bei der es um die Einführung so genannter "intelligenter" Stromzähler ging, die ihre Daten per Powerline übertragen. In dieser Anfrage hieß es unter Punkt 6:

"Teilt die Bundesregierung die Bedenken der Amateurfunker gegen die Datenübertragung mit Powerline?"

Die Bundesregierung antwortete am 19. März 2010 wie folgt:

"Im Fall der Datenübertragung mittels so genannter Powerline Communication ist das Niederspannungsnetz in der Regel nicht derart abgeschirmt, dass Störungen für den Funkbereich ausgeschlossen sind. Gleichwohl hat die Nutzung von Stromkabeln zur Datenübertragung in den letzten Jahren weltweit kontinuierlich zugenommen, weil bei Nutzung der Niederspannungsnetze Datenübertragungen innerhalb von Gebäuden kostengünstig möglich sind. Die Anzahl der gemeldeten Störungen ist nach Kenntnis der Bundesregierung insgesamt gering. Die beim Betrieb von solchen Anlagen einzuhaltenden Grenzwerte werden im Rahmen der Standardisierung international festgelegt. Dabei werden auch Belange des Amateurfunks berücksichtigt."

Die vollständigen Wortlaute der Kleinen Anfrage und deren Antwort sind im Internetangebot des Deutschen Bundestages nachzulesen.


KOMMENTAR

(rps) Die deutschen Amateurfunkverbände haben ganz offensichtlich den Schuss noch nicht gehört: In Anbetracht der gewaltigen Markt- und Profitmöglichkeiten von Powerline-Communication-Anwendungen und bei den wenigen vorliegenden Störungsmeldungen erscheint es mir mittlerweile politisch sinnlos, Prävention zu verlangen und von vorne herein flächendeckend eine Reduktion der Störstrahlung zu fordern – was im übrigen das Prinzip als solches in Frage stellen würde. Sowohl die Rechtslage, als auch der gesellschaftliche Trend sind hier schlicht gegen uns.

Wir sollten vielmehr unsere Zeit, Kraft und Intelligenz darauf verwenden, bei der Bundesnetzagentur bei tatsächlich eingetretenen Störfällen auf effektive und nachhaltige Abhilfe zu drängen, notfalls unter Zuhilfenahme von Rechtsmitteln – diesmal aber richtig: Denn genau das ist die Linie von einschlägigen Gesetzen und aktueller Rechtsprechung. Und dafür zahlen wir schließlich EMV-Beiträge – oder nicht? Einen Globalschutz jederzeit und überall wird der Amateurfunkdienst mit seinem heutigen Standing nicht mehr durchsetzen können.


Vy 73,
Ralph, DC5JQ