HamRadio 2day
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HamRadio 2day

Ausgabe 350 / 2010 vom 04.07.2010


Redaktion: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ
Autor: Dr. Ralph P. Schorn, DC5JQ (rps)
Kontakt:
dk0agz@agz-ev.de


ERFOLG: CLUBRUFZEICHEN WERDEN KOSTENLOS VERLÄNGERT

(rps) Wir brachten es in der letzten Ausgabe unseres Amateurfunkmagazins vor zwei Wochen: Die auf fünf Jahre befristeten und nun erstmals ablaufenden Clubstationsrufzeichen mit einbuchstabigem Suffix sollten nicht verlängert werden. Stattdessen verlangte die Bundesnetzagentur in ihrem Amtsblatt eine Neubeantragung zum Preis von 110 Euro. Das stieß natürlich auf unsere Ablehnung.

Persönliche Gespräche, die unter anderem der Vorsitzende der AGZ e.V. am Rande der HAM RADIO 2010 letztes Wochenende in Friedrichshafen am Bodensee mit Vertretern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie führte, lieferten einen vollen Erfolg: Ab sofort werden Rufzeichen mit einstelligem Suffix kostenlos verlängert. Einzige Bedingung: Der entsprechende Antrag muss vom Inhaber solcher Rufzeichen noch innerhalb von deren Laufzeit bei der Bundesnetzagentur gestellt werden. Wir bedanken uns!


HAM RADIO NACH WIE VOR EUROPAS GRÖSSTE AMATEURFUNKMESSE

(red) Auch die AGZ e.V. war erfolgreich mit ihrem Messestand vertreten. Die Freude an der Kommunikation mit Menschen aus aller Welt hat Funkamateure aus ganz Europa auch dieses Jahr auf die HAM RADIO gelockt: Drei Tage lang war die 35. Auflage der internationalen Amateurfunk-Ausstellung Anziehungspunkt für 16.800 Besucher. 185 Aussteller aus 29 Ländern präsentierten ihre Produkte. "Wir kombinieren abwechslungsreiche Aktionen mit hoher Fachlichkeit. Das bietet keine andere Amateurfunk-Ausstellung in Europa", so Messechef Klaus Wellmann. Letzes Jahr waren es noch 600 Besucher und zehn Aussteller mehr.

Umfangreiche Einkaufsmöglichkeiten wurden den Funkamateuren und Elektronik-Begeisterten in drei Hallen geboten. In der Besucherumfrage gaben 77 Prozent der Befragten an, etwas gekauft zu haben. Erstmals waren alle Neuwarenanbieter in einer Halle platziert. "Das Konzept hat Wirkung gezeigt, die Besucherzahl in der Rothaus-Halle A1 ist merklich angestiegen", erklärt Projektleiter Thomas Grunewald.

Dies bestätigen auch Michael Bürck und Gerold Geipert, Kenwood Electronics Deutschland GmbH: "Über die Besucheranzahl hier am Stand waren wir angenehm überrascht und sie übersteigt die Zahl vom Vorjahr. Wir haben zwei neue Produkte vorgestellt und freuen uns über die hervorragende Resonanz. Die HAM RADIO ist nach wie vor mit deutlichem Abstand die Amateurfunk-Ausstellung Nummer Eins in Europa, das hat sich dieses Jahr wieder bestätigt." Gianfranco Maciocci, Geschäftsführer der Sommerkamp Communications GmbH, äußerte sich ebenfalls positiv: "Wir haben ein leichtes Besucherplus an unserem Stand im Vergleich zum Vorjahr wahrgenommen und sind sehr zufrieden. Unser Hauptziel ist es, die Weltpremieren von Yaesu zu präsentieren. Diese wurden bereits in Fachmagazinen vorgestellt und viele Besucher sind gezielt gekommen, um die Produkte zu sehen."

Beeindruckt von der HAM RADIO zeigte sich Sabaan Mismar Al-Jassim, Generalsekretär Qatar Amateur Radio Society: "Wir waren zum ersten Mal hier in Friedrichshafen, um die Qatar Amateur Radio Society und die Union der Golfländer zu repräsentieren. Wir sind von der HAM RADIO beeindruckt, denn die Besucher kommen hierher, um sich auszutauschen und über ihre zukünftigen Projekte zu sprechen. Besonders aufgefallen ist, dass viele Kinder auf der Messe waren." Gute Noten erhielt die HAM RADIO 2010 von den Besuchern: 80 Prozent der Befragten befinden die Amateurfunk-Ausstellung für sehr gut und gut. 90 Prozent der Besucher gab an, im nächsten Jahr wieder kommen zu wollen.

Ein neues Gesicht bekommt die HAM RADIO 2011: Petra Rathgeber, Projektleiterin der Messen Motorradwelt Bodensee, Fruchtwelt Bodensee und Agrarwelt, wird ab sofort ebenfalls die Verantwortung für Europas größte Amateurfunkmesse übernehmen. Der bisherige Projektleiter Thomas Grunewald wird innerhalb des Unternehmens für neue verantwortliche Aufgaben in den Abteilungen Gastveranstaltungen und Business Development zuständig sein. Das nächste Mal funkt die HAM RADIO von 24. bis zum 26. Juni 2011 aus Friedrichshafen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter: www.hamradio-friedrichshafen.de.

Quelle: Pressemitteilung Messe Friedrichshafen


IN EIGENER SACHE: SOMMERPAUSE

(rps) macht HamRadio 2day ab heute. Die nächste Ausgabe erscheint voraussichtlich am 15. August 2010.


FRANKREICH: D-STAR ANGEBLICH ILLEGAL

(rps) Die französische Regulierungsbehörde ARCEP ist der Auffassung, D-STAR und möglicherweise andere digitale Protokolle seien illegal und damit für die dortigen Funkamateure verboten. Als Gründe führt die Behörde die mögliche Verwendung von Kryptografie bzw. Verschlüsselungsmethoden an. Solche Verfahren könnten die nationale Sicherheit gefährden. Eine weitere Gefährdung der nationalen Sicherheit stelle die bei D-STAR nicht auszuschließende und in Frankreich verbotene Möglichkeit dar, die Amateurfunkstelle mit dem Internet zu verbinden. Der proprietäre aber frei verfügbare AMBE-Voicecodec ist da nur von untergeordneter Bedeutung.

Die französischen Funkamateure sehen ihre fundamentalen Rechte verletzt. Sie fordern einen freien Zugang zum Internet mit ihren Amateurfunkstellen und die Erlaubnis moderner digitaler Verfahren. Sie bitten alle Funkamateure, insbesondere in Europa, ihre Petition im Internet zu unterzeichnen. Hier die URL: draf.asso.fr.


KOMMENTAR

(rps) Frankreich hatte schon immer ein Problem mit Kryptografie, Steganografie und digitalen Verfahren schlechthin. Dort darf der normale Bürger noch lange nicht das verwenden, was im Rest der Europäischen Union an der Tagesordnung ist. Import- und Nutzungsrestriktionen waren die Folge, was allerdings beim vorherrschenden Marktangebot an Software und dem freizügigen Warenverkehr in der EU gar nicht realisierbar ist. Eine Heerschar von Bürgern der französischen Republik wird wohl allein aufgrund der auf ihren PCs installierten Software formal das Gesetz brechen.

Nun trifft es also die Funkamateure. In meiner Sicht ist es ein Widerspruch in sich, einem wissenschaftlichen Experimentalfunkdienst das Experiment ausgerechnet mit innovativen Technologien zu untersagen – und die sind nun mal heute zwingend digital und lassen systembedingt, jedenfalls grundsätzlich, Verschlüsselung zu. Dasselbe gilt übrigens für Pactor, Packet-Radio, PSK und viele andere. Offenbar hat der französische Staat wenig Vertrauen in seine Funkamateure. Er unterstellt ihnen Schlimmes und fährt schweres Geschütz auf: die nationale Sicherheit. In Deutschland dagegen wollen wir die Amateurfunkverordnung nun derart ändern, dass bezüglich D-STAR kein Zweifel an der Legalität mehr bleibt: Experiment ohne Freiheit ist eben undenkbar. Das ist der richtige Weg. Einen schönen Sommer!


Vy 73,
Ralph, DC5JQ