HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 349 / 2010 vom 20.06.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


ENTWURF EINER NEUEN AMATEURFUNKVERORDNUNG LIEGT VOR

(rps) Am letzten Donnerstag ging der AGZ e.V. der erste Entwurf einer neuen AFuV seitens des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu. Hier unsere erste Wertung: Die Höhe der Gebühren für zum Beispiel Rufzeichenzuteilungen und Prüfungen soll gesenkt werden – eine langjährige Forderung der Amateurfunkverbände. Allerdings werden belastbare Zahlen nicht vor September vorliegen – angeblich, weil die erforderlichen Untersuchungen durch die Bundesnetzagentur bis dahin noch andauern.

Die Bundesregierung will einiges bei den Prüfungen ändern: So soll die Möglichkeit der unmittelbaren mündlichen Nachprüfung bei knappem Nichtbestehen ersatzlos wegfallen – ebenso wie die bisherige Regelung, dass nicht bestandene Prüfungsteile innerhalb von 24 Monaten wiederholt werden können. Hier soll nun gelten: alles oder nichts – man muss die gesamte Prüfung neu ablegen und bestehen – zum vollen Preis natürlich. Kein einziger bestandener Prüfungsteil wird mehr angerechnet. Und schließlich: Man soll Klasse A künftig nicht mehr sofort quasi aus dem Stand machen dürfen. Vielmehr soll Voraussetzung dafür sein, dass der Prüfling ein Zeugnis der Klasse E bereits besitzt. Soll hier grundsätzlich zweimal kassiert werden? Die offizielle Begründung lautet jedenfalls "Verwaltungsvereinfachung".

Wieder einmal sollen für uns Funkamateure wichtige Entscheidungen in das Amtsblatt – will sagen in das vollständige Ermessen – der Bundesnetzagentur verlegt werden: so etwa die Anerkennung von Prüfungsbescheinigungen oder Genehmigungen aus Ländern, die nicht die CEPT-harmonisierten Regelungen anwenden. Auch Inhalt, Umfang und Bestehenskriterien der Amateurfunkprüfung soll die Bundesnetzagentur nach wie vor in alleiniger Entscheidung in ihrem Amtsblatt festlegen dürfen.

Clubstationsrufzeichen sollen demnächst nicht mehr vom Leiter der Amateurfunkvereinigung widerrufen werden können, der einst die Befürwortung aussprach. Um nicht länger im Widerspruch zum Amateurfunkgesetz zu stehen, wird dies künftig nur noch allein der Inhaber des Clubrufzeichens dürfen – auch, wenn er gar nicht mehr Clubmitglied oder in Ungnade gefallen ist. Unter Verwendung solcher Rufzeichen soll künftig auch Ausbildungsfunkbetrieb erlaubt sein; das gab es in der DDR schon einmal.

Um Irritationen mit D-STAR endgültig auszuräumen, soll die neue AFuV die folgende Bestimmung enthalten: "Übertragungsverfahren müssen mit allgemein verfügbarer Technik eine Wiederherstellung übertragener Inhalte zulassen." Damit ist der AMBE-Chip nun explizit legal. Bei terrestrischen Relaisfunkstellen zur Übertragung von digitaler Sprache und eingebetteten Daten mit einer belegten Bandbreite von maximal 6,25 kHz in den Frequenzbereichen 144 bis 146 MHz und 430 bis 440 MHz – sprich bei D-STAR – ist nun eine effektive Strahlungsleistung von bis zu 50 Watt ERP vorgesehen.

Neue Frequenzen wie 500 kHz, 5 MHz und 70 MHz enthält der Entwurf übrigens genauso wenig wie verbesserte Nutzungsmöglichkeiten bei 50 MHz. Auch die Entry-Level-Licence kommt erst mit der nächsten Änderung der AFuV. Eine ausführliche Analyse werden wir zeitnah veröffentlichen. Den Entwurfstext selbst finden Sie bei uns im Internet.


KEINE VERLÄNGERUNG VON CLUBSTATIONSRUFZEICHEN

(rps) mit einstelligem Suffix. Sie erinnern sich vielleicht: Im Jahre 2005 wurden in Deutschland erstmals Amateurfunkrufzeichen vergeben, die nur einen einzigen Buchstaben im Suffix haben. Sie sind insbesondere bei den Contestern sehr beliebt. Gemäß dem so genannten Rufzeichenplan, den die Bundesnetzagentur damals in ihrem Amtsblatt veröffentlichte, werden sie grundsätzlich auf fünf Jahre befristet und als Clubstationsrufzeichen zugeteilt. Diese Zeit ist nun um und die ersten Rufzeichen laufen Ende des Monats aus.

Wie geht es nun weiter? In ihrem aktuellen Amtsblatt Nr. 11 vom 16. Juni 2010 teilt die Bundesnetzagentur dazu mit:

"Im Hinblick darauf, dass es sich bei den betreffenden Rufzeichen um eine knappe Ressource handelt, sowie im Hinblick auf den Gleichbehandlungsgrundsatz werden Klubstationsrufzeichen mit 1-buchstabigem Suffix auch weiterhin ausschließlich befristet für die Dauer von bis zu 5 Jahren zugeteilt. Dadurch ist sichergestellt, dass auch zukünftig ausreichender Handlungsspielraum für die Zuteilung von Rufzeichen mit 1-buchstabigem Suffix besteht. Für die Rufzeichenzuteilung werden Gebühren gemäß Anlage 2 der Amateurfunkverordnung (AFuV) erhoben."


KOMMENTAR

(rps) Das bedeutet im Klartext: Eine Verlängerung gibt es nicht. Man muss sein Rufzeichen mit einstelligem Suffix vielmehr vollkommen neu beantragen, obwohl solche Rufzeichen mehr als genug verfügbar sind. Das kostet allerdings 110 Euro, obwohl sich weder der Inhaber, noch das Rufzeichen, noch die Anschrift ändern. Für das erneute Ausdrucken und Eintüten eines wahrscheinlich sowieso noch vorhandenen Textdokuments mit neuer Befristung ist das schon ein wenig viel – und nicht hinnehmbar. Man könnte dieses Gebaren durchaus als Abzocke bezeichnen. Der "Runde Tisch Amateurfunk" (RTA) wurde mit seinem Wunsch nach kostenloser Verlängerung von der Behörde schlicht brüskiert.

"Handlungsspielraum" gewinnt man durch diese Maßnahme im übrigen in keiner Weise: Die bisherigen Rufzeichen laufen nämlich auf jeden Fall ab. Eine größere Menge freier Calls erzielt man langfristig allenfalls durch die abschreckende Wirkung des hohen Preises für eine Neuzuteilung. Ist das noch mit dem Recht vereinbar? Von Anstand wollen wir erst gar nicht reden. Es drängen sich hier natürlich etliche Fragen auf: Hat eine Rufzeichenbefristung allein aufgrund eines rechtlich völlig unverbindlichen Amtsblattes überhaupt irgendeine juristische Qualität? Lassen sich zugeteilte Rufzeichen ohne Rechtsgrundlage auf der Ebene eines Gesetzes überhaupt befristen? Leider haben die Inhaber der einstelligen Clubrufzeichen seinerzeit die Befristung per Einzelverwaltungsakt akzeptiert und im Vertrauen auf eine spätere Verlängerungsregelung bestandskräftig werden lassen: jedenfalls ein Grund mehr, die Amateurfunkverordnung einschlägig zu ändern! Und ein Grund mehr, dass wir Funkamateure öffentlich und vernehmbar unsere Meinung dazu sagen.

Ralph, DC5JQ


AGZ AUF HAM RADIO

(rps) In diesem Jahr nimmt die AGZ e.V. wieder an Europas größter Amateurfunkmesse teil. In Friedrichshafen am Bodensee findet am nächsten Wochenende vom 25. bis zum 27. Juni dieses Jahres die HAM RADIO 2010 statt. Besuchen Sie uns in Halle A1 am Messestand Nr. 440 und lassen Sie sich überraschen!


JUGEND FORSCHT – AUCH ÜBER ELEKTROSMOG

(rps) Im Schweinfurter Tagblatt fanden wir den nachstehenden interessanten Artikel:

"Die Frage, ob Mobilfunk mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit hat, wird immer wieder diskutiert. Der 15-jährige Patrick Funke aus Schweinfurt wunderte sich über diese Befürchtungen, die er aus physikalischer Sicht nicht teilen konnte. Der Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums beschloss, in einer eigenen Forschungsarbeit zu untersuchen, ob elektromagnetische Felder im Frequenzbereich des Mobilfunks krebserregend sein könnten. Für sein Projekt erhielt er nun den Sonderpreis Mobilfunk. Der vom Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) gestiftete Preis wurde im Rahmen des Landeswettbewerbs Bayern von 'Jugend forscht' vergeben.

Um herauszufinden, ob elektromagnetische Felder im Mobilfunkbereich Zellmutationen auslösen, wendete Patrick Funke den so genannten AMES-Test an. Mit dem Test lassen sich mithilfe von Bakterien Mutagene identifizieren, die das Erbgut verändern. Der Versuchsaufbau: Der Schweinfurter Nachwuchsforscher positionierte ein eingeschaltetes und auf Anrufmodus gestelltes Mobiltelefon direkt neben der Bakterienkultur. Somit waren die Bakterien konstant in einem elektromagnetischen Feld. Sein Ergebnis: Auch nach 24-stündigem Testverlauf waren keine Mutagene zu entdecken. 'Daraus lässt sich schließen, dass kein erhöhtes Krebsrisiko besteht', erklärt Patrick Funke."

Quelle: Schweinfurter Tagblatt und IZMF


ZUM SCHLUSS IN EIGENER SACHE

(rps) Wegen unserer Präsenz auf der HAM RADIO 2010 in Friedrichshafen am Bodensee gibt es am nächsten Sonntag keine Ausgabe von HamRadio 2day und auch keine Aussendungen auf den Amateurfunkbändern. Reden Sie statt dessen einfach am Messestand mit uns!


Vy 73,
Ralph, DC5JQ